Interview mit Adrian Becker

Interview mit Adrian Becker

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1. Herr Becker, aktuell sind Sie in der Musicalproduktion „Kiss me, Kate“ im Alten Schauspielhaus Stuttgart zu sehen. War es denn bereits von klein auf Ihr Wunsch, auf einer großen Bühne zu stehen und Musicaldarsteller zu werden oder hatten Sie ursprünglich völlig andere Berufswünsche?

Ich hatte das große Glück, dass mir schon als kleiner Bub klar war, dass ich auf die Bühne will und das Schicksal (und vielleicht auch ein wenig Talent, Fleiß und Durchhaltevermögen) haben es so gewollt, dass mein Kindheitstraum wahr werden durfte. Ich bin sehr dankbar.

2. Viele Musicaldarsteller besuchen spezielle Musical Academys, Sie hingegen haben in Berlin an der Universität der Künste studiert und absolvierten diese mit einem Diplomabschluss mit Auszeichnung. Wie unterscheidet sich Ihre Ausbildung von der an einer Musicalschule?

Gerne darf Sie darüber informieren,  dass es sich bei meiner Ausbildung an der Universität der Künste (UdK) in Berlin um eine ganz klassische Ausbildung zum Musicaldarsteller handelte. Dort wird man in einer 4-jährigen Ausbildung in den Fächern Gesang, Schauspiel und Tanz unterrichtet. Das ich dazu noch einen akademischen Grad verliehen bekommen habe finde ich lustig. Meine offizielle, deutsche Berufsbezeichnung lautet: Dipl. Musical-Darsteller. Herrlich, nicht wahr?

Neben den staatlichen Universitäten, die diese Ausbildung anbieten, gibt es in Deutschland immer mehr kostenpflichtige, private Schulen (oder wie sie es nennen: Academys) , die mit mehr oder weniger Erfolg ebenfalls Talente ausbilden.

3. Stammen Sie aus einer musikalischen Familie oder sind Sie der erste, bzw. einzige Künstler zu Hause?

Meine künstlerische Seite habe ich sicher von meiner verstorbenen Mutter geerbt. Ihr Herz schlug ebenfalls für die Musik. Ansonsten bin ich der einzige Künstler in unserer Familie.

4. Wann wurde Ihr Talent denn entdeckt und gab es Leute, die Sie förderten, z.B. schon während der Schulzeit (in Theater AG´s oder Schülerbands)?

Ich bin in einem kleinen Dorf aufgewachsen, in dem es eine sehr gut funktionierende Amateutheaterszene gab. Ich hatte das Glück dort schon als Kind auf der Bühne stehen zu dürfen, was mich sicher sehr geprägt hat. Das „Theater Überzwerg“ in Saarbrücken suchte dann für ein Projekt jugendliche Amateurschauspieler, die gemeinsam mit den Profis ein Stück („Geheime Freunde“) erarbeiten sollten. Ich hatte das große Glück dafür ausgewählt zu werden und im Anschluß hat der Intendant mir einen Elevenvertrag an diesem Theater angeboten. Eine große Chance. Während dieser Zeit konnte ich mich dann auf die Vorsprechen an den Schauspielschulen vorbereiten. Et voilá, hier bin ich heute….

5. Sie spielten schon in unzähligen Produktionen mit, u.a. in „Grease“, Sweeney Todd“, „Cats“, „Mozart“, „Evita“…um nur einige zu nennen. Diese Stücke könnten nicht unterschiedlicher sein. Haben Sie persönlich ein Lieblingsstück im Reigen dieser vielen Produktionen, in denen Sie mitwirkten und falls ja, wieso ausgerechnet dieses?

Schwierig zu beantworten. In fast allen Fällen war es bisher so, dass das Stück an dem ich aktuell arbeite auch mein Lieblingsstück ist. Es liegt vielleicht auch daran, dass ich mich während dieser Arbeitsphase besonders mit einem Thema beschäftige und es für diese Zeit bestenfalls von besonderer Bedeutung wird. Es wäre einfacher zu beantworten welche Produktionen ich nicht so gerne mochte.  Aber diese Antwort und Begründung werden Sie dann in meinem Buch über mein Leben als Musicaldarsteller erfahren. Erst dann rechne ich abJ

6. Vom Stück zur Rolle: Auch hier verkörperten Sie die unterschiedlichsten Charaktere. Was fällt Ihnen leichter, einen Bösewicht zu mimen oder doch lieber den Frauenschwarm und Verführer?

