Kiss me, Kate – Stuttgart

„Kiss me, Kate“ – eine musikalische Komödie von Cole Porter oder besser: „Ein Stück, im Stück, im Stück“…

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„Der Widerspenstigen Zähmung“ – passender könnte das Theaterstück gar nicht sein, das Produzent und Hauptdarsteller Fred Gorham (Adrian Becker) auf die Bühne bringt. Denn keine Geringere als seine Ex-Frau Lilli Vanessi (Antje Rietz) spielt neben ihm die Hauptrolle und als widerspenstige „Katharina“ ist sie die wahrhaft passendste Besetzung, die Gorham jemals finden konnte. Die Rolle des weiblichen Gegenparts, nämlich der braven „Bianka“, hat Fred seiner aktuellen Geliebten Lois Lane (Maja Sikora, die jedoch aus gesundheitlichen Gründen von Jessica Krüger ersetzt werden musste) gegeben, was sich nachträglich als großer Fehler herausstellt. Denn Fred und Lilli verbindet immer noch etwas, das man sogar als Liebe bezeichnen könnte – es knistert noch heftig zwischen den beiden und als Lilli vor der Premierenshow noch Blumen von ihrem Fred erhält, die allerdings nicht für sie, sondern für Lois bestimmt waren, ist sich Lilli ihrer neu entflammten Liebe zu Fred bewusst. Die Katastrophe fliegt allerdings mitten im Verlauf des Stückes auf – so hat Fred Lois ein Kärtchen zu dem Blumengeschenk geschrieben, das jedoch Lilli erreichte und als diese dann die Karte öffnet, kennt ihre Wut keine Grenzen mehr. Die Vorstellung wird zum Fiasko, allerdings besonders für die beiden Hauptdarsteller, die sich, obwohl es so nicht im Drehbuch stand, auf der Bühne anbrüllen und sogar schlagen. Offiziell gehören diese Eskapaden natürlich zum Stück, was dadurch umso glaubwürdiger auf die Zuschauer wirkt. Es fliegen die Fetzen und zu allem Unglück für „Petruchio“, alias Fred, kommen noch zwei Ganoven (Michael Gaedt und Michael Schulig), die ihn wegen eines nicht beglichenen Schuldscheins bedrohen. Allerdings nutzt Fred die Lage, um die Ganoven ebenso ins Stück zu integrieren und damit Lilli in Bedrängnis zu bringen, die nämlich vorhat, die Vorstellung zu verlassen. So werden die Ganoven zu zwei Clowns auf der Bühne, die nun nicht mehr Fred im Auge haben, sondern Lilli, da mit deren Verlassen des Stückes auch Freds Einnahmen ins Wanken geraten würden und mit diesen könnte er ja nur die Schulden begleichen!

Doch wie kommen alle nun aus dieser Misere heraus? Wird das Stück ein Erfolg oder lässt Lilli alle im Stich, um zu ihrem neuen Freund Harrison Howell (Armin Schlagwein) zu gehen, der dann auch noch im Theater auftaucht?!

Bis zum 02. Februar 2013 ist Cole Porters Komödie noch im Alten Schauspielhaus in Stuttgart zu sehen und wer wissen möchte, wie das Stück ausgeht, der sollte sich sputen, da schon viele Vorstellungen ausverkauft sind!

Ulf Dietrichs Inszenierung legt besonderen Wert auf Komik, ohne dass die Show dabei zum Slapstick Stück wird. Durch die brilliante Auswahl der Darsteller, die ihre Rollen äußerst glaubwürdig verkörpern, gewinnt das Stück außerdem noch. Beate Zoffs Bühnenbild ist zwar relativ einfach, dafür sehr zweckmäßig und passend gehalten. So ist das „Stück im Stück“, also die Aufführung des Theaterstückes von Shakespeare durch einen großen Vorhang, der als Hintergrundkulisse dient, gekennzeichnet. Die Storyline, die sich hinter der Bühne abspielt, ist in zwei verschiedene Bühnenbilder unterteilt – so gibt es einmal die beiden Künstlergarderoben von Lilli und Fred, die mit Hilfe einer Drehbühne passend in Szene gesetzt werden und des Weiteren noch die Außenansicht der Garderoben, sozusagen ein zweistöckiges Gerüst, im oberen Bereich mit den Garderobentüren und im unteren mit dem Aufgang zu Bühne gekennzeichnet. Alle Szenen lassen sich hier perfekt umsetzen und es braucht kein Feuerwerk der Kulissen, um die eigentliche Intention des Stückes zu vermitteln.

