OrcaOcean

MORGAN in OrcaOcean

Im letzten Jahr waren flash-it-Magazine auch schon einmal im Loro Parque und wir haben dort über die Orcas berichtet. Besonders hat dabei das Schicksal von MORGAN berührt. Alle anderen Orcas sind bereits in Menschenobhut geboren, aber sie wurde  von den Verantwortlichen des Delfinariums in Harderwijk damals gerettet.

Am 23. Juni wurde MORGAN zum ersten Mal gesehen. Kees Camphuysen, Biologe und Experte für die Identifikation von Meeressäugern erkannte sie als Schwertwal (Orcinus Orca). Es wurde Unterernährung erkannt, dass das Tier nicht fähig sein würde, allein zu überleben. Das Dolfinarium in Harderwijk wurde informiert und schickte sofort an ein Team zur Rettung des Tieres hin, um sich um die Rehabilitation des Tieres zu kümmern. Das zuständige Ministerium unterstützte dieses Vorhaben.

Zum Zeitpunkt der Ankunft der Helfer tauchte der kleine Orca schon nicht mehr. Sie ließ sich leicht einfangen und zeigte keine Stressanzeichen. Der Transport verlief ohne Zwischenfälle und so gelangte sie in die Becken des Dolfinarium Harderwijk. Die anfängliche Behandlung des Tieres bestand aus Kochsalzinfusionen  und Antibiotika mit breitem Wirkspektrum – eine wichtige Erstversorgung für gerettete Tiere in Morgans speziellem Zustand. Blutanalysen ergaben Entzündungsreaktion, mikrozytische regenerative Anämie und eine leichte Dehydration. Nach ihrer Ankunft wurde ihr Fisch angeboten, den sie auch annahm. Delfine essen auch in der Wildbahn generell toten Fisch oder Fischreste, wenn sie solche bekommen. Ausführliche klinische Untersuchungen ergaben keinen anderen Befund als schwere Unterernährung und Dermatitis. In ihrer ersten Woche wurde mehrfach Fäkalien, die aus Algen bestanden, gefunden. Sie hatte wohl in ihrer Hungerverzweiflung begonnen, Algen zu fressen, weil sie zum Jagen nicht im Stande war. Ihr Appetit auf Fisch war verständlicherweise groß und betrug am Tag bis zu 32,5 Kilogramm. Dadurch nahm sie an Gewicht zu. Bei ihrer Ankunft hatte sie nur 430 Kilogramm gewogen. Schon zweieinhalb Monate später wog sie 690 Kilogramm. DNA-Analysen von Andrew Foote ergaben, dass sie wahrscheinlich zur norwegischen Hering-jagenden Population gehört – eine isländische Herkunft aber konnte anhand dieser Analysen auch nicht ausgeschlossen werden. Fest steht aber unter allen Umständen: MORGAN gehört zu den sog. „Scandinavian herringeating killer whales“. (Im Loro Parque frisst MORGAN heutzutage Hering, Capelán (Lodde) und Calamar. Sie zeigt keine besondere Präferenz für irgendeine der verschiedenen Arten. Dass die Orca-Populationen in ganz Skandinavien nur Hering verzehrt, hat also keine Gründe der Präferenz, sondern liegt am Fischangebot in diesen Breiten.) Aber welche Population, die norwegische oder isländische – das war unklar. Bisher ist noch keine Auswilderung erfolgreich durchgeführt worden, weshalb man der Einfachheit halber die Tiere zumeist tötet – so wurde in Norwegen ein gestrandeter Wal mit zwei Schüssen in den Kopf getötet, weil er dort weder rehabilitiert werden konnte, noch sollte. In Harderwijk kennt man sich aber mit der Rehabilitation von Zahnwalen bestens aus und die Experten nahmen sich MORGAN an – ihr Glück. Was aber mit dem Tier anstellen? Bis zu diesem Zeitpunkt hatte es ähnliche Fälle bei Orcas gegeben – alle sind nicht wirklich gut ausgegangen:

LUNA war ein junger Orca, der im Alter von 25 Monaten verlassen an der Westküste von Kanada beobachtet wurde. Vier Jahre lang lebte er anschließend alleine sehr standorttreu in Nootka Sounds. Und wurde von den Indianern als Reinkarnation ihres Häuptlings verehrt. Nie war es dem Tier möglich, sich seinem ursprünglichen Pod anzuschließen. LUNA beschäftigte sich stattdessen in seiner Zeit mit Wasserflugzeugen und Booten und wurde so zu einem Sicherheitsrisiko für sich selbst und die beteiligten Menschen. Er starb durch eine letale Verletzung von einem Bootspropeller.

