Eurovision Song Contest 2011

Einmal Düsseldorf und zurück. ..

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In diesem Jahr fand der Eurovision Song Contest in Düsseldorf statt. Nachdem im Jahr 1982 die Sängerin Nicole, damals gerade süße 16 Jahre alt, mit ihrem Song “ein bisschen Frieden”, gesiegt hatte, schaffte Deutschland es jahrzehntelang nicht mehr, an diesen Erfolg anzuknüpfen. Alles wurde versucht, verschiedene Musikrichtungen, spezielle Shows, komödiantische Darbietungen, aber nichts half-Deutschland blieb erfolglos und sieglos! Daher war es umso erstaunlicher, dass im vergangenen Jahr erneut eine junge Schülerin es schaffte, Deutschland nach 18 Jahren den Sieg wieder ins eigene Land zu holen: Lena Meyer-Landruth überzeugte durch ihre unkonventionelle Art, ihre Natürlichkeit sowie einen eingängigen Popsong, der im Radio rauf und runter gespielt wurde. Lange wurde überlegt, wurden diese Veranstaltung ausgerichtet werden würde und die Wahl fiel auf Düsseldorf, da dieser über die größte Arena verfügten, nämlich die Esprit Arena, in die 36.000 Menschen passen. Für mich war sofort klar, sollte der Song Contest wieder einmal nach Deutschland kommen, werde ich persönlich vor Ort sein!

Ich habe mich entschieden, diesen Bericht hier nicht sachlich, sondern eher aus der persönlichen Sicht zu schreiben, da mich sehr viel mit diesem Ereignis verbindet. 1982 war ich noch ein kleines Kind und bekam natürlich Nicoles großen Erfolg nicht richtig mit. Allerdings sah ich bereits, wie dieses Fernsehereignis die Menschen berührte und Beschäftigte. Ich begann, Jahr für Jahr die Sendung anzusehen und mit zu fiebern. So landeten einige erfolgreiche Hits, die Deutschland beisteuerte, als Schallplatte in meiner Sammlung und ich bin bis heute stolz darauf, diese mein Eigen zu nennen. Als im Laufe der Zeit Deutschland immer schlechter Abschnitt, stellte sich auch bei mir ein gewisser Frust ein. Was machten wir falsch? Oder war es doch ein reines Politikum, in dem Deutschland einfach keine Chancen mehr hatte? In diesem Falle würde es keinen Spaß mehr machen, die Veranstaltung anzusehen. Doch die große Wende kam im vergangenen Jahr 2010 als Siegesjahr Deutschlands. Ganz Deutschland war im Lena-Fieber. Doch als verkündet wurde, dass Lena ihren Sieg im Jahr 2011 verteidigen wollte und nochmals erneut antritt, sah ich der Sache sehr skeptisch entgegen. Bisher klappte solch ein Vorhaben nie und auch die Sängerin Nicole konnte man im Laufe der Jahrzehnte nicht überzeugen, noch einmal beim Song Contest anzutreten. Ich glaube, dass ich selbst auch nicht diesen Schritt gewagt hätte und so muss man Lena einerseits doch eine große Portion Mut zu schreiben, andererseits war es auch ein gelungener PR Gag, den Stefan Raab erschuf. So riss Raab auch wieder alle Vorentscheide an sich und Lena trat gegen sich selbst in mehreren Sendungen an allerdings langweilte dies auch zum Teil das Publikum und erste Kritiker wurden laut. Die Lieder, die Lena damals präsentierte, waren allesamt nicht sehr eingängig und keine Nummer hatte das richtige Zeug dazu, tatsächlich ein neuer Siegertitel für Deutschland zu werden. Dennoch fand sich ein neuer Song für Lena und das mysteriös anmutende „Taken by a stranger“ fand doch etliche Fans. Ich persönlich konnte mich nicht so mit diesem Lied anfreunden, allerdings muss man Lena wirklich eines lassen, sie schaffte es, auch diesen Titel überzeugend zu präsentieren. Über die Tänzerinnen im Hintergrund lässt sich streiten. Allerdings war von vornherein klar, dass Lena nicht erneut siegen wird.

