Sherlock Holmes und die Kehrwoche des Todes

Schwätzet Sie Schwäbisch?!

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Sherlock Holmes und die Kehrwoche des Todes – die neue Uraufführung in der Komödie im Marquardt

Dass die Schwaben ein besonderes „Völkchen“ sind, dürfte zwischenzeitlich in ganz Deutschland bekannt sein. Die einen lieben den schwäbischen Dialekt, die anderen finden ihn nicht gerade ansprechend. Allerdings rangiert dieser auf der Beliebtheitsskala der Zeitschrift „Die Welt“ auf Platz 4 – nur die Bayern sind unangefochten auf Platz 1.

Der Schwabe ist rechtschaffen, bodenständig und geizig. „Schaffe, schaffe, Häusle baue“ seine Devise und dass Baden-Württemberg das Schottland von Deutschland ist, dürfte spätestens seit der Premiere des neuen Stückes der Komödie im Marquardt klar sein. Denn hier wird kein Geringerer als Sherlock Holmes (Mark Britton) himself sowie sein Freund und Kollege Dr. Watson (Peter Kempkes) nach Stuttgart gerufen, um eine Serie an ungeklärten Mordfällen aufzuklären. Der berühmte Detektiv isz zwischenzeitlich äußerst gelangweilt, mit Shishapfeife und Musik vertreibt er sich die Zeit, bis Frau Eberle (Rose Kneissler) auftaucht und ihm einen rätselhaften Auftrag erteilt. Die Angst geht in Stuttgart um, die Kehrwoche in Eberles Miethaus wird zur Todesfalle! Holmes, Watson und Eberle reisen also kurzerhand ins Schwabenländle und werden direkt vor Ort Zeuge des nächsten Mordes: Ein Bewohner stürzt die Treppe herunter und ertrinkt im Putzeimer, dessen Wasser vergiftet wurde! Im Laufe der Zeit stellen sich die illustren Mieter dem Ermittlerduo vor: Da wäre die zugeknöpfte Fräulein Knöpfle (Stefanie Stroebele), die allerdings durch ihr bezauberndes Aussehen den Herren ganz schön den Kopf verdreht, Dr. Watson eingeschlossen. Die Möchtegernschauspielerin Olga Eck (ebenso verkörpert von Stefanie Stroebele, diesmal mit blonder Perücke und rotem Kleid), die sogar kurzerhand ihre Brust entblößt, ehe sie ermordet wird. Der Lehrer Preuß, Herr Schubert (beide von Norbert Aberle gespielt) sowie der italienische Sänger Frederico Salvatore, Herr Böblinger und Ludwig (alle Personen von Marius Hubel verkörpert), der der Kehrwoche des Todes sogar zuerst entfliehen kann, da er als potentieller Mörder gilt und von Kommissar Holzapfel (erneut Norbert Aberle) abgeführt wird, doch auf dem Weg zum Präsidium von einem Schild erschlagen wird!

Jeder Mieter könnte der Mörder sein: Der Koch, der den ominösen giftigen Fugo-Fisch sein eigen nennt, mit dessen Gift das Putzwasser angereichert war. Der Sänger, da er zu aalglatt wirkt und erst relativ gegen Ende der Mordserie auftaucht. Der Lehrer, der Frl. Knöpfle verehrt und die Konkurrenten ausschalten will oder das Fräulein selbst, die so liebenswert und doch auch so gefährlich sein kann! Da wäre auch noch der lebenslustige Student Ludwig, der gerne feiert und dem Alkohol alles andere als abgeneigt ist. Oder doch die Hausbesitzerin Frau Eberle, die es vorzieht, das Haus zu „säubern“?! Es bleibt spannend in Holmes Ermittlungen und er selbst möchte sich dem Mörder stellen, das heißt, er schickt seinen Kollegen Dr. Watson vor, der als Holmes verkleidet die Kehrwoche absolvieren soll. Der Mörder schlägt immer wieder zu und dennoch hegt Holmes einen schlimmen Verdacht. Könnte es denn nicht sein, dass keiner der Bewohner schuld ist, sondern sein Erzfeind Moriarti dahintersteckt? Immerhin deuten einige Indizien darauf hin.