Die eigentliche Herausforderung bei der Darstellung des „Fred Graham“ in  KISS ME KATE ist es z.B. die von Ihnen beschriebenen unterschiedlichen Ebenen, Charakterzüge und Entwicklungen zu zeigen. Erst die darzustellende Vielfalt eines Menschen finde ich persönlich interessant. Übrigens: Sowohl im Theater als auch  im Leben.

7. Viele Darsteller vertreten die Meinung, dass es interessanter sei, einen negativen Charakter zu spielen. Wie sehen Sie diese These?

Es kann alles dargestellt werden.

8. Kommen wir nun zu Ihrem aktuellen Engagement: Die Rolle des Fred/Petrucchio in „Kiss me, Kate“. Wie würden Sie Ihre Rolle beschreiben – was für ein „Typ Mann“ ist Fred?

Er ist  ein Mann, Theaterproduzent, Hauptdarsteller seiner eigenen Produktion, Liebender, 31 Jahre und frei.

9. „Kiss me, Kate“ hat eine große Besonderheit: Eigentlich sehen die Zuschauer „ein Stück im Stück“. Können Sie unseren Leserinnen und Lesern den Inhalt des Musical genauer erläutern?

Nö. Das ist mir zu langweilig.  Da hat sich jemand vor mir schon ganz wundervolle Gedanken auf Wikipedia gemacht. Check it!

Ihre Rolle, die an sich ja eine Doppelrolle ist, verlangt sehr viel von Ihnen ab. Wie schaffen Sie es, so problemlos von „Fred“ in die Rolle des „Petrucchio“ zu schlüpfen. Stoßen Sie dabei manchmal an Ihre Grenzen oder ist dies keine große Herausforderung für Sie?

Na klar ist das eine Herausforderung. Aber das ist ja der Beruf.

An meine Grenzen stoße ich bei ganz anderen Herausforderungen:

Ölwechsel zum Beispiel. Da brauche ich Personal.

9. Als ich zu Gast im Musical war, fiel Ihre Kollegin Maja Sikora wegen Krankheit aus. Sie traten vor das Publikum und erläuterten ganz locker die Lage, dabei wirkten Sie wie ein Moderator beim Fernsehen. Wäre der Beruf des Moderators auch denkbar für Sie und ist es allgemein auch Ihr Ziel, TV Rollen zu spielen?

Na klar, alles außer „Wetten dass….“

Vielleicht darf ich darauf hinweisen, dass ich gerade einen Film für´s ZDF abgedreht habe.

„Casanovas Geheimnis“  Sendetermin ist Ostersonntag um 19.30 Uhr.

Ach ja: Ich spiele CasanovaJ

10. Sicherlich gab es im Verlauf Ihrer Karriere noch etliche „Pannen“. Welche war für Sie die Schlimmste, bzw. die, an die Sie sich stets erinnern werden?

Texthänger sind ganz furchtbar. Der schlimmste ist mir in der Tat in Stuttgart  bei CATS passiert. Ich spielte „Munkustrap“. In einem Song gibt es eine Stelle, bei der ich sowohl das Orchester als auch alle Kollegen auf der Bühne unterbreche um dann den Song ganz alleine wieder neu zu beginnen. Genau an dieser Stelle war der Text weg. Sie müssen sich vorstellen. Totenstille auf der Bühne. Alle Kollegen und das gesamte Orchester (damals gab es so etwas noch) warteten darauf, dass Herr Becker endlich nen Ton von sich gibt. Aber mein Gehirn hatte sich schon in den Feierabend verabschiedet. Letzten Endes kamen irgendwelche Buchstaben aus meinem Mund, die keinen wirklichen Sinn ergaben. Grudiemfbdksösbissddöeöööe.

Diese waren allerdings wuuuunnderschön gesungen.

11. Nun leben Sie ja eigentlich in Berlin, der großen Hauptstadt. Ist es für Sie eine große Umstellung, aktuell in Stuttgart zu wohnen und wie kommen Sie mit der Mentalität der Schwaben zurecht? Immerhin ist das nicht Ihr erster Aufenthalt in Baden-Württembergs Hauptstadt…

Ja, es ist eine große Umstellung. Es ist so sauber!  Mit den Eingeborenen hab ich allerdings gar nicht so viel zu tun. Ich bin ja meistens im Theater und dort sind fast ausschließlich meine Kollegen, die ja auch nur für ne ausgewählte Zeit hier leben.

Meine Wohnung ist direkt im Rotlichtbezirk. Das ist allerdings herrlich um Mileustudien bezügl. der schwäbischen Männer zu machen. Da sieht man dann die bausparenden Familienväter, die  vor, während oder nach der Arbeit die Damen und Herren des Straßenstrichs (auf deren enormen Schuhen) einen Besuch abstatten. Da lässt der Schwabe nix anbrennen. Insofern ist es hier wie in Berlin.

