Interview mit Magier Julius Frack

 julius_frack

1. War es von klein auf dein Wunsch, einmal ein Magier zu werden oder gab es erst ganz andere Berufswünsche?
Als Kind wollte ich immer Lastwagenfahrer werden, weil ich es toll fand herumzureisen. Jetzt als Zauberer ist es so ähnlich gekommen, ich bin viel im Auto unterwegs, um zu all den Auftritten im In- und Ausland zu kommen. Manchmal komme ich mir echt wie ein Lastwagenfahrer vor… Als ich die Zauberei mit 15 entdeckte habe ich nicht daran gedacht, dass ich dieses Hobby einmal zum Beruf machen würde. Nach der Schule habe ich Biologie und Geographie auf Lehramt studiert und sogar das Referendariat gemacht.

2. Gab es ein bestimmtes Erlebnis, bzw. einen Auslöser für dich, dass du das Zaubern erlernen wolltest?
Das war der erste Auftritt als Zauberer: Wenn man einmal erlebt hat, wie es sich anfühlt sein Publikum durch Zauberei zum Staunen zu bringen, dann will man dieses Gefühl immer wieder haben. Eine faszinierende Welt eröffnet sich.

3. Erinnerst du dich noch an deinen ersten Zaubertrick, den du deiner Familie oder Freunden vorgeführt hast?
Ja, das war der Chicagoer Billardballtrick, ich habe ihn am Ende der Projektwoche vorgeführt, bei der ich zum ersten Mal gezaubert habe. Dieses Kunststück gilt als besonders schwierig und ich habe es in nur wenigen Tagen gelernt. Alle haben darüber gestaunt und für mich war es ein furioser Beginn.

4. Hat deine Familie dich aktiv unterstützt und dir z.B. diese berühmten Zauberkästen gekauft?
Meine Eltern ahben mich sehr unterstützt und mich zu vielen Auftritten und Zauberertreffen gefahren. Als Kinder hatten meine Geschwietr und ich auch einen Zauberkasten und wir haben immer wieder Vorstellungen gemacht. Zwischen diesen Aufführungen und dem Beginn der intensiven Beschäftigung mit der Zauberei lagen allerdinsg ein paar Jahre.

5. Wurdest du auch in der Schule bereits gefördert und durftest bei Events auftreten?
Ich sollte, durfte und musste natürlich bei vielen Schulveranstaltungen auftreten, auch wenn wir Besuch hatten haben meine Eltern gefragt, ob ich nicht etwas zaubern wolle. Das hat mr nicht immer in den Kram gepasst, war aber eine gute Schule um Auftrittserfahrung zu sammeln.

6. Ursprünglich hast du auf das Lehramt studiert, also einen sehr geradlinigen Weg eingeschlagen – was brachte dich dazu, diesen Weg zu verlassen und den Beruf nicht auszuüben?
Wenn ich einmal zurück blicke, dachte ich mir, will ich wenigstens ein paar Jahre nur vom zaubern gelebt haben, dachte ich mir. Und so wagte ich nach Studium und Referendariat den Sprung ins kalte Wasser. Es lief dann gleich alles super und ich bin jetzt schon weit vielen Jahren Zauberer. Den Lehrerberuf habe ich als Notnagel im Hintergrund, ausserdem habe ich in der Zeit des Studiums und des Referendariats viel gelernt, für’s Leben und auch für’s Zaubererdasein. Ich empfehle daher allen meinen Schülern eine gute Ausbildung zu geniessen, auch wenn sie Zauberer werden wollen.

7. Als Magier und Illusionist konntest du sicherlich schon einige Preise dein Eigen nennen – welche waren für dich die größten Trophäen, die du erhalten hast?
Der Gewinn der Deutschen Meisterschaften als Gesamtsieger im Jahre 1996 war der Startschuss für viele Auftritte und Reisen, ich habe diesem Preis sehr viel zu verdanken. Ohne Zwifel ist natürlich der Gewinn der Weltmeisterschaften in diesem Jahr die höchste aller Auszeuchnungen, die ich gewinnen konnte.

8. Du wurdest in diesem Jahr zum Weltmeister der Illusion gekürt – kannst du uns genauer erklären, wie es dazu kam und was du alles vorgeführt hast, um den Titel zu erreichen?
Bei Wettbewerben dieser Art treten viele Zauberer aus allen Teilen der Welt an. Es gewinnen jedoch meistens die Darbietungen, in denen etwas neues, noch nie dagewesenes zu sehen ist. Ich führte drei Illusionen vor, eine Erscheinungsillusion, eine Schwebe und ein Verschwinden. Allen drei Effekten haben meine Partnerin Cindy Keller und ich einen besondere Note gegeben. Wir haben die Effekte verbessert, in ungewöhnlichen Requisiten verpackt (wie z.B. eine Orchetertrommel) oder bei der Methode ganz neue Wege beschritten, wie bei der Erscheinungsillusion. Das wurde von der Jurs stark honoriert, v.a weil selbt die Fachleute sich am Ende nicht erklären konnten, wie wir es gemacht hatten.

