Interview mit Dada Patrasova (Die Märchenbraut)

Interview mit Dada Patrasova

dada

1. Das deutsche TV Publikum kennt Sie vorwiegend als Schauspielerin tschechischer Kinderserien, wie “Die Märchenbraut” oder “Die Besucher” – war es denn schon immer Ihr Traum Schauspielerin zu werden und erinnern Sie sich noch an den Moment, indem es für Sie klar war, dass Sie diesen Beruf ergreifen wollen?

 

An diesen Augenblick kann ich mich genau erinnern. Ich war vielleicht zehn Jahre alt aber die Entscheidung, Schauspielerin zu werden, sehe ich noch heute. Ich stand hinter der Tür unseres Balkons und träumte von einer Schauspielerkarriere. Ich habe bereits einmal im Tschechischen Fernsehen eine rolle bekommen – damals durfte ich ein „armes Kind“ spielen. Die haben deshalb ausgesucht, weil ich damals ein sehr dünnes Mädchen war mit eckigen Knien, das aber sehr kommunikativ war. Aber schon damals wusste ich, dass die Schauspielerkarriere auch Verzicht bedeutet und dass es auch mit sehr viel Arbeit auf Kosten von Kinderspiel und Freizeit bedeutet.

     

 

2. Are you the only one in your family, who became a professional actress or are there another family members, which are famous and/or well-known in the general public?

 

Direkt aus einer Schauspielerfamilie komme ich nicht aber ich hatte schon künstlerische Gene, denn mein Vater war  Soloharfenist in der Tschechischen Philharmonie und unterrichtete Harfenspiel auch am Staatlichen Konservatorium. Er war ein anerkannter Künstler auch im Ausland, leider ist er 2003 gestorben.

 

3. Wurden Sie, bzw. Ihr Talent, von Ihren Eltern speziell unterstützt??

 

Meine Mutter hat mich sehr unterstützt und hat mir die Daumen gehalten als ich die Aufnahmeprüfung auf das Staatliche Konservatorium gemacht habe. Und wir taten es heimlich, mein Vater wusste davon nichts. Er wünschte es nicht, dass ich auch eine künstlerische Laufbahn anschlage. Während der Aufnahmeprüfung hatte er seine Klasse gleich neben der Abteilung wo ich meine Aufnahmeprüfung ablegte. Es war recht dramatisch, damit wir uns nicht begegnen. Aber es half nichts. Ich zählte zu den besonders begabten Kindern, die aus 120 Talenten ausgesucht wurden. Während einer Raucherpause hat ein Professor aus der Film- und Fernsehfakultät zufällig meinen Vater getroffen und ungewollt alles verraten: Ob denn mein Vater wüsste das irgendeine Patrasova gerade die Aufnahmeprüfung bestanden hätte. Als es herauskam, hat mein Vater auf dem Konservatorium gekündigt. Er konnte es nicht ertragen, dort zu unterrichten, wo auch seine Tochter studiert. Mit der Zeit hat es sich alles geregelt und aus meinem Vater ist mein größter Fan geworden.

 

4. Wie lief Ihre Ausbildung denn konkret ab?

 

Ich habe danach ein sechsjähriges Studium absolviert, in den Fächern Musikdramaturgie, Schauspiel, Gesang und Tanz. Aber die wichtigste Schule begann für mich erst nach dem Konservatorium, und das war das Engagement in dem  Kleinkunsttheater „Semafor“. Ich wurde bereits im dritten Jahrgang des Konservatoriums dort engagiert und blieb dort ganze 15 Jahre.

 

5. Erinnern Sie sich noch an Ihre erste TV Rolle?

 

Meine erste Rolle war, wie ich schon sagte, die des „armen Kindes“ in einem Fernsehspiel, für die ich auf Grund meiner etwas bedauernswerten Figur ausgesucht wurde. Meine erste richtige Rolle war aber in dem Krimi „Der Tod der Anhalterinnen“, der nach einem tatsächlichen Fall gedreht wurde. Dort spielte ich ein junges Mädchen, das per Autostop fuhr und von einem Lastwagenfahrer ermordet wurde.

