Interview mit Jan Ammann

Jan Ammann im Interview (Text: Franziska Maier)

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Am Sonntag, den 05.08.07, fiel für Musicaldarsteller Jan Ammann der letzte Vorhang im Theater am Potsdamer Platz. Dort verkörperte er seit Anfang Mai die Titelrolle im Musical „Die Schöne und das Biest“, unter anderem neben Leah Delos Santos, die bereits seit der Stuttgarter Produktion als „Belle“ auf der Bühne steht. Jan Ammanns Gastspiel in dem bekannten Disney Musical kam für den gebürtigen Westfalener sehr kurzfristig – er sprang für den erkrankten Yngve Gasoy-Romdal ein, der ansonsten die Rolle verkörperte.

Viele werden Ammann jedoch noch in einer ganz anderen Rolle kennen – er war die Premierenbesetzung des Märchenkönigs Ludwig II. von Bayern im Füssener Musical „Ludwig²“.

Doch wer ist der Mann hinter der furcht erregenden Maske des Biestes überhaupt?

Jan Ammann nun in einem ausführlichen Interview über seine Laufbahn sowie seine bisherigen und zukünftigen Rollen.

Jan, war es für dich von Anfang an klar, dass du Musicaldarsteller werden möchtest?

Anfangs war es nicht ganz klar. Mit zwölf Jahren entdeckte ich meine Liebe zur Musik. Ich wuchs auch in einer musikalischen Familie auf. Meine Mutter ist Cellistin und wir hatten während meiner Kindheit wahnsinnig viele Hauskonzerte. Das hat mich meine ganze Kindheit verfolgt – ich war stets mit Musik konfrontiert. Dennoch war nie die Rede davon, dass ich einmal Musik studiere, da ich ja auch über die harte Kunst Bescheid wusste. Es ist ja auch eine brotlose Kunst. Die Liebe dafür habe ich so richtig entdeckt, als ich dann Gesangsunterricht nahm. Wir hatten in unserer Schule einen großen Chor mit dem wir viele Aufführungen machten. Wir sangen richtig schwere Sachen – Choräle oder „Carmina Burana“. Und da sagte mein Chorleiter: Jan, möchtest du nicht Gesangsunterricht nehmen? Da war ich ca. 15 oder 16 Jahre alt. Und ich war schon so stolz, dass ich im Chor den Bass singen durfte! Es interessierte mich allerdings schon sehr und so nahm ich Gesangsunterricht, obwohl ich eigentlich noch gar kein Sänger werden wollte! Und nach meinen ersten Stunden merkte ich, dass ich es sehr gut finde. Die Art der Wahrnehmung, wie man mit sich, seinem Körper und der Stimme umzugehen hat, das faszinierte mich. Und dann auch, dass man seine Stimme als Instrument der Seele nehmen kann, das hat mich sehr beeindruckt. Meine Eltern unterstützten mich sehr. Ich sang nämlich stets bei ihren Schallplatten mit und da entdeckten sie schon mein Talent und bekräftigten mich, Gesangsunterricht zu nehmen und mich weiterzubilden! Nach einem Jahr ging ich dann auf die Universität und da kam dann auch zum ersten Mal dieser Wettbewerbsgedanke in mir auf. Da merkte ich, dass ich durchaus mit anderen mithalten kann. Damals war ich noch nicht so selbstbewusst und hatte nicht das Motto: Ich bin Sänger! Ich sang aus Spaß an der Musik. Ich sang auch damals noch keine Opern, sondern einfachere Lieder. Meine Stimme war einfach noch nicht so weit entwickelt, schwere Opern zu singen. Nach einem Jahr Gesangsunterricht weiß man auch noch nicht richtig, wie man seine Stimme vollkommen nutzen kann. Bei „Jugend musiziert“ lernte ich dann meinen amerikanischen Gesangslehrer kennen. Er hatte eine vollkommen andere Gesangstechnik. Bei ihm lernte ich sehr viel. Er erklärte mir von Grund auf alle Techniken. Und da fing es mir auch so richtig an Spaß zu machen. Wobei man aufpassen muss, dass man sich nicht allzu sehr auf die Techniken verlässt! Ich strebe ganz für mich persönlich an, dass man technisch hervorragend funktionieren soll und wenn man es dann auf der Bühne auch umsetzt, dann sollte man nicht mehr daran denken! Sonst wirkt es zu verkrampft und man ist nicht authentisch in seiner Rolle. Es muss einfach da sein. Ganz automatisch sollte man es abrufen können. Und damals stellte ich auch fest, dass ich alles andere als ein Bass bin.