Die Mutter des Orca-Weibches SPRINGER starb als das Kalb etwa 18-24 Monate alt war. Temporär schloss sie sich einem anderen Pod an. Bald wurde sie allerdings allein außerhalb der Reichweite ihrer eigentlichen Population gefunden. Man entschied sich, sie für kurze Zeit in Obhut zu nehmen, um sie schließlich zu ihrem ursprünglichen Pod zurückzubringen. Das Vorhaben glückte langfristig und sie konnte ihr Leben in der Wildbahn fortsetzen. Zuerst allerdings wurde sie schikaniert und trug dabei einige rake marks davon. SPRINGER war allerdings ein Bruchteil von der Zeit in menschlicher Obhut wie MORGAN.

Der wohl bekannteste Orca der Welt ist KEIKO. Er wurde mit zwei Jahren der Wildbahn entnommen und lebte dann sechzehn Jahre in verschiedenen Delfinarien. Die letzten elf Jahre lebte er allein im Aquarium von Mexiko City. 1996 startete dann der Wiederauswilderungsprogramm für „Willy“. In seiner Zeit in Menschenobhut war KEIKO nämlich Teil der Produktion „Free Willy“ gewesen. KEIKO kam zuerst für zwei Jahre in eine größere Haltung und dann in einen sea bzw. bay pen in der Nähe von Vestmannaeyar (Island). Aus dieser Gegend stammte der Schwertwal ursprünglich. In den drei Sommern in den Jahren 2000-2002 wurde er darauf trainiert, dem Boot der Pfleger zu folgen und so im offenen Meer zu schwimmen. Im Sommer 2002 dann der Schock. 27 Tage war KEIKO jenseits jeder Observation. Zu diesem Zeitpunkt war er aber für eine Auswilderung überhaupt noch nicht bereit. Eine Freilassung war grob fahrlässig. Sehr eindrucksvoll beschreibt den genauen Ablauf Mark A. Simons im Buch „Killing Keiko“, das leider in keiner deutschen Übersetzung vorliegt. In Norwegen tauchte er dann wieder auf – eine erfolgreiche Jagd seinerseits nach Fischen konnte für diese Zeit nie nachgewiesen werden. Obwohl er wohl durchaus auf andere Schwertwale traf, schloss er sich keinem Pod an. Schließlich schwamm KEIKO in einen Fjord, indem er einem Fischerboot folgte und immer wieder um Futter bettelte. Es wurde entschieden, ihn wieder in Pflege zu nehmen. Im Dezember 2003 starb er an einer Lungenentzündung. Das Buch „Killing Keiko“ beschreibt eindringlich und aus erster Hand seine Geschichte.

Was hatte man also? Einen Fall bei dem sich der verlassene Orca an die Menschen gewöhnt hat, statt sich seiner Gruppe anzuschließen und so zur Gefahr für sich und andere geworden ist und letztendlich starb, weil er menschliche Nähe suchte. Einen weiteren Fall eines unverletzten Orcas, der – im Gegensatz zur MORGAN – so gut wie keine Rehabilitation gebraucht hat und so schnell wieder in die Wildbahn entlassen werden konnte. Er konntesich seiner Gruppe wieder anschließen. MORGAN, und das war nicht zu übersehen, konnte man aber nicht nach wenigen Tagen wieder in die Wildbahn entlassen, weshalb ein sinnvoller Vergleich mit SPRINGER nicht möglich ist. Als drittes gab es dann den Fall mit KEIKO, der deutlich länger in Menschenobhut war und völlig gesund in die Wildbahn entlassen wurde und dies nicht überlebt hat. Was ist daraus der logische Schluss? Morgan wieder auszuwildern hätte keine guten Erfolgschancen, kein fremder Pod wird sie akzeptieren und ihre Familie wurde nicht gefunden.