 

6. “Die Märchenbraut” war nicht nur in Deutschland eine sehr erfolgreiche Serie: Ist es möglich, dass Sie erzählen, wie Sie die Rolle der “Prinzessin Xenia” bekommen haben und wie würden Sie den Charakter dieser Dame beschreiben?

Durch diese Rolle in dem sehr erfolgreichen Kinofilm wurde ich natürlich bekannt und auch andere Regisseure sind auf mich aufmerksam geworden. Daher wurde ich von dem Regisseur Vorlicek (der auch den berühmten Märchenfilm „ Drei Nüsse für Aschenbrödel“ drehte) zum Casting für die Rolle der Prinzessin Xenia eingeladen. Ursprünglich sollte die Rolle der Prinzessin Arabela von Libuse Safrankova gespielt werden, die das Aschenbrödel gespielt hat. Sie ist damals leider krank geworden und so musste diese Rolle neu besetzt werden. Regisseur Vorlicek hat sich daran erinnert dass in dem Krimifilm „Tod der Anhalterinnen“ Jana Nagyova, meine Freundin, gespielt hat. Und so hat sie die Rolle der Arabela bekommen.

 

7. Haben Sie eine persönliche Lieblingsfolge bei der Serie “Die Märchenbraut”?

 

Da gibt es mehrere lustige Geschichten, die wir während der Dreharbeiten erlebten. Zum Beispiel habe ich dem bekannten tschechischen Schauspieler Jiri Kodet ungewollt einen Suppenteller auf den Kopf ausgeschüttet. Aber das will ich nicht weiter kommentieren.

 

8. Warum ist “Die Märchenbraut” für Kinder auch heutzutage noch so aktuell und interessant?

 

Die Fernsehserien, die damals in Koproduktion mit dem Westdeutschen Rundfunk gedreht werden – dazu zählten neben der Arabela auch zum Beispiel „Panu Tau“,  „Die Besucher“ oder „Der fliegende Ferdinand“, haben eigentlich den Harry Potter vorweg genommen. Deshalb werden sie nie alt und finden immer wieder neue Zuschauer aus den nächsten Generationen. Hinzu kommt, dass sowohl Regisseur Vorlicek als auch der Drehbuchautor Macourek die Rollen mit erstklassigen tschechischen Schauspielern wie beispielsweise Vlastimil Brodsky, Jana Brejchova, Jiri Sovak oder Stella Zazvorkova besetzt haben und die Dreharbeiten ganz von alleine liefen.

 

 

9.  1993 wurde die Spin-Off Serie „Die Rückkehr der Märchenbraut“ gedreht – wie kam es dazu?

 

Alle, die an der ersten Staffel von Arabela mitgewirkt haben, ob Drehbuchautor,        

            Regisseur oder auch Schauspieler, waren der Meinung dass dieser Stoff  zeitlos ist und

            dass es Schade wäre, keine Fortsetzung zu machen. Ich bin fest überzeugt, dass es

            genug Stoff und Ideen auch für weitere Fortsetzungen gibt.      

     

10. War es sehr problematisch, die Originalbesetzung der 80er Jahre Serie erneut zusammenzubekommen für die Fortsetzung?

 

Eigentlich waren alle Schauspieler der ersten Staffel begeistert, dass eine Fortsetzung gemacht wird. Natürlich haben sich die Rahmenbedingungen nach 1989 wesentlich geändert und so sind auch die Produktionskosten erheblich angestiegen. Ich weiß nur, dass zum Beispiel die Hauptdarstellerin Jana Nagyova erheblich größere Honorarförderungen stellte als das Budget erlaubte.

 

11. Wie gefiel Ihnen persönlich das Spin-off der Serie, also “Die Rückkehr der Märchenbraut” – es gibt mehr Episoden und die Handlung ist auch erwachsener?!

 

Mir persönlich gefiel die erste Reihe besser, weil sie etwas märchenhafter und romantischer war. Aber gefallen hat mir auch die Fortsetzung.

 

12. Haben Sie noch Kontakt zu den weiteren Schauspielern der Serie “Die Märchenbraut”?

 

Mit den meisten Schauspielkollegen aus der TV-Serie Arabela sehen wir uns öfters. Wir begegnen uns entweder auf dem Set, im Fernsehen aber auch bei verschiedenen anderen Anlässen wir Awards oder Galaveranstaltungen. Leider sind aber mehrere der Hauptdarsteller nicht mehr unter uns.

