Interview mit Anita und Alexandra Hofmann

Interview mit Anita und Alexandra Hofmann

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1.Im Alter von 11 und  14 Jahren zog es Sie beide das erste Mal auf die Bühne – Ihre erste Bühnenshow umfasste ein zweistündiges Programm zu Ehren des 40. Geburtstag Ihres Vaters – wie lange dauerten damals Ihre Vorbereitungen für diese Show?

Alexandra: Von Vorbereitungen kann man nicht direkt sprechen. Wir haben die Show damals aus Freude an der Musik vorbereitet. Seitdem ich 6 Jahre alt war, habe ich eine klassische Klavierausbildung bekommen und seither übte ich täglich freiwillig vier Stunden und das jahrelang. Allerdings bekam ich damals zu Weihnachten eine Clavinova und da konnte man Rhythmen auswählen und somit Titel aus dem Radio nachspielen. So wurden uns neue Möglichkeiten eröffnet und für die Show für meinen Vater übten wir täglich sicherlich gute zwei Stunden.

2. Anita, Sie standen damals als Elvis auf der Bühne und Alexandra begleitete Sie am Keyboard. Wieso wählten Sie als Mädchen gerade Elvis aus?

Anita: Wir stellten ein buntes Programm zusammen und integrierten alles, was uns Spaß machte und auch selbst gefiel. Außerdem wurde der Kleiderschrank der Eltern geplündert und Kostüme eigenständig hergestellt. Und bis heute machen wir auf der Bühne nur die Dinge, die uns gefallen. Jedoch möchten wir keine Kopie von jemandem sein, wir setzen die Titel auf unsere eigene Art und Weise um.

3.  War es denn von klein auf Ihr Wunsch, berühmt zu werden oder gab es auch andere Berufswünsche, die Sie beide hegten?

Anita: An sich blieb uns keine andere Wahl, als die Musik zu unserem Beruf zu machen, da wir nach dem Schulabschluss schon viele Auftritte hatten und für uns gab es nichts Schöneres, als das Hobby zum Beruf zu machen.

Alexandra: Wir hatten auch als Kinder nicht den Wunsch, auf der Bühne zu stehen, sondern wir hatten Spaß an der Musik und es ergab sich dann, dass nach und nach viele Auftrittsanfragen kamen. Aber wir übten nie, um auf die Bühne zu gehen.

4. Ab 1989 traten Sie regelmäßig in der Region auf – ab wann wurde denn das Radio auf Sie aufmerksam?

Anita: Im Radio kann man ja nur gespielt werden, wenn auch eine Platte veröffentlicht wurde. Durch Mundpropaganda wurde ein Manager auf uns aufmerksam, der uns fragte, ob wir eine Platte aufnehmen möchten und somit gab es etwas, das von uns gespielt werden konnte.

Alexandra: Wobei richtig gespielt wurden wir erst ab 1993, als wir mit „Alle Farben dieser Erde“ den 2. Platz beim Internationalen Grand Prix belegten. Davor wurden wir zwar auch schon gespielt und hatten Fernsehauftritte, doch nicht in der Masse, wie es nach dem Sieg dann war.

5. Seither folgten 21 Alben und unzählige Auftritte – gab es auch schon Momente, wo Sie ans Aufhören dachten oder dass Ihnen der Druck der Musikbranche zu viel wurde?

Alexandra: Wir stecken uns stets neue Ziele – also bisher lief es immer so, dass wenn wir ein Ziel erreichten, bereits ein neues in Sicht war. Wir müssen allerdings ehrlich gestehen, dass wir oftmals am Ende eines sehr terminreichen Jahres sagten: „Wow, das schaffen wir nicht nochmal ein Jahr!“ Und dieses Pensum schafften wir dennoch über viele Jahre hinweg, bis meine Kinder dann zur Welt kamen. Es ging von Jahr zu Jahr gut, ohne dass Ermüdung da war.

6. Alexandra, Sie sind zwischenzeitlich verheiratet und haben zwei Kinder – wie lassen sich Familie und Karriere vereinbaren?

