Interview mit Carl van Wegberg

Interview mit Carl van Wegberg

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Carl van Wegberg spielt seit Januar 2009 im Kölner Musical Dome in Monty Python’s SPAMALOT mit. Die Redaktion Deutschland-West besuchte das „verrückteste Musical der Welt“ und traf Carl van Wegberg nach der Show für ein kurzes Interview.

Kurz einige Information vorab:

Carl van Wegberg wurde am 26.11.1977 in Sittard, einem kleinen Städtchen im Süden der Niederlande, geboren. Bevor er sich ganz der Musik widmete, absolvierte Carl eine Ausbildung im Bereich Musik-Management. Nach seinem Diplom studierte Carl van Wegberg an der Fontys Tanzakademie, Abteilung Musicaltheater, im niederländischen Tilburg und schloss diese Ausbildung im Sommer 2003 erfolgreich ab.

Carl spielte bereits in zahlreichen Musicalproduktionen, unter anderem kennt man ihn aus

Tanz der Vampire (Crossswing Gesang, Zweitbesetzung Nightmare Solo und Herbert)

Les Misérables (Montparnasse, Zweitbesetzung Marius und Bamatabois)

Elisabeth (Swing, Zweitbesetzung Der Tod und Kronprinz Rudolf)

We Will Rock You (Bob, Ensemble, Zweitbesetzung Galileo, Britney und Gölä).

Momentan ist Carl in SPAMALOT als Swing und Cover Sir Lancelot, Sir Galahad und Sir Bedevere zu sehen. Außerdem ist er Walk-In Cover für die Rolle von Galileo in der Stuttgarter Produktion des Queen-Musicals „We Will Rock You“.

Red.: Carl, wann war für Dich klar, dass Du Musicaldarsteller werden möchtest?

Carl: Ich glaube ich war damals 18 Jahre alt.

Red.: Jetzt spielst Du die meiste Zeit in Deutschland. Hast Du auch in den Niederlanden gespielt?

Carl: Ja. In den Niederlanden war ich Dance Captain im 1. MUSICALS IN CONCERT. (“Musicals in Concert“ ist die niederländsche Version von „Best of Musical“)

Red.: Welches war das erste Musical, das du besucht hast?

Carl: Das war „Das Phantom der Oper“ in Scheveningen.

Red.: Was sollte ein Musical beim Publikum deiner Meinung nach bewirken? Wann ist ein Musical für Dich „stark“?

Carl: Für mich ist es das Wichtigste, dass die Besucher einen tollen Abend haben, dass sie aus dem Alltag in eine andere Welt gezogen werden – und natürlich, dass sie lachen können.

Red.: Was ist dein bisher größter beruflicher Erfolg?

Carl: Galileo in “We Will Rock You“ war eine große Herausforderung. Das war meine erste Rolle mit Dialogen, die auch gesanglich sehr anspruchsvoll war. Es war eine Rolle mit sehr hohem Niveau. SPAMALOT ist auch eine große Herausforderung für mich, weil in diesem Musical viele Charaktere dargestellt werden.

Red.: Gibt es für Dich eine Traumrolle, die Du gerne einmal in einem Musical spielen würdest?

Carl: Am liebsten würde ich Tony in “ Westside Story“, das ist ein klassisches, sehr angesehenes Musical, spielen. Die Musik ist wunderschön und die Choreografie ausgezeichnet. Tony ist eine Rolle, die fantastische Songs beinhaltet und schauspielerisch sehr anspruchsvoll ist. Ja, das ist für mich eine Traumrolle.

Red.: Würdest Du diese Rolle in den Niederlanden spielen wollen oder ist es für Dich egal wo?

Carl: Das ist mir eigentlich egal. Die Möglichkeit, in den Niederlanden zu spielen, halte ich mir offen. Aber es muss nicht unbedingt dort sein.

Red.: SPAMALOT musste ja ins Deutsche übersetzt werden. Wie ist das Deiner Meinung nach gelungen? Ist der typische Humor erhalten worden?

Carl: Nicht alle Witze konnten übersetzt werden. Das ist natürlich schwierig, da die englische Sprache sehr kompakt ist. In der deutschen Sprache braucht man viel mehr Wörter um etwas zu sagen und dann besteht die Gefahr, dass der Witz weg ist. Deshalb ist es nicht möglich, alles zu übersetzen. Man kann aber versuchen zu adaptieren, und das, was dabei heraus gekommen ist, ist sehr gut gelungen.

Red.: In SPAMALOT spielen Kollegen, die Du schon aus früheren Produktionen kanntest. Was bedeutet das für Dich?

Carl: Das ist mir sehr angenehm, denn es gefällt mir immer, einige Kollegen in der Cast zu haben, die ich kenne. Wenn man sich kennt ist es oft einfacher, sich im Spiel zu verständigen.

Red.: Gibt es einen Darsteller, der Dein großes Vorbild ist?

Carl: Aus dem Musicalbereich ist Pia Douwes für mich ein großes Vorbild. Ich bewundere ihre Professionalität – wie sie sich aufder Bühne gibt. Dazu kommt noch, dass sie wunderbar menschlich ist. Als ich den Tod in Elisabeth spielte war es herrlich , mit ihr zu arbeiten. Sie kann Menschen richtig inspirieren.