 

13. Sie spielten außerdem eine Hauptrolle in der Serie “Die Besucher” – eine sehr futuristische und intelligente Kinderserie der 80er Jahre.. Des weiteren hatten Sie Gastrollen in “Luzie, der Schrecken der Straße” und “Pan Tau”. Liebe Sie es speziell für Kinder zu spielen oder wie kam es dazu, dass man Sie vorwiegend in Kinderserien sieht?

 

Die Kinder sind das fantastischste und dankbarste Publikum. Sie machen uns nichts vor. Ich bin sehr glücklich, dass ich nach wie vor ein sehr herzliches und wunderschönes Verhältnis zum Kinderpublikum habe. Das ist etwas zwischen Himmel und Erde. Für mich sind vor allem kleine Kinder wie Engel. Wir übertragen uns gegenseitig auch die notwendige Energie. Und wissen Sie, was interessant ist? Ob ich in Deutschland, Polen, der Türkei, Finnland, Italien oder auch in den USA drehe oder an live Veranstaltungen teilnehme, immer ist der Kontakt zum Kinderpublikum sehr intensiv und es gibt keine Barrieren. Zum Beispiel in der Türkei sind meine Fernsehfilme sicherlich nicht so bekannt wie in Deutschland, aber ich habe bei verschiedenen Gelegenheiten bemerkt, dass ich sehr schnell mit den Kindern die gleiche Wellenlänge habe.

 

14. War es schwierig für Sie, auch andere Rollen zu erhalten und zu spielen, da man Sie auf ein bestimmtes Image festlegte?

 

Selbstverständlich gibt es Grenzen, die ich nicht überschreiten würde. Das ist für eine Schauspielerin und Sängerin, die sich gerade an das ganz junge Publikum wendet, besonders wichtig. Da könnte der Imageverlust verheerend sein.

 

15. Sie sind ebenso eine bekannte Sängerin und nahmen etliche CD´s auf (Ihre Christmas CD aus dem Jahr 1997 wurde beispielsweise mit dem Grammy ausgezeichnet!): Können Sie unseren deutschen Lesern erklären, welche Stilrichtung Sie singen?

 

Ich singe Lieder, die unterhaltsam sind, den Kindern etwas geben und sie aus den Texten auch bestimmte Erfahrungen für ihr eigenes Leben ziehen können. Ich arbeite zum Beispiel auch mit der Staatsphilharmonie in Brünn, wo ich lange Jahre Erziehungskonzerte für Eltern und Kinder moderierte. Ich bin schon mehrfach mit dem deutschen Sänger Rolf Zukowski aufgetreten und wir haben Aufnahmen gemacht. Er hat die gleiche Einstellung, zu dem was er macht, wie ich und es war sehr interessant zu sehen, wie ähnlich die Arbeit mit den Kindern über die Grenzen hinweg sich gestaltet. Wir haben vor einigen Jahren ein Projekt gemacht, bei dem wir in verschiedenen Städten entlang der Elbe in Deutschland und Tschechien zusammen mit mehreren deutschen und tschechischen Kinderchören aufgetreten sind: zum Beispiel ist das Lied „Lieder, die wie Brücken sind“ zu einem Hit geworden und auf einer CD erschienen. Bei den Projekten in Deutschland arbeite ich vor allem mit Borek Severa zusammen, der in Prag und Frankfurt zu Hause ist und der beispielsweise die Fortsetzung der bekannten TV-Serie „Das Krankenhaus am Rande der Stadt“ produzierte. Er schreibt auch tschechische Texte für mich.

 

16. Ich las, dass Sie sich für behinderte Kinder engagieren – wie genau sieht Ihr Engagement aus?

 

Die Arbeit mit behinderten Kindern halte ich für besonders wichtig. Sie kommen zu meinen Konzerten und sie sind auch ein besonders dankbares Publikum. Sie verlieren bei jedem Konzert das Gefühl, dass sie etwas anders als die „normalen“ Kinder sind.

