I love you, you´re perfect, now change!

“I love you, you´re perfekt, now change“ – verliebt, verlobt , verkrampft nochmal

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Hinter diesem zugebener maßen sperrigen Titel verbirgt sich eine äußerst witzige und abwechslungsreiche Szenenfolge über das Liebes – und Beziehungsleben von Männer und Frauen. 1996 am Broadway uraufgeführt, wurde es dort über 5000 Mal gespielt, außerdem in 10 Sprachen übersetzt und über 150 Städten auf die Bühne gebracht. Das Besondere : Die Cast in Kottingbrunn bei Wien besteht gerade mal aus vier Personen (Karin Seyfried, Nicole Christina Rest – Lankmayer, Martin Pasching und Oliver Arno), die in ca. 20 kleinen Episoden in über 50 verschiedene Rollen schlüpfen (Regie : Peter W. Hochegger). Dabei werden sowohl romantische wie ernste Themen angesprochen, darunter das Kennen lernen, erstes Date, Besuch bei den Schwiegereltern, Hochzeit, aber auch das Älterwerden etc. Dies alles geschieht ohne viele Requisiten, Bühnenbilder oder aufwändige Kostüme. Mit eingängigen Melodien (Jimmy Roberts), dargeboten mit nur zwei Musiker und humorvollen Dialogen  schaffen es die Akteure im Hand umdrehen von der ersten bis zur letzten Minute das Publikum auf seine Seite zu ziehen. Sie zeigen in der Abfolge der in sich abgeschlossen Szenen (unterteilt in verschiedene Titel, projektiert auf eine Leinwand) mitunter komplett konträre Charaktere. Es fällt schwer, Höhepunkte zu nennen, da ein „Feuerwerk“ an Gags und emotionalen Momenten geboten wird. Nur einige Beispiele : Das „Elternpaar“ Karin Seyfried und Oliver Arno wollen mit ihren „pubertierenden Kids“ Nicole Christina Rest – Lankmayer und Martin Pasching einen Ausflug machen. Die „Fahrt ins Glück“, als Autositze dienen Bürostühle, mit denen die Darsteller (anfangs) absolut synchron über die Bühne rollen, verläuft zunehmend chaotischer und endet im Desaster. Die „Kinder“ maulen, streiten und beginnen miteinander zu raufen – sehr zum Missfallen der „Erwachsenen“. Als auch noch die „Mutter“ (Karin Seyfried) sich an dem rasanten Fahrstil stört, platzt dem „Vater“ (Oliver Arno) der Kragen. Dem Publikum zugewandt macht er lautstark seinem Ärger Luft. Angelehnt an die James Bond – Filme wünscht er sich sehnsüchtig einen Schleudersitz im Wagen, um ihn bei passender Gelegenheit bei seiner Gattin anzuwenden. Eine wahre Meisterleistung, was phantasievolle Genialität angeht, ist jedoch „Die jungen Eltern“. Fred (Martin Pasching) besucht ein befreundetes Ehepaar (Karin Seyfried / Oliver Arno), die vor wenigen Monaten Nachwuchs bekommen haben . „Mama“ und „Papa“ gehen voll und ganz in ihrer Rolle auf, alles geschieht nur zum Besten des kleinen „Hans“, selbst das Spielzeug wird mit vollem Körpereinsatz des stolzen Erzeugers auf „Herz und Nieren“ geprüft. Schallendes Gelächter bricht jedoch im Publikum aus, als Dias des strammen Stammhalters auf der Leinwand projiziert werden, die Oliver Arno als Baby mit Spitzenhäubchen, Lätzchen und Fußball – Schnuller zeigen. Die eingängigen, humorvollen Texte (Alexander Kuchinka) bewegen sich – zum Entsetzen von Fred –hierbei im Säuglings – und Kleinkindniveau. Den Protagonisten ist v.a. in der Hinsicht ein Kompliment zu machen, dass sie trotz der Lachanfälle, die sie den Abend über hinweg im Publikum auslösen sowie der großen Anzahl an Schnellumzügen in den meisten Fällen konzentriert und authentisch weiter agieren, wenn auch bei ihnen Lachtränen und vermehrtes Schmunzeln ebenfalls nicht ausblieben.

Das Team der Kulturszene Kottingbrunn und den Darstellern ist es mit Bravour gelungen einen kurzweiligen, amüsanten Theaterabend auf die Beine zu stellen, der durch seine Intensität so manche Großproduktion in den Schatten stellt.

Text : Andrea Grund

Bilder : Kulturszene Kottingbrunn

Franziska Maier

Franziska Maier

> Offizielles Mitglied der "bdfj" Bundesvereinigung der Fachjournalisten e.V. > Studium der Germanistik, Geschichte, Politikwissenschaft und ev. Theologie* Beruf der Realschullehrerin (inkl. des Amtes der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit) > Journalistische Tätigkeit bei diversen Magazinen (Veröffentlichung von Artikeln u.a. bei Da Capo, Thats Musical, Blickpunkt Musical, Esslinger Zeitung...)