S´Konfirmandefescht

„G´schwätz, G´fressa und G´sauf“ – „S´Konfirmandefescht“ in der Stuttgarter Komödie im Marquardt zeigt den alltäglichen Wahnsinn von Familienfeiern

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Sicherlich kennen Sie alle die beliebten Familienfeste, sei es nun Weihnachten, Ostern oder eben auch die Konfirmation, bei der sich all die Verwandten versammeln, die man manchmal monatelang nicht zu Gesicht bekommt. Man gehört zwar zusammen, hat sich jedoch nicht allzu viel zu sagen. Es sei denn, der Alkohol wird zum Freund aller und lockert auf bedenkliche Weise die Zungen…

So auch im neuen Stück der Komödie im Marquardt. „S´Konfirmandefescht“, basierend auf dem Volksstück von Fitzgerald Kusz „Schweig, Bub!“, wird im Schwabenländle natürlich auch auf Schwäbisch präsentiert. Dabei nimmt Ulf Dietrichs Inszenierung gerade durch den Dialekt besonders humoristische Ausmaße an, die vor allem vom Publikum mit viel Applaus quittiert werden.

 

Im Mittelpunkt des Geschehens sollte eigentlich Konfirmand Markus stehen (der abwechselnd von Marco Eisele, Manuel Müller und Jan Wezel gespielt wird), schließlich ist es sein großer Tag und alle Verwandten kommen, um ihn zu feiern. Doch Markus steht nur zu Beginn als Fixpunkt da. Kaum aus der Kirche kommend, serviert Mutter Jutta (Monika Hirschle) den hungrigen Mäulern ihre berühmte Flädlesupp. Sie stand extra um fünf Uhr morgens auf, um das Essen zu richten und ihrem Bub einen unvergesslichen Tag zu bereiten. Unvergesslich wird Markus diese Konfirmation wahrlich bleiben, doch nicht das Essen sorgt dafür, sondern die illustren Gäste. Allen voran natürlich sein Vater Frank (Roman Kohnle), der erst mit steigendem Alkoholpegel über sich hinaus wächst. Leider im negativen Sinne, da somit auch Dinge angesprochen werden, die man doch lieber nicht der gesamten Verwandtschaft mitteilen sollte. So ist ein ernster Ehekrach vorprogrammiert. Und nicht nur Frank schaut gerne zu tief ins Glas. So auch Onkel Willi (Peter Jochen Kemmer), der ein Auge auf die attraktive blondierte Kusine Michaela (Nicole Lohfink) geworfen hat. Als weiterer Gast ist auch Birgit (Sabine Bräuning)zu nennen, ihres Zeichens eine Bekannte der Familie, die mit Ehemann Thorsten (Sebastian Sash) ebenfalls dem Fest beiwohnt. Willis Frau, Tante Anna (Birke Bräuning), findet das Verhalten der alkoholisierten Männer unmöglich und hält sich stattdessen lieber an die reichlich aufgetischten Mahlzeiten. Von der Suppe, über den Rostbraten mit Spätzle, hin zur Torte und den Wiener Würstchen, um dann letztendlich wieder bei der Torte zu landen.

Zwei Stunden lang zeigen die Protagonisten, wie man die Langeweile solcher Familienfeste bekämpfen kann und das auf ihre ganz spezielle Art und Weise. An der langen Essenstafel, die von Alexander Roy, der für das Bühnenbild zuständig war, passend gewählt wurde, lästern alle, was das Zeug hält. Ein Spruch und Gag jagt den anderen. Angefangen vom „schlonzigen Kartoffelsalat“, über die Schönheitspflege der Damen, bis hin zum Lieblingsthema der Herren, nämlich die eigene Männlichkeit und das andere Geschlecht. Vor allem Kusine Michaela rückt hier stärker in den Mittelpunkt. Und spätestens wenn sie angetrunken einen Striptease vollführt, erreicht die Stimmung ihren Höhepunkt. Auch ihre unfreiwilligen „akrobatischen Einlagen“, wenn sie versucht, ihr Essen am viel zu niedrigen Tisch einzunehmen, sorgen für Lacher. Während des „großen Fressens“ hat Markus, der Konfirmand, leider wenig zu sagen oder zu lachen. So erhoffte sich der junge Sprössling eigentlich viele Geldgeschenke, doch stattdessen erhält er stets denselben Blumentopf oder ein Modellflugzeug zum Selber bauen. Sein einziges Highlight ist der I-Pod, den er Tante Anna erklärt, doch diese versteht nur Bahnhof, da sie die Technik der heutigen Zeit wenig zu interessieren scheint.