 

17. Sie sind Mutter zweier Kinder – haben diese bereits Ihre Serien angesehen und falls ja, was sagen sie zu der schauspielerischen Leistung ihrer Mutter?

 

Ich liebe meine Kinder. Felix, der bald 27 wird, geht in den Fußtapfen seines Vaters, der in Tschechien und Deutschland ein bekannter Bigband-Leader und Saxofonist ist. Ich glaube, er wird es noch weit bringen. Die kleine Anna ist 14, geht noch zur Schule, aber ich merke schon, dass auch sie die richtigen Gene und Begabungen hat und das schon in der dritten Generation.

 

18. Dada Patrasova 2009 – würden Sie uns bitte einiges über Ihre aktuellen Projekte berichten?!

 

Ich habe eine regelmäßige Show im Fernsehen für die kleinsten Zuschauer die Samstags und Sonntags am früheren Morgen läuft, wenn die Eltern vielleicht noch bisschen ausschlafen wollen und die Kleinsten schon wach sind. Ich mache sehr viele Live-Konzerte, manchmal 20 in einem Monat, zu Zeit bereite ich meine neue CD und DVD mit dem populären Regenwurm Julinka, der mittlerweile zu einer Kultfigur für klein und groß geworden ist.

 

19. Waren Sie bereits einmal in Deutschland?

       

            Natürlich kenne ich Deutschland sehr gut und habe dort sehr viele Freunde. Ich habe  

            dort sehr oft gedreht, nicht nur die schon erwähnten TV-Koproduktionen, sondern  

            auch einige andere Filme wie beispielsweise „Besuch bei Van Gogh“ oder „Hotel

            Polan“. Auch mein Mann ist mit seiner Bigband, als Solist oder mit Karel Gott

            sehr oft in Deutschland, so dass wir uns bei unseren Nachbarn wie zu Hause  

            fühlen.

 

20. Zu guter Letzt: Haben Sie noch unerfüllte Träume oder Dinge, die Sie unbedingt noch in Ihrem Leben realisieren möchten?

         

            Natürlich hat man auch unerfüllte Träume. Mein größter Wunsch ist dass  

            meine Familie weiterhin gesund bleibt und die Kinder, wenn sie sich schon für eine

            künstlerische Karriere entscheiden, auch Erfolg haben.

            Aber ich habe vielleicht noch einen anderen Wunsch: Wir reden sehr viel von einem  

            gemeinsamen Europa, aber ich habe immer noch den Eindruck, dass bei der Arbeit                 mit

            den Kindern, die sprachlichen Barrieren und die nationalen Fernsehprogramme noch   

            zu sehr voneinander abgeschottet sind. Mein Traum wäre eine große europäische TV-

            Show für kleine Kinder mit Künstlern aus verschiedenen Ländern, in verschiedenen  

            Sprachen, wo aber trotzdem jedes Kind versteht, was der andere sagt, singt oder                   spielt.

 

21.  Gibt es etwas, dass Sie den deutschen Lesern noch mitteilen möchten?

 

     Ich möchte mich bei den deutschen Zuschauern vor allem dafür bedanken, dass sie mich seit fast 30 Jahren treu sind und dass ich dort sehr viele Fans habe. Ich würde mich freuen, wenn wir  auf dem Gebiet von deutsch-tschechischen Fernsehkoproduktionen wieder etwas mehr zusammenarbeiten könnten und so schöne Projekte wie „Arabela“, „Pan Tau“, „Luzie, Schrecken der Strasse“ oder „Die Besucher“ nicht von den amerikanischen oder asiatischen Produktionen immer mehr verdrängt werden.

 

Interview: Franziska Maier

Fotos zur Verfügung gestellt von D. Patrasova

Franziska Maier

Franziska Maier

> Offizielles Mitglied der "bdfj" Bundesvereinigung der Fachjournalisten e.V. > Studium der Germanistik, Geschichte, Politikwissenschaft und ev. Theologie* Beruf der Realschullehrerin (inkl. des Amtes der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit) > Journalistische Tätigkeit bei diversen Magazinen (Veröffentlichung von Artikeln u.a. bei Da Capo, Thats Musical, Blickpunkt Musical, Esslinger Zeitung...)