The Gentlemen of Musicals

The Gentlemen of Musical oder Ladies and Gentleman of Musical?!

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Die FILharmonie in Filderstadt ist für Fans des Musicalgenres mittlerweile eine feste Größe, denn in regelmäßigen Abständen veranstaltet Sound of music concerts dort Shows mit den beliebtesten Sängerinnen und Sängern bekannter Musicals. So war auch an diesem Wochenende die FILharmonie gleich zweimal ausverkauft – kein Wunder, denn zwei der populärsten männlichen Musicalstars gaben sich die Ehre – beide verkörperten erfolgreich die Rolle des „Grafen von Krolock“ im Erfolgsmusical „Tanz der Vampire“ und auch sonst haben die beiden Herren bereits viele Rollen in ihrem Repertoire vorzuweisen. Die Rede ist von Kevin Tarte und Jan Ammann, alias die „Gentlemen of Musical“!

Kevin Tarte stand im Jahr 2000 als „Krolock“ in der Deutschlandpremiere von „Tanz der Vampire“ im Stuttgarter Apollo Theater auf der Bühne und prägte die Rolle wie kein anderer, so schlüpfte er auch in Hamburg, Oberhausen sowie Berlin in seinen berühmten Vampirumhang und war bereit zum Biss. Doch der in Seattle geborene Sänger dürfte vielen auch durch seine Rolle in „Sweeney Todd“, „Die Schöne und das Biest“, „The student prince“ oder „42nd street“ bekannt sein.

Jan Ammann ist DER Shootingstar der Musicalszene. In kurzer Zeit schaffte er es, in vielen Stücken als Erstbesetzung auf den großen Bühnen zu stehen. Zuletzt verkörperte er die Rolle des „Maxim de Winter“ in Levay/Kunzes Musical „Rebecca“. Seine große Fanbase konnte er allerdings auch vorwiegend als „Graf von Krolock“ aufbauen – hierbei übernahm er die Erstbesetzung der Rolle in der Oberhausener Produktion – alternierender Graf war in dieser Zeit Kevin Tarte, ebenso wie später dann in Stuttgart – nicht nur die Rolle verband die beiden Sänger, es entstand eine richtige Männerfreundschaft. Ammanns Karriere startete in Füssen, als er die Rolle des bayerischen Märchenkönigs „Ludwig II.“ im Musical „Ludwig²“ übernahm. Dass Jan und der historische Ludwig viel gemeinsam haben, zeigt schon alleine die Tatsache, dass die beiden am selben Tag Geburtstag feiern– nur liegen so einige Jahrzehnte zwischen ihnen…

Die beiden beliebten Musicalsänger in einer Show zu präsentieren, stellte ein reizvolles Showkonzept dar und so war es kein Wunder, dass die Tickets reißenden Absatz fanden und die Fans beider Herren voll auf ihre Kosten kommen, jedenfalls war dies am Freitag, den 19.04.2013, noch der Fall, denn an diesem Abend hatte die Show Premiere in der FILharmonie und beide Sänger standen noch vereint auf der Bühne. Am Samstag bot sich dem teilweise weit gereisten Publikum ein anderes Bild. Einer der „Gentlemen“ fehlte – Kevin Tarte, der bereits am Freitag die Show in krankem Zustand absolvierte, fiel nun komplett aus – zum Leidwesen vieler Zuschauer, die teilweise extra wegen „ihrem Star“ anreisten.

Andreas Luketa, Veranstalter und Geschäftsführer der Sound of music GmbH, betrat pünktlich um 19 Uhr die Bühne, um den Zuschauern die traurige Nachricht zu übermitteln. „Es ist immer ein schlechtes Zeichen, wenn der Veranstalter die Bühne betritt“, mit diesen Worten eröffnete Luketa den Abend und erklärte, dass Jan Ammann, gemeinsam mit den beiden Gaststars Nicole Mühle und Michaela Schober , den ganzen Tag an einer neuen Show gearbeitet hätten – 27 Titel seien das Resultat, das sich durchaus hören ließe, doch wer nur wegen Kevin Tarte anreiste, dürfe den Saal verlassen und würde eine Rückerstattung des Geldes im Foyer beantragen können. In der Tat gab es vereinzelte Zuschauer, die dem neuen Terzett Ammann/Mühle/Schober keine Chance gaben, doch 95% der Stühle blieben besetzt und den Zuschauern bot sich eine sicherlich noch nie dagewesene Show der Extraklasse. Obwohl Jan Ammann sichtlich vom Stress gezeichnet war und in seiner Begrüßung und Anmoderation auch zum Ausdruck brachte, wie sehr ihn Kevin Tartes Krankheit aus dem Konzept brachte, bat er das Publikum um Nachsicht – er und seine Kolleginnen würden das Beste geben, um den Abend schön zu gestalten. Die Zuschauer quittierten Ammanns Worte mit großem Applaus und zeigten sofort Solidarität und Verständnis, was die Künstler in ihrem Wirken nur noch mehr bestärkte.

