Interview mit Cinema Bizarre

Cinema Bizarre – Forever or never?

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Von Franziska Maier

 “Cinema Bizarre”, ein Name, der an sich gleichzeitig das Motto der fünfköpfigen Band darstellt. Wer bisher noch nichts von dieser Gruppe gehört hat, dem sei gesagt, dass es sich hier nicht wieder um eine typisch, gecastete Boygroup aus der Popindustrie handelt, sondern um eine ernstzunehmende Band, die sich nicht scheut, ihre Ideale sowie ihren eigenen Sound zu vertreten!

 

Trotz Sendungen, wie “Deutschland sucht den Superstar” und “Popstars” gibt es tatsächlich noch Gruppen, die sich selbst gründen und nicht als fertiges “Produkt” auf die Bühne gestellt und dem Publikum präsentiert werden.

 Die Bandmitglieder, die als Pseudonym die Namen Strify (Gesang), Kiro (Bass) und Yu (Gitarre) tragen, haben sich nach eigenen Angaben 2005 auf einer Convention für Manga und Anime kennen gelernt und legten den Grundstein für die Band. Über das Internet hätten sie schließlich noch die beiden anderen Mitglieder Shin (Drums) und Luminor (Keyboard/Gesang) kennen gelernt.

 Das Konzept der Band besagt, dass die wahren, bürgerlichen Namen geheim bleiben, dies verleiht der Gruppe etwas Mystisches und Unnahbares! Die symbolträchtigen Namen (Luminor = männliche Form von Lumina = Mondlicht) stehen auch für “Manga” Figuren. Durch ihr bizarres Aussehen, die fantasievollen Frisuren und das starke Make-up, das sehr viel Androgynität vermittelt, könnte der Laie erst einmal auf eine Kopie der Erfolgsgruppe Tokio Hotel schließen. Doch dass sich Cinema Bizarre von diesem Vergleich distanzieren, dürfte einem klar werden, wenn man ihr Debut Album “Final Attraction”, das im Oktober 2007 veröffentlicht wurde, hört.

 Die Songs sind eine Mischung aus Gitarrenrock, Elektroklängen, wie sie auch in den 80er Jahren zu hören waren sowie einem melodisch mehrstimmigen Gesang.

 

Bisher galten Cinema Bizarre stets als Popgruppe für Teenager, doch nun wagen sie einen neuen Schritt, um ein weltweites Publikum zu erobern. Am 06. März 2008 tritt die Band beim Vorentscheid des diesjährigen Eurovision Song Contests an. Ein mutiger Schritt, da sie sich in Hamburg gegen bekannte Künstler, wie die “No Angels”, die Musicalsängerin Carolin Fortenbacher oder auch die Latinoband “Marquess” durchsetzen müssen!

 

Doch wie kamen die 5 Jungs dazu, sich dieser Herausforderung zu stellen? Wie verläuft ihre momentane Tournee, die als Vorbote des großen Events möglichst viele Zuschauer davon überzeugen soll, für sie zu voten? Was steckt hinter der Fassade der gestylten Musiker?

 Zwei Schülerinnen der Realschule Wernau hatten die Möglichkeit, gemeinsam mit ihrer Lehrerin Franziska Maier, zwei der Bandmitglieder zu interviewen.

 

RSW: Dies ist eure erste Tournee, die ihr macht: Wie lief diese denn bisher und wurden eure Erwartungen, die ihr hattet, erfüllt?

CB: Bisher lief alles überraschend gut – neu war für uns natürlich die Erfahrung, einen Soundcheck zu machen und allgemein zu hören, wie unsere Songs live klingen.

 

RSW: Gibt es auch Schattenseiten am Tourleben?

 

CB: Für mich persönlich nicht (O-Ton Yu), aber die anderen Bandmitglieder waren bisher stark erkältet und das erschwert natürlich eine Tour ungemein.

 

RSW: Leider gibt es auch unangenehme Fans, die alle Lieder hindurch nur kreischen – wie empfindet ihr das?

 

CB: Es ist schon störend, wenn man bei dieser Lautstärke, die die Fans manchmal an den Tag legen, den eigenen Sound kaum hört, also wir uns kaum noch hören!

