Magic Vampires

Magische Vampire erobern Stuttgart

„Magic Vampires“ als letzte Show des legendären Friedrichsbau Varietés

Was geschieht, wenn ein Grieche und ein Holländer in Transsilvanien aufeinandertreffen und das ausgerechnet in einem mysteriösen Schloss? Richtig, sie tauschen sich über die Eigenarten ihres Volkes aus und gehen selbstverständlich auf Vampirjagd! Ein Graf soll dort nämlich sein Unwesen treiben und des Nachts Jungfrauen verschleppen. Dass es ausgerechnet die Freundin von Raymond, dem Holländer, so ergangen ist und sich dieser nun mutig auf die Suche nach ihr macht, stellt den passenden Auftakt von „Magic Vampires“ dar. Eine Show, in der nichts so ist wie es scheint und nichts so scheint wie es ist! Dabei ist die Irreführung des Publikums nur ein Aspekt, der vor allem in den zahlreichen magischen Showeinlagen wiederspiegelt.

Die letzte Show des Friedrichsbau Varietés steht ganz im Zeichen der „Blutsauger“. Stets faszinierten Vampire die Menschheit, der Mythos des unsterblichen Verführers, von dem man gerne gebissen wird, zieht sich durch die Geschichte der Literatur sowie der Filmwelt. Es gibt wohl kein Motiv, das häufiger gewählt wurde als das der Jungfrau, die in ihr Verderben rennt, da sie dem Charme eines Vampirs nicht wiederstehen kann. So setzte schon einst Bram Stoker mit seinem Roman „Dracula“ auf dieses Klischee, doch auch Musicals, wie Roman Polanskis „Tanz der Vampire“ erlangten Kultstatus dank den lebenden Toten.

Kein Wunder also, dass nun auch die Vampire den Weg ins Stuttgarter Friedrichsbau Varieté fanden, um dieses zu einem Ort der Unsterblichkeit zu verwandeln. Eigentlich ein sehr doppeldeutiges Motiv, wenn man die aktuelle Lage des Theaters betrachtet. Bereits das gesamte Jahr 2013 stand unter keinem guten Stern, vor allem, nachdem die L-Bank die finanzielle Förderung und Unterstützung des Varietes einstellt. Der Spielbetrieb ist noch bis zum 31. Januar 2014 gesichert, doch danach sind nicht nur die Finanzen nicht mehr vorhanden, auch der Miet-und Pachtvertrag wurde von der L-Bank gekündigt, was fatale Folgen für das renommierte Kleinkunsttheater hat. Die Spielstätte muss schweren Herzens verlassen werden und es ist noch unklar, wo der Friedrichsbau dann seine Pforten erneut öffnen wird. Unter solch schweren Bedingungen noch eine Show auf die Bühne zu bringen und den aktuellen Betrieb unbeschwert weiterzuführen, ist sicherlich die größte Herausforderung für alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Friedrichsbaus. Doch Regisseur Ralph Sun schaffte mit der neuen Show „Magic Vampires“ eines: Er setzte dem Friedrichsbau Varieté sowie sich und allen Mitarbeitern ein unsterbliches Denkmal. Kaum eine Show zeigte solch eine große Vielfalt der Unterhaltungskunst auf – das Spektrum an Showacts hat internationales Niveau und das Publikum wird in der zweistündigen Show bestens unterhalten.