Es gab nun viele Experten, die sich damit beschäftigten, ob MORGAN ausgewildert werden sollte. Bob Pitman hielt es nicht für möglich, dass MORGAN eine Überlebenschance in der Wildbahn hat. Er wies auf den Orca LUNA hin. Er empfahl den Schwertwal als Botschafter seiner Art in Menschenobhut zu halten. John Ford argumentierte, dass für eine erfolgreiche Auswilderung unbedingt die Gruppe ermittelt werden müsste aus der sie stammt (“natal group”). Er wies dabei darauf hin, dass diese Gruppe nicht gefunden wurde. Zudem betonte er, dass, selbst, wenn sie gefunden wurden würde, eine Wiedervereinigung nicht garantiert wäre. Denn anders als SPRINGER habe MORGAN eine beträchtliche Zeit in menschlicher Obhut verbracht. Es sei deshalb höchst wahrscheinlich, dass aufgrund ihres in der Obhut erlernten Verhaltens nicht integriert werden könne. Zudem würde sie von Menschen angezogen, was eine Gefahr für Mensch und Tier bedeuten würde. Kees Campuhuysen setzte den Auswilderungsversuch mit einer Tötung gleich. Aufgrund MORGANs Gewöhnung an den Menschen wies er auf eine Ähnlichkeit mit Keiko hin. Er hielt es für die bessere Alternative, das Tier zukünftig in der bestmöglichen Haltung unterzubringen, sodass sie Botschafterin ihrer Art und ihres Lebensraumes wäre. Christophe Guinet setzte den Versuch einer Auswilderung mit einer Todesstrafe gleich. Auch er kam auf LUNA zu sprechen, erklärte aber im gleichen Atemzug das bei MORGAN die Chance auf eine Zusammenführung mit der Familie gleich null sei. Als einzige Option für die Zukunft von Morgan sähe er eine Haltung des Tieres in Menschenobhut, weil es bis an ihr Lebensende nötig sein würde, sie zu füttern. Mardik Leopold argumentierte, dass in der Wildbahn die Weibchen zumeist in ihrem Pod bleiben, in dem sie geboren worden sind. Die Tatsache, dass der Pod, in dem Morgan geboren worden ist, nicht als solche bekannt ist und sie die Gruppe auch wahrscheinlich nicht selbstständig finden würde, sah er als zentrales Problem an, das eine tiergerechte Auswilderung nicht möglich machen würde. Er wies auf KEIKO hin bei dem man wusste, woher er kam, dessen Auswilderung aber nicht erfolgreich war. Keiko sei Jahre auf die Auswilderung vorbereitet worden, diese Zeit hätte man in den Niederlanden nicht, da die Wildentnahmen innerhalb eines Jahres auswildert werden sollten. Christina Lockyer beschrieb, dass MORGAN kein Kandidat zur Wiederauswilderung sei, wenn es um das Wohlergehen und Überleben des Tieres ginge. James McBrian wies auch auf etwas Wichtiges hin: Selbst wenn der Pod, aus dem sie stammt, gefunden würde, wäre noch lange nicht gesichert, dass sich die Tiere auch gegenseitig akzeptieren und eine Gemeinschaft bilden. Da MORGAN sich schon an die Umstände in Harderwijk gewöhnt habe, solle sie bis zu ihrer vollständigen Genesung dort bleiben und dann mit anderen Orcas in einer anderen Einrichtung vergesellschaftet werden. Fernando Urgante sah keine Möglichkeit für eine erfolgreiche Auswilderung und schlug eine Unterbringung des Tieres in Menschenobhut vor. Diese acht Stellungnahmen von Experten auf ihrem Gebiet wurden nach MORGANs Wildentnahme verfasst und hatten ganz klar eine zentrale Aussage:  Es sah so aus, als könne MORGAN nicht erfolgreich ausgewildert werden.