Die musikalischen Darbietungen des Abends deckten beinahe das gesamte Spektrum der Musicalbranche ab. So durfte natürlich ein großer Block aus „Tanz der Vampire“ nicht fehlen, in dem nun Jan Ammann die Ehre hatte, alle Songs darzubieten. Ob „Gott ist tot“, „Die Einladung zum Ball“, die „Totale Finsternis“ im Duett mit Michaela Schober oder „Die unstillbare Gier“ – Standing Ovations  waren das Resultat dieser Titel aus dem erfolgreichen Musical, das doch sichtbar tief in den Herzen der Zuschauer verankert ist.

Doch auch „Das Phantom der Oper“, mit Jan Ammann als „Phantom“ und Nicole Mühle als beeindruckende „Christine“ mit hoher Coloratur, sorgte für große Begeisterung. Dass im Anschluss an dieses Duett, thematisch passend, der Song „Love never dies“ aus der gleichnamigen Fortsetzung von Andrew Lloyd Webbers „Phantom der Oper“ gesungen wurde, machte vor allem Lust auf mehr, da dieses Stück noch in keiner deutschen Fassung vorliegt und nur in London gespielt wurde.

Apropos gespielt, in den deutschen Kinos wird der Film zum Musical „Les Miserables“ bereits seit einigen Wochen gespielt und zwei Titel daraus wurden den Zuschauern in der FILharmonie nicht vorenthalten: „Sterne“ mit Jan Ammann als „Javert“ sowie „Ich hab geträumt“, mit gleich zwei „Fantines“ – Nicole Mühle und Michaela Schober im Duett.

Zu Beginn der Show erklärte Jan Ammann noch, dass manche Titel kurzerhand „umfunktioniert“ wurden, so lernte er wochenlang mühevoll seine Passagen, Zweitstimmen und Co. und nun musste alles neu entwickelt werden und das in kurzer Zeit. Doch genau diese Veränderungen machten das Konzert so einzigartig. Aus dem Lied „The rose“ wurde ein Terzett, ebenso aus „Hallelujah“, welches den Abschluss des Abends bildete, ehe die Künstler noch Zugaben sangen.

Der erste und zweite Akt des Abends war abwechslungseich und unterteilt in Duette sowie Soloperformances der Künstler, erwähnenswert seien auf jeden Fall Nicole Mühles Interpretation des Whitney Houston Songs „Greatest love of all“ und auch Michaela Schobers Song „Dir gehört mein Herz“ aus dem Musical „Tarzan“, das im November im Stuttgarter Apollo Theater Premiere feiert. Und auch Jan Ammans Solotitel, u.a. natürlich „Geliebte Berge“ aus dem Musical „Ludwig²“ , stellten Highlights dar.

Die Zuschauer wurden auf eine Reise durch die Welt der Musicals mitgenommen, bei der kaum ein Wunsch offen blieb – Cats, Der Graf von Monte Christo, Evita, Ludwig², Tanz der Vampire und vieles mehr – allesamt Melodien, die den Alltag für rund drei Stunden in Vergessenheit geraten ließen.

Aus „The Gentlemen of Musicals“ wurde „Ladies und Gentleman of Musical“ – eine unvorhersehbare und dennoch bereichernde Änderung und obwohl Kevin Tarte natürlich fehlte, schafften es die drei Akteure sowie die brillante Pianistin Marina Kommissartchik, die die Titel teilweise nur aus dem Gedächtnis spielte, da man auf die Schnelle die Noten für manche Songs nicht mehr besorgen konnte, den Abend würdig zu gestalten. Evtl. wird ja aus dieser „Notsituation“ ein neues Showkonzept für Sound of music concerts?! Abschließend wurde jedenfalls allen Anwesenden klar, welch großartige Leistung von dem gesamten Team vollbracht wurde – das hohe Maß an Professionalität, das vom Veranstalter, bis hin zu den Sängerinnen und Sängern gezeigt wurde, verdient höchste Anerkennung!

Weitere Infos unter:

www.soundofmusic-concerts.de

Bericht und Fotos: Franziska Maier

 

Franziska Maier

Franziska Maier

> Offizielles Mitglied der "bdfj" Bundesvereinigung der Fachjournalisten e.V. > Studium der Germanistik, Geschichte, Politikwissenschaft und ev. Theologie* Beruf der Realschullehrerin (inkl. des Amtes der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit) > Journalistische Tätigkeit bei diversen Magazinen (Veröffentlichung von Artikeln u.a. bei Da Capo, Thats Musical, Blickpunkt Musical, Esslinger Zeitung...)