Die Kaktusblüte

Die Kaktusblüte – Eine Komödie mit Musik von Pierre Barillet und Jean-Pierre Grédy

Kaktus-Presse10

Warum in die Ferne schweifen, denn das Gute liegt so nah?!

Eben dieses Zitat könnte nicht passender sein für das neue Stück „Die Kaktusblüte“, welches am Freitag, den 21.September 2012, in der Kömodie im Marquardt Stuttgart Premiere feierte.

Eigentlich könnte Zahnarzt Julian Deforge (gespielt von Christopher Krieg) mit seinem Leben rundum zufrieden sein. Er ist angesehen, verdient gut und er gehört zu der Sorte Mann, die man gerne als „Playboy“ bezeichnet. So ist Dauersingle Julian dem weiblichen Geschlecht sehr zugetan und aktuell hat er sein Herz an die junge Antonia Simpson (Maja Sikora) verloren. Damit Julians Beziehungen meist unverbindlicher Natur bleiben, hat er sich eine besondere Taktik zurecht gelegt: Er gibt sich als verheirateter Mann aus, mit drei Kindern. Dazu passend trägt er einen Ehering und berichtet glaubwürdig über sein Familienleben. Bisher funktionierte diese Masche sehr gut, um auch unliebsame Verehrerinnen schnell abzustoßen – doch mit Antonia ist es etwas Anderes. Trotz des Altersunterschieds der beiden, funktioniert ihre Beziehung…bis zu dem Punkt, an dem Antonia aus lauter Liebeskummer versucht, sich das Leben zu nehmen. Julian ist schockiert, als er von diesem Selbstmordversuch erfährt und er macht seiner jungen Geliebten einen Heiratsantrag – obwohl er pro forma verheiratet ist. Antonia willigt zwar ein, aber nur unter der Bedingung, dass sie Julians Ehefrau kennenlernt, die ihr dann versichert, dass sie mit der Scheidung einverstanden ist! Doch woher nun eine Ehefrau nehmen und nicht stehlen? Der einfallsreiche Julian entwickelt einen Plan. So kommt als Frau nur eine in Frage: Seine langjährige und treue Sprechstundenhilfe Stefanie Davis (Stephanie Theiß), die in ihren Chef zwar heimlich verliebt ist, ihm dieses jedoch niemals unterbreiten würde. In der Öffentlichkeit versprüht Stefanie den Charme eines stacheligen Kaktus und auch gegenüber Julians Freund Bert Carlton (Axel Weidemann), der Stefanie gerne Avancen macht, bleibt sie abwehrend und kühl. Pflichtbewusst geht sie ihrer Arbeit nach und hat alles im Griff, sie liest Julian jeden Wunsch von den Augen ab und hilft ihm bei besonders aufdringlichen Patienten, so ist es nur eine Frage der Zeit, bis Stefanie einwilligt, das Spiel rund um Julians „Ehe“ mitzuspielen. Ein fataler Schritt, wie sich herausstellen wird, da Julians Netz der Lügen immer extremer wird und anstatt Antonia zu beruhigen, wird diese immer nachdenklicher, ob eine Heirat mit ihrem Zahnarzt doch das Richtige ist. Während Antonias Zweifel wachsen, beginnt Stefanie durch ihre Rolle aufzublühen, wie eine kleine, aber feine Blüte, die sich an einem stacheligen Kaktus entwickelt und diesen gleich nicht mehr so furchteinflößend macht. Ob Julian es schafft, Antonia zu überzeugen oder ob sie sich letztendlich in die Arme ihres gleichaltrigen und charmanten Nachbarns (Raphael Grosch) flüchtet, ist ab sofort in der Komödie im Marquardt allabendlich zu sehen!

Das erfolgreiche französische Autorenduo Pierre Barillet und Jean-Pierre Grédy ist bekannt für ihre preisgekrönten Stücke. So wurde „Fleur de Cactus“ 1964 in Paris uraufgeführt und nur ein Jahr später kam die Komödie am Broadway heraus. Als „The Cactus Flower“ wurde der Stoff 1969 von Gene Saks verfilmt, in den Hauptrollen Ingrid Bergmann, Walter Matthau sowie Goldie Hawn, die für ihre erste Filmrolle gleich mit dem Oscar ausgezeichnet wurde.

Ulf Dietrichs Inszenierung zeigt großes Gespür für die Kunst der feinen Unterhaltung. Die Gags und komischen Elemente überwiegen zwar, dennoch sind die einzelnen Bühnencharaktere so dargestellt, dass jede Figur einen gewissen Tiefgang hat. Julians Zerrissenheit, Stefanies unerfüllte Liebe zu Julian, die sie unter ihrer kühlen fassade versteckt oder auch Antonias Mitgefühl für die „arme betrogene Ehefrau“, das der jungen Blondine, die ansonsten eher infantil wirkt, einen erwachsenen Zug verleiht. Alle Charaktere vereinen die Höhen und Tiefen des wahren Lebens und dies lässt auch „Die Kaktusblüte“ als sehr realistisches Stück erscheinen, obwohl die Handlung natürlich in gewisser Weise überzogen ist.