Doch nun zurück zu meiner Geschichte. Als der Startschuss für den Ticketverkauf fiel, brach selbstverständlich sofort der Server zusammen. Die ganze Welt wollte Karten für den 14. Mai 2011 kaufen! Und so dachte ich zuerst, dass sowieso keine Chance bestehen würde, live in Düsseldorf dabeizusein. Doch es gibt ja bekanntlich noch andere Möglichkeiten und so ergab es sich, dass Karten für das so genannte Juryfinale, welches am 13. Mai ausgerichtet wurde, zur Verfügung standen. Besonders die Presse sieht bei dieser Sendung, die auch mit Kameras aufgezeichnet wird, alle Final Teilnehmer sowie die gesamte Show, die beim Finale präsentiert wird. Man könnte es auch eine Art Generalprobe nennen. Es werden ebenso die verschiedenen Jurys aus allen Ländern zugeschaltet und natürlich ist es auch ein Probedurchlauf für die gesamte Technik. So war es mir also doch möglich, meinen geliebten Song Contest zu besuchen und gleichzeitig mir noch vor dem eigentlichen Finale einen persönlichen Eindruck von allen Finalisten zu schaffen. Hinzu kommt noch, dass man einige Fotos machen durfte, ebenso Filmaufnahmen, die so in dieser Form sonst nicht existieren. Da Düsseldorf nur rund 2 h von Stuttgart entfernt ist, kam mir dies natürlich auch sehr entgegen. Und obwohl er 13. Mai für mich äußerst stressig war, lohnte sich der Aufwand! Die Stimmung im Saal war phänomenal, die ganze Welt feierte friedlich miteinander und Kriege, politische Querelen oder auch Alltagsprobleme waren plötzlich fern.

Im Vorfeld besorgte ich mir natürlich die offizielle CD zur Show und ich hörte aufmerksam in die Lieder herein. Da mir immer die ernsthafteren Titel besser gefallen, hatte ich schnell meine Favoriten gefunden: Frankreich und Österreich  – die Balladen dieser Länder waren eingängig und anders als die anderen. Doch ob diese wirklich eine Chance hätten? Insgeheim glaubte ich dies nicht. Meine weiteren Favoriten waren Großbritannien und Schweden, hier handelt es sich um eingängige Popsongs, mit gut gemachten Shows. Doch wie würde tatsächlich das Ergebnis ausfallen? Und wie würden die Menschen beim Juryfinale auf die einzelnen Acts reagieren?

Live vor Ort in der Halle wurden besonders die Beiträge aus Irland, Schweden, Großbritannien oder auch Spanien gefeiert. Also meistens die gute Launesongs. Beim österreichischen Beitrag war schön zu sehen, dass lauter Deutschland Fahnen geschwenkt wurden uns unsere Nachbarn sozusagen ein Teil unseres Landes wurden. Jedes Land wurde aber fair bejubelt und gefeiert. Allerdings fiel mir ein weiterer Beitrag auf, den ich auf der CD eigentlich überhaupt nicht beachtet hatte: nach 14 Jahren kehrte Italien zurück, mit einer sehr mutige Nummer. Eine Art Jazz Song, im New Orleans Style. Wirklich mutig, solch einen Beitrag zu schicken, da er absolut nicht der Norm entsprach. Dennoch fiel er durch große Musikalität auf und dadurch, dass er anders war als die anderen. So kam in mir doch der heimliche Favorit Italien auf, obwohl mir persönlich dieses Lied nicht so am Herzen lag. Der Fairness halber muss man jedoch sagen, dass jedes Land sich große Gedanken machte und wirklich seinen besten Beitrag schickte. Letztendlich entscheidet aber der Geschmack des Einzelnen, aber leider auch wieder indirekt die Nachbarschaft zu manchen Ländern!

