Marie Antoinette

Die „Wiedergeburt“ von Marie Antoinette – Freilichtspiele Tecklenburg

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Nachdem die Europapremiere von „Marie Antoinette“ (nach „Elisabeth“, „Mozart!“ und „Rebecca“ eine weitere Gemeinschaftsarbeit von Sylvester Levay (Musik) und Michael Kunze (Text))  2009 in Bremen kein wirklicher kommerzieller Erfolg war und auch beim Publikum nicht ganz so gut wie die Vorgängerstücke ankam, verschwand das Stück für 3 Jahre in Mottenkiste.

In diesem Jahr gibt es nun eine Wiederaufnahme im Rahmen der Freilichtspiele Tecklenburg, die zuvor schon große Erfolge mit Stücken wie „Les Misérables“, „Mozart!“ oder „Aida“ gefeiert haben. Regie führt auch in diesem Jahr, wie auch schon in vorangehenden Jahren bei den „3 Musketieren“ und „Jesus Christ Superstar“ Marc Clear, der aber auch zusätzlich noch auf der Bühne zu erleben ist. Die musikalische Leitung liegt in den Händen von Tjaard Kirsch.

Nicht lumpen lassen haben die Tecklenburger sich auch in diesem Jahr wieder bei der Besetzung der Stücke (denn auch beim zweiten Stück „Hairspray“, Premiere am 27. Juli, ist der ein oder andere bekannte Name zu finden). So sind im Rahmen von „Marie Antoinette“ in diesem Jahr zum Beispiel Yngve Gasoy-Romdal, Sabrina Weckerlin, Patrick Stanke, Marc Clear, Anna Thorén, Wietske van Tongeren, Anne Welte und Frank Winkels auf Bühne zu erleben.

Ganz unverändert blieb das Stück jedoch seit seiner Aufführung in Bremen nicht, es wurden einige inhaltliche (allerdings in dem Fall nur ganz geringe) und auch musikalische (in Form von geänderten, neuen und gestrichenen Liedern) Änderungen vorgenommen, die dem Stück aber eindeutig zu Gute kommen und teilweise für eine bessere Verständlichkeit sorgen, da einige „Wissenslücken“ gefüllt werden.

So wurde die Darstellung der Halsbandaffäre mit einem neuen Lied unterlegt („Es ist nicht so“), das zwar einerseits ebenfalls sehr gut funktioniert und vor allen Dingen wie für Gasoy-Romdal geschrieben wirkt, aber für andererseits die Originalszene und –musik geopfert wurde, die ganz sicher nicht zu den schlechtesten Eigenschaften der Bremer Inszenierungen gehört hatte. Ebenfalls eine Veränderung erfuhr das Finale des 1. Aktes, das zwar immer noch am Himmelfahrtstag endet, aber statt mit einem Ensemblestück mit einer Reprise von „Ich weine nicht mehr“ endet und so dort Margrid Arnaud deutlicher in den Vordergrund stellt.

Eine weitere musikalische Veränderung ist direkt im Anschluss am Beginn des 2. Aktes festzustellen, bei dem es nun nicht mehr direkt mit dem Urteil der Gerichtsverhandlung losgeht, sondern zunächst einmal Margrid Arnaud im Gefängnis besucht, untermalt von einer (weiteren) Ballade („Ich bin etwas wert“), die nochmal deutlicher auf das Gefühlsleben und die Motive von Margrid Arnaud eingeht.

Eine charakterliche Veränderung von Margrid Arnaud hat man ebenfalls vorgenommen, war sie in Bremen noch überzeugte Kämpferin bis zum Ende und zeigte erst am Ende etwas wie Verständnis für Marie Antoinette, so setzt dieser Wandel nun schon etwas früher ein und bereits ab der Hinrichtung von „Louis XVI.“ („Er war ein schlechter König, aber kein schlechter Mensch) beginnt sie an den Mitteln und Wegen der Revolution zu Zweifeln. Ebenfalls anders als in Bremen ist die Rolle von „Cagliostro“, war er in Bremen nur Erzähler und Begleiter (ähnlich der Rolle des Lucheni in „Elisabeth“), ist er nun ein Marionettenspieler, der die Geschehnisse nicht nur berichtet, sondern beeinflusst. So wurden die Rollen des Finanzministers, Doktor Guillotins und des Staatsanwalts nicht extra besetzt, sondern werden alle von Yngve Gasoy-Romdal als Cagliostro übernommen.

