Interview mit Hera Björk (Eurovision Song Contest)

Interview mit Hera Björk – Isländische Teilnehmerin des Eurovision Song Contests 2010 in Oslo

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1. Hera, in Deutschland wurdest du durch deine Teilnahme am Eurovision Song Contest in Oslo 2010 bekannt. War es denn bereits dein Wunsch von Kindesbeinen an, dass du Sängerin wirst oder hattest du einmal völlig andere Berufswünsche?

 

H.B: Hm, eigentlich war es mein Wunsch Sängerin zu werden, seit ich 5 Jahre als war. Meine Mutter ist ebenso Sängerin, darum kann man sagen, dass ich im Musikbusiness aufwuchs und ich singe, seitdem ich denken und mich erinnern kann. Meine Karriere startete, als ich 16 Jahre alt war, allerdings absolvierte ich zwischenzeitlich noch meine zweijährige Berufsschule, um zu lernen, dass der Gesang meine eigentliche Leidenschaft ist und dass ich eine furchtbare Business Frau wäre. J

 

2. Warst du Mitglied einer Theatergruppe oder eines Chores während deiner Schulzeit und wurde dein Talent gezielt von Lehrern und/oder Eltern gefördert?                           H.B: Ja, ich war ein Mitglied eines Chores während meiner Highschool Zeit. Außerdem sang ich noch mit einem Chor, der “Schola Cantorum” hieß. Mit diesem Chor reiste ich auch nach Frankreich, Italien und England. Ich sang außerdem mit isländischen Künstlern, wie Sigurròs und Björk. Meine Eltern unterstützten mich stetig, ebenso meine Freunde.JEine meiner liebsten Personen auf dieser Welt und die beste Lehrerin aller Zeiten ist Cathrine Sadolin, sie ist die Eigentümerin und Besitzerin des Complete Vocal Institute in Copenhagen. Sie rettete mich regelrecht, indem sie mir ihre Gesangstechnik beibrachte, welche darauf abzielt, Stimmprobleme zu vermeiden.Bevor ich sie und den Rest meiner CVI family traf, hielt mich irgendwie immer etwas zurück, aber nun ist nur noch der Himmel das Limit!J

 

3. Du bist eine sehr bekannte Sängerin in Island und du hast dein Land dieses Jahr in Oslo beim ESC vertreten – könntest du bitte unseren deutschen Lesern erklären, wie es dazu kam, dass du die Vertreterin Islands wurdest?     

 

H.B: Als ich 5 war, hatte ich bereits für mich entschieden, dass ich eines Tages beim ESC auftreten und singen werde! Es gab einfach keine Zweifel in mir, was diese Tatsache anbelangt. J Ich habe mir immer diese Show angesehen, jedenfalls solange ich mich daran erinnern kann.  Und ich kann mich noch gut an den Sieg von Deutschland im Jahre 1982 erinnern. Meine Mutter nahm den Song “Ein bisschen Frieden” einige Jahre später auf Isländisch auf! Die eigentliche Entscheidung, Teilnehmerin des ESC zu werden, kam aber erst dann, als ich, zusammen mit Örlygur, an einem Song arbeitete, der einfach das „gewisse Etwas“ hatte. Mit diesem Lied schafften wir es in das 2. Isländische Halbfinale  und schließlich auch ins Finale sowie danach nach Oslo zum ESC.  Es war eine fantastische Erfahrung – nun habe ich meinen ESC Traum erfüllen und außerdem meine persönlichen Eurovision Heldinnen, die ich seit meiner Kindheit bewundere, Carola und Sandra Kim treffen können!

 

4. Im Jahr 1991 erreichtest du den 2. Platz des College Gesangswettbewerbes – spatter spieltest du in einigen Musicals mit. Was verbindet dich mit dem Genre Musicals und welches Stück bevorzugst du persönlich?

H.B: Singen und Schauspiel ist etwas, das ich liebe! Die Zeit als ich in Musicals spielte, war fantastisch und ich hoffe, dass ich nochmals die Chance erhalten werde, erneut in einem mitzuspielen. Meine Favoriten sind “Der kleine Horrorladen”, “Chess”, “Spamalot” und viele mehr. Meine Traumrolle ist die der „Killer Queen“ in „We will rock you“! Und wer weiß, vielleicht bekomme ich die Möglichkeit, diese Rolle einmal live zu verkörpern – ich bin mir sicher, dass es klappen wird! J

 

5. Nach deinem Studium hast du begonnen als Lehrer und Gesangscoach zu arbeiten. Wie können wir uns deine Arbeit vorstellen?