Nun musste man eine neue Unterbringung für MORGAN finden. Harderwijks Beckenverhältnisse waren zwar für die erste Rehabilitation geeignet, aber langfristig würde man das Tier nicht halten können. Es wurde bestimmt, dass MORGAN in die weltweit modernste Instalation für Orcas kommen sollte: OrcaOcean im Loro Parque. Dort wird klar, was Mardick Leopold schon im November 2011 als Ursache für die Separierung MORGANs von ihrem Pod vermutet hatte: sie hat ein gravierendes Hörproblem. Leopold hatte damals konstatiert, dass dieses Faktum sie endgültig für eine Auswilderung disqualifizieren würde. Trotz der acht wissenschaftlichen Expertisen und dieser nachvollziehbaren wissenschaftlichen Einschätzung gibt es immer noch Interessengruppen, die MORGANs Auswilderung fordern, als sicher gilt, dass das Tier diese Auswilderung nicht überleben würde oder sie überhaupt eine hinreichend hohe Erfolgswahrscheinlichkeit hat, um eine Probe in Erwägung zu ziehen. Die letzten Aktionen bestanden im Wesentlichen aus Gerichtsverhandlungen in den Niederlanden, die – egal in welcher Instanz sie bisher stattfanden – für einen Verbleib des Tieres in Menschenobhut entschieden. Die letzte Instanz entschied im April 2014 für den Verbleib von Morgan in Menschenobhut. All dies geschah auf Basis der wissenschaftlichen Studien, die hier in Auszügen genannt wurden, sowie auf Basis anderer Expertisen, die allerdings nicht in diesem Artikel genannt werden, weil dies den Artikel völlig sprengen würde. Eine Chance auf Auswilderung gibt es für das Tier leider nicht. Es wäre natürlich wunderbar gewesen, wenn dies möglich gewesen wäre, aber man sollte nicht mit Tierleben spielen, nur, weil man die Auswilderungsszene in „Free Willy“ so schön fand und meint, dies wäre auch in der Realität möglich.

Nach dieser langen Vorgeschichte, die nötig war, weil man in Deutschland recht wenig von dem Fall hört und wenn dann leider zumeist sehr oberflächlich, kommen wir nun ins Jahr 2014. Beim Besuch des Loro Parque und aufmerksamer Beobachtung von MORGAN (sie ist leicht an einem mittigen schwarzen Fleck in ihrer linken Augenblässe zu identifizieren) fällt direkt auf wie viel sie ,im Vergleich zu letztem Jahr, gelernt hat. Ihr Verhaltensrepertoire hat sich enorm erweitert. Claudia Vollhardt, die Sie als Leser der flash-it-Magazine noch aus dem Bericht von letztem Jahr kennen, sagte dazu: „Morgan und alle anderen Wale lernen ständig neue Sachen dazu, wobei der Hauptfokus stets bei husbandry behaviours und wissenschaftlichen Projekten liegt. Vorletzte Woche z.B., hatten wir Wissenschaftler von der Universität St. Andrews (Schottland) im Park, die die Tiere gescannt haben, um mit Hilfe der Körpermassen, die wir Ihnen gegeben haben, vergleichende Studien mit Freiland-Scans von wilden Tieren machen können, um den körperlichen Zustand zu bestimmen um besser mit wilden Tieren vergleichen zu können. Des Weiteren werden zurzeit alle Vorbereitungen getroffen für einen weiteren Hörtest, um zu bestimmen, ob Morgan irgendwelche Frequenzen oder Volumina hört.“