Vielleicht ist die Sparsamkeit der Schwaben etwas ausgeprägter. Heute morgen gegen 4 Uhr gab es folgenden lautstarken Dialog auf der Strasse vor meinem Haus:

Er:  (in tiefstem schwäbisch): Jetzt warte doch mal, ich geb dir 25 EUR

Sie: (mit osteuropäischem Akzent, den ich nicht zuordnen konnte) Für 25 EUR darfst Du mir noch nicht mal den A…. lecken.

Mit diesen Sätzen werde ich das Maultaschenparadies Stuttgart in guter Erinnerung behaltenJ

Der Herr stieg anschließend übrigens in seinen Benz und hat sich lt. Nummernschild dann wieder nach Esslingen aufgemacht. Hinten klebte der Aufkleber: BABY ON BOARD.

Sie können eben alles, außer HochdeutschJ

12. Künstler stehen abends auf der Bühne, den Rest des Tages haben Sie soz. zu ihrer Verfügung. Wie verbringen Sie am liebsten Ihre Freizeit? Und wie können wir uns einen typischen Tagesablauf von Ihnen vorstellen?

Das ist sehr unterschiedlich und richtet sich sehr nach den Aufgaben im Theater. KISS ME, KATE  spielen wir ja im Prinzip täglich. Die Partie von „Fred“  muss neben sehr viel Dialog auch sehr, sehr viel singen.  Da heißt es während des Tages Stimme schonen, ausruhen um die Kraft für den Abend zu sammeln. Dazwischen mache ich Yoga, Sport und Büro.

13. Aktuell boomen ja Castingshows im TV. Was halten Sie von diesem Trend und würden Sie jungen Talenten raten, dort mitzumachen, um Ihre Karriere anzutreiben?

Es kommt darauf an welche Karriere sie machen wollen. Aktuell castet der „BACHELOR“ seine Traumfrau. Wenn das ne Karriere ist, die man machen möchte, ist das sicherlich ein wundervolles Format. Auch für Hundebesitzer, die ihren Tieren beibringen durch Feuerreifen zu springen , Versicherungskaufmännern, die gerne mal den Tarzan spielen wollen oder Mundharmonikaspieler ist eine Castingshow sicher eine ganz hervorragende Chance.

Für mich bedeuten Castingshows mehr oder weniger gut gemachte Unterhaltung, die für die Dauer der Staffel den Teilnehmern eine Plattform bietet sich zu präsentieren.

Wer damit umgehen kann und den Medien gewachsen ist…. bitte schön.

Desiree Nick hat diese Chance wundervoll genutzt. Die verehrte Kollegin kennen jetzt sicherlich mehr Zuschauer als sie jemals durch ihre Bühnenprogramme hätte erreichen können und sie hat sich damals von der Dschungelgage 2 Häuser gekauft, wie wir jetzt ja alle bei Herrn Lanz in der Talkshow erfahren durften. Na bitte schön. Alles richtig gemacht.

14. Zum Schluss ein Blick in Ihre Zukunft:  Welche Projekte stehen als nächstes bei Ihnen an? Und gibt es noch Rollen, die Sie unbedingt einmal spielen möchten?

Wir stecken gerade noch in Verhandlungen mit einem Theater in Österreich. Dort wird es, basierend auf der Vorlage eines Hollywood-Films,  eine Uraufführung eines „Musical noir“ geben ( ich liebe diese Bezeichnung). Da darf ich (falls die Parteien sich einig werden) einen wundervollen Frauenverführer spielen. Ich bin sehr gespannt.

Im Anschluß gehen direkt die Proben für meine neue Show los, mit der wir ab August 15 Konzerte quer durch die Republik spielen werden.

Arbeitstitel: YIEHAAA 2013 oder COWBOYS on speed

Im Winter 2013 probe ich dann ein Stück über eine Boyband. Ich bin einer der BoysJ

Es ist alles eine Frage der Beleuchtung!

Alle Infos dazu gibt es demnächst auf:

WWW.ADRIANBECKER.DE

Franziska Maier

Franziska Maier

> Offizielles Mitglied der "bdfj" Bundesvereinigung der Fachjournalisten e.V. > Studium der Germanistik, Geschichte, Politikwissenschaft und ev. Theologie* Beruf der Realschullehrerin (inkl. des Amtes der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit) > Journalistische Tätigkeit bei diversen Magazinen (Veröffentlichung von Artikeln u.a. bei Da Capo, Thats Musical, Blickpunkt Musical, Esslinger Zeitung...)