H.B: Nun, ich bin ein Complete Vocal Technique Teacher ich unterrichte moisten die Master Class. CVT beinhaltet alle Musikgenres und so kommt es vor, dass ich in einer Sitzung einen Sänger dazu bringe, eine Arie, die das hohe C beinhaltet, zu singen und ein anderes Mal bearbeiten wir einen Death Metal song. Ich liebe diese Vielfalt! Dazu ist es mir auch wichtig, die Träume meiner Schüler zu unterstützen. Einmal kam eine Frau zu mir, die mich darum bat, dass sie nur einmal einen Song singen möchte, ohne dabei zu weinen. Und sie schaffte es tatsächlich – 4 Monate später sang sie bei einem großen Familienfest und jetzt ist sie meine Heldin!

 

6. Hera, du bist ein wahres Multitasking Talent: Sängerin, Songwriterin, Lehrerin und noch Moderatorin von Radio und TV Shows – welcher Bereich ist deiner Meinung nach dein persönlicher Favorit und weshalb?

H.B: Es ist in der Tat sehr schwer sich für einen Bereich zu entscheiden. Die Musik liebe ich einfach und alles, was damit zusammenhängt, ist meine Leidenschaft im Leben. Natürlich liebe ich auch das Unterrichten, da es mir soviel Energie vermittelt und mich außerdem auch auf dem Boden der Tatsachen hält!

 

7. 2008 und 2009 warst du ebenso schon Teilnehmerin des ESC – jedoch als Background Sängerin – ist es den für dich schwieriger gewesen als Front Sängerin auf der Bühne zu stehen und würdest du evtl. noch einmal, in ein paar Jahren, für dein Land beim ESC antreten?

H.B: Wie ich vorhin bereits sagte: Musik und Singen ist meine Leidenschaft! Eine Background Sängerin zu sein ist eine sehr unterschätzte Tätigkeit – es macht viel Spaß einen Sänger im Hintergrund zu unterstützen und ich würde auch erneut beim ESC antreten, wenn die Gegebenheiten stimmen würden!

 

8. Nochmals zurück zum Finale des Eurovision Song Contests 2010: Als Erstes musstest du das Halbfinale schaffen, du bist mit dem Song “Je ne sais quoi” angetreten – die deutsche Übersetzung lautet “Ich weiß nicht warum”  – wir würden gerne wissen, welche Botschaft dein Song übermitteln sollte – vielleicht kannst du unseren Lesern ein wenig mehr darüber erzählen.

 

H.B: Das Lied handelt davon, dass es oft sehr schwer ist im Leben, die Wahrheit auszuhalten und zu akzeptieren. Es ist schwer zu erklären, doch jeder von uns hat bereits Momente erlebt, in denen man sich fragt: Warum!? Oder man trifft jemanden, den man auf Anhieb mag und fragt sich: Warum? Es ist genauso, als würde man seinen besten Freund zum ersten Mal im Leben treffen, der Moment, wenn man seine ahre Liebe findet oder sein Baby zum ersten Mal im Arm hält. Oder der Moment, wenn du DIE Schuhe im Schaufenster entdeckst, die du schon immer haben wolltest – der Song geht einfach um diesen „Ich weiß nicht warum“ Moment im Leben, der einen einfach glücklich macht!

9. Und weshalb hast du dich dafür entschieden, den Song auf Englisch, mit der Französischen Zeile im Refrain, zu singen?

 

H.B: Die französische Phrase ist eigentlich ein Teil davon, wie man sich auch auf Englisch ausdrückt. Wenn ich z.B. auf Englisch sage:  “There is a certain Je ne sais quoi about you”, dann bedeutet das, dass du etwas ganz Besonderes in dir vereinst, aber ich kann nicht sagen, warum. Eine franzöische Zeile zu haben, war für uns einfach gut, da es das Lied noch stärker machte!

 

10.  Hattest du Angst davor, dass die Leute dir nicht genug Punkte geben, um das Halbfinale zu schaffen?

H.B: Nein, ich hatte keinen Zweifel daran, dass ich nicht ins Finale einziehen würde. Ich hatte ein gutes Bauchgefühl den ganzen Tag lang und ich wusste einfach, dass die Leute uns weiterkommen lassen!

11.  Wie hast du die Zeit in Oslo für dich persönlich verarbeitet und realisiert? Welche Momente werden dir in Erinnerung bleiben – schöne und negative Art?

H.B: Wenn ich zurückblicke fallen mir keine negative Momente ein. Oslo war von Anfang bis Ende toll! Wir hatten eine wundervolle Zeit. Der Wettbewerb ist dazu da, Spaß zu haben, es zu genießen, all die großartigen Leute und das Beste für dein Land zu geben, so wie ich es tat! Ich habe durchaus nur positive Erinnerungen! Und ich kann auch ganz ehrlich sagen, dass einer meiner schönsten Momente der war, als ich Lena im Green Room sah, wie sie gerade realisiert hat, dass sie die Gewinnerin ist und dann die Trophäe verdient wieder nach Deutschland gebracht hat! J  Und ich freue mich schon auf den ESC 2011 in Deutschland – sicherlich wird es dort eine fantastische und unterhaltende Show werden!