Bleibt nur noch etwas zu den einzelnen Darstellern zu sagen. Star des Abends ist Sabrina Weckerlin. Sie spielt kraftvoll und stimmkräftig, und nur jemand mit ihren Fähigkeiten vermag es das Publikum nach einem doch unter normalen Umständen sehr schlagerhaft klingenden „Ich weine nicht mehr“ zu minutenlangem Szenenapplaus zu verleiten.

Ebenfalls großartig, und mit sehr viel Spielfreude ausgestattet, ist Yngve Gasoy-Romdal, der wie gewohnt eine eindrucksvolle Leistung vollbringt.

Die Titelrolle Marie Antoinette (die in diesem Stück ausnahmsweise nicht mit der Hauptrolle gleichzusetzen ist) übernimmt in Tecklenburg die Schwedin Anna Thorén. Da die Rolle am Anfang hauptsächlich die lebenslustige, unbesorgte Königin darstellt, kann Anna Thorén erst gegen Ende des Stücks von ihrem Können überzeugen, was ihr da („Erst im Leid bin ich ganz ich“) auch unbestreitbar gelingt.

Als Ehemann „Louis XVI“ und Geliebter „Axel von Fersen“ sind in Tecklenburg Frank Winkels und Patrick Stanke zu sehen, letzter übernahm diese Rolle ja bereits in der Bremer Inszenierung. Beide spielen sich stimmsicher und auch durchaus überzeugend durch das Stück, richtig große Momente bleiben jedoch aus, was aber nicht am Können der Darsteller liegt, sondern einzig daran, dass beide Rolle einfach nicht mehr hergeben. In die gleiche Kategorie fällt ebenfalls die Rolle der „Agnes Duchamps“, gespielt von Wietske van Tongeren.

Die Rolle des „Herzog von Orleans“ übernimmt Marc Clear, neben seiner Aufgabe als Regisseur, selbst. Stimmlich und schauspielerisch ist er gewohnt überzeugend, aber trotzdem bleibt die Rolle im Gegensatz zu Bremen etwas blass. Und leider fehlte für die Rolle des Herzogs (das gleiche gilt übrigens auch für die Rolle des „Robespierre“ (Michael Clauder)) irgendwie ein passendes Ende. Der Herzog taucht nach „Terrorherrschaft“ einfach nicht mehr auf und auch Robespierre ist irgendwann einfach verschwunden. Das ganze wurde dann in Bremen doch etwas besser gelöst, in dem beim Finale zumindest die Zukunft für beide Figuren angedeutet wurde.

Zur Kulisse ist nicht viel zu sagen, wie üblich ist die Bühne zweigeteilt. Auf einer Seite ist die Schloß/Salon/Ballsaal-Kulisse, auf der anderen Seite eine Drehkonstruktion auf der ein Gefängniszelle und die Guillotine zu finden ist,  die natürlich nicht fehlen darf. Aber wie auch in den vergangenen Jahren reicht diese Kulisse vollkommen aus.

Im Großen und Ganzen ist zu sagen, das den Freilichtspielen in Tecklenburg wieder eine durchaus sehens- (und hörens-)werte Inszenierung gelungen ist, auch wenn „Marie Antoinette“ sicherlich nicht das stärkste der Levay/Kunze-Musicals ist. Die Änderungen, die seit Bremen an dem Stück vorgenommen wurden, sind definitiv als Verbesserungen zu werten und insbesondere die großartige Besetzung macht die Inszenierung zu einem lohnenswerten Besuch.

Fotos: buehne-tecklenburg.de

Franziska Maier

Franziska Maier

> Offizielles Mitglied der "bdfj" Bundesvereinigung der Fachjournalisten e.V. > Studium der Germanistik, Geschichte, Politikwissenschaft und ev. Theologie* Beruf der Realschullehrerin (inkl. des Amtes der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit) > Journalistische Tätigkeit bei diversen Magazinen (Veröffentlichung von Artikeln u.a. bei Da Capo, Thats Musical, Blickpunkt Musical, Esslinger Zeitung...)