Interview mit Gerd Achilles

Gerd Achilles im  Interview:

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MuT: War es für dich von Anfang an klar, dass du in die Showbranche einsteigen möchtest oder hattest du einmal ganz andere Berufsziele?

G.A.: Als Kind war ich ein riesiger Disneyfan, ich habe alles gesehen, gesammelt und aufgehoben, was irgendwie mit Walt Disney zu tun hatte. In einer Biographie hatte ich gelesen, dass Walt Disney als “Gebrauchsgraphiker” angefangen hat, infolgedessen habe ich von da an meinen Berufswunsch in unzähligen “Meine Schulklasse”-Büchern und Poesiealben mit “Gebrauchsgraphiker” angegeben, ohne jedoch wirklich zu wissen, was das eigentlich ist…..Als ich aber mit 13 Jahren “Cats” in Wien im Ronacher gesehen habe, schien es mir erfüllender und viel erstrebensweter, als Katze über Mülltonnen zu tanzen und ich hing die Gebrauchsgraphik an den Nagel. :-), die alten Disneyfilme liebe ich aber immer noch..

MuT: Gab es in deiner Familie/Verwandtschaft Künstler, denen du nachschlägst oder bist du der/die Erste?

G.A.: Meine mallorquinische Mutter und meine Großmutter haben zwar beide gemalt, musikalisch gibt es da aber nur mich und meine Cousine, Prof. Susanne Achilles, Konzertpianistin und Dozentin für Klavier an der Folkwang-Hochschule in Essen.

MuT: Hast du noch Geschwister – falls ja, sind diese auch im Showbusiness tätig?

G.A.: Ich hab noch einen Bruder, der arbeitet allerdings als Architekt auf Mallorca.

MuT: Viele junge Leute haben den Traum, Schauspieler/Sänger zu werden. Wie sah denn deine Ausbildung aus und wie lange dauerte sie?

 

G.A.: Angefangen hat alles sehr früh an der städtischen Musikschule Sankt Augustin mit Klavier- und später Gesangsunterricht, gefolgt von den wohl üblichen Auftritten in der Theater AG und selber organisierten Best-Of-Musical- Abenden.Nach dem Abitur war ich zunächst ein Jahr Gaststudent für klassischen Gesang an der Musikhochschule in Würzburg, bis ich mich schließllich vollständig für Musical entschieden habe und in München an der Bayerischen Theaterakademie “August Everding” genommen wurde.Dort habe ich dann zunächst 4 Jahre Gesang, Schauspiel und Tanz studiert, später noch ein aufregendes zusätzliches Jahr “Musical Theatre” an der “Royal Academy Of Music” in London.

MuT: Was war deine erste Bühnenrolle überhaupt – als Laie und als Profi?

G.A.: Mein erstes professionelles Engagement hatte ich bereits während meines dritten Studienjahres an der Theaterakademie.Ich wurde für die letzten vier Monate von “Tanz Der Vampire” an das Raimundtheater in Wien engagiert, für mich damals eine sehr aufregende Sache. Das absolutes Highlight war dabei die letzte Vorstellung, in der der Ur-Krolock, Steve Barton, noch einmal zurückkehrte und die Rolle des Grafen spielte. Er war unglaublich, jeden Moment, den ich nicht auf der Bühne sein mußte, verbrachte ich in der Gasse und schaute ihm zu. So etwas wie seine letzte “Unstillbare Gier” hatte ich bis dahin noch nie erlebt.Und “mein” kleiner gemeinsamer Moment mit ihm beim Menuett-Tanz war natürlich auch was ganz Besonderes. Es war schon seltsam, nach diesen Erfahrungen zurück an die Akademie zu gehen, um mein letztes Jahr zu absolvieren.

MuT: In welchen Stücken warst du schon auf der sehen?