 

Die Situationskomik ist bei diesem Stück entscheidend. So sieht man an der Reaktion des Publikums genau, dass auch diese bereits Teil einer solchen Familienfeier waren und es eben viele „Tante Annas“ oder „Onkel Willis“ gibt. Und die kurzweiligen Anekdoten, die von den Schauspielern berichtet werden, sorgen ebenso für allerlei Unterhaltung. Speziell wenn über die Verdauungsprobleme von Anna gesprochen wird und Mutter Jutta entsetzt feststellt: „Könnt ihr denn immer nur von Scheiße reden?!“  Und wenn die Herren „Schnaps, das war sein letztes Wort“ anstimmen, fühlt man sich beinahe wie in einem Bierzelt auf dem Volksfest. Mit einer klassischen Konfirmation hat dies nur noch wenig zu tun. Dabei wartet vor allem Mutter Jutta bis zum Schluss auf den Herrn Pfarrer, der jedoch wohl den „Rehbrota der Neumeiers“ bevorzugt…

 

Innerhalb der zwei Stunden sammeln sich die leeren Alkoholflaschen auf dem Tisch und aus der seriösen Feier wurde ein richtiges Saufgelage, welches auch die Gäste verändert. Der so seriöse Thorsten taut auch allmählich auf und hat ein Auge auf Michaela geworfen, ganz zum Leidwesen seiner verschrobenen Gattin, die als Einzige in der Runde Hochdeutsch spricht und ihren Mann dann auch zum Gehen drängt.

Apropos gehen…wie wird man die liebe Verwandtschaft denn am Abend eines solchen Festes wieder los? Nun, sollten sie nicht freiwillig den Hut nehmen, so wird es wohl äußerst schwierig. Doch als am Ende nur noch Willi und Anna sowie Michaela übrig sind, schlägt Anna vor, diese nette Runde doch einfach die Woche darauf bei ihr fortzusetzen, dann aber mit einem „richtigen Kartoffelsalat“!

„S´Konfirmandefescht“ ist ein Stück, welches genau aufzeigt, dass die besten Geschichten durch den Alltag und das Leben geschrieben werden. Die Charaktere des Stückes sind liebevoll, wenngleich auch etwas überzogen gezeichnet. Man leidet mit der armen Mutter mit, hat ebenfalls Mitleid mit dem Konfirmanden und lacht über die Aussprüche der Verwandtschaft Tränen.

Erleben auch Sie noch dieses Meisterwerk des guten Humors in der Stuttgarter Komödie im Marquardt noch bis zum 06. Mai!

 

Weitere Infos unter:

www.schauspielbuehnen.de

 

Bericht: Franziska Maier

Fotos: Sabine Haymann

Franziska Maier

Franziska Maier

> Offizielles Mitglied der "bdfj" Bundesvereinigung der Fachjournalisten e.V. > Studium der Germanistik, Geschichte, Politikwissenschaft und ev. Theologie* Beruf der Realschullehrerin (inkl. des Amtes der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit) > Journalistische Tätigkeit bei diversen Magazinen (Veröffentlichung von Artikeln u.a. bei Da Capo, Thats Musical, Blickpunkt Musical, Esslinger Zeitung...)