Welche Stimmlage hast du denn genau?

Im klassischen Fach bin ich ein sehr hoher Bariton. Wenn ich im Opernbereich weiterarbeiten würde, dann hätte ich das Potential dazu, ein Tenor zu werden. Ich müsste aber schon daran arbeiten. Manchmal merkt man, dass ich ein Tenor werden könnte. Doch die Leichtigkeit in den Höhen fehlt mir noch. Dennoch muss man vorsichtig sein: Man kann eine Stimme immer zu etwas zwingen, dennoch muss es ein natürlicher Vorgang sein, sonst kann es der Stimme schaden und mehr kaputt machen als nutzen!

Wie ging es dann mit deiner Ausbildung weiter?

Das Studium war nicht sehr spaßig. Ich bewarb mich an drei Schulen und wurde an allen genommen! Es waren richtige Elite Schulen. Tja, und eine besuchte ich dann und studierte erstmal Oper. Wenn man auch bedenkt, wie viele Bewerber es gab und davon wurden nur 4 ausgesucht und ich war darunter! Dennoch war ich nicht so richtig froh. Ich lernte, büffelte…und doch hatte ich vor meinem Studium mehr Unterricht als sonst! Und das war für mich nicht tragbar! Vor der Universität hatte ich auch das Glück Douglas Yates kennen zu lernen. Er ist Texaner und gab mir sehr viel mit in Sachen Stimmbildung und Gesangstechnik mit. Praktisch war ich super, doch in der Theorie war ich eine Null. Meine Stimme hat mich sozusagen gerettet. Sonst wäre ich wohl durchgefallen. Doch genau das, womit ich geglänzt habe, wurde an dieser Universität nicht sehr gefördert.

Hast du auch eine Schauspiel- und Tanzausbildung?

Ich hatte beides, aber eben nicht so stark ausgeprägt. Sogar beim Ballett war ich – allerdings war es eher mit Schauspiel verknüpft. Ziel ist eben, dass man sich auch auf der Bühne bewegen kann. Beides hat mir sehr viel Spaß gemacht. Und das brachte mir auch etwas! Alle sagten dann auch, dass ich es doch einmal bei einer Produktion probieren solle. Und so kam es, dass ich vom ersten Ludwig Musical „Sehnsucht nach dem Paradies“ die CD hörte und mir dachte, dass dies doch auch opernhafte Lieder sind und dass es etwas für mich wäre. Dann sang ich vor – innerhalb von einer Woche bekam ich dann ein Vorstellungsgespräch und ich wurde genommen! Die Lieder waren zwar nicht meine absolute Stimmlage, da sie sehr tief angelegt wurden, doch dafür hatte ich die beste Ausbildungszeit, die man sich jemals wünschen kann. Ich konnte mit guten Leuten zusammenarbeiten und Bühnenerfahrung sammeln. Das war in der Spielsaison 2001/2002. Nach diesem Jahr war erstmal für mich Schluss. Ich kehrte zwar 2003 nochmals zurück für ein paar wenige Shows, das war auch sehr schön, aber nach dem Jahr wollte ich wieder etwas anderes machen. So ging ich meinen Weg weiter. Außerdem wollte ich testen, wie gut meine Entwicklung nun im Schauspielbereich war. Es war sowieso eine harte Feuerprobe, denn ich wurde von den Machern des Stückes direkt auf die Bühne „geschmissen“ und sollte so meine praktischen Erfahrungen machen.