 

RSW: Euer Album “Final Attraction” hat verschiedenste Facetten – es gibt Balladen, schnelle Songs, elektrolastige, gitarrenlastige Lieder – woher nahmt ihr eure Inspiration?

 

CB: Jeder von uns brachte seinen persönlichen Geschmack mit ein, so entstand ein breites, musikalisches Spektrum, das uns als Endprodukt super gefällt!

 RSW: 2007 kam eure Debutsingle auf den Markt (“Lovesongs they kill me”), danach folgten Auftritte bei “The Dome” etc. – wie war dieses Jahr rückblickend für euch und was erhofft ihr euch von 2008?

 

CB: 2007 war schon sehr ereignisreich für uns, sehr aufregend. Das Publikum wurde zum ersten Mal richtig auf uns aufmerksam, die Auftritte waren gigantische Erlebnisse! Wir hoffen natürlich, dass 2008 genauso, wenn nicht sogar noch erfolgreicher wird!

 

RSW: Am 06. März werdet ihr beim Vorentscheid des Eurovision Song Contest in Hamburg gegen bekannte Bands, wie No Angels oder Marquess antreten. Wie werdet ihr das deutsche Publikum überzeugen, für euch zu stimmen?

 

CB: Das Publikum dieser Show ist schon relativ konservativ und sicher nicht so offen für uns. Unser Ziel ist, dass wir allen auch international zeigen, dass Deutschland mehr hat als nur das Oktoberfest und dass wir zeigen, wer wir sind und was wir können! Durch so eine Veranstaltung kann man auch gut Vorurteile abbauen!

 

RSW: Ihr habt für diese Show den Song “Forever or never” ausgewählt – warum gerade dieses Lied?

 

CB: Der Song hat die Message, dass man alles schaffen kann und sein Leben selbst in die Hand nehmen soll. Er ist einfach perfekt für den Grand Prix, nicht zu langsam, auch nicht zu rockig – er passt halt!

 

RSW: Angenommen, ihr gewinnt den Vorentscheid und fahrt zur Endausscheidung – meint ihr, ihr habt die Chance, zu gewinnen und wie, z.B. Lordi (aus Finnland) bekannt zu werden?

 

CB: Wir hoffen es natürlich, vor allem zeigen wir, dass wir weitaus facettenreicher sind als andere, somit rechnen wir uns eine Chance aus!

 

RSW: Hattet ihr schon immer vor, zum Eurovision Song Contest zu gehen?

 

CB: Ich persönlich fand diese Sendung eher langweilig. Strifys Vater sieht die Show stets an, so hat auch er einen stärkeren Bezug dazu. Aber wir anderen hatten uns nicht so damit beschäftigt bis jetzt!

 

RSW: Wie hat sich euer Musikgeschmack im Laufe der Zeit entwickelt, hat er sich verändert?

 

CB: Der Geschmack hat sich nicht geändert, bei uns allen blieb der Musikgeschmack gleich!

 

RSW: Euer Styling eckt bei vielen Leuten an – was ist eure Intension, dass ihr euch so kleidet und richtet?

 

 

CB: Wir zeigen uns einfach so, wie wir sein wollen und natürlich kommt ein wenig Provokation dazu. Viele sind überzeugt davon, dass man so wie wir nicht herumlaufen sollte, doch wir stehen dazu und zeigen gerne, dass wir zu dem stehen, was wir wollen und was unsere Ideale sind!

 

 

RSW: Was ist für euch das Beste an euren Job?

 

 

CB: Schwer zu sagen – es ist toll, bekannt zu sein und das zu tun, was man sich stets gewünscht hat!

 

 

RSW: Was wollt ihr in eurer Karriere noch unbedingt erreichen?

 

 

CB: Eine Welttour wäre unser größter Traum, ob er jedoch realisiert wird, müssen wir sehen!

 

 

RSW: Seid ihr auch während eurer Schulzeit so gestylt aufgetreten?

 

 

CB: Nicht ganz so extrem, aber schon auffallend, also die Haare gestylt und viel Schmuck. Die Lehrer waren nicht so begeistert. Sie luden zu Lehrersprechstunden ein und wollten ins Gewissen reden, dass man doch nicht so herumlaufen sollte. Doch ich habe das weiterhin so gemacht, ich war eh nie der Liebling der Lehrer!

