Interview mit Geier Sturzflug

Interview mit Geier Sturzflug:

geier

Wollten Sie von klein auf schon Musiker werden oder hatten Sie ursprünglich einmal ganz andere Berufswünsche?

 

G.S: Seit ich etwa dreizehn Jahre alt war wollte ich Musiker werden, da war ich noch sehr klein, fühlte mich aber schon 2 Zentimeter größer. Ich hörte die Beatles und da war es passiert.

  

Gab es in Ihrer Familie bereits Künstler/Musiker oder sind Sie der Erste, der diesen Weg beschritten hat?

  

G.S: Nein, in der Familie gab es keine Musiker.

 

Spielten Sie während Ihrer Schulzeit in Schülerbands?

G.S: Nein, denn ich bin mit 14 aus der Schule gekommen und habe da erst angefangen Gitarre spielen zu lernen. Als ich die erste Band hatte musste ich schon arbeiten gehen.

Wurde Ihr Talent gezielt gefördert von Ihren Eltern/Lehrern etc. und falls ja, wie?

G.S: Damals wurde nichts gefördert, ich sollte einen anständigen Beruf lernen. Am besten bei einer Bank, aber was ist daran anständig?

Wann und vor allem wie wurde die Band „Geier Sturzflug“ gegründet?

G.S: Geier Sturzflug wurde 1979 gegründet. Ein Teil der Musiker spielten schon vorher in meiner Band Schotter blau gebündelt. Wir setzten uns zusammen und ich sagte „Ich habe den Auftrag als Geier Sturzflug über die Bühnen der Republik zu ziehen. Wollt ihr dabei sein?

Erst wollten sie wissen wer mir den Auftrag gegeben hatte. Als ich sagte „meine innere Stimme“ machten sie sofort mit. Außerdem wussten sie, dass ich das Lied Bruttosozialprodukt schon 1977 geschrieben hatte.

Natürlich interessiert unsere Leser auch, wie man auf solch einen Bandnamen kommt – gibt es hier eine Anekdote dazu?

G.S: Diesen Namen sagte mir auch die innere Stimme. Als ich fragte „warum?“ sagte die Stimme „weil jeder danach fragen wird, wie Du auf diesen Namen gekommen bist und schon ist man im Gespräch“ Die Stimme hatte recht.

 

Das Lied „Bruttosozialprodukt“ war Ihr absoluter Durchbruch in der Musikwelt – welche Hintergründe haben Sie bewogen, solch einen Text zu verfassen?

G.S: Das Lied ist die Frucht von 10 Jahren harter Arbeit. Erst in einem Eisenwarenladen dann im Lager einer Elektrofirma. Alles was in diesem Lied vorkommt ist wahr, wurde so beobachtet und selbst erlebt. Als alle Leute sagten, das Wort Bruttosozialprodukt kann man doch nicht singen, dachte ich sofort es könnte was werden mit dem Hit. Es brauchte dann aber doch noch 6 Jahre bis ich reif dafür war.

 

Heutzutage ist es sehr schwer für Bands und Musiker bekannt zu werden. Wie sah der Weg von „Geier Sturzflug“ aus – wie schafften Sie es, ins Fernsehen zu kommen und bekannt zu werden?

 

G.S: Bekannt zu werden war schon zu allen Zeiten schwer. Wir spielten ein paar Jahre überall wo eine Steckdose war, aber der Durchbruch kam dann doch mit dem Lied „BSP“ Weil alle das Lied so witzig fanden luden sie uns zu TV Sendungen ein, spielten uns im Radio. Die Plattenfirma hatte Rundfunk und TV mit unserem Lied bemustert.

Welche Auszeichnungen konnten Sie in den 80er Jahren, in der Zeit Ihres größten Erfolges, entgegennehmen und welche davon war für Sie die Bedeutendste?

G.S: Wir bekamen goldene Schallplatten in BRD und Austria. Die golden Europa und den silbernen RTL Löwen. Außerdem zweimal die goldene 1 der ZDF Hitparade.

 

Wie hat sich Ihr Leben durch den Erfolg verändert?

G.S: Ich bin in eine 2 Zimmer Wohnung gezogen. War aber fast nie zuhause.