Dann ging ich nach Los Angeles; ich hatte eine Verlobte dort und sie war Schauspielerin und verfügte über genügend Kontakte zu guten Schulen. Sie gab mir einige gute Adressen und ich stellte mich vor. Dazu kam auch das Glück, dass ich tatsächlich dann Unterricht nehmen konnte an den Acting Studios. So lernte ich noch dazu in den Bereichen Improvisation und kommerzielles Schauspiel, also Camera Acting. Da musste ich mir erstmal eingestehen, dass das alles gar nicht so einfach ist. Man bekam eine Szene vorgegeben und musste nun improvisieren und das noch auf eine anderen Sprache. Ich spreche zwar hervorragend Englisch, aber dennoch ist der Wortschatz eingeschränkt und das behinderte mich anfangs sehr. Man sollte sich aber nicht nur auf die Wörter verlassen, sondern vor allem auf sein Gegenüber. Erst als ich das lernte, konnte ich frei agieren. Das hat mir sehr viel gebracht, obwohl ich zu Beginn große Hemmungen hatte. Dennoch habe ich mich zu diesen Kursen gezwungen und mich immer wieder angemeldet. Anfangs ging ich gar nicht gerne hin, doch so nach und nach machte es Spaß! Auch heutzutage profitiere ich von dieser Schule und dieser Zeit. Jeder Mensch reagiert anders auf der Bühne und man muss individuell handeln.

Als ich dann wieder zurück nach Deutschland kam, auch zu Ludwig, da bekam ich Komplimente von meinen Kollegen!

Bis Ende 2004 war ich dann wieder in Los Angeles – meine Beziehung war gescheitert und nun überlegte ich, was ich tun sollte. Erstmal stellte ich mir die Frage: Wie ist denn eigentlich dein Marktwert. So machte ich 3 Auditions: Einmal Elisabeth, da bewarb ich mich auf die Rolle des Franz Josef – das war sehr reizvoll. Dann natürlich auch Ludwig² und das klappte!

Du spieltest bereits im ersten Ludwig Musical in Füssen die Titelrolle – wie unterscheiden sich eigentlich beide Ludwigdarstellungen?

Für mich ist es schauspielerisch in der zweiten Produktion eine etwas andere Herausforderung. Es gibt deutlich mehr Text, man ist als Schauspieler mehr gefördert. Auch der Konflikt Dr. Gudden und Ludwig, die beide ihre Probleme mit der kritischen Situation hatten. Es gibt nicht dieses Schwarz-Weiß-Muster, oder gut und böse – beide Charaktere werden beleuchtet und man kann beide in ihren Verhaltens- und Denkweisen beobachten und auch vieles anders nachvollziehen. Es wird alles gezeigt: Wie es gewesen sein könnte und zum Teil wirklich gewesen ist. Schauspielerisch sind also vor allem die Hauptunterschiede zu finden und natürlich auch gesanglich im Stil der Musik und eben der Höhe, wie ich vorhin schon sagte. Auch dass Ludwig im ersten Stück recht eindimensional herüberkam, es wurde nur seine Liebe zu Wagner gezeigt und das kommt bei uns nur andeutungsweise herüber.

Nun hast du am gleichen Tag wie der historische Ludwig Geburtstag – fühlst du für dich eine ganz persönliche Verbundenheit und hast du dich deswegen auch mehr mit seiner Person beschäftigt?

Er war ja auch genauso groß wie ich und ebenfalls ein Träumer…ich suche schon nach Ähnlichkeiten. Ich bin genauso ein Pazifist, habe Zivildienst gemacht und die Bundeswehr verweigert. Darum verstehe ich Ludwig absolut. Die Zeit des Zivildienstes half mir sehr viel, auch wie man mit Behinderungen umgeht – keine Hemmungen zu haben. Es half mir auch in anderen Bereichen. Ludwig prägte die Zeit, er ist unsterblich und er war auch nicht verrückt – nur was er machte, war für die Menschen verrückt!

Du bist auch Möbeltischler von Beruf – wie konntest du das noch zeitlich vereinbaren?

Vor meinem Studium wollte ich noch etwas Reelles lernen und so lernte ich eben Möbeltischler. Das war während meines Abiturs, dadurch habe ich nur ein Jahr verloren! Neulich rief mich auch ein Freund aus Kindertagen an, er meinte, dass es phänomenal sei, dass ich genau das erreicht habe, was ich damals, als Kind oder Jugendlicher zu ihm sagte!

