Berlin Comedian Harmonists

„Ein Lied geht um die Welt…“ – Die Berlin Comedian Harmonists verzaubern das Fellbacher Publikum

Berlin-Comedian-Harmonists

Ein Hauch von Nostalgie weht durch die Hallen der Schwabenlandhalle Fellbach, als die sechs Herren der Berlin Comedian Harmonists die Bühne betreten. Die Frisur adrett im Stil der 30er Jahre, mit weißem Hemd, schwarzer Hose und Frack – man könnte meinen, dass man sich auf einer Zeitreise befände und die moderne Welt des 21. Jahrhunderts bewusst  für zwei Stunden zurücklässt. Ohne Mikrofone und Verstärker, alleine mit Begleitung  des Pianos entführen die Berlin Comedian Harmonists das Publikum der fast ausverkauften Halle in die Welt der 20er und 30er Jahre und begeistern mit ihrem harmonischen mehrstimmigen Live Gesang und ihren Anekdoten.

Doch wer verbirgt sich hinter dem Phänomen der Berlin Comedian Harmonists, welche es schaffen, an zwei aufeinanderfolgenden Wochentagen die Fellbacher Schwabenlandhalle bis auf den letzten Platz zu füllen?

Ursprünglich fand sich das Vokalensemble für die Uraufführung des Theaterstücks „Veronika, der Lenz ist da!“, welches am 19. Dezember 1997 Premiere in der Berliner Komödie am Kurfürstendamm feierte, zusammen. Die Besetzung des Sextetts änderte sich im Laufe der Jahre und so gehören noch Holger Off (1. Tenor), Horst Maria Merz (Klavier) und Olaf Drauschke (1. Bariton) zur Premierenbesetzung. Hinzu kamen Ralf Steinhagen (2. Tenor), Philipp Seibert (2. Bariton) und Wolfgang Höltzel (Bass). Aufgrund des Erfolges des Theaterstücks, stieg die Nachfrage stetig an und die Berlin Comedian Harmonists wurden auch außerhalb des Theaters immer öfter für Galas und Konzerte angefragt. Auch das Ausland reißt sich um sie, so ist es keine Seltenheit, dass die sechs Herren ihre Lieder in Australien, USA, Südamerika, Spanien, Italien, Frankreich oder in der Schweiz zum Besten geben.

Und diese Tatsache zeigt auch, dass die Menschen die Geschichte der „echten“ Comedian Harmonists einfach nicht loslässt. Wohl kaum eine Gesangsgruppe schaffte einen derart großen Erfolg in den 20er und 30er Jahren. Mit ihren koketten und teils mehrdeutigen Texten sowie ihren humorvollen Interpretationen der Lieder sorgten sie für Aufsehen, doch die Massen liebten sie. Der Erfolg der Comedian Harmonists wäre auch noch wesentlich länger ungebrochen gewesen, wäre da nicht der in Deutschland immer stärker aufkeimende Nationalsozialismus aufgekommen, der am Ende auch das Aus für die Gruppe bedeutete. Drei „Arier“ und drei „Nicht-Arier“ – die Tragik, die hinter diesen beiden Begriffen steckt, wird einem erst bewusst, wenn man sich mit der Geschichte der wahren Comedian Harmonists beschäftigt hat. Umjubelt, erfolgreich, zahlreiche Auftritte im In-und Ausland – doch dann folgten Auftrittsverbote sowie die Trennung der Gruppe, der es untersagt war, einen amerikanischen Namen in Deutschland zu tragen. Aus den Comedian Harmonists wurde 1935-1941 das „Meistersextett“ einerseits sowie die „Wiener-Exilgruppe“ (1935-1941), bzw. „Amerikanische Exilgruppe“(1948/49) andererseits. Auch nach dem 2. Weltkrieg kam es nie wieder zu einem gemeinsamen Auftritt der Comedian Harmonists, doch ihre Lieder sind unvergessen.

So sehen auch die sechs Mitglieder der Berlin Comedian Harmonists die echten Comedian Harmonists als große Vorbilder an. Allabendlich ehren sie deren Lebenswerk und ihre Auftritte sind eine Hommage an das Sextett.

