Rebecca Premiere

„Rebecca, wo du auch immer bist…“

Deutschland Premiere des Musicals „Rebecca“ im Palladium Theater Stuttgart

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Ab sofort hat Stuttgart eine neue kulturelle Attraktion: Das Musical „Rebecca“, vom erfolgreichsten Autorenduo der Musicalwelt Dr. Michael Kunze und Sylvester Levay, fasziniert und verzaubert die Zuschauer.

Wer nicht gerade zu der Kategorie der Musicalgänger gehört, die weite Reisen auf sich nehmen, um Stücke zu sehen, die nicht in Deutschland spielen, der wird von „Rebecca“ bisher nur sehr wenig gehört haben. Daher feierte das Stück bereits im Jahr 2006 eine erfolgreiche Uraufführung in Wien. Die Handlung des Musicals basiert auf dem gleichnamigen Roman von Daphne du Maurier und wurde im Jahr 1940 von keinem geringerem als Alfred Hitchcock eindrucksvoll verfilmt. Dass von „Rebecca“ ein ganz besonderer Zauber ausgeht, wird in allen drei Bereichen klar, ob nun als Roman, Verfilmung oder Musical.

Dabei ist die Titelfigur für die Besucher des Stückes komplett unsichtbar und wird nur namentlich genannt und das sehr häufig…

Wir schreiben das Jahr 1926. In Monte Carlo gastieren die Reichen und Schönen in einem Grand Hotel. So auch die alleinstehende Mrs. Van Hopper aus New York. Der Dame stets zur Seite ist ihre Gesellschafterin, die im Musical keinen Namen trägt, sondern nur als „Ich“ betitelt wird, wie die Ich-Erzählerin eines Romans. Das junge, schüchterne Mädchen, dessen Familienangehörige alle tot sind, wird als „graue Maus“ bezeichnet, der die große weite Welt bisher verwehrt blieb. Im Hotel taucht der verwitwete Maxim de Winter auf, der charmante und gut aussehende Gutsherr von Manderley ist unnahbar und auch an Mrs. Van Hopper keinesfalls interessiert. Er weist ihre eindeutigen Avancen direkt zurück und wendet sich stattdessen der jungen Gesellschafterin zu. Es kommt, wie es kommen musste, in einem Roman: De Winter verliebt sich in das junge Mädchen und heiratet sie, zum Entsetzen aller, da doch seine erste Frau Rebecca, die vor einem Jahr verstarb, so völlig das Gegenteil der neuen Mrs. De Winter ist.

Diese Meinung vertritt auch das Personal auf Manderley, allen voran die gestrenge Mrs. Danvers, die seit Kindestagen Rebeccas Zofe war und nun alles daran setzt, das Andenken an diese zu wahren. Die neue Mrs. De Winter ist ihr ein Dorn im Auge und sie macht ihr in so manchen Situationen das Leben schwer. Dabei verströmt sie eine unheimliche Aura und lässt in jedem Möbelstück sowie in jeder Geste Rebecca wieder auferstehen. Als dann noch das Schiff, mit dem Rebecca vor einem Jahr verschwunden ist und wodurch sie ertrunken ist, wieder auftaucht und zu allem Übel noch eine Leiche darin gefunden wird, entwickelt sich die Geschichte von einer klassischen Love Story zu einem höchst spannenden Kriminalfall. Hat Maxim de Winter etwas mit dem Tod seiner Ex-Frau zu tun? Welche Rolle spielte Mrs. Danvers und wer ist eigentlich der ominöse Jack Favell, der als Cousin Rebeccas hinter deren Geld her ist?

All diese Fragen werden im Stück beantwortet, doch hierbei werden die Zuschauer auf eine Odyssee der Spannung und Mystik mitgenommen, die so manch einem das Blut in den Adern gefrieren lässt. Das Musical lässt sich durchaus in zwei Teile splitten. Das Auftauchen des Schiffes stellt eindeutig den Wendepunkt der Handlung dar, so dass man auch als Besucher jede der Personen hinterfragt und das bisher Erlebte neu betrachtet. Welches Geheimnis hatte Rebecca? Was genau nahm sie mit in ihr kaltes, nasses Grab?

Levay und Kunze haben diesen eindrucksvollen literarischen Stoff in hervorragender Art und Weise auf die Bühne gebracht. Ihre Inszenierung fesselt und die Musik unterstützt perfekt die Handlung. Die Lieder sind einschmeichelnd oder bedrohlich, passend zur jeweiligen Situation. Dabei ist auch klar die Handschrift Levays zu erkennen, der sehr gerne musikalische Motive wählt, die sich während des Stückes wiederholen oder in Sequenzen wiedergegeben werden. Wie auch bei „Elisabeth“ gibt es ein paar starke Balladen, die im Ohr bleiben. Allen voran das Titellied „Rebecca“, das im Stück in verschiedenen Fassungen mehrfach präsentiert wird und als Leitmotiv von Mrs. Danvers dient. Auch sehr passend gewählt wurde „Ich hab geträumt von Manderley“, dieses Stück, gesungen von „Ich“, eröffnet und beendet das Musical. Es bildet den Rahmen um das Geschehen und gibt der Handlung eine perfekte Einführung, da „Ich“ dieses Lied vor den Trümmern des zerstörten Herrenhauses Manderley singt und am Ende ebenso davorsteht. Die eigentliche Binnenhandlung wird also erst nach dieser Einführung gestartet, so dass das Publikum nachvollziehen kann, dass es sich um eine Rückblende der Geschehnisse handelt. Es erlebt sozusagen den Reifungsprozess des jungen Mädchens von Beginn an mit. „Das Kind in deinen Augen ist verschwunden“ – diese Worte richtet Maxim de Winter an seine junge Frau, nachdem sich Rebeccas Geheimnis enthüllte und genau diese Entwicklung vom Kind zur Frau wird ebenso eindrucksvoll dargestellt. Ein junger Mensch verändert sich aufgrund seiner Umwelt, dieser psychologische Aspekt ist ein wichtiger Teil der Handlung, so erlebt „Ich“ durchweg nur Ablehnung, Neid und Missgunst, bis sie lernt, sich zu wehren und bis sie sich eines gewiss ist: Der Mann an ihrer Seite liebt nur sie! Die Liebe macht sie stark und verdrängt das Kind in ihr.

