ARTUS – Excalibur in St. Gallen

ARTUS – Excalibur

im Theater St. Gallen

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Liebe, Freundschaft, Schmerz, Leid, Rache und Magie sind die Bestandteile des neuen Musicals „ARTUS – Excalibur“ des Theater St. Gallen. Wer hat nicht schon  von Artus und den Rittern der Tafelrunde, dem Schwert Excalibur, Lancelot und Merlin gehört.

Durch die Musik von Frank Wildhorn, dem Buch von Ivan Menchell und den Songtexten von Robin Lerner  (Deutsch von Nina Schneider) wird die fantastische Legende zum Leben erweckt.

Das Stück erzählt die klassische Artus-Sage. Die Legende besagt, dass der Zauberer Merlin das Schwert Excalibur in einen Felsen stieß. Nur wer zum König des Reiches bestimmt ist, kann dieses herausziehen.

Im 5./6. Jahrhundert n. Chr. ist England ein Land im Krieg. König Uther Pendragon und König Loth von Orkney bekriegen sich um Ländereien und Macht. Das Volk leidet unter Enteignung, Hunger und dem Verlust von Männern und Söhnen. Artus, vermeintlicher Sohn eines einfachen Mannes, schafft es als einziger, das von Merlin in den Fels gestoßene Schwert Excalibur herauszuziehen. Dies geschieht völlig unerwartet und aus Reflex während eines Kampfes, als er Lancelot, seinem bestem Freund und Bruder im Geiste, bei einem Kampf beistehen möchte. Artus kann es nicht glauben, dass er der auserwählte neue König sein soll, doch Merlin offenbart ihm seine wahre Herkunft, er ist der Sohn des Königs Uther Pendragon und somit von edlem Blute. Er sei von Geburt an dazu bestimmt, Britannien zu versöhnen und Frieden im Land herzustellen. Artus hadert lange mit seinem Schicksal. Erst als er Guinevere kennen und lieben lernt, kann er langsam sein Schicksal annehmen. Artus und sein erster Ritter Lancelot scharen Männer um sich und ziehen nach Camelot, die Geburtsstunde der Ritter der Tafelrunde. Doch auf Camelot trifft Artus auf seine Halbschwester Morgana. Sie wurde vom Vater verstoßen und in ein Kloster verbannt, aus dem sie dank schwarzer Magie fliehen konnte. Voller Hass und auf Rache aus verbündet sie sich mit Loth gegen ihren Bruder.

Auf dem Weg zu Artus wird Guinevere von Loths Sohn überfallen, doch Lancelot eilt ihr zu Hilfe. Ohne zu wissen, um wen es sich bei der Unbekannten handelt, verliebt sich Lancelot in Guinevere.

Artus und Guinevere heiraten und werden gekrönt. Lancelot fällt es schwer, seine Gefühle für die Königin zu verbergen. Auch ein Angriff Loths wirft einen Schatten auf die Hochzeitsfeierlichkeiten. Arturs Ziehvater Ector wird tödlich verwundet und stirbt in Artus Armen. Dieser Verlust treibt Artus weg von seinen friedlichen Prinzipien. Blind vor Rache entfernt er sich immer mehr von Guinevere und hört auch nicht mehr auf den Rat von Merlin. Die Einsamkeit treibt Guinevere direkt in Lancelots Arme, sie beginnen eine Affäre. Morgana versucht ihren Halbbruder zu schwächen, indem sie ihm von der Affäre erzählt. Gleichzeitig verführt sie Merlin, um Kenntnis von seinem magischen Wissen zu erhalten. Merlin erliegt Morganas Reizen und kann daher auch Artus nicht mehr helfen, der zwischenzeitlich Guinevere und Lancelot zur Strafe verbannt hat. Den einzigen Rat, den Merlin Artus noch geben kann ist, Excalibur zu seiner Bestimmung, der Vereinigung des Landes, zu führen. In der Schlacht gegen Loths Soldaten kann Artus dem Tod nur durch Lancelots Hilfe entgehen, welcher trotz Verbannung sein Leben für den Freund gibt. An Lancelots Grab trauernd wird Artus beinahe noch von Morgana getötet. Doch mit einem sicheren Schuss aus der Armbrust rettet Guinevere Artus Leben und tötet die Widersacherin. Artus vergibt Guinevere und regiert mit ihr das Königreich.

Unter der Regie von Francesca Zambello steht eine namhafte und herausragende Cast auf der Bühne.

Patrick Stanke gibt einen sehr wandlungsfähigen Artus. Die Entwicklung vom vermeintlichen Sohn eines einfachen Mannes zum König meistert sowohl gesanglich aus auch schauspielerisch absolut überzeugend. Mit teils warmer aber auch kräftiger Stimme zieht er das Publikum in seinen Bann.