Auch die Wahl der Kostüme entführt die Zuschauer in die Entstehungszeit des Theaterstückes. Cole Porter brachte „Kiss me, Kate“ 1948 heraus und genau dieser Zeit sind auch die Kleidungsstücke, für die Monika Seidl zuständig ist, passend ausgewählt. Stehen Fred und Co in ihren Bühnencharakteren bei „Der Widerspenstigen Zähmung“ auf der Bühne, entsprechend die Kostüme der Epoche Shakespeares. Es findet also auch hier kein Stilbruch statt, sondern die Authentizität steht im Vordergrund, was besonders schön ist in einer Zeit, in der die meisten Theaterstücke stets extrem modernisiert werden.

Christoph Wohlleben, der die musikalische Leitung übernommen hat und Alexander Grünwald, der für die Choreographien zuständig ist, legen ebenso den Schwerpunkt auf die korrekte Umsetzung der bekannten Musicalsongs. Ob das Duett „Wunderbar“ oder der Ohrwurm „Es ist viel zu heiß“ – jedes Cole Porter Stück gewinnt hier bei dieser Inszenierung.

Natürlich hängt dies auch mit dem hervorragenden Ensemble zusammen. Allen voran die beiden Hauptcharaktere Adrian Becker, der als „Fred/Petruchio“ eine solche Spielfreude ausstrahlt, dass diese einfach auch beim Publikum direkt überspringt. Und spätestens, wenn er seiner geliebten Lilli das Hinterteil versohlt, gibt es kein Halten mehr und Sonderapplaus ertönt. Gesanglich ist sofort zu hören, dass Becker kein Neuling in der Musicalbranche ist. So zeigte er schon in vielen Musicalproduktionen sein Können, u.a. in „Miami Nights“ oder „Evita“. Als absolut ebenbürtige Partnerin steht Antje Rietz an der Seite Beckers, die zweifache Preisträgerin des Musical-und Chansonwettbewerbs war ebenso schon in vielen Hauptrollen zu sehen und zu hören, ob als „Eliza“ in „My fair lady“ oder als „Roxy“ im Musical „Chicago“. Die „Widerspenstige“ gibt Rietz jedenfalls extrem passend und zusammen mit Adrian Becker läuft sie zu Höchstformen auf!

Maja Sikora, die eigentlich die Rolle der „Lois“ verkörpert, konnte das Stück aufgrund einer starken Erkältung leider nicht weiterspielen. Für sie sprang Jessica Krüger ein, die dann mit Textbuch ausgestattet, die Rolle dennoch wunderbar spielte. Sie erntete Sonderapplaus für diese spontane und geniale Leistung.

Das Ganovenduo Gaedt und Schulig war natürlich besonders beliebt beim Stuttgarter Publikum, so sind die beiden wahre „Urgesteine“ der schwäbischen Unterhaltungsszene.  Seit 1981 stehen beide als Mitglieder der „Kleinen Tierschau“ auf der Bühne und bei ihrem Song „Schlag nach bei Shakespeare“ wurde das Duo stark bejubelt.

Ein weitere Profi der Musicalszene ist in einer Nebenrolle zu sehen: Axel Weidemann in der Rolle des „Paul“. So ist Weidemann mittlerweile vielen Theatergängern bekannt, da er schon in etlichen Stücken der Komödie im Marquardt sowie des Alten Schauspielhauses mitwirkte. Zuletzt inszenierte er das Stück „Pinocchio“ für die Stuttgarter Schauspielbühnen.

„Kiss me, Kate“ – der passende Name für diese Komödie von Cole Porter, da sich doch letztendlich alles um diesen einen Kuss dreht – wird „Katharina“ ihren „Petruchio“ im Stich lassen oder ihn endlich am Ende küssen und wird Lilli dadurch das Stück retten?!

Erleben Sie diese gelungene musikalische Komödie live im Alten Schauspielhaus!

Infos und Tickets unter:

www.schauspielbuehnen-stuttgart.de

Fotos: Schauspielbühnen Stuttgart

 

Franziska Maier

Franziska Maier

> Offizielles Mitglied der "bdfj" Bundesvereinigung der Fachjournalisten e.V. > Studium der Germanistik, Geschichte, Politikwissenschaft und ev. Theologie* Beruf der Realschullehrerin (inkl. des Amtes der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit) > Journalistische Tätigkeit bei diversen Magazinen (Veröffentlichung von Artikeln u.a. bei Da Capo, Thats Musical, Blickpunkt Musical, Esslinger Zeitung...)