9. Gab es im Vorfeld schon bestimmte Kriterien, die man erfüllen musste, um überhaupt an diesem Wettbewerb teilnehmen zu können?
Man muss sich für die Deutschen Meisterschaften qualifizieren und dann dort einen der ersten drei Plätze belegen, um zur WM zu dürfen.

10. Es gibt im TV häufig Sendungen, die sich mit Übernatürlichem etc. beschäftigen – wäre für dich eine Teilnahme bei „The next Uri Geller“ auf Pro 7 z.B. in Frage gekommen oder lehnst du diese Art von Auftritte völlig ab?
Tatsächlich wurde ich gefragt, ob ich teilnehmen will, aber Casting-Shows, egal in welchem Bereich, mag ich überhaupt nicht, Nie stehen die Teilnehmer im Vordergrund, es profilieren sich die Juroren, die Teilnehmer sind nur die Masse, die irgendetwas abliefern muss. Und wenn die Sendung vorbei ist, interessiert sich niemand mehr für die Teilnehmer. Uri Geller ist ein guter Zauberkünstler, der das Übersinnliche als Marketing-Strategie für sich entdeckt hat – nicht mehr und nicht weniger.

11. Hast du die Show einmal gesehen und falls ja, wie würdest du den Unterschied zwischen einem Illusionisten und einem Mentalisten erklären – jedenfalls für alle, die sich in diesem Gebiet nicht auskennen!
Ich habe keine der Sendungen gesehen, obwohl ich einige der Teilnehmer kenne. Mentalmagie ist eine Sparte der Zauberkunst, bei der Effekte scheinbar mit der Kraft der gedanken erzielt werden.

12. Du führst eigene Bühnenshows auf – kannst du unseren Lesern genauer beschreiben, was sie erwartet, wenn Julius Frack live auf der Bühne steht und einen Abend gestaltet?
Wir haben ein Programm entwickelt, in dem der Zuschauer auf eine Reise durch die verschiednesten Sparten der Zauberkunst genommen wird. Sie beihaltet Manipulation, also Fingerfertigkeutsmagie, Mentalmagie und Grossillusionen, also Effekte, bei denen Menschen erscheinen, verschwinden und schweben. Dazu gibt es auch Stand-up Magie, teils lustige Kunststücke, bei denen Zuschauer miteinbezogen werden, teils poetische Momente, bei denen zu schönen Texten und Gedichten gezaubert wird.

13. Welche Bühneshows gibt es von dir und wie lange hat es gedauert, sie zu konzipieren?
Das Bühnenprogramm heisst Imagi(e)nationen und wir haben etwa drei Jahre daran gearbeitet. Ausserdem trete ich aber auch auf Zaubergalas auf, mit Bühnenacts von ca. 10 Minuten, als Stand-up-Zauberer oder mit Tischzauberei, bei der ich direkt unter den staunenden Augen der Zuschauer zaubere.

14. Wie kann man sich die Arbeit im Vorfeld einer Show vorstellen? Also von der Idee zur Ausführung?
Von der Idee bis zum fertigen Kunststück vergehen drei bis vier Jahre. In dieser Zeit setzt man eine Inspiration zu einem Kunststück um, arbeitet an der Idee an der Umsetzung, stellt die Requisisten her oder lässt sie bauen, probt, verfeinert und perfektioniert. Das was die Zuschauer nachher sehen ist nur die Essenz aus vielen Stunden Arbeit und das, was von von allem übrig geblieben ist, denn man verbringt auch viel Zeit damit Methoden und Kunststücke zu entwickeln, die irgendwann wieder rausfliegen, weil man etwas besseres gefunden hat.

15. Auf der Bühne wirst du von deiner Bühnenpartnerin Cindy Keller unterstützt. Wie habt ihr euch kennengelernt?
Sie ist mit ihrer Ballettgruppe bei einer Veranstaltung aufgetreten, bei der ich die Moderation gemacht habe, da ist mir gleich ihre Ausstrahlung aufgefallen und ich habe sie gefragt, ob sie sich vorstellen könne bei einer Zauberdarbietung mitzumachen. Sie war gleich Feuer und Flamme. Jetzt ist sie aus der Show nicht mehrwegzudenken. Aber nicht nur das, wir arbeiten auch bei der Entwicklung neuer Kunststücke zusammen – sie denkt mittlerweile auch schonw ei ein Zauberer.

