Interview mit Harel Skaat (Eurovision Song Contest)

Interview mit Harel Skaat

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1. Harel, den deutschen Fernsehzuschauern bist du vorwiegend durch deine Teilnahme am Eurovision Song Contest dieses Jahr in Oslo bekannt. War es denn dein Wunsch von klein auf, Sänger zu werden oder hattest du einmal völlig andere berufliche Ziele?

 

H.S: Solange ich mich erinnern kann war es für mich eindeutig klar, dass das Einzige, was ich wirklich möchte, das Singen und Musikmachen ist. Die Musik war mein einziges Interessensgebiet, mein Vergnügen und meine Berufung, die mich dankbar macht und Liebe in mein Leben brachte!

 

2. Warst du während deiner Schulzeit Mitglied einer Theatergruppe oder eines Chores, bzw. Haben dir deine Eltern oder auch Lehrer geholfen und aktiv dein Talent gefördert?

 

H.S: Ich war Mitglied der Städtischen und Schulischen Jugendbands.Außerdem studierte ich Musik und nahm seit meinem 6. Lebensjahr an Musikwettbewerben teil. Die Unterstützung meiner Eltern, speziell meines Vaters, die dazu führte, ein professioneller Künstler zu werden, war vorwiegend mentaler Art. Wahrscheinlich ist das auch der Grund, weshalb ich zu den Künstlern gehöre, die sehr bodenständig sind und einen klaren Verstand bewahrt haben!

 

3. Als du 23 Jahre alt warst, erreichtest du den 2. Platz in der bekannten Isrealischen TV Talent Show “Kochav nolad” – veränderte diese Show dein Leben und öffneten sich dadurch neue Türen für deine Karriere als professioneller Sänger?

 

H.S: Bevor ich an der Show “Kochav nolad” (star is born) teilnahm, lernte ich das Business bereits kennen und arbeitete hart an meiner Karriere. Doch die Show war eindeutig ein Sprungbrett für mich, so dass ich dem Publikum in Israel und darüber hinaus auffiel!

 

4. Bevor du an der Talentshow teilgenommen hast, studiertest du an der “Beit Zvi” in Ramat Gan – wie können wir uns deine Ausbildung vorstellen?

 

H.S: Die Wahl, an der Schauspielschule zu studieren ist bis heute für mich ein Schritt, dem ich täglich noch sehr dankbar bin. Ich denke, auf der Bühne zu stehen ist ein großes Privileg für mich, welches nicht jedem ermöglicht wird und man sollte hart daran arbeiten. In meinen Augen ist ein Sänger beinahe wie ein Schauspieler, der in poetischer Form einen Monolog vorträgt. Und über den emotionalen Instinkt hinaus muss er lernen, wie man das in einer professionellen Art und Weise umsetzt. In den Schauspielstunden lernt man genau das und wie man sein Inneres nach außen kehrt während des Singens und das ist für mich sehr wichtig!

 

5. Harel, du gehörst zu den bekanntesten Sängern und Musikern Israels und du repräsentiertest dein Land in Oslo dieses Jahr – ware es möglich, dass du unseren deutschen Lesern erklärst, wie es dazu kam, dass du Repräsentant für Israel wurdest, der dann beim Eurovision Song Contest antreten durfte?

H.S: Als Erstes vielen Dank für das Kompliment! Meine Teilnahme am Song Contest kam erst in der letzten ZEit auf – ich habe für mich entschieden, dass nun der richtige Zeitpunkt gekommen ist, da ich persönlich und auch auf professioneller Basis dazu bereit war!

 

6. Als Erstes musstest du das Semi-Finale mit deinem Song “Milim” (auf Deutsch “Worte”) schaffen. Wir würden jedoch gerne wissen, worum es in dem Lied geht. Könntest du uns in Kürze erklären, wovon der Song handelt, da wir leider nicht in der Lage dazu waren, deine Worte zu verstehen!

 

 

H.S: Der Song “Milim” handelt von der Separation auf jedem Gebiet, so auch die Teilung von Liebenden oder Familien. Die Worte sind das, was zuletzt nach solch einer Trennung bleibt. Die große Stärke von Worten, die in unserer Seele und in unseren Herzen überleben!