Alexandra: Wir machen mindestens 100 Auftritte weniger im Jahr als früher. Wir hatten rund 300 Auftritte im Jahr bis zu den Kindern und wir liegen jetzt so bei 150 oder 180 Auftritten – es wurde also um die Hälfte reduziert. Und somit schafften wir uns auch mehr Freiräume. Allerdings hat sich das Geschäft auch ein bisschen verändert, früher war 80% Auftritte und 20% Büro und heute ist mindestens 60 % Büro und 40 % Auftritte. Das heißt zwar gleich viel Arbeit, aber weniger Auftritte. Der Aufwand für alles wurde viel größer. Aber ich habe das Glück, dass ich einen ganz lieben Mann habe, der zwar ganz normal arbeiten geht, aber er hilft mir bei der Hausarbeit und den Kindern sehr viel und wir haben das altmodische Mehrgenerationenhaus, wir wohnen alle auf einem Grundstück, also unsere Eltern – Opa und Oma und somit ist für unsere Kinder immer jemand da und vor allem der Opa ist der Oberhammer. So habe ich meinen Vater ein Leben lang nicht erlebt. Die Kinder sind seine wichtigste Aufgabe, der er sich voll und ganz widmet und worin er aufgeht. Das ist seine pure Lebenserfüllung. Für mich ist es sehr beruhigend zu wissen, dass ich einen tollen Mann an meiner Seite habe, dazu die liebevollen Großeltern, die mir den Rücken komplett freihalten. Dann fahren wir auch fast jede Nacht heim, egal, wie weit wir weg sind. Der Job ist ja vorwiegend abends und nachts, da schlafen die Kinder sowieso. Seit 6 Jahren habe ich zwar weniger Schlaf, aber wenn ich morgens heimkomme, stehe ich mit den Kindern um halb sechs auf. Und bin für sie da. Ich war immer schon ein Frühaufsteher, doch ich gebe zu, dass die Nacht wirklich stärker unterbrochen ist, seitdem ich Kinder habe. Man bekommt seine vier Stunden Schlaf nicht mehr am Stück und das habe ich etwas unterschätzt, doch mittlerweile habe ich das gut im Griff.

7. Sie nahmen an vielen Wettbewerben teil – wie wichtig war die Erfahrung für Sie, sich mit anderen zu messen und welche Tipps würden Sie Nachwuchskünstlern geben

Gerade heutzutage gibt es ja viele Shows wie DSDS oder das Supertalent als Sprungbrett für die Musikkarriere – wie stehen Sie dazu?

Alexandra: Es ist heutzutage nicht so einfach, dass man als Newcomer sich in der Musikbranche einen Namen macht. Früher war es doch noch leichter, Fuß zu fassen. Durch die vielen Wettbewerbe kam man schneller voran. Diese Castingshows sehe ich schon als Sprungbrett, doch es ist höchst gefährlich, die Künstler haben keine solide Basis und keinen steten Aufbau ihrer Karriere. Sie werden ins große Geschäft hineingeworfen und keiner betreut sie danach. Wir hingegen gingen den Weg langsam hinauf und wenn einmal etwas nicht so klappt, dann können wir damit gut umgehen. Doch die Gewinner können ihren Erfolg nicht halten, sie sind für ein bis zwei Jahre bekannt und danach fallen sie hinab und das ist schmerzhaft und dieser Fall ist hart. Man kann ihnen nur wünschen, dass sie gute Berater haben, die Bodenhaftung nicht verlieren und versuchen, normal zu bleiben und mit wachen Augen durchs Leben gehen. Heutzutage sind die Plattenfirmen auch nicht mehr so wichtig wie früher, man kann sich in der Zeit des Internets sehr gut selbst promoten und zum Beispiel seine Videos hochladen, viele Klicks erhalten und wenn man ein bisschen clever ist, wird man auf diesem Wege bekannt.

8. Gibt es ein Geheimnis Ihres langjährigen und konstanten Erfolges, das Sie so viele Jahre gemeinsam auf der Bühne stehen lässt?

Alexandra: Solide Arbeit und Stetigkeit sind die Quellen zum langfristigen Erfolg.

