FLASHDANCE im Theater St. Gallen

Wer kennt ihn nicht, den 80-er-Jahre Film Flashdance. Tom Hedley (Buch), Robert Cary (Buch/Lyrics) und Robbie Roth (Musik/Lyrics) haben daraus eine Bühnenversion erschaffen, die sich in der Handlung bis auf wenige Ausnahmen an den Film hält. Ins Deutsche übersetzt von Anja Hauptmann. Uraufgeführt wurde das Musical am 19.07.2008 im Theatre Royal in Plymouth. Die deutschssprachige Erstaufführung erfolgte am 09.11.2013 im schweizerischen Kriens-Luzern.

Die Geschichte spielt in Pittsburgh, wo die junge Alex Owens in einem Stahlwerk als Schweißerin arbeitet. Ihr Lebenstraum ist allerdings das Tanzen, das sie allabendlich in einer eher heruntergekommenen Bar Harry´s als Tänzerin verwirklicht. Obwohl ihr nicht nur die Kolleginnen sondern auch die ehemalige Ballerina Hannah großes Talent zusichern, glaubt Alex nicht daran, es jemals auf die große Bühne schaffen zu können. Doch bald erhält sie auch Zuspruch von ungewöhnlicher Seite. Ihrem Chef Nick Hurley fällt die hübsche Alex nicht nur bei der Arbeit in der Fabrik auf, er erkennt ihr Talent auch bei einem Besuch in der Bar. Er verliebt sich in sie, muss aber einige Abweisungen einstecken. Schließlich gehört er zur Chefetage, was immer Probleme mit sich bringen kann. Doch irgendwann gibt auch Alex ihren Gefühlen nach. Auf Drängen von Nick und ihrer guten alten Freundin Hannah hin ringt sich Alex durch und gibt eine Bewerbung bei der renommierten Shipley-Tanzacademy ab. Als sie Tage später dann tatsächlich eine Einladung zum Vortanzen erhält, scheint ihr Glück perfekt. Im Harry´s läuft es schon eine Weile nicht mehr so gut und Besitzer Harry ist gezwungen, das Geld seiner Tänzerinnen zu kürzen. Sein Neffe Jimmy träumt schon lange von einer Karriere als Comedian in New York und beschließt, ohne seine Freundin – der Tänzerin Gloria – wegzugehen. Enttäuscht und verzweifelt nimmt diese CC´s Angebot an, in seiner VIP-Lounge, dem Chameleon-Club, als Tänzerin zu arbeiten. Nick muss währenddessen zusehen, wie seine Familie Arbeiter entlässt um Gelder einzusparen. Er entschließt sich, gegen die Pläne und weitere Einsparungsmaßnahmen vorzugehen und beginnt, einen Businessplan zu erstellen.  Während sich Alex mit Hannah für das Vortanzen vorbereitet erfährt sie durch Zufall, dass sie den Termin Nick zu verdanken hat. Er hat durch eine großzügige Spende an die Academy dies möglich gemacht. Zutiefst gekränkt wendet sich Alex von Nick ab, schließlich möchte sie es alleine schaffen. Sie lässt Nick wissen, dass er ihren Job in der Fabrik einem der gekündigten Arbeiter geben kann. Jimmy kommt zwischenzeitlich geläutert aus New York zurück. Sein Traum von der großen Karriere als Comedian ist geplatzt. Als er und Alex erfahren, dass Gloria jetzt bei CC im Chameleon-Club arbeitet, zögern die beiden keine Minute und holen die Freundin aus dem Club bevor Schlimmeres passieren kann. Auch Nick hat keine ruhige Minute mehr. Die Firmenleitung lässt ihn mit seinen Vorschlägen und dem neuen Businessplan abblitzen, worauhin er keine andere Möglickkeit sieht, als den Familienbetrieb zu verlassen. Als er dann noch erfährt, dass Alex nicht zum Vortanzen gehen möchte, geht er zu ihr und versucht sie zu überreden. Erst als er ihr vorwirft, feige zu sein und nur aus Angst vor einem Nein auf ihren Traum verzichten wolle, wird Alex langsam klar, was sie gerade bereit ist, aufzugeben. Aufgewühlt geht sie zu Hannah muss aber dort von deren Pflegerin erfahren, dass  die alte Dame am Abend zuvor verstorben ist. Neben ein paar Habseligkeiten hat sie ihr Geld hinterlassen, das sie für ihre Tanzausbildung vorgesehen hatte. Daraufhin nimmt Alex allen Mut zusammen, fährt zur Tanzacademy und überzeugt die Jury mit einem Tanz, als ginge es um ihr Leben.

