My fair lady

My Fair Lady

 My fair Lady 3

Freilichtspiele Schwäbisch Hall 2010

 

Seit seiner Uraufführung am 15. März 1956 in New York ist dieses Musical von den Bühnen der Welt nicht wegzudenken. Die deutsche Erstaufführung fand am 25. Oktober 1961 im Berliner Theater des Westens statt und eroberte damit auch die deutschen Theaterbühnen.

Mit der Musik von Frederick Loewe und den Texten von Alan Jay Lerner (ins Deutsche übersetzt von Robert Gilbert) fesselt dieses Stück allabendlich die Zuschauer in irgendeinem Theater des Landes.

 

Seit 23.07.2010 ist dieses weltweit erfolgreiche Musical auch bei den diesjährigen Freilichtspielen Schwäbisch Hall auf der Großen Treppe zu sehen.

 In der Rolle der Eliza Doolittle war Leticia Thate zu sehen. Sie spielt das görenhafte Blumenmädchen aus der Gosse London´s, das sich durch Prof. Higgins Hilfe innerhalb von 6 Monaten zu einer Dame mausert, mit hervorragender schauspielerischer Leistung. Leider war sie an diesem Abend gesundheitlich sehr angeschlagen, was sich durch gesangliche Defizite bemerkbar machte. Einige Passagen waren mehr gesprochen als gesungen und die wenigen  gesungenen Teile wirkten, erklärlicherweise aufgrund ihres gesundheitlichen Zustandes, unsicher. Normal wird die Rolle der Eliza Doolittle von Barbara Ehwald  gespielt, welche an diesem Abend von Leticia Thate vertreten wurde. Offensichtlich wirkte sich das anhaltend schlechte und kühle Wetter in diesem Sommer auf die Gesundheit des Ensembles aus, so dass man nur hoffen kann, dass nicht noch mehr Mitglieder in den nächsten Tagen krankheitsbedingt ausfallen.

Udo Zepezauer singt und spielt den ungeduldigen, oberlehrerhaften und eigenbrödlerischen Professor absolut überzeugend. Er und sein Phonetik-Studien-Partner Oberst Pickering (Reinhold Ohngemach) ziehen das Publikum vor allem durch Szenen-Komik in den Bann und sorgen für einige Lacher während des gesamten Stückes.

Auch Steffen Scheumann als Vater von Eliza, Alfred P. Doolittle, kann in seinen Szenen – vor allem beim Besuch im Hause Higgins und vor seiner Hochzeit – durch starke Stimme und hervorragende Präsenz punkten. Ebenso Christine Häussler in der Rolle der Mutter des Professors, Mrs. Higgins. Sie hat durch ihr resolutes Auftreten und schlagfertiges, strenges Maßregeln ihres Sohnes die Zuschauer schnell auf ihrer Seite.

Beim Pferderennen in Ascot lernt Eliza den jungen Freddy Eynsford-Hill (Gerald Michel) kennen, der sich sofort in die Dame verliebt. Auch wenn Elizas Herz heimlich eher für den Professor schlägt, lässt es sich Freddy nicht nehmen, auf sie zu warten und erobert mit absolut starker Stimme wenigstens die Herzen des Publikums.

 

Die Inszenierung kommt mit wenigen, einfachen Requisiten aus, was beim Spiel auf der großen Treppe absolut zweckmäßig ist (Bühne und Kostüme: Katrin Busching). Diese doch sehr ungewöhnliche Bühne braucht kein großes Bühnenbild, hier wirkt schon die Kulisse allein. Die große Treppe führt direkt zur Kirche St. Michael, deren Hauptportal im romanischen Turm als Bühnenzugang und Eingang zum Backstage-Bereich (Garderoben etc.) dient. Der Marktplatz ist der Zuschauerraum, der von wunderschönen Gebäuden, wie dem barocken Rathaus, umsäumt wird. Allein, wie die Darsteller auf der Treppe agieren, lässt die Zuschauer manchmal den Atem stocken, vor allem wenn Alfred Doolittle im Rausch umherschwankt, das Ensemble Walzer tanzt oder sogar ein Rad schlägt (Choreographie: Sommer Ulrickson). Es handelt sich doch um eine eher steile Stein-Treppe mit schmalen Stufen.

Insgesamt ist die Schwäbisch-Haller Inszenierung dieses weltweit erfolgreichen Musicals unter der Regie von Christoph Biermeier absolut gelungen und macht Lust auf mehr.

 Die Darsteller werden musikalisch durch ein 14-köpfiges Orchester unter der Leitung von Willi Haselbek live begleitet.

„My Fair Lady“ war bis zum 22. August 2010 bei den Freilichtspielen Schwäbisch Hall zu sehen.

Infos und Karten unter www.freilichtspiele-hall.de

Fotos: Freilichtspiele Schwäbisch Hall, Jürgen Weller

Franziska Maier

Franziska Maier

> Offizielles Mitglied der "bdfj" Bundesvereinigung der Fachjournalisten e.V. > Studium der Germanistik, Geschichte, Politikwissenschaft und ev. Theologie* Beruf der Realschullehrerin (inkl. des Amtes der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit) > Journalistische Tätigkeit bei diversen Magazinen (Veröffentlichung von Artikeln u.a. bei Da Capo, Thats Musical, Blickpunkt Musical, Esslinger Zeitung...)