Cats München

Eine ganz besondere Einladung zum Jellicle – Ball

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London bei Nacht : Die Jellicle – Cats kommen zu ihrem alljährlichen Treffen zusammen, um die Katze zu küren, die in den „Heaviside  Layer“, den Katzenhimmel aufgenommen und dort wiedergeboren werden soll. Doch der hinterhältige Kater Maccavity führt mit dem Ältesten Alt Deuteronimus Böses im Schilde …

Dies ist der Inhalt eines der erfolgreichsten Musicals weltweit : Cats von Andrew Lloyd Webber. 1981 feierte es im New London Theatre Premiere. Seit Januar 2011 ist es nun auf großer Tournee durch Deutschland und Österreich. Ein schwarzes Zelt mit den markanten gelben Katzen – Augen dient der illustren Tierschar als „Spielwiese“. Es wurde eigens für die aktuellen Produktion von Mehr ! Entertainment und BB Promotion mit einer 270 – Grad – Bühne konzipiert, bei der das Publikum auf 1800 Plätzen in U – Form nah am Geschehen drum herum und irgendwie „mittendrin“ sitzt. Die Darsteller nutzen immer wieder die Gelegenheit, um die Bühne zu verlassen, sich unter das Publikum zu mischen und dort Unfug zu treiben. Das Bühnenbild von John Napier mit nahezu 3000 Einzelteilen ist ein wahres Kunstwerk : altes Gerümpel wie Müll oder ausrangierte Elektrogeräte, als Hebebühne dient ein Autoreifen. Rohre ragen an den Seiten der Plattform heraus, sie werden als Ein – und Ausgänge von den Akteuren genutzt, die geschmeidig wie ihre vierbeinigen Vorbilder aus ihnen bzw. in sie klettern. Phantasievoll werden Gebrauchs-gegenstände wie Tücher und Rädern in die Szenen mit eingebaut. Genauso facettenreich und aufwändig gestalten sich die 124 Kostüme und Masken. Durch bunte Lichterketten an der Zeltdecke erstrahlt die Bühne in stimmungsvollen Licht und erschafft somit eine einzigartige Atmosphäre (Licht : David Hersey). Die akustischen Highlights dieser Show präsentiert das international hochkarätige Ensemble, bestehend aus 33 Darstellern aus neun verschiedenen Nationen. Masha Karell brilliert als Grizabella, ihr „Erinnerung“ ist einer von vielen Showstoppern und sorgt für minutenlangen Szenenapplaus. Adam Lake als Rum Tum Tugger gibt seiner Figur ein übersteigertes Selbstbewusstein, ohne jedoch arrogant und überheblich zu wirken. Ein wunderbarer Gegenpart sind Eric Lee Johnson als Alt Deuteronimus, mit tiefer, ruhiger Stimme ist er eindrucksvoll für die ruhigen Momente des Stücks verantwortlich sowie Robert D. Marx als Munkustrap, der Anführer der Jellicle – Cats. Letzterer interpretiert seinen Rollencharakter mit viel Gefühl und einprägsamer Stimme, so dass sich vom ersten bis zum letzten Ton Gänsehaut einstellt. Jack Allen als Mr. Mistoffelees versprüht enorme Spielfreude. Seine temporeiche Interpretation der „zauberhaften“ Katze (Choreographie : Gillian Lynne) sind das beste Beispiel für das tänzerische hohe Niveau dieser Produktion. Leider gibt es während der Vorstellung immer Tonprobleme, in vielen Szenen sind die Mikrophone der Akteure zu leise eingestellt, so dass ganze Textpassagen nur schwer zu verstehen sind. Bei den Ensemblenummer herrscht jedoch ein ausgewogenes Lautstärkenverhältnis, auch wenn der Sound dargeboten von nur sieben Mann nicht so satt klingt wie bei größeren Orchestern.

Doch diese Einschränkung schmälert auf keinen Fall den positiven Gesamteindruck der Inszenierung : Regisseur Trevor Nunn ist es auf hervorragende Weise gelungen, einen Musical – Klassiker frisch aufzubereiten ohne den altgewohnten Charme dabei einzubüßen.

Text : Andrea Grund

Bild : BB Promotion

Franziska Maier

Franziska Maier

> Offizielles Mitglied der "bdfj" Bundesvereinigung der Fachjournalisten e.V. > Studium der Germanistik, Geschichte, Politikwissenschaft und ev. Theologie* Beruf der Realschullehrerin (inkl. des Amtes der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit) > Journalistische Tätigkeit bei diversen Magazinen (Veröffentlichung von Artikeln u.a. bei Da Capo, Thats Musical, Blickpunkt Musical, Esslinger Zeitung...)