Als Guinevere steht Annemieke van Dam auf der Bühne. Ihre wunderschöne, glasklare Stimme ist ein Genuss in jeder Sekunde. Egal ob unschuldiges Mädchen oder Kämpferin, ob in Freude oder Leid, sie spielt jede Facette ihrer Rolle perfekt aus.

In der Rolle der Morgana ist Sabrina Weckerlin eine Idealbesetzung. Zum einen Zauberin und Prinzessin, zum anderen zerbrechliche, junge Frau. Sie schafft es in jeder Szene zu begeistern und teils mit vollem Stimmvolumen, teils fast zerbrechlich klingenden Tönen genau die Gefühle zu transportieren, die die jeweilige Situation ausmachen. Nur, vor allem im 1. Akt, versteht man phonetisch leider nicht viel.

Als Lancelot ist Marc Seibert zu sehen. Er steht bedingungslos hinter seinem Freund und König und zeigt dies mit starker Präsenz. Aber auch die Zerrissenheit, als er sich ausgerechnet in die Gemahlin dieses besten Freundes verliebt, nimmt man ihm in seinen Soli jede Sekunde ab. Er brilliert mit sicherer kräftiger Stimme ebenso wie mit weichen, leisen Tönen.

Thomas Borchert gehört langsam zum Inventar des Theater St. Gallen. Nach Dracula, Der Graf von Monte Christo, Rebecca und Moses-Die 10 Gebote steht er nun in der 5. Produktion des Theaters in einer Titelrolle auf der Bühne. Als Zauberer Merlin gibt er anfangs den allwissenden und mächtigen Zauberer, nach Morganas Verführung den alternden, gebrochenen Mann.  Stimmgewalt, Bühnenpräsenz, Ausstrahlung – einfach perfekt.

Aber auch das Ensemble (Colleen Besett, Marle Martens, Amélie Dobler, Stéphanie Signer, Ariane Swoboda, Keannine Michèle Wacker, Gero Wendorff, Marc Lamberty, Rupert Markthaler, Robert Johansson, Samuel Tobias Klauser, Alexander Bellinkx, Tristan Adams, Richard Leggett, Kevin Foster) ist absolut sehens- und hörenswert. Auch wenn es in diesem Stück nicht viele große Ensembleszenen gibt, sind es gerade diese, die der Handlung den nötigen Schwung geben. Vor allem die Kampfszenen sind – wenn auch durchchoreografiert – sehenswert und beeindruckend (Rick Sordelet / Fight Captain Tristan Adams und Richard Leggett). Unterstützt wird das Ensemble auch vom Chor und der Statisterie des Theater St. Gallen, das sich hervorragend in die Choreografie von Eric Sean Fogel einfügt.

Die Kostüme von Sue Willmington sind der Zeit und den Rollen angepasst und wunderschön anzusehen. Speziell Morganas Kleider passen immer genau zu den einzelnen Szenen – einmal unschuldig und zerbrechlich, das andere Mal verrucht und verführerisch.

Das Bühnenbild (Peter J. Davison) ist einfach gehalten, erfüllt aber seinen Zweck. Egal ob braune Wände mit großen herausgeschnittenen Kreuzen oder zwei Bäume mit Hintergrundprojektionen, man weiß genau, wo die Handlung gerade stattfindet. Projektionen (Katy Tucker), Licht (Mark McCullough) und Ton (Stephan Linde/Christian Scholl) runden die Produktion ab und machen den Theaterbesuch zu einem unvergesslichen Erlebnis.

Das Sinfonieorchester St. Gallen steht unter der Leitung von Koen Schoots, der auch Orchestrierung und Arrangements übernommen hat. Es ist immer wieder ein Genuss, wenn ein volles Orchester im Graben sitzt.  

Mit „ARTUS – Excalibur“ ist dem Theater St. Gallen ein neuer Geniestreich gelungen. Nach „Der Graf von Monte Christo“ und „Moses – die 10 Gebote“ eine weitere Welturaufführung, für die man sich keinen besseren Ort vorstellen kann. Und wieder wurde der Mut mehr als belohnt. Man kann allen, die hinter diesem Projekt stehen, nur gratulieren. Sicher sind viele schon gespannt, was sich das Theater für die nächste Spielzeit einfallen lässt. Jedes mal denkt man, das ist nicht zu toppen – und doch wird man im Folgejahr wieder eines Besseren belehrt.

Weitere Informationen und Tickets unter : www.theatersg.ch

Bericht: Sabine Böhm

Franziska Maier

Franziska Maier

> Offizielles Mitglied der "bdfj" Bundesvereinigung der Fachjournalisten e.V. > Studium der Germanistik, Geschichte, Politikwissenschaft und ev. Theologie* Beruf der Realschullehrerin (inkl. des Amtes der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit) > Journalistische Tätigkeit bei diversen Magazinen (Veröffentlichung von Artikeln u.a. bei Da Capo, Thats Musical, Blickpunkt Musical, Esslinger Zeitung...)