G.A.: Puh, inszwischen schon so einige…”Ludwig2″, “Marie Antoinette”, “Les Misérables”, “Can Can”, “Hair”, “Jesus Christ Superstar”, “Grand Hotel”, “Company”, “Midsummer Night´s Dream”, “Die Czardasfürstin”, “Tanz Der Vampire”, “Blue Jeans”, “Ladies In The Light”,”Mein Freund Bunbury” und noch einige gibt es verschiedene, der “Puck” in Brittens Oper “Midsummernight´s Dream” war toll;ein Jugendtraum für mich war immer ,einmal den Marius in “Les Misérables” zu spielen, allerdings wurde ich aus verschiedenen Gründen nie für diese Rolle besetzt. Ich hatte

Altersgründen schon von dem Gedanken verabschiedet, die Rolle jemals zu spielen,

um die Rolle dann wenig später in zwei verschiedenen Produktionen innerhalb von wenigen Monaten zu spielen. Ein Ludwig von Bayern im gleichnamigen Musical in Füssen. Obwohl ich “nur” Zweitbesetzung hinter die Rolle prägen kann und “meinen” persönlichen Ludwig spielen kann, atemberaubende Location.

MuT: Wie kann man sich das Casting für eine Rolle vorstellen – welche Voraussetzungen muss man da mitbringen?

G.A.: Das ist von Fall zu Fall unterschiedlich, große Musicalproduktionen wissen oft genau, was und wen sie wollen, je nach Produktion und Man muß gewisse Erwartungen erfüllen, um in die engere Wahl zu kommen, Alter, Größe, Stimmumfang und –farbe, tänzerische Fähigkeiten etc. und natürlich “Typ”, alles muß stimmen, um dann letztendlich ein perfektes Produkt herzustellen. Stadttheater oder kleine freie Theater sind da freier, vielleicht ist dort nicht immer alles so perfekt, aber dort dürfen Rollen auch mal gegen den Typ besetzt werden, künstlerisch hat man als Darsteller meist mehr

MuT: Beschäftigst du dich auch stets mit den Hintergründen deiner Rollen, also falls gegeben, Thematik?

G.A.: Wenn ich eine historische Figur spiele, halte ich es für mich persönlich für notwendig, sich auseinanderzusetzen, man muß einer historischen Person, die ja wirklich gelebt hat, zumindest gerecht werden.So habe ich mich im Vorfeld gerade von “Marie Antoinette” und besonders “Ludwig2” Biographien eingedeckt, allerdings habe ich gelernt , dass eine intensive Vorbereitung auch Schwierigkeiten mit sich bringen kann, da die Autoren in Musicals aus dramaturgischen Gründen eigentlich immer Figuren verändern, beispielsweise fand ich bei “Ludwig2” die von den zwischen Sisi und Ludwig aus kommerziellen Gründen zwar einleuchtend , aber als Darsteller in der Probenzeit immer problematisch, da ich es als unagemessen fand, dem Märchenkönig, dessen größtes inneres Problem der Konflikt seines tiefen Gottglaubens mit seiner Homosexualität war, nun eine feurige Liebesaffäre mit der Kaiserin von Österreich anzudichten. Meine Bedenken haben sich dann aber zerstreut, die fand ich sehr gelungen und bewegend.

MuT: Thema „Fans“: Welche Einstellung hast du zu ihnen

G.A.: Ich habe keine Probleme mit Fans, im Gegenteil, ich freue mich, bekannte Gesichter am Bühneneingang zu sehen, oder wenn Menschen kommen, um speziell mich in einer bestimmten Rolle oder Produktion zu sehen. das ist ein tolles Kompliment für mich und meine Arbeit!

MuT: Könntest du dir vorstellen, auch hinter der Bühne zu arbeiten und junge Talente zu fördern?

G.A.: Absolut, an der Royal Academy Of habe ich unter anderem auch einen Zusatzkurs in Gesangspädagogik belegt, der Gedanke ist

Franziska Maier

Franziska Maier

> Offizielles Mitglied der "bdfj" Bundesvereinigung der Fachjournalisten e.V. > Studium der Germanistik, Geschichte, Politikwissenschaft und ev. Theologie* Beruf der Realschullehrerin (inkl. des Amtes der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit) > Journalistische Tätigkeit bei diversen Magazinen (Veröffentlichung von Artikeln u.a. bei Da Capo, Thats Musical, Blickpunkt Musical, Esslinger Zeitung...)