Der Besuch der alten Dame – Musical

Der Besuch der alten Dame – der Countdown läuft – nur noch wenige Tage in Wien zu sehen!

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Ist es möglich, dass Menschen für Geld alles tun? Ja, dass sie sogar zu Mördern werden und die Moral sowie die Ehrfurcht vor dem Leben komplett vergessen?

Dieser Frage ging der  Schweizer Schriftsteller Friedrich Dürrenmatt bereits im Jahr 1956 auf die Spur, nämlich als seine Tragikomödie „Der Besuch der alten Dame“ am 29. Januar im Schauspielhaus Zürich Premiere feierte.

Das Stück avancierte in kürzester Zeit zu einem Welterfolg und das, obwohl die Handlung äußerst nachdenklich macht…daher auch ein mutiger Schritt der Vereinigten Bühnen Wien, eben dieses Werk aufzugreifen und daraus ein Musical zu machen – ist dieser Schritt gelungen?

Die Geschichte des Romans spielt in einem Ort namens „Güllen“ – hört man dies, assoziiert man sofort das Wort „Gülle“ damit, was auch durchaus vom Autor Dürrenmatt so gewollt ist. „Güllen“ ist heruntergekommen, ein schäbiger und ärmlicher Ort, dessen Einwohner ebenso am Hungertuch nagen und es zu nichts bringen. Güllen war nicht immer so, doch es wird dringend Geld benötigt, um das Städtchen wieder auf Hochglanz zu polieren. Das Sagen hat der Bürgermeister, ebenso angesehen sind noch der Polizist, der Pfarrer sowie auch der Lehrer. Auch Alfred Ill hat Chancen, einmal Bürgermeister des Ortes zu werden, da alle Hoffnungen auf ihm ruhen, als sich eine sehr reiche, alte Dame ansagt: Claire Zachanassian, einstmals Kläri Wäscher und ebenso Güllenerin. Vor vielen Jahren waren sie und Ill ein Paar, sie erwartete sogar ein Kind von ihm, doch dieser leugnete die Vaterschaft, gewann einen Prozess dank Bestechung, so dass daraufhin die erst 17jährige Kläri Güllen verlassen musste. Sie wurde zur Prostituierten, verlor ihr Kind und schaffte es, durch mehrfache Heirat, großen Reichtum zu erlangen. Nun ist die Zeit der Rache und Abrechnung gekommen und Kläri, alias Claire, bringt nicht nur Geld nach Güllen, sondern auch einen mörderischen Plan: Sie verspricht allen Einwohnern 2 Milliarden, wenn diese dafür sorgen, dass Alfred Ill ermordet wird!

Ein Wettlauf mit der Zeit beginnt und jeder entpuppt sich letztendlich als Feind. Sogar Ills Kinder und seine Frau, die stets zu ihm stand, lassen sich mitreißen und so ist es nicht verwunderlich, dass Claire, trotz mancher emotionaler Momente, in denen sie mit ihrem Leben und der Vergangenheit sowie der Beziehung zu Alfred hadert, am Ende wirklich als Siegerin hervorgeht und ihren Willen bekommt. Allerdings nicht, ohne den Güllenern zu sagen, dass sie alle Mörder seien!

Die Zeitangabe lässt Dürrenmatt bewusst offen, da der Inhalt des Stückes sich zu jeder Zeit abspielen kann. Er demonstriert auch, wozu die Menschen in der Lage sind, wenn man ihnen nur das „Richtige“ anbietet. So kann jeder Ort zu Güllen werden und jeder Mensch zu einem Güllener!

Im Musical verkörpert keine Geringere als Musicalstar Pia Douwes die „Claire Zachanassian“, eine passendere Besetzung hätte man kaum finden können. Sie schafft den Spagat zwischen Racheengel, verletzter Frau und emotionsloser Geschäftsfrau wie keine andere. Ihr zur Seite steht Uwe Kröger als „Alfred Ill“ und auch er überzeugt in seiner Rolle, des weiteren sieht man sofort die Harmonie, die zwischen den beiden Hauptdarstellerin herrscht, es ist eine wahre Freude, sie gemeinsam auf der Bühne agieren zu sehen. Norbert Lamla als „Polizist“, der vom engen Freund Alfreds zu dessem Richter wird, ist ebenso ein Gewinn für das stück. Die Zerrissenheit des moralischen Lehrers, der noch bis zum Schluss mit dem „Pakt“ der alten Dame hadert und sogar dem Alkohol verfällt, wird von Ethan Freeman sehr stark und emotional dargestellt. Insgesamt hätte man die gesamte Besetzung des Stückes passender nicht wählen können. Dies trifft auch auf das Bühnenbild zu – das schäbige Güllen wird zum „Las Vegas“ mit Leuchtreklame und Luxus. Und auch die Musik schafft es, das Publikum mitzureißen. Das Musical von  Moritz Schneider, Michael Reed, Christian Struppeck und Wolfgang Hofer ist ein außergewöhnliches Werk, das es schafft, ernsthafte Literatur als Musical eindrucksvoll und bombastisch umzusetzen. Allerdings ist das Stück nur noch wenige Tage im Ronacher in Wien zu sehen! Hoffen wir, dass es auch zukünftig weitere Besuche der „alten Dame“ geben wird und sie noch in vielen weiteren Städten ihr Unwesen treiben wird!

Bericht: Franziska Maier                                     Fotos: VBW

Franziska Maier

Franziska Maier

> Offizielles Mitglied der "bdfj" Bundesvereinigung der Fachjournalisten e.V. > Studium der Germanistik, Geschichte, Politikwissenschaft und ev. Theologie* Beruf der Realschullehrerin (inkl. des Amtes der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit) > Journalistische Tätigkeit bei diversen Magazinen (Veröffentlichung von Artikeln u.a. bei Da Capo, Thats Musical, Blickpunkt Musical, Esslinger Zeitung...)