Bodo Wartke

Bodo Wartke: „Noah war ein Archetyp“ im Kölner Theater am Tanzbrunnen

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„Klavierkabarett in Reimkultur“: So umschreibt Bodo Wartke sein Programm, „Klavier und Gesang, und zwar gleichzeitig.“ Drei Klavierkabarettprogramme und eine Ein-Mann-Adaptation des Ödipus-Sujets hat der 33-jährige Künstler im Repertoire und spielt diese Programme auch alle abwechselnd. Dies hat ihm nicht nur diverse Auszeichnungen eingebracht, darunter den Deutschen Kleinkunstpreis in der Sparte Chanson 2004, sondern auch eine stetig wachsende Fangemeinde, die ihn als ein wahres Allround-Talent erleben kann: Er ist charmanter Conférencier und humorvoller Dichter ebenso wie Kabarettist, Komponist und Pianist und vereint diese Facetten seines Könnens mit Einmaligkeit und scheinbarer Leichtigkeit.

 

Mit seinem dritten Klavierkabarettprogramm „Noah war ein Archetyp“ gastierte er am 25. September 2010 im ausverkauften Theater am Tanzbrunnen in Köln.

 

„Bodo Wartke singt Lieder, die heißen wie Frauen.“ Dies treffe, so Wartke, den Inhalt seines Programms, das mit Noah selbst wenig zu tun habe. Doch es geht nicht nur um Frauen und um die Liebe, sondern auch um verschiedenste andere Themen: Zwölftonmusik, PC-Probleme, den Regen, die Amerikaner – all dies präsentiert Wartke in energiegeladenenen Liedern, sanften Balladen und pointierten Gedichten mit augenzwinkerndem Humor und tiefsinnigem Sprachwitz.

Wer nun jedoch glaubte, das bereits seit einigen Jahren gespielte Programm schon zu kennen, wurde wiederholt überrascht. Abwechslung bereitete nicht nur Wartkes aus Berlin angereiste dreiköpfige „Schönen Guten A-Band“, die mit schmissigen Arrangements der bekannten Songs für gute Stimmung sorgte, sondern es fanden auch neue Lieder und kurze Gedichte/Zweizeiler Eingang ins Programm. Erwähnt werden soll hier insbesondere das Stück „Bettina“, in dem Wartke sich als Tausendsassa virtuoser Unterhaltung zeigte und demonstrierte, dass Trommeln, Singen und Klavierspielen gleichzeitig möglich ist.

 

Einige kleine Verspieler im Laufe des Abends mögen ihm verziehen werden. Die gefühlvollen Stücke „Ich vermiss’ dich“ und „90 Grad“ wurden jedoch diesmal etwas emotionsloser und zügiger präsentiert als man es von ihm kennt und ließen den sonst üblichen Tiefgang vermissen. Wartke wirkte hier etwas unkonzentriert, fing sich aber rasch wieder und fand bald zu seiner üblichen Form und Spielfreude zurück. Spontan gab er zum Beispiel einer Zeile seines Stückes „Verena“ einen Lokalbezug (in dem er auf die Kölner LANXESS-Arena hinwies) und zeigte auch im Spiel mit dem Publikum die gewohnt charmante Liebenswürdigkeit. Erst am Ende des Programms erklärte er, dass er sich krank fühlte (und daher auch nicht für Autogramme zur Verfügung stehe). Dennoch tat dies dem Gesamteindruck keinen Abbruch: Wie immer vereinte Bodo Wartke grandiose Musikalität und verspielten Wortwitz zu einem gelungenen „runden“ Abendprogramm auf hohem Niveau.

 

 

Als sich am Ende das Publikum mit einem Ruck von den Plätzen erhob und andauernden Applaus spendete, war auch der Künstler sichtlich beeindruckt. Kurz und gut: Bodo Wartke hat wieder einmal Standing Ovations verdient.

Bericht: Sandra Niggemann

Foto: Nele Martensen

Franziska Maier

Franziska Maier

> Offizielles Mitglied der "bdfj" Bundesvereinigung der Fachjournalisten e.V. > Studium der Germanistik, Geschichte, Politikwissenschaft und ev. Theologie* Beruf der Realschullehrerin (inkl. des Amtes der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit) > Journalistische Tätigkeit bei diversen Magazinen (Veröffentlichung von Artikeln u.a. bei Da Capo, Thats Musical, Blickpunkt Musical, Esslinger Zeitung...)