Metropolitan Friedrichsbau Variete

Großstadtflair hautnah im Friedrichsbau Varieté Stuttgart

artpic-2207

Premiere der neuen Show „Metropolitan“

Waren Sie schon einmal in New York? In London? Paris? Oder allgemein in einer der Großstädte dieser Welt? Dann könnte das Geschehen der neuen Show „Metropolitan“ Ihnen sehr bekannt vorkommen…denn was dort auf der Bühne rund zwei Stunden lang präsentiert wird, repräsentiert auf eindrucksvolle Art und Weise das Großstadtleben mit all seinen Facetten.

Regisseur Ralph Sun hat in seiner neuesten Produktion bewusst auf ein großes Bühnenbild sowie eine durchgängige Handlung verzichtet. Viel mehr präsentiert er den Zuschauern Szenen aus der Großstadt, die wie eine Art Blitzlicht verschiedene Menschentypen vorstellen.

Dabei steht eine Person im Mittelpunkt des Geschehens: Mr. Leu, den man auch als Star der Show bezeichnen könnte. So wirkt sein Bühnencharakter eher vom Leben gebeutelt, seine Kleidung ist zerlumpt und dennoch – setzt sich Mr. Leu ans Klavier und beginnt zu singen, entführt er die Menschen in eine andere Welt. Als eine Art Conférencier führt er durch die gesamte Show, ob mit Worten oder musikalisch. Dabei wird er vom Friedrichsbau Varieté Orchester live begleitet. Mr. Leus Aussehen sowie seine Bewegungen wirken ab und an clownesque, so trägt er zwei aufgemalte Augenbrauen, eine davon höher als die andere und schief gezeichnet. Sein dadurch gleichbleibender Gesichtsausdruck zeigt eine stetige Skepsis, die sich auch in seinen oftmals nachdenklichen Songs ausdrückt.

Die Bühne ist äußerst puristisch, einzig Mr. Leus Klavier ziert diese sowie eine Leinwand, die bei ein paar Titeln zum Einsatz kommt und auf der Projektionen zu sehen sind, die die einzelnen Showacts passend unterstützen. Allgemein wirkt die Atmosphäre des neuen Stückes eher bedrückend und das Bühnenbild unterstützt diese Melancholie der Show. Wären da nicht die phantastischen Akteure auf der Bühne, könnte man „Metropolitan“ beinahe als Stück mit negativer Ausstrahlung empfinden. Doch genau die Tristesse des Umfelds lässt die Handelnden auf der Bühne umso mehr erstrahlen.

So begleitet Mr. Leu unter anderem Lea Hinz, die mit Artistik am Luftring sowie graziösem Tanz begeistert. Charlotte de la Breteques extravagante Luftartistik an Schnüren raubt einem den Atem, ebenso die immense Kraft, die Richard Morneau an der Aerial Ladder, einer in der Luft schwebenden Leiter, beweist.  Mathieu Bolillo begeistert mit „CirKolution II“, einer temporeichen Darbietung auf einem von ihm entwickelten Reifen, auf dem er seine Kraft und Grazie zeigt. Margot Marcadés Equilibristik findet auf Mr. Leus Piano statt, eine sanfte Verführung zur Musik und Ausnahmejongleur Robert James Webber dürfte manchen bereits aus dem „Cirque du Soleil“ bekannt sein. Michael Clifton fällt etwas aus der Reihe mit seiner Kunst. So unterstützt der Multiinstrumental-Artist oftmals Mr. Leu gesanglich oder mit seinen Trommeln, die sich allerdings überall auf seinem Körper befinden. Durch sein oftmals skurriles Aussehen setzt er Farbakzente in der sehr düster wirkenden Show.

Dass man diese bedrückende Atmosphäre des Stückes auch auf die aktuelle Situation des Friedrichsbaus übertragen könnte, ist zwar nur eine Vermutung, doch spricht so einiges dafür. Obwohl das Friedrichsbau Varieté eine feste Institution in Stuttgart ist und bis Ende 2012 rund 1.800.000 Menschen zu Gast waren, könnte der Spielbetrieb 2014 enden, da ein neuer Sponsor fehlt und der bisherige, die L-Bank, ihre Unterstützung zurückzog. Die Zukunft des Varietés ist leider bis heute ungewiss. Doch selbst namhafte Künstler wie Udo Lindenberg setzen sich für den Erhalt des Varietés ein. Der „Mann mit Hut“ bewundert die vielen Talente und Künstler sowie die Stuttgarter Kulturszene sehr. Der Friedrichsbau mit seinen wundervollen Shows darf einfach nicht geschlossen werden!! Mit ihm würde ein Stück Stadt-und Kulturgeschichte sterben. Aktuell läuft eine Unterschriftenaktion – weitere Infos hierzu erhalten Sie auch bei uns in Kürze!

An möglichen Sponsoren mangelt es in Stuttgart eigentlich nicht, bleibt nur zu hoffen, dass es Ende 2013 dann die gute Nachricht geben wird, dass der Spielbetrieb weiterläuft!

Bis dahin wird es aber noch viele beeindruckende Shows im Friedrichsbau geben und „Metropolitan“ ist eine davon.

Bericht: Franziska Maier

Fotos: Alexandra Klein

Franziska Maier

Franziska Maier

> Offizielles Mitglied der "bdfj" Bundesvereinigung der Fachjournalisten e.V. > Studium der Germanistik, Geschichte, Politikwissenschaft und ev. Theologie* Beruf der Realschullehrerin (inkl. des Amtes der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit) > Journalistische Tätigkeit bei diversen Magazinen (Veröffentlichung von Artikeln u.a. bei Da Capo, Thats Musical, Blickpunkt Musical, Esslinger Zeitung...)