Koi Leich ohne d Lilly

„I woiß älles, was hier vor sich goht!“

„Koi Leich ohne D ´Lilly“ beschert Krimivergnügen in der Komödie im Marquardt

lilly

Mögen Sie Krimis? Sehen Sie sich auch die hundertste Ausstrahlung von „Miss Marple“ an? Dann dürfte Ihnen das aktuelle Theaterstück der Komödie im Marquardt bestens gefallen. „Koi Leich ohne d´Lilly“ bietet Unterhaltung pur – außerdem wird in diesem kurzweiligen Stück komplett Schwäbisch gesprochen. Alleine diese Tatsache sorgt für eine ganz besondere Atmosphäre und steigert den komödiantischen Faktor immens.

 Das Stück, das im englischen Original „Busybody“ heißt und vom britischen Autor Jack Popplewell geschrieben wurde, existierte zuerst in einer hochdeutschen Fassung, die Grethe Weiser in Berlin als „Keine Leiche ohne Lilly“ kreierte. Für die Inszenierung in Baden-Württembergs Hauptstadt,  übertrug Monika Hirschle die Textzeilen des Kriminalstückes in 3 Akten ins Schwäbische. Für Nichtschwaben dürfte dies eine Herausforderung werden, doch für alle, die des schwäbischen Dialektes mächtig sind, ist „Koi Leich ohne d`Lilly“ ein köstliches Vergnügen.

Die Putzfrau Lilly Pfeiffer (von keiner geringeren als Monika Hirschle gespielt), reinigt wie an jedem Abend das Büro ihres Chefs Richard Marschall (Vilmar Bieri). Doch der Fund einer Leiche, die ausgerechnet Herr Marschall selbst ist, sorgt bei Lilly für große Aufregung. Umgehend verständigt sie die Polizei und der Polizist Göderle (Armin Jung) sowie der stetig unter Hexenschuss leidende Kommissar Eberhard Becker (Joerg Adae) treffen ein. Allerdings finden sie keine Leiche mehr vor, was für allerlei Verwirrung sorgt. Doch für Kommissar Becker ist das nicht Ärger genug als er feststellt, dass  ausgerechnet die neugierige Lilly Pfeiffer seine ehemalige Nachbarin ist, die ihn fortan duzt und sich auch noch massiv in die Ermittlungen des mysteriösen Mordfalls einmischt! Wie Miss Marple ermittelt Lilly in ihrer einfältigen und dennoch cleveren Art und Weise eigenständig. Immer mehr Verdächtige tauchen auf – da wären die vermeintliche Witwe Corinna Marschall (Alice Therése Krimmel), der Geschäftskollege Marschalls (Robert Westermann), die Sekretärin Marianne Kolb (Barbara Brent) sowie die attraktive Büroangestellte Vicky Reimond (Anna Christina Hofbauer). Jeder der verdächtigen Personen hat ein Motiv, doch bevor sich das Netz zuziehen kann, taucht eine weitere Leiche auf und die eigentliche Leiche, nämlich Marschall selbst, steht wieder quicklebendig im Büro – zum Erstaunen und Entsetzen aller!

Doch Lilly gibt nicht auf – sie glaubt fest daran, dass der Mörder sich unter den Verdächtigen befindet und obwohl alle denken, sie habe zu tief ins Glas geschaut, was sie auch tatsächlich des Öfteren tut, findet sie einen Knopf, der nicht zuzuordnen ist…dieser Knopf gehört der Leiche, die man in Degerloch fand und dieser Tote war kein Geringerer als der Liebhaber von Frau Marschall. Dass nun der Chef Richard Marschall plötzlich von der Leiche zum Hauptverdächtigen wird, ändert die Situation schlagartig. Doch nur Lilly glaubt an die Unschuld ihres Chefs und schafft es am Ende, unter Einsatz ihres Lebens, den wahren Mörder zu stellen!

 

Was auf den ersten Blick wie ein brutaler Krimi erscheint, ist durch das flexible und heitere Spiel der Akteure eine wahre Kriminalkomödie. So ist es eine wahre Freude, Monika Hirschle als „Lilly“ agieren zu sehen. Ihre Mimik und Gestik sagen oft mehr als 1000 Worte – und wenn „Lilly“ dann im breitesten Schwäbisch spricht und dabei noch ihren „Edde“, den Kommissaren andauernd korrigiert, ist Szenenapplaus vorprogrammiert. Insgesamt sind alle Protagonisten perfekt besetzt und man nimmt jedem die Rolle, die er oder sie verkörpert, einwandfrei ab! Dass es sich nicht bei allen Schauspielerinnen und Schauspielern, die in der Komödie im Marquardt in diesem Stück auf der Bühne stehen, um waschechte Schwaben handelt, ist ab und zu hörbar. Jedoch gibt es bekanntlicherweise auch beim Schwäbischen unterschiedliche Klangfarben und somit fällt dies nicht weiters auf.

Der Beruf der Putzfrau nimmt hier auch völlig neue Gestalt an – so merkt man, dass es durchaus von Vorteil sein kann, wenn man nicht alles achtlos wegwirft – es könnten ja auch wichtige Indizien darunter sein, die man notfalls noch benötigt! Und dass einen auch der erste Eindruck oft trügen kann, lässt sich bei diesem Stück auch als Moral deuten.

Doch wer „Koi Leich ohne d`Lilly“ besucht, wird erstmal überhaupt nicht an solche Dinge, wie einen moralischen Bezug denken! Die Unterhaltung steht eindeutig im Vordergrund und die charmanten Charaktere bringen den Inhalt des Stückes auch hervorragend zur Geltung.

 Passend ist auch die Musikwahl  in den Umbauphasen – so ertönt „Ohne Krimi geht die Mimi nie ins Bett“ oder das musikalische Intro der „Miss Marple“ Filme. Ansonsten kommt das Stück ohne jegliche musikalische Untermalung aus, was man auch nicht vermisst!

 

Auch das Bühnenbild wird nur minimal im Verlauf des Stückes verändert. Das Zentrum ist eindeutig das Büro des Chefs, Herrn Marschalls. Es ist Tatort, Ermittlungsort und auch des Rätsels Lösung. Kleine Finessen, wie ein abnehmbares Bild, hinter dem sich eine Mini-Bar versteckt, sind liebevoll integriert. Auf kleinstem Raum wird der größtmögliche Effekt erzielt. Aber hierfür ist die Komödie im Marquardt bei allen Stücken stets ein Meister der perfekten Umsetzung und Bühnenbildgestaltung!

 

Erleben Sie diese amüsante Krimikomödie noch bis zum 09.01.2011 und ermitteln Sie mit der kauzigen und zugleich liebenswürdigen „Lilly“ im Mordfall rund um drei Leichen, pardon, zwei Leichen!

 

Bericht: Franziska Maier

 

Fotos: Sabine Haymann

Franziska Maier

Franziska Maier

> Offizielles Mitglied der "bdfj" Bundesvereinigung der Fachjournalisten e.V. > Studium der Germanistik, Geschichte, Politikwissenschaft und ev. Theologie* Beruf der Realschullehrerin (inkl. des Amtes der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit) > Journalistische Tätigkeit bei diversen Magazinen (Veröffentlichung von Artikeln u.a. bei Da Capo, Thats Musical, Blickpunkt Musical, Esslinger Zeitung...)