Wer erwartet, dass die „Der Kaktusblüte“ einem Musical gleicht, der wird wohl enttäuscht sein, es handelt sich nach wie vor um ein klassisches Theaterstück, in dem jedoch ab und zu, an passenden Stellen, gesungen wird. Die bekannten Lieder werden, unter der Musikalischen Leitung von Uli Schreiber,  von den Schauspielerinnen und Schauspielern ohne verstärkte Mikrofone dargeboten, was natürlich dafür sorgt, dass die Akustik nicht einwandfrei ist. Allerdings stört dies nicht weiters, da der Schwerpunkt nicht auf der Musik, sondern der Handlung liegt.

Besonders lobend zu erwähnen ist Dietmar Teßmanns Bühnenbild. Mit wenigen Handgriffen entstehen während des gesamten Stückes die verschiedensten Schauplätze. Ob Antonias unordentliche Single Wohnung, der Plattenladen, in dem sie arbeitet, Julians Zahnarztpraxis oder ein Nachtclub – ein kurzer Umbau genügt und schon bilden die Requisiten sowie die veränderbaren Bühnenkonstruktionen eine neue Welt.

Auch Monika Seidels Kostüme sind passend gewählt. Antonias Kleider im 70er Jahre Stil sind ein besonderes farbiges Highlight.

Doch die größte Hochachtung gehört eindeutig den Akteuren an sich! Christopher Krieg, der vielen Zuschauern sicherlich durch seine zahlreichen TV Rollen bekannt sein dürfte (so spielte er u.a. im Tatort, SOKO, Küstenwache, Der Alte uvm. mit), passt perfekt in die Rolle des Zahnarztes Julian. Charmant, ein wenig selbstverliebt und schnell in seiner Ehre verletzt – Krieg versteht es, die verschiedenen Facetten dieser Rolle voll auszuschöpfen.

Ebenso glaubwürdig und besonders bestechend durch ihre Vielseitigkeit, agiert Stephanie Theiß an der Seite von Christopher Krieg. Treuen Zuschauern der Komödie im Marquardt oder dem Alten Schauspielhaus Stuttgart ist Stephanie Theiß längt ans Herz gewachsen. Ihre besondere Sprech-und Singstimme zieht einen sofort in den Bann, dazu schafft sie die Verwandlung von der unscheinbaren Sprechstundenhilfe zum „schönen Schwan“ problemlos.

Obwohl Maja Sikora als vermeintliche Ehebrecherin auf der Bühne steht, genießt sie einen hohen Sympathiebonus in ihrer Rolle als „Antonia“. Sie gibt das junge, etwas einfältige, blonde hippe Mädchen ab und bemerkt gar nicht, in welchen Strudel aus Lügen sie durch Julian gebracht wurde. Maja Sikora war bereits bei großen Musicalproduktionen zu sehen und stand neben Peter Kraus bei seiner Bühnenshow „Sehnsucht nach dem Happy End“ auf der Bühne.

Raphael Grosch spielt Antonias Nachbar „Igor“. Jung, charmant, etwas ungestüm und ungemein sympathisch – diese Attribute verkörpert Grosch perfekt. Wer übrigens Fan der RTL Serie „Alles was zählt“ ist, wird Raphael Grosch sicher wiedererkannt haben. In der Serie spielte er  eine der Hauptrollen, den „Christian Friesinger“.

Ein weiteres bekanntes Gesicht ist Axel Weidemann. Der Schauspieler und Musicaldarsteller (er spielte u.a. bei der Deutschlandpremiere des Musicals „42nd Street“ im Stuttgarter Apollo Theater mit) steht immer wieder gerne auf der Bühne der Komödie im Marquardt. Leider darf Axel Weidemann als Bert Carlton sein musikalisches Talent diesmal nicht zeigen, doch dafür überzeugt er mit seiner Komik und sorgt für einige Lacher während des Stückes.

Last but not least schließt Manuela Romberg in einer Doppelrolle als „Mrs.Durant“ sowie als „Bardame“ den Kreis der Akteure. In beiden Rollen übernimmt sie eher den komischen Part, ob als überzogene Patientin oder als singende Bardame – beide Rollen passen perfekt und geben dem Stück eine ganz besondere Note.

Dass man als Zuschauer bei der „Kaktusblüte“ 2,5 Stunden gute Unterhaltung genießen sowie den Alltag kann, sei an dieser Stelle gesagt. Diese Komödie macht einfach Spaß – die Spielfreude der Schauspielerinnen und Schauspieler springt über und man taucht direkt in die Welt von Julian und seinen Frauen ein.  

„Die Kaktusblüte“ – eine echte Rose, also Königin der Blumen, unter den Boulevardstücken!

Erleben auch Sie dieses Stück.

Infos unter: www.schauspielbühnen.de

Fotos: Schauspielbühnen Stuttgart

Franziska Maier

Franziska Maier

> Offizielles Mitglied der "bdfj" Bundesvereinigung der Fachjournalisten e.V. > Studium der Germanistik, Geschichte, Politikwissenschaft und ev. Theologie* Beruf der Realschullehrerin (inkl. des Amtes der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit) > Journalistische Tätigkeit bei diversen Magazinen (Veröffentlichung von Artikeln u.a. bei Da Capo, Thats Musical, Blickpunkt Musical, Esslinger Zeitung...)