 

 

RSW: Wolltest du von Anfang an Sänger/Musiker werden?

 

 

CB: Ich habe schon immer in Bands gespielt, erst laienhaft und dann wollte ich es professionell machen.

 

 

RSW: Habt ihr bei dem Eurovision Song Contest eine spezielle Show vorbereitet, die ihr einsetzen werden, um die Konkurrenz zu “schlagen”?

 

 

CB: Was wir genau machen, verraten wir natürlich nicht – aber eines ist sicher: Es wird großes Kino werden!! Wie es unser Name verspricht!

 

 

RSW: Spielst du noch andere Instrumente, außer Gitarre?

 

 

CB: Nein, ich würde auch gerne singen, aber ich bin noch nicht soweit. Da muss ich noch üben – ich spiele Songs und singe dazu.

 

 

RSW: Und als Solokünstler auftreten, wäre das für dich vorstellbar?

 

 

CB: In ein paar Jahren vielleicht, aber jetzt noch nicht.

 

 

RSW: Ihr werdet oft mit Tokio Hotel verglichen, was haltet ihr von diesem ständigen Vergleich?

 

 

CB: Die Leute ziehen gerne und sehr vorschnell Vergleiche, doch wenn man sich gezielt mit uns beschäftigt, dann merkt man, dass wir nichts gemeinsam haben und wir eine Band mit eigenem Stil sind!

 

 

RSW: Über euch, speziell über Yu, wurde in letzter Zeit häufig in großen Tageszeitungen geschrieben. Oftmals auch voller Gerüchte. Stört euch das oder nehmt ihr diese Schlagzeilen als Publicity?

 

 

CB: Manchmal stört es einen, manchmal lacht man. Auf jeden Fall sollte man nicht alles glauben, was in den Medien über uns berichtet wird!

 

 

RSW: Nun seid ihr 5 verschiedene Individuen – wie ist denn das Klima in der Band an sich? Gibt es einen Bandleader?

 

 

CB: Wenn wir uns intern uneinig sind, entscheidet Strify gerne mal alles in erster Hand. Aber insgesamt ergänzen wir uns sehr gut, wir hängen auch privat gerne miteinander rum und so lange es so ist, gibt es keinen Zickenkrieg.

 

 

RSW: Wolltet ihr schon immer eine Band haben?

 

 

CB: Auf jeden Fall. Ich (Yu) habe damals auch deswegen Strify angeschrieben, dieser dann Kiro, ich hätte nie gedacht, dass es alles so schnell gehen wird.

 

 

RSW: Habt ihr einfach ein Demotape an die Plattenfirma geschickt und wurdet genommen? Normalerweise dauert doch so ein Weg sehr lange.

 

 

CB: Es war natürlich viel Glück bei uns dabei – doch es klappte tatsächlich sehr schnell mit dem Plattenvertrag und dafür sind wir bis heute sehr dankbar!

 

 

RSW: Gab es bisher schon mal handfeste Streitigkeiten bei euch?

 

 

CB: Zum Glück noch nicht – bisher konnten wir alles so unter uns klären und wir harmonieren perfekt, das ist auch die Basis für den Erfolg!

 

 

Großen Erfolg sollten die 5 Musiker auch bald haben, wenn sie es schaffen, auch die Menschen von sich zu überzeugen, die ihnen bisher noch skeptisch entgegentreten. Doch dass hinter der Fassade äußerst sympathische und normale junge Männer stecken, die zwar gerne etwas mit ihrem Look provozieren, jedoch niemanden verletzen möchten, das sollten all diejenigen lernen, die oft von Vorurteilen geprägt sind!

 

Cinema Bizarre – eine Band, bei der es sich lohnt, genau hinzuhören und hinzusehen!

 

 

Text: Franziska Maier   Foto:hintergrundbilder-pc.de

Franziska Maier

Franziska Maier

> Offizielles Mitglied der “bdfj” Bundesvereinigung der Fachjournalisten e.V.

> Studium der Germanistik, Geschichte, Politikwissenschaft und ev. Theologie* Beruf der Realschullehrerin (inkl. des Amtes der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit)

> Journalistische Tätigkeit bei diversen Magazinen (Veröffentlichung von Artikeln u.a. bei Da Capo, Thats Musical, Blickpunkt Musical, Esslinger Zeitung…)