Musical Blue Jeans

„Blue Jeans“ – 50ies Feeling forever

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Die 50er Jahre gelten bis heute als Zeiten des Umbruchs. So wurde diese Ära besonders durch den Wiederaufbau nach dem 2. Weltkrieg geprägt sowie durch Fortschritte aller Art. Doch auch in der Musik fand eine regelrechte Revolte statt – Legenden wie Elvis Presley eroberten die Musikwelt und die Teenager der damaligen Zeit lehnten sich oftmals gegen die konservative Erziehung des eigenen Elternhauses auf. Dass Mädchen einmal Hosen tragen würden, ja sogar diese engen „Blue Jeans“, war in den Augen der Erwachsenen noch undenkbar. Auch in Deutschland wurden Künstler wie Peter Kraus und Conny Froboess zu den Ikonen der Jugendlichen. In einer Zeit, in der eine Gesellschaft sich und ihre Stärke wiederfinden musste, gehörte auch diese musikalische Veränderung dazu. Und wer heute den Begriff „50er“ hört, der hat sofort Mädchen mit Pferdeschwänzen und Petticoats im Kopf.

Genau dieses Bild wird auch in Jürg Burths und Ulf Dietrichs Musical „Blue Jeans“ aufgegriffen. Das Stück läuft erfolgreich seit dem 16.12.2011 im Alten Schauspielhaus Stuttgart. Bereits 1994 wurde es im Berliner Theater des Westens uraufgeführt und durch die humorvolle Schilderung der damaligen Zeit wird es auch sicherlich noch in einigen Jahren ein Evergreen der Musicalbranche sein.

Bereits die Eröffnungsszene des Musicals macht klar, in welcher Zeit wir uns befinden: Junge Damen in Petticoats tanzen mit adretten Herren, begleitet werden sie von einer Band, die über den Darstellern auf einer Empore direkt auf der Bühne platziert ist. Ein typisches Unterhaltungsprogramm der 50er Jahre – die Erwachsenen gehen aus, um zu tanzen und um gesehen zu werden. Dass im Liedtext noch auf die damalige Situation der Konjunktur angesprochen wird, ist ein passender Gag – „Geh´n Sie mit der Konkunktur“!

 

Die Band wird nach dieser Szene passend hinter einem großen, weißen Vorhang versteckt, der je nach Bedarf herauf- und herabgelassen werden kann. Sobald die Szenerie wechselt und das Geschehen sich im Haus der Hauptprotagonisten abspielt, ist die Band nicht mehr zu sehen. So wird das Haus der Familie Neumann zu einer der Hauptspielstätten. Eberhard Neumann (Christian Fischer), seines Zeichens erfolgreicher Kaufhausbesitzer, lebt mit seiner Frau Hilde (Stephanie Theiß) und der 17jährigen Tochter Lisa (Jessica Kessler) in einem soliden Zuhause, welches passend mit Polstermöbeln im Stil der 50er Jahre eingerichtet ist. Frl. Schlösser (Antje Rietz) achtet als Hausangestellte auf Ordnung, dabei sind ihre optischen Reize durchaus so verlockend, dass nicht nur der Hausbesitzer ab und an ein Auge auf die Dame wirft. Lisas Verlobungsfeier steht an, sie soll Frank Karsuntke (Tobias Fischer) heiraten. Der Sohn von Baustadtrat Rudolf Karsuntke (Axel Weidemann) und dessen Gattin Hannelore (Manuela Romberg) ist mit Hornbrille nicht gerade der Rebell seiner Zeit. Dennoch passt alles, laut den Eltern, perfekt zusammen und Karsuntke sowie Neumann planen auch zukünftig diese private „Fusion“ im geschäftlichen Bereich zu erweitern. Alles wäre perfekt, würde nicht der KFZ Mechaniker Tom (Michael Starkl) auftauchen und Lisa den Kopf verdrehen. Mit Blue Jeans und weißem T-Shirt gibt er das typische Bild eines 50er Jahren Heldens ab und Lisa verliebt sich Knall auf Fall in den singenden und Hüften schwingenden jungen Mann, der so ganz und gar das Gegenteil ihres schüchternen Verlobten ist. So verbringen die beiden eine Nacht mit Folgen…Lisa ist schwanger und erwartet ein Kind von Tom. Sie kann sich jedoch nur ihrer Mutter anvertrauen und diese gibt ihr den Rat, das Kind Frank unterzuschieben, dann würde es keinen Skandal geben und alles wäre perfekt. So verschweigt Lisa Tom auch diese Vaterschaft und es gelingt ihr, Frank zu verführen. Dass jedoch auch Frank zwischenzeitlich nicht von einer Hochzeit mit Lisa begeistert ist, wird durch die Tatsache klar, dass er Frl. Schlösser durchaus anziehend findet und sich mit ihr einlässt. Das Hausmädchen, das in der Öffentlichkeit bieder wirkt und dennoch eher ein leichtes Mädchen ist, das sich auch mit dem amerikanischen GI Johnny (Luigi Scarano) eingelassen hat, erwartet nun zu allem Überfluss ein Kind von Frank – dies kommt allerdings erst bei der Hochzeit von Lisa und Frank heraus…wie die beiden Familien diesen Skandal meistern und wie sich Lisa entscheiden wird, ob sie ihrem Herzen folgt und Tom wählt oder doch Frank heiratet, sehen Sie noch bis zum 04.02.2012!