16. Ist sie ebenfalls an der Konzeption der Showacts beteiligt?
s.o.

17. Wie ich las, ist sie Ärztin – wie lässt sich ihr strenger Arbeitsplan mit diesem Hobby vereinbaren?
Irgendwie bekommen wir es immer hin. Sie kann Urlaubstage nehmen oder Überstunden abfeiern. Wenn sie eine Nachtdienstwoche hatte bekommt sie ein paar freie Tage, die wir auch zum Zaubern nutzen können. Das wichtigste jedoch ist, dass sie sehr diszipliniert arbeitet und auch noch nach einem langen Arbeitstag Kraft und Konzentration zum Proben aufbringt. Und auch darin ist sie einsame Spitze.

18. Hast du noch weitere Partner on stage oder ist Cindy die Einzige?
Es gibt auch eine Zweitbesetzung, falls Cindy nicht aus der Klinik weg kann.

19. Könntest du dir vorstellen, einmal ein eigenes Theater zu eröffnen, wie es einige deiner Kollegen bereits taten? Sie spielen an Wochenenden ihre Shows und haben eben einen zentralen Platz dafür – manchmal auch ein Wagnis!
Ja, das ist der Traum jedes Zauberers. Konkrete Pläne dafür gibt es allerdings nicht.

20. Auf deiner Homepage ist auch ein Foto mit dir und Siegfried (von Siegfried & Roy) zu sehen – wie kam es zu diesem Kontakt und habt ihr auch schon einmal zusammengearbeitet?
Ich war im Magic Castle in Hollywood und habe dort zwei Wochen lang gespielt. Eine Freundin von Siegfrid & Roy hat ihnen erzählt, dass sie mich unbedingt kennen lernen müssen und so haben sie micht in ihr Theater eingeladen. Danach habe wir noch ein wenig gefachsimpelt. Es war eine nette Begegnung. Meistens sind die „Stars“ wirklich nette Leute. Ich glaube, dass man als hochnäsiger Rüpel nicht zum Star wird, jedefalls nicht so leicht.

21. Wäre es dein Traum, eine so große Las Vegas Show wie Siegfried & Roy zu haben oder setzt du andere Maßstäbe?
Ein derartiges Angebot würde ich nicht ausschlagen, allerdings ist es sehr unrealistisch. Ich bin mit meiner Arbeit und meinen Auftritten sehr zufrieden und sehe keinen Anlass auf irgendetwas anderes hinzuarbeiten.

22. Du bist lange Zeit in Spanien gewesen und man könnte fast auch sagen, dass du dort aufgewachsen bist – wie kam es dazu?
Meine Eltern sind Lehrer. Sie waren in Spanien im Auslandsschuldienst und sind mit uns drei Geschwistern dorthin gezogen. Wir waren fünf Jahre dort, eine wunderbare und unvergessliche Zeit. Spanien ist meine zweite Heimat geworden.

23. Julius Frack privat – wie verbringst du deine Freizeit?
Mit meiner Familie. Wir sind seit dem 1.10. zu viert und ich geniesse das Familienleben überaus. Natürlich kommen auch Freunde nicht zu kurz, ich lade gerne Leute zum Essen ein, bei uns ist immer was los. Wenn ich Musse finde, dann schreibe ich texte und Geschichten, mein Wunsch ist es einmal einen ganzen Roman zu schreiben.

24. Welche Art von Musik hörst du gerne?
Am liebsten elektronische Musik, ich setze sie auch am liebsten in der Show ein. Oder klassische Musik. Es gibt Stücke, bei denenmir die Tränen kommen, so schön sind sie.

25. Welche Zukunftswünsche hast du?
Dass ich und meine Familie gesund bleiben. Das ist das wichtigste. Funktionieren Körper oder Geist nicht mehr kannst Du gar nichts mehr machen. Da helfen weder Geld noch Ruhm.

Text: Franziska Maier
Bilder zur Verfügung gestellt von Julius Frack

 

Franziska Maier

Franziska Maier

> Offizielles Mitglied der "bdfj" Bundesvereinigung der Fachjournalisten e.V. > Studium der Germanistik, Geschichte, Politikwissenschaft und ev. Theologie* Beruf der Realschullehrerin (inkl. des Amtes der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit) > Journalistische Tätigkeit bei diversen Magazinen (Veröffentlichung von Artikeln u.a. bei Da Capo, Thats Musical, Blickpunkt Musical, Esslinger Zeitung...)