An dieser Stelle soll der Schluss nicht verraten werden. Tobias Bungters und Lisa Quargs Inszenierung ist temporeich und kann sich getrost mit großen Kriminalstücken im Fernsehen messen. Nicht zuletzt durch die Kurzweiligkeit, die Handlung, die stetig vorangetrieben wird und in der es keine unnötigen Längen gibt sowie auch durch die hervorragende Besetzung des Ensembles auf der Bühne. Ja, es gibt sogar eine Kampfszene, bei der Klaus Figge für die Choreographie zuständig war. Das Bühnenbild ist passend und funktional. So befinden wir uns zu Beginn des Stückes in London und erhalten einen Einblick in Holmes Wohnung. Aus den beiden Sitzgelegenheiten werden mit einem Handgriff die Bänke einer Bahn, die unsere Protagonisten nach Stuttgart bringt. Dieselben Bänke findet man dann auch im Mietshaus Frau Eberles wieder, eine große Treppe ist der Fixpunkt der Bühne – immerhin ist sie für eine Kehrwoche elementar wichtig, außerdem auch für die erste Leiche, die der Zuschauer zu Gesicht bekommt! Barbara Kott unterteilte die Bühne in zwei Spielebenen – das Erdgeschoss, sozusagen die Eingangshalle des Hauses sowie der 1. Stock, bei dem allerdings nur zwei Wohnungstüren zu sehen sind. Am Ende wird das Szenario noch einmal umgebaut und aus der Eingangshalle wird der Keller – hierbei wird der Zuschauer Zeuge, wie von den Wänden Tücher entfernt werden und dahinter dann die bemalten Kellerwände zum Vorschein kommen.

Doch die Kulisse ist nur ein schönes Beiwerk zur großen Leistung der Darsteller. Allen voran Mark Britton als „Sherlock Holmes“. Dem gebürtigen Briten, der seit über 20 Jahren in Deutschland lebt, ist die Rolle des Meisterdetektivs wie auf den Leib geschrieben. Britton dürfte den Zuschauern aus dem TV bekannt sein, er wirkte in etlichen Fernsehsendungen mit und sein komödiantisches Talent kommt auch in diesem Stück nicht zu kurz. Sehenswert ist die Szene, in der Holmes „schwäbifiziert“ werden möchte und Watson ihm schwäbische Zungenbrecher vorliest. Kempkes als Dr. Watson harmoniert perfekt mit Britton. Auch er war bereits in etlichen TV Produktionen, u.a. „Siska“ oder „Ein Fall für zwei“ zu sehen. Das Trio wird perfekt durch Stefanie Stroebele ergänzt, die Schauspielerin, Autorin und Regisseurin ist in der Komödie im Marquardt sowie dem Stuttgarter Publikum allgemein keine Fremde mehr. Stroebele schlüpft innerhalb kürzester Zeit in andere Rollen und verkörpert diese so glaubwürdig, dass man als Zuschauer der Meinung ist, zwei verschiedene Personen würden auf der Bühne stehen. Dieses Phänomen kommt auch bei Norbert Aberle sowie Marius Hubel, die gemeinsam sieben Rollen des Stückes übernehmen, zum Zuge. Zu guter Letzt noch Rose Kneissler als schwäbische Hausfrau, der die Kehrwoche über alles geht. Sie räumt auch die Leichen kurzerhand mit dem Besen oder den Händen weg, da diese das Bild der sauberen Eingangshalle stören. Die Stereotypen der Schwaben – perfekt in dieser Rolle verpackt!

Humor, Wortwitz, eine packende Handlung und die Eigenheiten der Schwaben – alles Attribute, die zum Stück „Sherlock Holmes und die Kehrwoche des Todes“ passen. Nehmen Sie sich also in Acht, wenn bei Ihnen die nächste Kehrwoche ansteht. Man weiß nie, ob man diese überleben wird…

Das Stück ist noch bis zum 03. Mai in der Komödie im Marquardt zu sehen!

Bericht: Franziska Maier

Fotos: Jürgen Frahm

Franziska Maier

Franziska Maier

> Offizielles Mitglied der "bdfj" Bundesvereinigung der Fachjournalisten e.V. > Studium der Germanistik, Geschichte, Politikwissenschaft und ev. Theologie* Beruf der Realschullehrerin (inkl. des Amtes der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit) > Journalistische Tätigkeit bei diversen Magazinen (Veröffentlichung von Artikeln u.a. bei Da Capo, Thats Musical, Blickpunkt Musical, Esslinger Zeitung...)