9. Anita und Alexandra – wie würden Sie sich gegenseitig beschreiben?!

Alexandra: Ich kann grundlegend festsetzen, dass meine Schwester und ich Tag und Nacht sind. Außer der Liebe zur Musik haben wir nichts gemeinsam. Angefangen von der Tatsache, dass ich verheiratet bin und Kinder habe – meine Schwester nicht. Sie findet es sehr anstrengend, wenn sie mich beobachtet. Bei den Essensgewohnheiten merkt man es ebenso, sie ist gerne lasch, ich scharf. Sie isst mehr Gemüse, ich nasche mehr. Sie macht viel Sport, ich nicht. Ich bin Frühaufsteherin, sie nicht. Ich rede viel mehr, sie ist gerne für sich – ich bin gerne in Gesellschaft, ich organisiere mehr, meine Schwester ist mehr für die Fanpostbeantwortung zuständig. Sie schreibt auch Texte für unsere CD, mir liegt das gar nicht. Wenn ich einen Block bekomme und soll etwas schreiben, dann ist das ein Grauen, das mache ich gar nicht gerne. Auf der anderen Seite bin ich das verrückte Huhn, vor allem was die Kreativität angeht. Meine kindliche Seite habe ich mir stets bewahrt und das kommt dabei wieder zum Tragen. Anita ist wahnsinnig ehrgeizig, fleißig, im Gegensatz zu mir. Sie hat sehr guten Umgang mit Menschen, ist fürsorglich, tanzwütig. Ich bewundere sie dafür, dass sie das, was sie sich in den Kopf gesetzt hat, auch umsetzt oder eben ablehnt – da kommt der typische Widder bei ihr durch. Ich mache auch Dinge, die ich nicht will.

Anita: Meine Schwester ist Harmonie liebend, sie ist sehr gut im Organisieren, sie ist eine gute Mutter und die beste Schwester, die ich habe! Ich bin sehr zufrieden. Natürlich haben wir auch unsere Streitpunkte, aber es sind eher Meinungsverschiedenheiten. Obwohl wir so  oft zusammen sind, verstehen wir uns prima. Man wird auch älter und gescheiter – ich bin sehr glücklich mit der Schwester, die ich bekommen habe und man kann sich voll und ganz auf Alexandra verlassen.

10. Während Ihrer Schwangerschaft trat Anita solo auf – wäre es zukünftig denkbar, dass eine von Ihnen alleine auftritt oder würden sie nur gemeinsam weitermachen?

Alexandra: Das können wir uns deshalb nicht vorstellen, weil unsere Stärken auf verschiedenen Ebenen liegen. Wir sind es gewohnt, die ganze Palette zu bedienen: Was sie kann, kann ich nicht und umgekehrt. Auch von der Stimme: Anita hat eine Sopranstimme, ich eher die kratzige Rockröhre. Egal, was wir machen, wir ergänzen uns perfekt. Und für uns wäre es eine bittere Umstellung, auf die halben Stärken verzichten zu müssen. Für Anita war es gut, dass sie das einmal machen musste. So sah sie auch, was es bedeutet, organisieren zu müssen, ansonsten übernehme ich das ja. Es ist immer leichter zu sagen: „Warum hast du das nicht gemacht?“ als selbst Entscheidungen zu treffen. Und nun wurde sie vor diese gestellt und merkte, dass es kein leichter Job ist. Doch insgesamt hat diese Zeit sie gestärkt, auch in der Moderation und in allen anderen Bereichen. Eine Solokarriere käme für uns nicht in Frage!

11. Ihr Musikstil war anfangs doch sehr volkstümlich – doch im Laufe der Jahre änderte sich so manches. Wie würden Sie Ihre aktuellen Titel beschreiben?

Alexandra: Im Laufe der Jahre haben wir uns stark verändert. Ich bin verheiratet, habe Kinder, alleine das prägt einen Menschen grundlegend. Man wird reifer, verändert sich – das drückt sich auch in der Musik aus. Unsere Stimmen haben sich auch weiterentwickelt. Zwischenzeitlich können wir ganz andere Titel singen als früher. Wir haben auch einen neuen Produzenten, Jack White und da wird automatisch alles anders. Unser Sound ist nun frischer, poppiger. Manche Texte wurden tiefgründiger. Es ist jedoch schwierig, sich so zu beschreiben, da das Umfeld einen ganz anders wahrnimmt als man selbst.

12. Bei Ihren Live Tourneen bestechen Sie besonders durch Ihre Vielseitigkeit – Sie spielen verschiedene Instrumente und auch die Titelauswahl umfasst viele Genres. Nach welchen Kriterien stellen Sie das Programm zusammen und ist es Ihnen wichtig, Ihrem Publikum solch eine Vielfalt zu präsentieren?