Im letzten Jahr wurde auch schon die sog. „light bridge“ bzw. das „Licht“ erwähnt. Es wurde extra für MORGAN entwickelt, da sie auf die übliche auditive bridge (die Trainerpfeife) nicht reagiert. Also muss man visuelle Brücken (engl.: bridges; sie überbrücken die Zeit, von Moment, in dem das Tier etwas richtig macht, bis zum Moment, indem es „belohnt“ wird) finden. Einmal gibt es ein Handsignal des Trainers, das die Pfeife ersetzt, und es gibt das Lichttarget. Sie werden beide angewendet. Das Handsignal auf kurze Entfernungen und das Lichtsignal auf lange. Claudia Vollhardt erzählt, dass sie bereits vollständig darauf trainiert ist und: „Die anderen Tiere lernen die light bridge auch.“

In den einzelnen Trainings und in der Show sieht man ebenfalls, was schon letztes Jahr der Fall war: Sie ist sehr gut in die Gruppe integriert. Zur Rangordnung erklärt Claudia Vollhardt: „Morgan hat einen recht dominanten Charakter, so wie zu erwarten für ein Weibchen. Sie steht über Adán und Tekoa, aber unter Kohana. Mit Keto und Skyla kommt es immer darauf an, in welcher Kombination sie zusammen sind, das ist mal so, mal so.“ Die Rangordnung ist also nicht komplett fix und ein für alle Mal festgesetzt. Die Hierarchie bei Delfinen ist dynamisch, rangniedrigere Tiere werden immer mal ranghöhere Tiere austesten, denn z.B. Morgan und Skyla sind noch nicht ausgewachsen, die Herarchie kann  sich als noch ändern. Die Trainer achten natürlich darauf, dass es beim Austesten der Rangordnung nicht allzu ruppig zugeht. Beobachtungen von Orcas in der Wildbahn haben gezeigt wie gefährlich die Verhandlung der Rangordnung für Leib und Leben des Tieres werden kann und es wurden schlimme Verletzungen beobachtet. Im Loro Parque achtet man darauf, dass die Verhandlungen in einem verträglichen Rahmen bleiben. So werden tiefe Fleischwundern oder letale Verletzungen ausgeschlossen, aber trotzdem bleibt den Tieren die Chance, die Verhandlungen selbst durchzuführen.
MORGAN trainiert mit den anderen Orcas, verbringt ihre Freizeit mit ihnen und spielt. Sie verhält sich im Prinzip, wenn man mal von der Hörbehinderung absieht, wie jeder andere gesunde Orca auch, aber nur, weil sie sich die anderen Mitglieder des Pods und die Trainer schon auf sie eingestellt haben. „Es ist definitiv zu beobachten, dass Morgan mehr darauf achtet, was die anderen Tiere tun, d.h. z.B. wenn wir die Tiere rufen und sie das zuerst nicht mitbekommt, weil sie unseren Ruf nicht hört, so sieht sie aber schon, wenn alle anderen Tiere plötzlich an demselben Platz zur Kontrolle der Trainer gekommen sind und kommt dann auch rübergeschwommen“, erklärt Claudia Vollhardt.  

Ein solches Leben wäre in der Wildbahn nicht möglich. Durch die fehlende Fähigkeit der Kommunikation könnte sie sich keiner Gruppe anschließen, geschweige denn mit ihnen jagen. Die heringfressenden Orkas in Skandinavien jagen nämlich kooperativ. Das heißt, sie sprechen sich während sie jagen quasi ab. Daran könnte MORGAN nicht teilnehmen. Alleine Jagen wäre kaum von Erfolg gekrönt, da die Orcas ja nicht umsonst kooperativ jagen. Zudem fehlt ihr die Möglichkeit zur Echoortung. Im Loro Parque hat sie hingegen ein Leben, wo man auf sie eingehen kann, weil nicht der Druck für die Tiere besteht, täglich genug Fisch zu finden – den bekommen sie in den Fütterungen und Trainings von den Trainern. So haben die Orcas vor Ort ganz andere Möglichkeiten mit MORGAN umzugehen. In einem wilden Pod wäre sie ein Klotz am Bein, der nur bis zu einem gewissen Grad mitgeschleppt würde, wenn man sie überhaupt aufnehmen würde. Dann würde MORGAN zurückgelassen – so wahrscheinlich ja schon einmal 2010 geschehen. In Menschenobhut aber kann MORGAN ein Bestandteil der Gruppe sein und durch das Haltungsmanagement wiegen die Probleme, die durch das Handycap ausgelöst werden, lange nicht so schwer wie in der Wildbahn und die anderen Tiere haben nicht den Druck wie in der Wildbahn und können sich so mehr auf MORGAN einlassen.