Allen voran sind hierbei der „schwäbische Grieche“ Jorgos Katsaros sowie der Niederländer Raymond van Hopmann zu nennen, die die Handlung des Stückes auf humorvolle Weise vorantreiben sowie als Conférenciers dienen. Mit Wortwitz und Magie haben sie von der ersten Minute an die Herzen des Publikums gewonnen. Doch an sich verfolgen beide nur ein Ziel: Sie suchen den mysteriösen Herren des Schlosses, den Grafen. Auf ihrer Suche begegnen ihnen etliche skurrile Gestalten, die oftmals äußerst furchteinflößend sind. So gibt es in „Magic Vampires“ auch Tanzszenen, wie zum Beispiel die des butrünstigen Vampirs mit seinen Gefährtinnen (Aziz Abdel, Milaine van Leeuwen, Virginia Kui, Carey Moonen), aber auch Großillusionistin Sittah mit ihrer Gruppe „Sittah´s Revenge“ beeindruckt im Lederdress und mit Messern, dabei lässt sie wie von Zauberhand ihre Assistentinnen verschwinden und wieder auftauchen. Zerbrechlich und beinahe puppenhaft wirkt hingegen Iryna Bondarenko, die auf Spitzenschuhen als Ballerina tanzt und dabei jongliert. Des Weiteren fasziniert Tigris, der Schlangenmensch, mit seiner Körperkunst sowie mit den Hula Hoops. Mikhail Stepanov ist ein vielfältiger Künstler, der unter anderem in der Luft oder auf dem Boden seine unglaubliche Kraft unter Beweis stellt, ob an den Strapaten oder am „Cyr Wheel“, einem überdimensional großem Stahlring, in dem Stepanov über den Boden rollt. Auch Trapezkünstlerin Vanessa Lee zeigt, wie stark der menschliche Körper sein kann, ohne dabei wie eine Bodybuilderin auszusehen. Die Grazie und Kraft, die Vanessa Lee hoch über den Köpfen der Zuschauer zeigt, lässt dem ein oder anderen sicherlich den Atem stocken. Doch auch wenn vor allem die männlichen Besucher sehr fasziniert sein werden – Vanessas Herz gehört nur einem – ihrem Raymond, seines Zeichens Comedian und Magier, der es bereits mit seinem Lachen schafft, den Menschen gute Laune zu schenken. Jorgos Katsaros ist kein Neuling im Friedrichsbau Varieté, der Magier stand bereits in der Show „Magic de Luxe“ auf der Bühne des Theaters und kehrt nun noch einmal, zur großen Freude seiner zahlreichen Fans, zurück. Der stets adrett gekleidete Conférencier ist ein Meister im Tricksen, er verblüfft die Leute mit seinen Karten oder Fingerfertigkeiten, dabei sorgt sein „Hey“ sowie der kleine Konfettiregen, den Katsaros nach seinen Showeinlagen traditionell einsetzt (man fragt sich hierbei öfters, wie viel Konfetti in Herrn Katsaros Hosentaschen passt), für gute Laune. Dass Katsaros auch ein Meister des Wortwitzes ist, kommt ebenso bei „Magic Vampires“ zur Geltung – so sucht er „sieben Bürgen“ in „Siebenbürgen“ und erhofft sich, dass Graf Draculea einer davon wird. Im Endeffekt gelingt es den beiden sympathischen Herren, die verlorene Jungfrau zu finden und ebenso den Bürgen…jedoch mit fatalen Folgen!

Dass bei „Magic Vampires“ der Humor an erster Stelle steht und auch der Vampirmythos mehr durch Slapstick zum Vorschein kommt, macht die Show zu einem Spaß für die ganze Familie. Die Zuschauer werden bei einigen Showacts gezielt miteingebunden, so werden kurzerhand vier Herren aus dem Publikum zu Musikern umfunktioniert und bimmeln auf Kuhglocken „Guten Abend, gut Nacht“, gemeinsam mit Raymond und Jorgos Katsaros, der alles auf seiner Geige begleitet. Die Akteure sind praktisch zum Anfassen nah und entführen einen in die Welt des Grafen, die auch auf der Bühne passend dargestellt wurde. So prangt ein Bild des echten Graf Vlad Draculeas, auch genannt „der Pfähler“ an der linken Bühnenseite und auch die Möblierung sowie die Requisiten lassen den Charme eines Schlosses aufleben. Bis ins kleinste Detail wurde die Idee passend umgesetzt und macht „Magic Vampires“ zu einer stimmigen Inszenierung.

Bleibt letztendlich nur zu hoffen, dass es letztendlich wirklich gelingt, den Friedrichsbau zu retten und es ein Happy End geben wird, wie nun auch beim letzten Stück des Varietés!

Erleben Sie „Magic Vampires“ noch und lassen auch Sie sich verzaubern.

Weitere Infos unter:

www.friedrichsbau.de

Bericht: Franziska Maier

 

Franziska Maier

Franziska Maier

> Offizielles Mitglied der "bdfj" Bundesvereinigung der Fachjournalisten e.V. > Studium der Germanistik, Geschichte, Politikwissenschaft und ev. Theologie* Beruf der Realschullehrerin (inkl. des Amtes der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit) > Journalistische Tätigkeit bei diversen Magazinen (Veröffentlichung von Artikeln u.a. bei Da Capo, Thats Musical, Blickpunkt Musical, Esslinger Zeitung...)