Elisabeth Wien

„Elisabeth“ ist zurück in Wien

Zum 20jährigen Bühnenjubiläum gastiert das Musical „Elisabeth“ nun wieder in Wien, Spielstätte ist jetzt das Raimund Theater. Neben bereits von der letzten Tourversion bekannten Annemieke van Dam als Elisabeth, Mark Seibert (Tod) und Kurosch Abbasi in der Rolle des Luigi Lucheni hält das Ensemble Newcomer und (Wiener) Publikumslieblinge parat. V.a. Abbasi gelingt es durch seine facettenreiche Darstellung des Mörders die Zuschauer für sich zu gewinnen, welche sich deutlich von der Tourproduktion verändert hat. War dort die Rolle z. T. komödiantisch angelegt, zeigt sich die Neuentdeckung der letzten „Elisabeth – Rundreise“ ernster, ohne aber an gewohnten Charme und Bissigkeit verloren zu haben. Stimmlich hat der junge Giessener zulegen können. Eine konstant gute Leistung zeigen Annemieke van Dam und Mark Seibert. Doch die Niederländerin kann nach wie vor beim Übergang von einer (sehr gut dargestellten) lebenslustigen jungen Kaiserin in eine vom Leben gezeichnete, ältere Monarchin zwar schauspielerisch relativ gut, aber gesanglich zu wenig variieren. Dabei kommen die Töne durchaus kraftvoll und sicher. Ihr absolutes Highlight ist „Ich gehör nur mir“, bei dem sie mit frenetischem, minutenlangem Szenenapplaus belohnt wird. Leider wurde es von der Maske versäumt ihr im Laufe des Stücks „Lebensspuren“ wie Falten, Augenringe etc. zu verpassen, so dass durchweg eine „junge Kaiserin“ auf der Bühne. Mark Seibert gibt mit kraftvoller Stimme und modernem Lederoutfit prägnant den verführerischen Tod, der sich erst einfühlsam bei Elisabeth die Zuneigung erschleicht, symbolisiert durch den neu eingefügten Titel „Kein Kommen ohne Gehen“, der zu einem Duett zwischen Tod und Elisabeth umgeschrieben wurde, anstatt von „Schwarzer Prinz“. Als die Neuentdeckung der aktuellen Cast ist wohl Franziskus Hartenstein zu bezeichnen. Der 23jährige Darsteller, der erst im vergangenen Jahr seine Ausbildung an der Joop van den Ende – Academy beendet hat, verleiht Kaiser Franz Joseph einen würdevollen, pflichtbewussten Charakter. Mit einer einfühlsamen tiefen Stimme, mit der er v. a. bei „Nichts ist schwer“ und „Boote in der Nacht“ punkten kann und wohl dosiertem Schauspiel, lässt er das Publikum an seiner inneren Zerrissenheit zwischen Pflichterfüllung und Zuneigung zu Elisabeth teilhaben. Auch die Rolle des Kronprinzen Rudolf exzellent besetzt. Die Erstbesetzung hat der Schwede Anton Zetterholm inne : Dieser zeigt, ähnlich wie Hartenstein in einer Vergleichs weisen kleinen Rolle, eine enorme Bandbreite an Emotionen (v. a. bei „Wenn ich Dein Spiegel wär“). Von verängstigt über hilflos bis kämpferisch ist alles vorhanden. Sauber artikuliert dringt sein Gesang durch und durch. Aber auch die kleinen Rudolfs ( bei den besuchten Vorstellungen : Aeneas Hollweg und Radovan Jovic) sowie Daniela Ziegler (Sophie) und Carin Filipcic (Ludovika / Frau Wolf) beweisen auf welchem künstlerisch hohen Niveau diese Jubiläumsproduktion ist. Während die Videoproduktionen im Hintergrund teilweise (zu) modern sind (Thomas Reimer), bieten verschiedene Podeste und bewegliche Bühnenteile (Hans Schavernoch)  zusammen mit Effekten wie Nebel und Beleuchtung (Hans Toelstede) vielfältige und eindrucksvolle Darstellungsmöglichkeiten. Aber in erster Linie sind es die überragende Tonqualität des Orchesters der VBW (Leitung : Koen Schoots) sowie Kostüme (Yan Tax), die diese Inszenierung zu einem kurzweiligen, unvergesslichen Erlebnis machen. Bei dieser Produktion dürfte für jeden – ob Elisabeth – Neuling oder langjährigen Fan etwas dabei sein, nimmt man das Strahlen des Publikums als Stimmungsbarometer, als der Tod Elisabeth den Todesengeln übergab und diese sie dann davon trugen. Sie hat alle Voraussetzungen, um der Kaiserin und ihrem Hofstaat ein langes (Bühnen)Leben in Wien zu ermöglichen …

Bericht : Andrea Grund

Titelbild: VBW Vereinigte Bühnen Wien

Franziska Maier

Franziska Maier

> Offizielles Mitglied der "bdfj" Bundesvereinigung der Fachjournalisten e.V. > Studium der Germanistik, Geschichte, Politikwissenschaft und ev. Theologie* Beruf der Realschullehrerin (inkl. des Amtes der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit) > Journalistische Tätigkeit bei diversen Magazinen (Veröffentlichung von Artikeln u.a. bei Da Capo, Thats Musical, Blickpunkt Musical, Esslinger Zeitung...)