Hinterm Horizont CD Rezension

Hinterm Horizont (2010)

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Udo Lindenberg ist unbestritten Künstler, der sich wie kein anderer mit der deutsch-deutschen Geschichte in seinen Liedern befasst hat. So kam man eben auch auf die Idee die Handlung des Jukebox – Musicals über ich, mit einem dementsprechenden – auch wohl nicht ganz frei erfundenen – Handlungsstrang zu versehen. Von dem bekommt man leider auf der CD selber nicht allzu viel mit, was aber nicht weiter schlimm ist. Wichtig ist die in dem Booklet ausreichend beschriebene Grundsituation. Jenes beinhaltet zwar Besetzung und Inhaltsangabe aber leider auch keine Liedtexte.

 

Ansonsten ist die CD aber sehr ansprechend und nicht nur was für Lindenberg-Fans. Ich habe das an mir selbst gemerkt, denn obwohl ich kein Fan bin, hat mir die CD echt Spaß gemacht. Direkt der erste Titel machte Lust auf mehr. „Mädchen aus Ostberlin“ ist sehr schön arrangiert, vom Piano getragen und passt als Einstieg wie die Faust aufs Auge. Serkan Kaya als Udo ist eine Idealbesetzung. Er schlüpft wunderbar in die Rolle ohne Parodie oder Kopie zu sein. Er findet diesen herrlichen Mittelweg, der ihn selbst als Künstler auch nicht vergessen lässt. Wer nämlich Serkan Kaya bereits als Lucheni (Elisabeth) und Galileo (We Will Rock You) gehört hat, erkennt auch die für ihn typische Kollaturen. Dieser Umstand macht ihn zu einem absoluten Hauptgewinn.

 Josephin Busch wirkt nicht nur stimmlich neben ihm immer etwas verloren. Sie erscheint gar  auf der CD nicht wie eine Hauptrolle, sondern bleibt in ihren Soli immer im Vergleich sehr blass. Das gilt aber nicht nur für sie. Die gesamte Cast bleibt doch sehr hinter Kaya zurück. Dies liegt aber nicht daran, dass sie irgendwie schlecht wären – ganz im Gegenteil. Es bewahrheitet sich einfach nur der Spruch: „Große Bühnenpräsenz kann man auch hören.“

 

Ingesamt gesehen hat man das Gefühl, was sich schon bei Mamma Mia! eingestellt hat: die Songs sind alle für dieses Musical geschrieben und nicht anders herum. Das liegt aber auch an der absolut gelungenen Story, die eben auch nicht so nebenher läuft, sondern sehr wichtiger Bestandteil der Show ist und die auch vom Zuhörer nie vergessen wird. Diese Tatsache macht schon die Highlight CD zu einer sehr runden Angelegenheit.

 

Trotzdem ist jedes Lied auch immer wieder neu. Es geschieht ja manchmal, dass alle Lieder so in einem Einheitsbrei versickern, was so eine CD dann nach 20 Minuten sehr langweilig erscheinen lässt. Davon ist hier keine Spur. Jedes Lied ist irgendwie anders und man ist richtig gespannt auf das nächste. So kann man auch keines besonders hervorheben, weil alle auf ihre Art interessant sind. „Moskau“ beispielsweise mit seiner gelungenen coleur locale, „Seid willkommen in Berlin“ mit dem Hymnencharakter, „Ganz anders“ mit cooler Gesamtstimmung, …

  

Der Bonustrack „Hinterm Horizont“ ist dann wieder was für Fans, da hier Udo Lindenberg auch selbst singt. Ist an sich auch eine gute Sache, wäre jetzt meiner Meinung nach aber nicht unbedingt nötig gewesen, da es ja nicht direkt Highlight jeder Show ist. (Man hört ja davon, dass Udo Lindenberg immer mal wieder das Musical besucht …) Für die Promotion ist es eben aufgenommen und auch im Gesamten ganz in Ordnung.

  

Zusammenfassend kann man sagen, dass diese CD besonders durch Serkan Kaya und den Umgang mit den Musiktitel auch für Menschen, die keine Lindenberg-Fans sind, durchaus zu empfehlen ist. Für Fans von Jukebox-Musicals ist die CD beinahe ein Muss, da es nach Ich war noch niemals in New York wieder mal ein gelungenes Musical dieses Genres aus Deutschland ist.

 

Von Philipp Kroiß

Franziska Maier

Franziska Maier

> Offizielles Mitglied der "bdfj" Bundesvereinigung der Fachjournalisten e.V. > Studium der Germanistik, Geschichte, Politikwissenschaft und ev. Theologie* Beruf der Realschullehrerin (inkl. des Amtes der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit) > Journalistische Tätigkeit bei diversen Magazinen (Veröffentlichung von Artikeln u.a. bei Da Capo, Thats Musical, Blickpunkt Musical, Esslinger Zeitung...)