Vor allem beim Finale am 14. Mai 2011 wurde diese Tatsache wieder stark bewusst. Da bereits die Punktevergabe immer einen Kritikpunkt war, da sich die meisten Nachbarländer die Punkte zuschieben, versuchte man in den letzten Jahren, diese Tatsache zu entschärfen. 50 % der Stimmen werden von einer Jury vergeben und 50 % vom Publikum. Und dennoch war es wieder dasselbe: so bekamen alle Ostblockländer gegenseitig die höchsten Punktzahlen und das in vorherbestimmbarer Reihenfolge. Beiträge wie der Song von Österreich blieben leider etwas auf der Strecke, da hier kaum Nachbarländer für Sie da waren, außer Deutschland, welches Österreich zwölf Punkte verlieh und das zu Recht. Sieger wurde letztendlich das Duo aus Aserbaidschan, mit einem eingängigen Popsong, der jedoch im Vorfeld nie Als Sieger gehandelt wurde. Schweden folgte Aserbeidschan einige Zeit und sah sogar zeitweilig als Sieger aus. Doch dann war da noch Italien! Anfangs eher im Mittelfeld zu finden, kletterte dieses Land stetig weiter an die Spitze und so schaffte es tatsächlich Italien auf Platz zwei. Für mich wäre natürlich ein anderes Land vorne gewesen und ich hätte mich sehr über einen Sieg von Schweden gefreut. Dennoch gönne ich es Aserbeidschan von Herzen, da diese erst seit vier Jahren dabei sind und bisher konstant gute Leistungen ablieferten. Die Schweiz war sehr weit abgelegen, obwohl man auch vermutete, dass die Sängerin, ihrem eingängigen Lied sowie ihrer Ähnlichkeit zu Lena, stärker punkten würde. Lena selbst landete auf Platz zehn. Mit einer großen Souveränität präsentierte sie ihren Song und wurde selbstverständlich frenetisch gefeiert. Eines muss man ihr lassen: für ihre jungen Jahre ist sie bereits ein echter Profi und sie schafft es, die Massen zu begeistern!

Was unsere deutschen Kommentatoren und Moderatoren angeht, so kann man nur Worte des Lobes finden. Durch die Sendung führten Anke Engelke, Stefan Raab und Judith Rakers. Engelke bestach durch ihr Talent, perfekt in Englisch und Französisch zu moderieren. Hinzu kam, dass eine gewisse Leichtigkeit die Show durchzog und Deutschland sich der Welt als sehr locker und auch humorvoll präsentierte. Die drei Moderatoren schafften es also, Deutschland in einem sehr guten Licht dastehen zu lassen. Dabei kam die Musik auch nicht zu kurz, da Raab des Öfteren selbst zur Gitarre griff oder auch Anke Engelke mit Stefan Raab zusammen im Duett sang. Deutschland hat also auch Alround Talente zu bieten und nicht nur steif darstellende und stets grinsende Präsentationen, wie in den meisten Ländern.

Für mich war diese Reise nach Düsseldorf ein besonderes Erlebnis sowie eine Erfüllung meines Kindheitstraum ist. Darum gehe ich in diesem Bericht auch nicht speziell auf die einzelnen Beiträge ein, da ich allesamt sehr gelungen fand und jedes Land sich Mühe gab und für eine besondere Vielfalt des diesjährigen Song Contests sorgte.  Es heißt ja nicht umsonst: möge der Beste gewinnen. Und wer nun der Beste ist, nun, dies ist Geschmackssache oder eben eine gute Fügung der Punktevergabe. Ich bin stolz, Teil dieses Events gewesen zu sein und zur Erinnerung habe ich natürlich einige Fotos sowie Merchandising Artikel mitgebracht. Das Jahr 2011 wird mir also stets in guter Erinnerung bleiben!

Bericht: Franziska Maier

Fotos: ESC – NDR

Franziska Maier

Franziska Maier

> Offizielles Mitglied der "bdfj" Bundesvereinigung der Fachjournalisten e.V. > Studium der Germanistik, Geschichte, Politikwissenschaft und ev. Theologie* Beruf der Realschullehrerin (inkl. des Amtes der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit) > Journalistische Tätigkeit bei diversen Magazinen (Veröffentlichung von Artikeln u.a. bei Da Capo, Thats Musical, Blickpunkt Musical, Esslinger Zeitung...)