Die Aristokraten

Audienz am Hofe – Die Aristokraten verzaubern das Friedrichsbau Varieté

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Wie vielseitig ein Varieté sein kann, zeigt der Stuttgarter Friedrichsbau bereits seit vielen Jahrzehnten. Keine Show gleicht der anderen und dennoch haben sie alle eines gemeinsam: Die Protagonisten und Artisten, die dort allabendlich auf der Bühne stehen, sind stets qualitativ hochwertig und verzaubern das Publikum mit ihrer vielschichtigen Kunst.

Bis zum 16. Juni gibt es nun ein besonderes Highlight zu erleben, denn „Die Aristokraten“ halten Hof und demonstrieren eindrucksvoll Leben, Lieben und Laster des barocken Zeitalters. Als Aristokrat bezeichnete man seit jeher im historischen Sinne die Schicht der Adeligen. Politikwissenschaftlich gesehen, sind Aristokraten eine Gruppe besonders befähigter Individuen – man spricht auch von der „Herrschaft der Besten“, die oftmals das einfache, hart arbeitende Volk ausbeutete, um ihren Lebensstandard zu sichern und zu bewahren. Am Hofe wurde nicht gearbeitet im klassischen sInn, das Vergnügen des Adels stand an erster Stelle. Dass viel Wert auf Äußerlichkeiten gelegt wurde, sieht man auch anhand der Kostüme, die extra für das Showkonzept angefertigt wurden. Jedoch galt die körperliche Hygiene als verpönt, ein gutes Parfum konnte den strengen Körpergeruch auch übertünchen…

Sobald die Zuschauer den Saal des Friedrichsbaus betreten, werden sie gebührend mit Sekt und Knabbersachen empfangen. Der in Dorsten geborene Martin van Bracht, Mitbegründer der Gruppe GOSH, schlüpft in die Rolle einer sehr skurrilen Dame, die es versteht, mit den „Anreisenden am Hofe“ zu kommunizieren, natürlich stilecht im Jargon der damaligen Zeit. Diese direkte Interaktion zwischen Publikum und Darsteller ist eine interessante Abwechslung und stimmt zugleich auf das folgende Programm ein, das schon während der Eröffnungsszene offenbart, wer der Star des Abends ist, nämlich eben diese „Dame“, alias Martin Bracht, alias Fürst Friedrich Wilhelm, der als Herrscher und Conférencier durch den Abend führt und nur allzu gerne von seinem Umfeld gehuldigt werden möchte. Doch auch mit Akrobatik und Komik schafft es van Bracht, die Zuschauer zu begeistern, so als schrille „Tante Kitty“ aus Amerika und seiner Einradnummer.

Die illustre Gesellschaft, die sich um den Fürsten schart, wird ebenso vorgestellt – allesamt Verwandtschaft oder bedeutende Persönlichkeiten am Hofe und jeder von ihnen birgt ganz besondere Talente in sich.

Da wären Gilles Le Leuch, der Diener am Hofe und beeindruckender Diabolo Artist, Felix Ahlert, Sohn des Fürsten und dessen Partner bei Akrobatiknummern, dazu ist er noch bei einer Reifenartistik Performance zu sehen. Caroline Schroeck (Luftartistik), Kathrin Mlynek (Hula Hoop), Ziska Riva (Seiltanz) – die Damen am Hofe, bereits von Kleinigkeiten amüsiert und Lustobjekte der Herren, Mark Maschek, der Rittmeister und Meister der Pantomime und zu guter Letzt noch Musikus Klaus Franz, der mit virtuosem Gitarrenspiel, Pantomime und Tanz besticht.

Dass die Aristokraten nicht nur für diese Show zusammengestellt wurden, kann man auch ihrer Homepage entnehmen (www.aristokraten.de). So tritt das vielseitige Ensemble in verschiedenen Formationen auf und jede Festlichkeit wird durch sie zum Erlebnis. Für jeden Geschmack ist etwas dabei, Artistik, Musik, clownesque Performances oder Wortspiele sowie die Integration des Publikums – aus Zuschauern werden im Handumdrehen neue Mitglieder der ehrwürdigen Familie, so ist plötzlich „Königin Mutter“ zu Gast oder Besucherin Ursula wird zum Objekt einer musikalischen Ode. Man weiß nie, wozu die illustre Gesellschaft fähig ist, doch eines haben alle gemeinsam: Sie unterhalten die Zuschauer auf ihre eigene geniale Art und Weise.

Das Showkonzept unter der Regie von Dieter Winterberg und Nicole Kehrberger zeigt auf´s Neue sehr eindrucksvoll, wie Nahe doch Kunst, Leistungssport, Musik und Komik beieinander liegen. Die Grenzen der einzelnen Genres verschmelzen miteinander und sind kaum noch erkennbar. Am Ende ist im wahrsten Sinne des Wortes „genug der Poesie“! Ein Zitat, das auf das entblößte Hinterteil des Fürsten, bzw. dessen Gattin, am Schluss der Show anspielt.

„Die Artisten“, eine skurrile Kombo verschiedenster Charaktere und Künstler, die gerade durch ihre Unterschiedlichkeit harmonieren und den Zuschauern für rund 2,5 Stunden in ein früheres Zeitalter entführen. So verlässt man als Gast des Friedrichsbaus die Show und erlebt eine wahre Zeitreise. War früher doch vieles besser? Nun, wenn man zu den Aristokraten gehörte – sicherlich!

Tickets und weitere Infos unter:

www.friedrichsbau.de

Bericht: Franziska Maier

Fotos: Alexandra Klein

Franziska Maier

Franziska Maier

> Offizielles Mitglied der "bdfj" Bundesvereinigung der Fachjournalisten e.V. > Studium der Germanistik, Geschichte, Politikwissenschaft und ev. Theologie* Beruf der Realschullehrerin (inkl. des Amtes der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit) > Journalistische Tätigkeit bei diversen Magazinen (Veröffentlichung von Artikeln u.a. bei Da Capo, Thats Musical, Blickpunkt Musical, Esslinger Zeitung...)