 

12.  Wie reagierten die Leute in Island auf dich als du aus Oslo kamst – waren sie traurig, dass du nicht gewonnen hast?

H.B: Natürlich waren die Leute ein wenig traurig und manche auch geschockt, dass wir nicht die Sieger waren. Aber es ist nur die Eurovision und man darf es nicht zu ernst nehmen! Jeder war stolz auf uns und sah, dass wir unser Bestes gaben. Alles in allem ist es ein unterhaltsames Fernsehprogramm und ich sehe es als eine wundervolle Plattform, um großartige Leute aus anderen Ländern kennenzulernen und um unsere jeweiligen Kulturen miteinander zu teilen!

 

13. Hera Björk privat – wie können wir uns deine Freizeit vorstellen – elche Hobbies hast du oder welche Musik bevorzugst du privat?

H.B: Ich habe eine wundervolle Familie und wir lieben es, die Zeit gemeinsam zu verbringen. Wir gehen wandern oder Ski-Fahren in den Isländischen bergen. Mein Sohn liebt, was wir “Kósý Kvöld” nennen und dann kuscheln wir uns alle in das Sofa, essen Süßigkeiten und schauen uns einen Film an, den er ausgesucht hat! Wir haben außerdem einen schönen Garten und bei schönem Wetter gehen wir raus und machen uns die Hände beim Gärtnern schmutzig.  

Ich liebe alle möglichen Musikstile und ich versuche auf möglichst viele Konzerte zu gehen, aber leider schaffe ich das kaum, da ich selbst soviel arbeite. Meine Lieblingssänger sind The Legends Sarah Vaughan, Pavarotti, Freddie Mercury & DIO. Meine noch lebenden Legenden sind George Michael, meine Mutter, Tina Turner, Shirley Bassey, Prince, Eric Clapton, Annie Lennox & Lady GaGaJ  Außerdem liebe ich die Oper und meine Favoritin auf diesem Gebiet ist die Sopranistin  Ilena Cotrubas und meine Lieblingsoper ist La TraviataJ

Zu guter Letzt liebe ich es, alte Dinge wieder neu zu gestalten, so auch alte Möbel zu verschönern – ich habe auch viele Stifte und Malfarben in meiner Garage!

14. Welche Zukunftspläne hast du?          

H.B: Ich werde weiter an meinen Träumen arbeiten, damit ich eine hauptberufliche Sängerin sein kann. Außerdem möchte ich ins Musical Business zurückkehren und natürlich auch neue Alben aufnehmen mit meinen eigenen Songs und Arrangements.  Ich liebe es auch, mit Menschen zusammenzuarbeiten und die Musikindustrie ist voll von tollen Talenten, mit denen ich gerne zusammenarbeiten würde – egal, ob junge oder ältere. Einige Jahre zuvor habe ich meinen Freunden mitgeteilt, dass ich gerne mal ein Duett mit George Michael singen und dass ich einmal Shirley Bassey treffen würde – so habe ich also eine stressige Zukunft, wenn ich mir all diese Träume noch erfüllen möchte! :-)

 

15. Hier ist noch Platz, um Werbung für deine neuen Projekte zu machen:

 

H.B: Ich arbeite gerade an einigen neuen Songs und plane, bald ein neues Lied zu veröffentlichen. Die vergangenen Monate war ich quer durch Europa unterwegs und es liegen noch so manche Auftritte vor mir, ehe dann die Christmas Konzerte starten. Ich bin ein großer Weihnachts-Fan und dieses Jahr habe ich 21 Konzerte im Dezember – das wird ein stressiger Monat! Dennoch werde ich Weihnachten 100% genießen und ab dem 19. 12. bin ich offiziell fertig mit der Arbeit, bis zum Ende des Jahres! Danach wandern nur noch die Weihnachtsplätzchen in den Ofen und ich bin für meine Familie da!

 

16.  Ist es denkbar, dass du auch nach Deutschland kommst, um deine Songs zu promoten?

 

H.B: Ich würde sehr gerne nach Deutschland kommen und dort auftreten! Ich war diesen Sommer in München und liebte es. Deutschland hat dieses „Je ne sais quoi“, das ich so mag und nicht erklären kann! Mein Team wird daran arbeiten, dass wir auch bei euch Auftritte haben und ich drücke die Daumen, dass wir hoffentlich bald nach Deutschland kommen können!

Franziska Maier

Franziska Maier

> Offizielles Mitglied der "bdfj" Bundesvereinigung der Fachjournalisten e.V. > Studium der Germanistik, Geschichte, Politikwissenschaft und ev. Theologie* Beruf der Realschullehrerin (inkl. des Amtes der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit) > Journalistische Tätigkeit bei diversen Magazinen (Veröffentlichung von Artikeln u.a. bei Da Capo, Thats Musical, Blickpunkt Musical, Esslinger Zeitung...)