 

7. Hattest du Angst davor, dass die Menschen dein Lied nicht verstehen und dir somit nur wenige Punkte geben, so dass du evtl. nicht einmal das Semi-Finale schaffst?

 

 

H.S: Ich war sehr erfreut darüber, entgegen meiner Erwartungen, dass es so gut aufgenommen wurde, dass ich in Hebräisch singe. Es ist doch etwas Besonderes, wenn du in deiner Muttersprache singst, besonders bei solch einem Wettbewerb. So erzählen nur die Augen und das Gesicht des Sängers die Story eines Liedes und ds ist oft mehr, als Worte dies vermögen zu tun. Somit war ich nicht ängstlich deswegen, ich war so entschlossen und selbstsicher bei der Sache und bei meinem Lied und das war wohl das Wichtigste.

 

8. Die internationale Presse hat für deinen Song gestimmt und laut deren Meinung sollte er die Nr. 1 sein – so hast du den „Press Award“ gewonnen und außerdem noch den „Artistic Award“, über den die internationalen Kommentatoren entschieden haben. Zu guter Letzt bekam dein Lied noch den „Composer Award“ – dieses „Triple“ kam so noch nie zuvor in der Geschichte des Song Contests vor. Letztendlich erreichtest du jedoch den 14. Platz – bist du deswegen enttäuscht?

 

H.S: Ich bin nicht enttäuscht darüber, ich bin sehr stolz auf das, was meine Freunde und ich auf der Bühne leisteten. Wenn du an solch einem Contest teilnimmst, wirst du immer verschiedenen Meinungen und Szenarios ausgesetzt sein. Auch Überraschungen aller Art kommen auf einen zu. Doch was am Ende zählt, ist meiner Meinung nach, dass ein Magazin wie deines oder andere sich für mich interessieren und an meinem Lied Interesse zeigen. Das ist es, was am Ende zählt und was den wahren Sieg ausmacht!

 

9. Nun bist du wieder zurück in Israel – wie waren die Reaktionen der Bevölkerung?

 

H.S: Die Reaktionen und Rückmeldungen der Menschen waren einmalig und warmherzig. Natürlich waren auch einige etwas enttäuscht, aber das gehört dazu!

 

10. Harel Skaat privat – wie können wir uns deine Freizeit vorstellen – welche Hobbies oder Musik bevorzugst du beispielsweise?

 

H.S: Ich versuche meine Freizeit mit meiner Familie und meinen Freunden zu verbringen, vor allem, wenn ich zwischen meinen internationalen Reisen Zeit finde! Natürlich mag ich es auch, Musik zu hören. Ich höre verschiedene Musikrichtungen und alle möglichen Stile. Momentan gefällt mir besonders elektronische Musik.

 

11. Welche Pläne hast du für die Zukunft?

 

H.S: Ich hoffe inständig, dass sich meine Musik auch auf dem europäischen Markt ausweitet und dass ich ein breiteres Publikum erreichen werde. Auch dass ich verschiedene Kulturen, Sprachen und Länder kennenlernen und eine erfolgreiche Tour hier absolvieren werde!

 

 

12. Ist es denkbar, dass du auch nach Deutschland kommen wirst, um deinen Song zu promoten? Die Deutschen würden dich auf`s Herzlichste Willkommen heißen!

 

H.S: Es ware eine große Ehre für mich Deutschland zu besuchen, wenn ich dazu eingeladen würde. Ich verspreche nach Deutschland zu kommen  und ich gestehe, dass ich mich, als ich das letzte Mal in Deutschland war, richtig in das Land verliebt habe!

Franziska Maier

Franziska Maier

> Offizielles Mitglied der "bdfj" Bundesvereinigung der Fachjournalisten e.V. > Studium der Germanistik, Geschichte, Politikwissenschaft und ev. Theologie* Beruf der Realschullehrerin (inkl. des Amtes der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit) > Journalistische Tätigkeit bei diversen Magazinen (Veröffentlichung von Artikeln u.a. bei Da Capo, Thats Musical, Blickpunkt Musical, Esslinger Zeitung...)