In diesem Jahr steht die Tournee unter dem Motto „Best of Berlin Comedian Harmonists“ und so erwartet das Publikum eine gelungene und abwechslungsreiche Mischung aus Hits der Comedian Harmonists (u.a. „Veronika, der Lenz ist da“, „Ich wollt, ich wär ein Huhn“, „Schöne Isabella aus Kastilien“ und viele mehr) sowie weiteren Titeln, so zum Beispiel bekannte Hits, die im Stil der Comedian Harmonists arrangiert wurden. Haben Sie schon einmal Michael Jacksons Hit „Bad“ im Sound der 20er/30er Jahre gehört? Oder Nenas „99 Luftballons“? Dann wird es höchste Zeit, denn die Berlin Comedian Harmonists beweisen eindrucksvoll, dass auch diese Mixtur gelingt. Aus „Bad“ wird „Fett“, in Anlehnung an die Parodie von Weird Al Yankovics Song „Fat“, der Ende der 80er Jahre erschien. Und was haben die „99 Luftballons“ mit dem „Kleinen grünen Kaktus“ zu tun? Nun, sie können mit Hilfe desselbigen schnell zerplatzen!

Doch nicht nur diese gelungenen Neuinterpretationen zeigen die große Musikalität der sechs Herren, exklusiv wurde für sie die Operette „Frau Luna“ von Paul Lincke umgeschrieben, natürlich wieder in ihrem typischen mehrstimmigen Sound. Aber wie schafft man es, eine ganze Operette in nur 8 Minuten zu präsentieren? Dass es möglich ist, beweist das Sextett ebenso in ihrem neuen Showprogramm. Und auch eigene Kompositionen dürfen nicht fehlen, so erklingt das Lied  „Se dici di lasciarmi“, geschrieben von Pianist Horst Maria Merz, der in seiner ganz persönlichen Geschichte auch erklärt, wie es zu diesem berührenden Titel kam.

Apropos Geschichten, wer nun denkt, das Sextett würde den ganzen Abend lang nur brav singend auf der Bühne stehen, der irrt sich gewaltig. Jedes der sechs Mitglieder teilt dem Publikum seine eigene kleine Anekdote mit. Geschichten des Alltags, die sich mit dem ein oder anderen auftauchenden Problem im Leben eines Künstlers beschäftigen oder Einblicke in deren Kindheit geben. So treten plötzlich völlig neue Aspekte in den Mittelpunkt und ein alter Fotoapparat wird zum Star des Abends. Auch die Frage, wo eigentlich „oben“ und „unten“ auf der Landkarte ist, beschäftigt einen mehr denn je – die gesamte Geographie ist anscheinend Ansichtssache, je nachdem, wo man wohnt…wie man in Oberbayern Streiche spielt, seine erste große Liebe im Alter von zarten neun Jahren küsst, Impressionen einer Reise auf der MS Deutschland – all diese Geschichten zaubern den Zuschauern ein Lächeln auf die Lippen, vor allem, wenn sie entsprechend von den Mitgliedern der Berlin Comedian Harmonists erzählt werden, nämlich mit Humor und Augenzwinkern!

Nostalgie pur, genau das wird bei den Konzerten der Berlin Comedian Harmonists vermittelt, doch ein wenig bedauerlich zeigte sich die Tatsache, dass besonders die erzählten Geschichten ohne Verstärkung eines Mikrofons leider sehr leise zu vernehmen waren. In einer großen Halle sollte man doch die schönen Stimmen der Herren mehr verstärken, insbesondere auch für die älteren Zuschauer, die sehr zahlreich erschienen sind und sicherlich das ein oder andere Wort nicht verstehen konnten, da die Akustik im Saal zu wünschen übrig ließ und die Stimmen irgendwo verebbten. Es wäre auch eine Erleichterung für die Künstler selbst, da somit die Stimmen mehr geschont würden.

Auf ein großes Bühnenbild wird ebenso bewusst verzichtet, einzig der große Flügel ziert die Bühne und natürlich das Können und die Darbietung der Künstler, die sich auch nach dem Konzert ihren Zuschauern im Foyer präsentieren, bereitwillig Autogrammwünsche erfüllen und sich gerne noch zu einem Plausch hinreißen lassen.

Lassen Sie sich die Chance nicht entgehen und tauchen auch Sie in die Welt der Berlin Comedian Harmonists ein – lassen Sie die Vergangenheit aufleben und vergessen Sie für zwei Stunden den Alltag!

Weitere Informationen zu den Künstlern sowie zu ihren Auftritten finden Sie unter:

www.berlincomedianharmonists.com

Bericht: Franziska Maier

 

Franziska Maier

Franziska Maier

> Offizielles Mitglied der “bdfj” Bundesvereinigung der Fachjournalisten e.V.

> Studium der Germanistik, Geschichte, Politikwissenschaft und ev. Theologie* Beruf der Realschullehrerin (inkl. des Amtes der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit)

> Journalistische Tätigkeit bei diversen Magazinen (Veröffentlichung von Artikeln u.a. bei Da Capo, Thats Musical, Blickpunkt Musical, Esslinger Zeitung…)