Doch wer nun denkt, „Rebecca“ sei nur ein Stück für Frauen oder gefühlsbetonte Menschen, der irrt gewaltig. Das Musical ist für all diejenigen, denen Qualität und gute Unterhaltung heutzutage noch wichtig ist und die Musicals lieben, mit Handlung, großen Gefühlen, beeindruckenden Kulissen und harmonischen Liedern. Es handelt sich hier wahrlich nicht um eine „Billigproduktion“ – alleine die brennende Treppe Manderleys hat Unsummen verschlungen. Und obwohl diese Szene natürlich als Highlight des Stückes gilt, gibt es noch viel mehr in diesem Musical zu entdecken. Jede Rolle wurde bis ins kleinste Detail durchdacht und die Nebenrollen erscheinen hier in einem anderen Licht. So stehen zwar Maxim, Ich und Mrs. Danvers im Mittelpunkt des Geschehens, doch ohne die weiteren Charaktere würde sich die Handlung nicht zu dem entwickeln, was letztendlich wichtig ist.

Auch die Darsteller wurden qualitativ hochwertig ausgewählt. So verkörpert keine Geringere als Pia Douwes die Rolle der Haushälterin Mrs. Danvers. Douwes ist dem Stuttgarter Publikum keine Unbekannte, so stand sie bereits als „Elisabeth“ oder „Lady de Winter“ in „Die 3 Musketiere“ auf den Stuttgarter Bühnen. Diese Rolle fordert von ihr eine völlig andere Facette – kalt und grausam tritt sie auf, ihre kraftvolle Stimme lässt die Titel unheimlich und mysteriös klingen. Man kann wahrlich sagen, dass Pia Douwes eine der größten Musicalstars weltweit ist! Als schüchterne „Ich“ steht Lucy Scherer auf der Bühne, sie zeigt, dass sie nicht nur als kieksende Hexe „Glinda“, die sie in „Wicked – Die Hexen von Oz“ spielte, brillieren kann. In dieser Rolle ist sie von Anfang bis Ende des Stückes präsent und hat viel zu singen. Zwar schimmert manchmal noch eine Nuance „Glinda“ in ihrer Stimme durch, doch zu dem kindlichen „Ich“ passt dies noch. In perfekter Harmonie zu Thomas Borchert, welcher Maxim De Winter verkörpert, steht Lucy Scherer ihren erfahreneren Kollegen in nichts nach. Borchert ist auf den Stuttgarter Musicalbühnen ein Neuling. Er verzauberte das Publikum als „Graf von Krolock“ in Hamburg und Wien, dazu ist der musikalische Tausendsassa auch mit Solo-Konzerten unterwegs. Leider kann Borchert in den Gesangsnummern des „Maxim“ nicht sein volles Stimmvolumen ausschöpfen, doch den Gutsherren verkörpert er glaubwürdig und stark. Auch Isabell Dörfler als „Mrs. Van Hopper“ ist diese Rolle wie auf den Leib geschrieben, es ist eine wahre Freude, ihr zuzusehen und zuzuhören. Kerstin Ibald als Schwägerin „Beatrice“ war bereits in der Wiener Fassung zu sehen – ihre Stimme ist besonders und sie harmoniert auch im Duett mit Lucy Scherer perfekt. Hannes Staffel, einst ein Stuttgarter „Musketier“, darf nun seine fiese Seite demonstrieren. Als „Jack Favell“ kommt er schmierig und hinterhältig rüber, stimmlich könnte er noch etwas mehr zeigen in seinem Solo „Eine Hand wäscht die andre Hand“.

Auch das Ensemble, welches etliche Songs zu präsentieren hat, wurde gut gewählt. Manche Bewegungsabläufe und Choreografien erinnern stark an die Ensembleszenen aus dem Musical „Elisabeth“, doch im Endeffekt sei dies keine Kritik, die Handschrift des Meisterduos Levay/Kunze ist eben unverkennbar!

Auch dem Premierenpublikum gefiel „Rebecca“ außerordentlich gut. So wurde die packende Handlung gelobt, ebenso die beeindruckenden Bühnenbilder. Bis tief in die Nacht feierten die Stars und Sternchen bei Lamm in Minzsoße und vielen weiteren Leckereien.

Zu den Premierengästen gehörten u.a. Ornella Muti, Florian Silbereisen, Frank Elstner, Kim Fisher, Gitta Saxx, Thomas Kretschmann oder auch Gudrun Landgrebe und Gaby Hauptmann.

Fotos: Stage Entertainment

 

Franziska Maier

Franziska Maier

> Offizielles Mitglied der "bdfj" Bundesvereinigung der Fachjournalisten e.V. > Studium der Germanistik, Geschichte, Politikwissenschaft und ev. Theologie* Beruf der Realschullehrerin (inkl. des Amtes der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit) > Journalistische Tätigkeit bei diversen Magazinen (Veröffentlichung von Artikeln u.a. bei Da Capo, Thats Musical, Blickpunkt Musical, Esslinger Zeitung...)