Der dressierte Mann

Neu auf dem Theaterschiff Stuttgart: „Der dressierte Mann“

 

Wie sieht Ihrer Meinung nach eine perfekte Beziehung zwischen Mann und Frau aus? Die Frau bleibt als treusorgende Hausfrau am heimischen Herd und kümmert sich um die Kinder – der Mann geht arbeiten, ist der Versorger und Herr im Haus? Oder stellen sich Ihnen bereits bei der Vorstellung dieses Bildes die Haare zu Berge und Sie vertreten mehr die Meinung, dass Gleichberechtigung in einer Beziehung das A und O ist?! Natürlich wäre da auch noch eine dritte Variante zu nennen: Der Mann als guter Geist zu Hause, er putzt, wäscht, kocht und kümmert sich um die Kinder, während die Frau Gemahlin Karriere macht und zu den Großverdienern gehört. Doch was ist nun die richtige Wahl, wenn man sich entscheiden müsste zwischen diesen Optionen?

Genau dieser Frage wird in dem Stück „Der dressierte Mann“ nachgegangen, welches am 03.März 2012 Premiere auf dem Theaterschiff Stuttgart feierte.

 

In John von Düffels Komödie steht Bastian im Mittelpunkt des Geschehens. Als Sohn einer Radikalemanze musste er schon früh lernen, wie stark doch das weibliche Geschlecht sein kann. So wuchs er unter Frauen auf und hat nur einen Wunsch: Er möchte einen völlig anderen Frauentyp ehelichen, eine „normale“ Frau. In Helen scheint er diese gefunden zu haben. So bereitet er eines Abends liebevoll ein Candle Light Dinner vor, bei dem er um ihre Hand anhalten will. Doch Helen hat anderes im Sinne und als sie ihm offenbart, dass sie den Job als Chief Executive Producer angeboten bekommen hat, auf welchen auch Bastian spekulierte, sind die Heiratspläne erst einmal auf Eis gelegt. Helen als zukünftige Großverdienerin, die im Monat 50 000 Euro nach Hause bringt – diese Vorstellung ist einfach zu viel für Bastian! Im Streit verlässt er am Morgen darauf die gemeinsame Wohnung und lässt Helen alleine. Doch diese bekommt bald Gesellschaft von keiner Geringeren als ihrer Mutter, einer Zahnarztgattin, in dritter Ehe sowie Verkörperung des klassischen Frauenbildes der 60er Jahre. Ihre Devise: Eine Frau braucht einen Versorger, der Geld verdient, welches dann von der Frau wieder ausgegeben werden kann! Bildung und Arbeit = Fehlanzeige!

Doch nicht nur Helens Mutter taucht auf und gibt gute Ratschläge – auch Bastians Mutter steht vor der Tür. So treffen die beiden Gegenpole, in Form der Mütter, aufeinander. Sie könnten nicht unterschiedlicher sein, doch trotz allem, verstehen sie sich sehr gut und beschließen, Helen auf ihre Art und Weise zu helfen. Doch was tut man in solch einer Situation, wenn der Mann beschließt, den Heiratsantrag zurückzuziehen? Da gibt es nur eines: Ihm die perfekte Frau vorzuspielen! So wird Helen umgestylt, ab sofort trägt sie ein rosa Tüllkleid und blonde Locken, anstatt grauen Jogginganzug und braunen Dutt. Als Bastian angetrunken nach Hause kommt, kann die „Verwandlung“ Helens beginnen. Mit Wodka wird Bastian erneut abgefüllt, so dass er das Gedächtnis verliert. In der Zwischenzeit mutiert Helen zum Weibchen und als Bastian erwacht, erkennt er seine Angebetete nicht wieder. Helen, die all die guten Ratschläge der Mütter berücksichtigt und voll und ganz auf Bastian eingeht sowie nach dem sogenannten „Kindchen-Schema“ handelt, spielt ihre Rolle gut, doch der Schwindel fliegt auf, als Bastian mit dem gemeinsamen Chef telefoniert und dieser berichtet, dass Helen ganz und gar nicht die neue Stelle gekündigt habe. Nun bleibt den drei Damen nur noch eines: Helen muss schwanger werden – nur auf diese Art lässt sich ein Mann binden! Oder?!…