Somit bietet ihr die Unterbringung im Loro Parque ideale Umstände für ein geistig, körperlich und sozial gesundes und intaktes Leben – eine Chance, die ihr in der Wildbahn nicht zu Teil werden würde. Den guten Zustand des Tieres im Loro Parque haben bereits zahlreiche Experten für Veterinärmedizin und Meeresbiologie bestätigt. Während der Zeit, zuder das MuT-Magazin vor Ort war, haben auch Wissenschaftler von St. Andrews im Loro Parque geforscht. Sie haben ein Gerät entwickelt, mit denen man die Tiere quasi Scannen kann. Im Loro Parque wurde er dann gestet, nachmdem man ihn schon in der Wildbahn angewendet hatte. Das Gerät wurde gebaut, um den körperlichen Zustand von wildlebenden Tieren zu vergleichen. Dies ist ein Beispiel dafür wie die Forschung, die mit Orcas in Menschenobhut möglich ist, auch der Forschung an den Tieren in der Wildbahn zu Gute kommt.

Im Loro Parque selbst hat sich auch enorm viel getan. Die größte Neuerung ist wohl Animal Embassy – die Botschaft für Wildtiere. Ähnlich wie eine Botschaft für Menschen gibt es nun auch eine für Tiere. Die Loro Parque Fundación, deren Spenden zu 100% in den Schutz der Wildtiere und deren Natur geht, informiert dort die Besucher über die Tiere in der Wildbahn und auch die Forschungsprojekte der LPF. In Addition mit dem Loro Parque, der die Botschafter ihrer Art und ihres Lebensraumes zeigt, entsteht so eine Animal Embassy. Der Park folgt dabei den Richtlinien modernster Zootierhaltung. Es geht bei moderner Zootierhaltung nicht mehr darum, Tiere einfach zu präsentieren oder zu zeigen – das war Zoo wie er früher Gedacht war: eine Tierschau. Heute aber geht es darum, dass die Tiere von den Besuchern nicht mehr als bloße Schauobjekte von den Besuchern rezipiert werden, sondern als Teil der Natur, die der Besucher schützen soll. Es gewinnt zunehmend Wichtigkeit für Forschung und Lehre, die der Wildpopulation dient, Zuschauer weiterzubilden, damit sie die Problem erkennen und verstehen. Nur wenn man die getan hat versteht man die Wichtigkeit von Arten-, Tier- und Naturschutz und setzt sich dafür ein. Dieses Konzept verfolgen der Loro Parque und andere Zoos in Deutschland schon länger. Die Baute „Animal Embassy“ setzt diesen Bemühungen nun die Krone auf. Zusätzlich sieht man in dem Neubau auch noch die Papageienaufzucht in verschiedenen Stadien. Fernerhin sind auch noch Forschung, Labor und Veterinärpraxis dort untergebracht. Der Loro Parque ist also immer darum bemüht Tieren und Besucher den neusten Stand der Tiergartenbiologie zu studieren, um in idealem Umfeld auf die Notwendigkeit von Tier-, Arten- und Naturschutz hinzuweisen. Mit der Stiftung bietet der Parque dann auch noch eine hervorragende Möglichkeit sich auf vielfacher Weise unkompliziert und direkt zu engagieren.   

Bericht: Philipp Kroiß

Franziska Maier

Franziska Maier

> Offizielles Mitglied der "bdfj" Bundesvereinigung der Fachjournalisten e.V. > Studium der Germanistik, Geschichte, Politikwissenschaft und ev. Theologie* Beruf der Realschullehrerin (inkl. des Amtes der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit) > Journalistische Tätigkeit bei diversen Magazinen (Veröffentlichung von Artikeln u.a. bei Da Capo, Thats Musical, Blickpunkt Musical, Esslinger Zeitung...)