Der kleine Horrorladen

Wiederaufnahme: DER KLEINE HORRORLADEN

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im Theater der Altstadt Stuttgart

Auch in der Spielzeit 2012/2013 ist das blutig-skurrile Musical von Alan Menkens (Musik) und Howard Ashman (Text) – ins Deutsche von Michael Kunze übersetzt – wieder im Theater der Altstadt zu sehen.

Einige neue Gesichter ließen darauf hoffen, dass das bisher schauspielerisch sehr gute Ensemble auch stimmlich punkten kann. Leider wurde dieser Wunsch nur teilweise erfüllt.

Sascha Diener bleibt seiner Linie treu. Die Rolle des gefühlvollen und vertrottelten Seymour scheint ihm zwischenzeitlich wie auf den Leib geschrieben zu sein. Es ist eine Freude, ihm zuzusehen und –zuhören.

Julia Coolens ist auch in der neuen Spielzeit wieder als Audrey zu sehen. Stimmlich hat sie sich in den vergangenen Monaten leider wenig weiterentwickelt und kommt über einen soliden Schauspielergesang nicht hinaus. Schauspielerisch kann sie dagegen als herrlich dümmliches und ihrem Freund höriges Blondchen jede Sekunde überzeugen. Einziges Manko ist, dass sie nur bei den Sprechtexten lispelt, bei den Liedern dagegen plötzlich ohne jeden Sprachfehler singt.

Reinhold Weiser spielt die Rolle des Mushnik mit herrlicher Komik unterstützt durch seinen „jiddischen“ Akzent. Nachdem das Geschäft dank der Pflanze boomt, zeigt er sich weltmännisch mit blondem Toupet, was einen weiteren amüsanten Akzent setzt. Er bringt in jeder Sparte frischen Wind ins Ensemble, herrlich auch der Tango mit Seymour zu „Mushnik & Sohn“.

Bernhard Linke kann dagegen nur schauspielerisch Punkten. Die Rolle des sadistischen Zahnarztes füllt er voll und ganz aus und scheint auch als arroganter und übermächtiger Verlobter Aurey´s eher einem Horrorfilm entsprungen zu sein. Gesanglich hört man von ihm leider nicht viel. Auch bei seinem Solo „Zahnarzt“ ist von Stimme kaum etwas zu hören, er spricht den Text mehr als dass er singt. Schade – ist dieser Song doch eigentlich einer der Showstopper des Stückes.

Die drei Gören (Jenny Winkler, Sorina Kiefer, Lucia Schlör) sind während des ganzen Stückes präsent, begleiten die Zuschauer durch die Geschichte und kommentieren die Handlung durch Wort und Gesang. Beeindrucken können die drei vor allem mit einer Stepptanzeinlage (Choreografie Myriam Pleva), die nicht nur technisch gut sondern auch synchron ist. Auch alle anderen Tanzszenen wurden besser ausgearbeitet. Stimmlich muss an der einen oder anderen Harmonie  noch gefeilt werden.

Das restliche Ensemble (Gunther Haas, Lou Bartalan, Dirk Helbig) peppt durch die verschiedenen Rollen das Stück teilweise herrlich komödiantisch auf.

Der gefräßige Pflanze Audrey Zwo lieh am Premierenabend Regisseurin Susanne Heydenreich ihre Stimme. Anfangs etwas ungewohnt, normal hat die Pflanze eine männliche Stimme. Man gewöhnt sich aber schnell daran, Heydenreichs gierig-gefräßige Interpretation amüsiert immer wieder.

Am einfachen und funktionalen Bühnenbild (Siegfried Albrecht) hat sich nichts geändert, trotzdem ergänzt dies und die Kostüme (Marina Zydek) das Stück zu einem optisch und akustischen Erlebnis. Die musikalische Leitung hat auch in der neuen Spielzeit Alexander Reuter inne. Die Musik kommt nach wie vor vom Band, was aber durch perfekte Abmischung und hervorragende Technik der akustischen Balance zwischen Musik und Live-Gesang keinen Abbruch tut.

Alles in allem ist auch die Wiederaufnahme eine lustig-schräge und sanft gruselige Abendunterhaltung, die durchaus sehenswert ist, solange man nicht höchste Professionalität erwartet.

„Der kleine Horrorladen“ im Theater der Altstadt Stuttgart noch zu sehen bis 31. März 2013.

Infos und Tickets unter www.theaterderaltstadt.de

Bericht: Sabine Böhm

Bilder: Theater der Altstadt

Franziska Maier

Franziska Maier

> Offizielles Mitglied der "bdfj" Bundesvereinigung der Fachjournalisten e.V. > Studium der Germanistik, Geschichte, Politikwissenschaft und ev. Theologie* Beruf der Realschullehrerin (inkl. des Amtes der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit) > Journalistische Tätigkeit bei diversen Magazinen (Veröffentlichung von Artikeln u.a. bei Da Capo, Thats Musical, Blickpunkt Musical, Esslinger Zeitung...)