Red.: Es gibt in Deutschland viele Sendungen, in denen Musicaldarsteller gesucht werden. Würdest Du in einer solchen Sendung mitmachen?

Carl: Nur wenn es eine ansprechende Rolle für mich gibt. Sich in einem solchen Programm zu bewerben, bedeutet viel Stress, vor allem, wenn man gleichzeitig in einer anderen Produktion spielt. Jedoch erhält man vielleicht die Chance, eine Hauptrolle zu besetzen.

Red.: Du hast bereits des Öfteren die Rolle eines Swings übernommen. Ist es nicht schwierig, alle diese Rollen auseinander zu halten? Bist du so gut vorbereitet, dass Du Dich nie irrst oder in die falsche Rolle schlüpfst?

Carl: Ja, so etwas kann tatsächlich passieren. Besonders wenn ich parallel zwei größere Rollen spiele, ist es sehr schwierig. Beispielsweise habe ich in “We Will Rock You“ die Rollen von Britney und Galileo gespielt.

Red.: SPAMALOT ist ein fröhliches Musical mit viel Humor und Witz. Bist Du schon mal während der Show in Lachen ausgebrochen oder konntest Du Dich immer beherrschen?

Carl: Am Anfang war es sehr schwer, sich zu beherrschen, mit der Zeit aber nicht mehr. Wenn man professionel spielt und sich selber ganz in die Rolle einfühlt, dann sollte es nicht passieren, dass man außerhalb der Witze lachen muss. Wenn ein Kollege Akzente verändert oder etwas anderes Komisches macht, ist die Gefahr aber selbstverständlich da und dann passiert es manchmal.

Red.: Ist SPAMALOT auch ein körperlich sehr anstrengendes Musical?

Carl: Ja, im Ensemble zu singen und gleichzeitig zu tanzen ist sehr schwer und vor allem anstrengend. In SPAMALOT haben wir viele Quick-Changes. Manchmal hat man nur wenige Minuten, um sich umzuziehen. Das ist dann stressig.

Red.: Angenommen, Du gewinnst eine Million Euro. Was würdest Du damit machen?

Carl: Ich glaube, ich würde eine Weltreise machen und dafür sorgen, dass meine Nichte studieren kann. Etwas von dem Geld würde ich also meiner Familie geben und von dem Rest würde ich das Leben genießen.

Red.: Würdest Du weiterhin in Musicals spielen?

Carl: Ja, unbedingt. Es bleibt mein Traum, Theater zu spielen.

Red.: Würdest Du von dem Geld auch zum Broadway reisen?

Carl: Das könnte ich auch machen.

Red.: Bedeutet Urlaub für Dich auch, sich weiter in die Arbeit zu vertiefen?

Carl: Nur wenn ich wenige Tage frei habe. Zum Beispiel reise ich in ein paar Tagen nach London, um dort einige Shows zu besuchen. Wenn ich jedoch eine Woche oder länger frei habe, möchte ich von der Arbeit abschalten.

Red.: Auf welche drei Dinge möchtest Du niemals verzichten?

Carl: Freunde, Gesundheit und Familie.

Red.: Kein Hagelslag mehr? (niederländische Schokostreusel …)

Carl: Oh ja, auf Hagelslag könnte ich nicht verzichten ;-).

Red.: Du warst in letzter Zeit in Stuttgart, Zürich und Wien. Jetzt bist Du in Köln. Welche Stadt gefällt Dir am Besten? Was zieht Dich nach Köln?

Carl: Von Köln habe ich im Moment leider noch nicht so viel gesehen. Wien hat mir sehr gut gefallen. Es war auch eine schöne Jahreszeit, die ich in Wien verbracht habe – Ende Winter bis Anfang Sommer. Ja und Berlin ist eigentlich auch ganz schön, sehr groß, aber schön. Es gibt dort viel zu tun und die Stadt hat viele besondere Ecken. Stuttgart ist auch sehr reizvoll und Zürich ist natürlich attraktiv wegen dem See und den Bergen, besonders im Sommer.

Red.: Karneval und Köln sind eng miteinander verbunden und gerade vorbei. Du kennst ja den Karneval in den Niederlanden. Hast Du hier in Köln auch mitgefeiert? Hast Du es gut überstanden?

Carl: Ja, ich habe es überstanden. Donnerstag hatten wir frei und haben uns in Düsseldorf die Rocky Horrorshow angesehen. Montags war ich bei Tina Turner in München und dienstags musste ich wieder arbeiten. Also, den Kölner Karneval habe ich nicht mitgefeiert. Ich habe in meinem Beruf immer Fassnacht, jeden Tag schminke und verkleide ich mich. ;-)

Franziska Maier

Franziska Maier

> Offizielles Mitglied der "bdfj" Bundesvereinigung der Fachjournalisten e.V. > Studium der Germanistik, Geschichte, Politikwissenschaft und ev. Theologie* Beruf der Realschullehrerin (inkl. des Amtes der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit) > Journalistische Tätigkeit bei diversen Magazinen (Veröffentlichung von Artikeln u.a. bei Da Capo, Thats Musical, Blickpunkt Musical, Esslinger Zeitung...)