Myrthes Monteiro ist in der Rolle der Alex Owens zu sehen. In dieser Rolle sind alle Sparten eines Musicals gefordert: Gesang, Schauspiel und natürlich Tanz. Monteiro brilliert nicht nur mit einer tollen Stimme – egal ob Ballade oder Rock –, vor allem tänzerisch bringt sie eine sensationelle Leistung auf die Bühne.
Nick Hurley wird gespielt von Tobias Licht. Mit sehr guter Stimme punktet er vor allem in seinen Soli. Er spielt den sensiblen Chef und Enkel des Firmenbosses sehr überzeugend und instensiv.
Sarah Bowden steht als Gloria auf der Bühne. Genauso wie die beiden anderen Tänzererinnen der Bar Kiki und Tess, gespielt von Conchita Kluckner-Zandbergen und Rachel Marshall, sind ihre Auftritte in erster Linie verrückt, duchgeknallt aber dennoch liebenswürdig. Im typisch schrillen 80er-Look rocken sie über die Bühne und punkten neben guten Stimmen auch im Tanz – egal ob solistisch auf der Bar-Bühne oder im Ensemble.
Den Möchte-Gern-Comedian Jimmy verkörpert Dustin Smalles. Nicht nur sein komisches Talent, auch die weiche Seite und der klare Tenor überzeugen und machen ihn zum Sympathieträger.
Die gealterte aber weise und immernoch strenge Ballerina Hannah wird von Gaye MacFarlane gespielt. Mit mütterlicher Wärme ermutigt sie ihren Schützling, mit strenger Härte bereitet sie Alex aufs Vortanzen vor. Dazwischen hadert sie noch mit ihrer Pflegerin Louise und liefert sich spitze Wortduelle mit ihr. MacFarlane deckt die komplette Bandbreite der Rolle samt hervorragender Stimme perfekt ab.
Michaela Hanser steht in einer Doppelrolle sowohl als Pflegerin Louise als auch als Ms. Wilde, der Schulleiterin der Academy, auf der Bühne. Mit ihrer forschen Art punktet sie in beiden Rollen.
Clubbesitzer Harry (Peter Zimmermann) ist neben seinem Neffen Jimmy die gute Seele des Stückes während CC (Gianni Meurer) hervorragend den schmierigen VIP-Lounge Besitzer gibt, der seine Angestellten nur ausnützt und mit Drogen abfüllt, um sie gefügig zu machen. Beide füllen ihre kleineren Rollen mit bestmöglicher Präsenz aus.

Neben hervorragenden Darstellern in den Hauptrollen ist auch das Ensemble mit exzellenten Künstlern besetzt: Marta Di Giulio, David Eisinger, Astrid Gollob, Wei-Ken Liao, Jerôme Knols, Annkathrin Naderer, Karina Rapley, Vicky Riddoch, Jan-Werner Schäfer, Adam Scown, Kevin Foster.

Die Tanzszenen sind das absolute Highlight (Choreografie Nick Winston). Vor allem Alex´ Tanz vor der Jury steht dem Original im Film in absolut nichts nach. Natürlich darf auch die berühmte Szene, als Alex sich, lasziv auf einem Stuhl räkelnd,mit Wasser übergießt, nicht fehlen.

Bewegliche Schiebeelemente dominieren das Bühnenbild (Hans Kudlich), im Hintergrund werden mit passenden Projektionen die Szenen ergänzt. Die Elemente verwandeln die Bühne in das Stahlwerk, Alex´ Wohnung, die Bar Harry´s bzw. das Chameleon, den Pausenraum oder den Tanzsaal der Academy.

Für die in die Zeit passenden Kostüme sorgt Leo Kulaš, damit die Künstler akustisch und visuell perfekt in Szene gesetzt werden Stephan Linde und Christian Scholl (Sound Design) und Michael Grundner (Licht Design).

Die 7-köpfige Flashdance-Band steht unter der musikalischen Leitung von Robert Paul. Nicht nur die bekannten Songs wie „What a Feeling“, „Manhunt“, „Maniac“, „Gloria“ oder „I love Rock´n Roll“ bringen das Theater zum Beben, auch die für die Musical-Fassung geschriebenen Titel werden musikalisch perfekt umgesetzt.

Matthias Davids hat eine grandiose, schwungvolle, rockige und mitreißende Inszenierung auf die Bühne gebracht und machen einen Besuch zur Unterhaltung auf höchstem Nieveau. Die Energie und Spielfreude des gesamten Ensembles ist bis in die letzte Reihe im Zuschauerraum zu spüren.

 

„Flashdance“ im Theater St. Gallen vorerst zu sehen bis 31. Oktober 2015.

Infos und Tickets unter www.Theatersg.ch
Bericht: Sabine Böhm

Bilder: Theater St. Gallen

 

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Sabine Boehm

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