Wie die Komödie endet, sollte sich jeder selbst ansehen. Doch eines ist sicher: Regisseurin Stefanie Stroebele zeigt in diesem Stück eindrucksvoll, wie sich das Frauenbild im Verlauf der Geschichte gewandelt hat. Galt noch in den 50er und 60er Jahren die Frau als Heimchen am Herd, die ihrem Mann den Rücken freihält, so zeigte die Frau der 70er/80er, wie stark doch der Emanzipationsgedanke eine Frau verändern kann. Und in der heutigen Zeit unterscheiden sich Mann und Frau auf erschreckende Weise kaum noch. Für jede Epoche wurde auf der Bühne eine Vertreterin gefunden. Dabei spielen Nici Neiss, Anetta Dick und Gesine Hannemann das Frauentrio mit einer solchen Leichtigkeit, dass es eine wahre Freude ist, den dreien zuzuschauen! Als sie noch „Er gehört zu mir“ anstimmen, klatscht das Publikum voller Begeisterung mit. Und Armin Jung als „Bastian“ brilliert in der Rolle des „gebeutelten“ Mannes, der nicht weiß, welche Stellung er in der heutigen Gesellschaft einnehmen soll. Von der Mutter stets unterdrückt, von der eigenen Freundin beruflich ausgebotet und überrumpelt – Jung hat alle Facetten drauf, die diese Rolle abverlangt. Als Zuschauer leidet man mit ihm und obwohl die Scherze doch häufig auf seine Kosten gehen, steckt man doch als weibliche Zuschauerin in einer Zwickmühle – soll man nun lachen oder sich auf seine Seite schlagen?! Das Stück regt auch zum Nachdenken an. Wenn sich Ehepaare den „dressierten Mann“ ansehen, wird danach sicherlich eine Diskussion entfacht über die Thematik der Emanzipation und der perfekten Beziehung. Doch wer nun denkt, die Komödie sei darauf ausgelegt zu belehren, der irrt. Dem Publikum wird gute Unterhaltung geboten, mit viel Situationskomik und dennoch bleibt die Ernsthaftigkeit der Grundthematik nicht auf der Strecke. Und auch das Ende des Stückes zeigt, dass es stets Kompromisse geben kann, wenn beide Partner dazu bereit sind!

 

Das Bühnenbild stellt die gemeinsame Wohnung von Bastian und Helen dar. Als Zuschauer bekommt man einen Einblick in deren Welt. Ein Ledersofa, ein Esstisch, ein Boxsack – die Elemente sind klar und passend zur Handlung gewählt. Für dieses Stück braucht man kein Feuerwerk der Requisiten oder große Bühnenkulissen, die verändert werden. Die Spielfreude und das Können der Darsteller stehen im Zentrum und die Handlung, die einen mitreißt. Somit ist Stefanie Stroebele genau das gelungen, was auch die Intention des Stückes ist: Die Frage nach der Emanzipation zu stellen und zu zeigen, wie absurd doch manche Theorien sein können, wenn man sich nur lange genug damit auseinandersetzt!

Doch überzeugen Sie sich selbst und bilden sich Ihre Meinung. Besuchen Sie „Der dressierte Mann“ auf dem Theaterschiff Stuttgart.

 

Weitere Infos und Tickets unter: www.theaterschiff-stuttgart.de

Bericht: Franziska Maier

Franziska Maier

Franziska Maier

> Offizielles Mitglied der "bdfj" Bundesvereinigung der Fachjournalisten e.V. > Studium der Germanistik, Geschichte, Politikwissenschaft und ev. Theologie* Beruf der Realschullehrerin (inkl. des Amtes der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit) > Journalistische Tätigkeit bei diversen Magazinen (Veröffentlichung von Artikeln u.a. bei Da Capo, Thats Musical, Blickpunkt Musical, Esslinger Zeitung...)