Alexandra: Oftmals läuft bei mir im Kopf ein Film ab – es kann sein, dass ich ein Lied höre und schon bekomme ich eine Vielzahl an Ideen dazu und passende Bilder. Wichtig ist, dass alles uns Spaß machen muss. Wir lieben Musicals oder die Musik der 50er Jahre, die ist so schön. Ich beneide alle, die in dieser Zeit leben durften, denn es ist eine so fröhliche Musik, bei der man loslassen und unbeschwert sein kann. Es bieten sich auch Operettenstücke an, dank Anitas Sopranstimme. Wir haben gerade das Drehbuch für unsere Jubiläumstour fertig gemacht, da kamen auch wieder viele verrückte Ideen zusammen und ich freue mich wie ein Schneekönig darauf, dies den Leuten zu präsentieren.

13. Sie sprachen gerade Anitas Sopranstimme an – nehmen Sie noch immer Gesangsunterricht, um Ihre Stimmen weiter zu verbessern und daran zu arbeiten?

Alexandra: Wir hatten mindestens 10 Jahre lang klassischen Gesangsunterricht und dies ist eine sehr wichtige Grundlage. Allgemein finde ich es wichtig, eine gute Ausbildung zu genießen, auch beim Klavierspiel. Allerdings schlagen bestimmt manche klassischen Sänger die Hände über dem Kopf zusammen, wenn sie uns hören, da wir ja nicht alles umsetzen oder die Stimme auch mal kratzen lassen. Doch es ist auch nicht unser Ziel, wie ein Opernsänger zu klingen. Wir wissen, wie man die Technik anwendet und nutzen diese so, dass sie uns in unseren Musikrichtigen dient. Allerdings haben wir aktuell auch immer noch Tanzunterricht, den wir für unsere Choreographien benötigen.

14. Sie haben in den vielen Jahren Ihrer Karriere schon sehr viel erreicht – gibt es jedoch noch berufliche Wünsche und Ziele, die Sie beide anstreben?

Alexandra: Wir setzen uns nie große Ziele und das schönste, das wir für uns erreichen, sind stets unsere Solotourneen. Es ist zu 100% WIR, da sagt uns keiner, welche Titel wir singen sollen oder welches Licht eingesetzt wird. Wir machen alles zusammen von A bis Z – so setzen wir unsere Träume gemeinsam um!

15. Aktuell sind Sie auf Tour, Ihr neues Album „Wir“ ist gerade erschienen – worauf dürfen sich Ihre Fans zukünftig noch freuen? Evtl. auch mal ein Ausflug in die TV oder Musicalwelt? Florian Silbereisen übernahm ja auch einmal für kurze Zeit die Rolle des „Todes“ im Musical „Elisabeth“.

Alexandra: Wenn man so etwas nur zeitlich begrenzt machen könnte, dann wäre es sicher eine Überlegung wert. Man kann nie nie sagen, da man nicht weiß, was die Zukunft bringt. Beim Musical wird einem aber sehr viel vorgeschrieben, angefangen von den Kostümen, den Bewegungen, dem Ausdruck, dem Gesang. Wir genießen jedoch lieber die Freiheiten, die wir aktuell haben. Wobei ein kurzes Gastspiel sicherlich interessant wäre.

Anita: Die Liebe zum Musical ist auf jeden Fall da und es macht viel Spaß, in verschiedene Rollen zu schlüpfen. Auch bei unserer aktuellen Tournee gibt es einen Musicalblock und „Elisabeth“ begleitet mich schon sehr lange.

16. Welche Musicals würden Sie als Ihre Lieblingsstücke bezeichnen?

Anita: „Elisabeth“ und „Wicked“.

Alexandra: Seitdem ich Kinder habe, war ich leider nicht mehr im Musical, doch das erste, das ich sah, war „Miss Saigon“ und auch die „3 Musketiere“ fand ich sehr schön!

Interview: Franziska Maier

Fotos: Sony Music/Claudia Thomas (oben rechts), Agentur (oben links), Thomas Geromiller (unten)

Franziska Maier

Franziska Maier

> Offizielles Mitglied der "bdfj" Bundesvereinigung der Fachjournalisten e.V. > Studium der Germanistik, Geschichte, Politikwissenschaft und ev. Theologie* Beruf der Realschullehrerin (inkl. des Amtes der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit) > Journalistische Tätigkeit bei diversen Magazinen (Veröffentlichung von Artikeln u.a. bei Da Capo, Thats Musical, Blickpunkt Musical, Esslinger Zeitung...)