 

Die „Neue Deutsche Welle“ galt als eine der größten Musikbewegungen der 80er Jahre: Wie würden Sie persönlich die „NDW“ aus Ihrer Sicht beschreiben (vor allem für die Jugendlichen von heute, die nicht viel damit anfangen können)? Was kennzeichnete die Bewegung?

G.S: Ich kann auch nicht soviel damit anfangen. NDW heißt ja nix anderes als Neue Deutsche Welle. Man sang eben in deutscher Sprache und weil das soviele machten war es eben eine Welle. Schwapp!!

Auf Ihrer Homepage beschreiben Sie sehr ironisch, wie die Band „Geier Sturzflug“ sich von ursprünglich 6 Mitgliedern auf 2 reduzierte. Welche Hintergründe gab es tatsächlich, dass nur noch Sie und Ihr Kollege Carlo übrig blieben?

G.S: Das ist alles so lange her, dass ich kaum noch Erinnerung an Einzelheiten habe. Es gab wohl unterschiedlich Vorstellungen wie es weiter gehen sollte. Also haben wir einen längeren Urlaub gemacht. Nicht alle sind aus dem Urlaub zurück gekommen, also waren wir nur noch zu zweit.

Werden Sie heutzutage immer noch gezielt auf die Zeit der „NDW“ reduziert und festgelegt (in die berühmte „Schublade“ gesteckt) oder akzeptiert das Publikum auch neue Songs von Ihnen?

 

G.S: Im Augenblick ist unser aktueller Song“ Die Zeit unseres Lebens“ in den Rundfunkcharts auf Platz 39. Die Story dreht sich um die NDW. Wir haben davor aber auch schon etliche andere Titel in den Rundfunkplaylists gehabt. Aber wir singen natürlich immer noch in deutscher Sprache. Das D ist also ok.

Haben Sie noch Kontakt zu Kollegen aus der „NDW“-Zeit? Falls ja, zu welchen?

 

G.S: Bei den Auftritten kommen wir öfter mit Kollegen zusammen, als da wären Markus, Frl. Menke, UKW, Hubert Kah und Peter Schilling. Mit einigen bin ich befreundet.

Sie haben eine Benefiz-CD veröffentlicht, welche zu Gunsten des Kinderheims Nidda-Harb geht. Ein sehr schönes Zeichen, das Sie damit setzen. Was hat Sie dazu bewogen, ein derartiges Projekt ins Leben zu rufen?

G.S: Ich habe diese CD nicht veröffentlicht und auch nicht das Projekt ins Leben gerufen, sondern nur ein paar Lieder zur Verfügung gestellt. Frank Ester, ein Freund von mir und auch Musiker hat mir davon erzählt. Er hat das alles gemacht.

Welchen Tipp würden Sie Jugendlichen geben, die gerne Musiker werden möchten und vor allem anstreben, auf der Bühne und im TV erfolgreich zu sein?

G.S: Lernt einen anständigen Beruf und vergesst den Mist. Wenn jemand trotzdem Musiker werden möchte sollte er auf jeden Fall ganz früh anfangen das Handwerk richtig zu lernen. Wenn man nur im TV erfolgreich sein will, reicht vielleicht eine Geschlechtsumwandlung vor laufenden Kameras.

 Schreiben Sie alle Lieder selbst?

G.S: Ja, ich schreibe meine Lieder selbst und auch Lieder für andere Künstler

 

Zu guter Letzt: Gibt es noch Dinge/Ziele, die Sie erreichen möchten in beruflicher Hinsicht? Und wie stellen Sie sich Ihre Zukunft im Musikbusiness vor?

G.S: Ich möchte noch mehr Lieder schreiben. Die Zukunft im Musikgeschäft möchte ich mir lieber nicht vorstellen.

 

Vielen Dank für das Interview!!

 

Text: Franziska Maier

Fotos zur Verfügung gestellt von Geier Sturzflug

Franziska Maier

Franziska Maier

> Offizielles Mitglied der "bdfj" Bundesvereinigung der Fachjournalisten e.V. > Studium der Germanistik, Geschichte, Politikwissenschaft und ev. Theologie* Beruf der Realschullehrerin (inkl. des Amtes der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit) > Journalistische Tätigkeit bei diversen Magazinen (Veröffentlichung von Artikeln u.a. bei Da Capo, Thats Musical, Blickpunkt Musical, Esslinger Zeitung...)