 

Dass bei diesem Musical der Schwerpunkt auf der Musik liegt, wird bereits im ersten Akt klar. So wird die Handlung stets durch passende Titel unterbrochen und ergänzt, während die Sprechparts eher im Hintergrund angesiedelt wurden. So wechseln sich bekannte Schlager, wie „Mit 17 hat man noch Träume“ mit Evergreens („Capri Fischer“) oder Rock´n´Roll Songs (Blue Jeans Boy, Rock around the clock…) ab. Dass alle Darsteller eine hervorragende Leistung bringen, sei an dieser Stelle besonders hervorgehoben. Sie verkörpern ihre Bühnencharaktere glaubwürdig und singen die jeweiligen Titel voller Emotionen und Ausdruck. Besonders zu erwähnen seien hierbei Stephanie Theiß, die über ein sagenhaftes Stimmspektrum verfügt und sowohl die tiefen als auch hohen Töne mit Leichtigkeit trifft und Jessica Kessler, die bereits beim Musical „We will rock you“ als „Scaramouche“ auf den großen Bühnen Deutschlands und Österreichs zu sehen war. Einzig das Ensemble ist bei manchen Songs stimmlich schwächer anzusiedeln und so manch ein mehrstimmiger Harmoniegesang klingt etwas schräg. Doch dies fällt nicht weiter ins Gewicht, da es ja um den Gesamteindruck und nicht um einen Gesangswettbewerb geht. Die Begleitband sei an dieser Stelle ebenso zu nennen. Faszinierend ist, wie flexibel diese Kombo ist und spätestens, wenn der Bassist seinen ursprünglichen Platz über der Bühne verlässt und auf der Bühne mit akrobatischen Einlagen seinen Contrabass spielt, ist die Begeisterung des Publikums nicht mehr aufzuhalten.

Das 50er Jahre Feeling erfasst jeden im Saal und wenn am Ende „Rock around the clock“ angestimmt wird, hält es die Zuschauer kaum noch auf ihren Stühlen. Dass Ulf Dietrichs Inszenierung mit wenigen, jedoch gezielt eingesetzten Kulissen auskommt, sei ebenso positiv zu bewerten. So ist Dietmar Teßmanns Bühnenbild passend zur Zeit der 50er Jahre ausgewählt und besondere Requisiten, wie eine überdimensional große Schallplatte oder eine Harley Davidson sorgen für Staunen beim Publikum. Barbara Kesslers Kostüme bestechen mit Detailtreue und die bunten Farben der Kleider sorgen ebenso noch für gute Laune. So ist „Blue Jeans“ nicht nur ein Stück für die Ohren, sondern auch ein Augenschmaus.

Wer tiefschürfende Unterhaltung und Problembewältigungen auf der Bühne erwartet, der ist bei „Blue Jeans“ falsch. Doch wer gerne gute musikalische Unterhaltung, gepaart mit dem nötigen Humor liebt, dem sei dieses Stück wärmstens ans Herz gelegt.

Tauchen auch Sie in die Welt der 50er Jahre ein und erinnern Sie sich an diese Zeit, in der auch Sie Blue Jeans und/oder Petticoats trugen. Oder nehmen Sie Ihre Kinder und Enkel mit, die sicherlich viel Gefallen an diesem Musical finden werden, auch wenn sie nicht hautnah in den 50ern dabei waren. Diese Epoche lebt ewig und das nicht nur durch die unverwechselbare Musik! 50ies forever – Blue Jeans sorgt dafür, dass die 50er unvergesslich bleiben!

 

Weitere Infos und Tickets unter:

www.schauspielbuehnen.de

Bericht: Franziska Maier

Foto: schauspielbuehnen.de

Franziska Maier

Franziska Maier

> Offizielles Mitglied der "bdfj" Bundesvereinigung der Fachjournalisten e.V. > Studium der Germanistik, Geschichte, Politikwissenschaft und ev. Theologie* Beruf der Realschullehrerin (inkl. des Amtes der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit) > Journalistische Tätigkeit bei diversen Magazinen (Veröffentlichung von Artikeln u.a. bei Da Capo, Thats Musical, Blickpunkt Musical, Esslinger Zeitung...)