Ich ging übrigens auf eine Waldorfschule und habe sehr davon profitiert.

Strebst du auch eine Karriere jenseits der Musicalwelt an – zum Beispiel als Popsänger oder Schauspieler?

Ich würde gerne etwas ganz Neues machen, eine Mischung aus Pop und Klassik, also Orchestermusik, mit guten Arrangements und dennoch ein Sound, der alle anspricht. Ob das natürlich beim Publikum ankommt, ist eine andere Frage, aber eine CD ist in Planung und in Arbeit, aber mehr verrate ich dazu noch nicht.

In Filmen würde ich auch gerne mitspielen – ich habe auch einen sehr guten Agenten, der sich in diesem Bereich für mich erkundigt. Eine Soap käme für mich allerdings nicht in Frage, da man dann so gebunden ist und nichts anderes machen kann! Ich würde auch gerne einmal eine Leiche in einem Krimi spielen! Meine Traumrolle geht sowieso in die Richtung: Entweder ich spiele Comedy oder einen richtigen Bösewicht!

Nun zur Rolle des „Biestes“ – war dir das Disney Musical bereits bekannt, ehe du die Rolle übernommen hast?

Allerdings. Ich sah „Die Schöne und das Biest“ bereits in Stuttgart – damals noch mit Uwe Kröger und Kevin Tarte in der Rolle des „Biestes“ – ich war völlig fasziniert von dem Stück. Es war stets mein Traum, einmal selbst in dieser Rolle auf der Bühne zu stehen – die Musik nimmt einen gefangen und die Entwicklung des Biestes vom fürchterlichen Monstrum zum Mann mit Gefühlen, ist eine große Herausforderung für mich gewesen. Das Biest gehört eindeutig zu meinen Traumrollen – diesen Traum konnte ich mir nun in Berlin erfüllen, wenn auch nur für eine begrenzte Zeit.

Du bist sehr kurzfristig für das Musical engagiert worden – wie lange war deine Vorbereitungszeit?

Ich hatte gerade einmal zwei Wochen Probenzeit – es war ein ungemein intensiver und auch harter sowie anstrengender Zeitraum. Doch meine Zusammenarbeit mit der tollen Cast sowie dem Team hinter den Kulissen war so gut und effektiv, dass es für mich letztendlich kein Problem darstellte als Biest nach nur zwei Wochen Proben auf die Bühne zu gehen.

Wie würdest du deine Interpretation des Biestes beschreiben?

Für mich ist es sehr wichtig, die Entwicklung des Biestes glaubhaft darzustellen. Das Biest ist anfangs nicht lieb und nett, darum spiele ich es auch sehr furcht erregend und grausam. Es hat auch verlernt wie es ist menschlich zu sein. Erst nach und nach, wenn Belle im Schloss ist, lernt es erneut, was Manieren sind, wie man mit seinen Mitmenschen umgehen muss und dass es nicht reicht herum zu schreien wenn man etwas möchte. Ich liebe diese Entwicklung. Es ist zwar eine Gradwanderung, da man an manchen Stellen aufpassen muss, dass es nicht zu lächerlich gespielt wird, doch man kann die Rolle hervorragend prägen. So ist jedes Biest anders angelegt. Es kam auch schon vor, dass Leute mit kleinen Kindern den Zuschauerraum verließen, da die Kinder mein Biest zu schrecklich fanden. Wobei ich hier klarstellen muss, dass die Eltern auch die Kinder vorher aufklären müssten… doch es zeigt mir ebenso, dass ich das Biest sehr glaubwürdig verkörpern kann. Die Rolle fordert vor allem schauspielerische Qualitäten von mir – bei „Ludwig²“ gab es sehr viele Gesangsparts, beim „Biest“ nur ein großes Solo, welches ich sehr gerne singe. Hier kann ich meine gesamten Emotionen hereinlegen. Allgemein kann ich in die Rolle viel von meinem Innersten legen – ich hatte einige Dinge, die mich in letzter Zeit emotional bewegten und die ich so nun besser verarbeiten konnte. Ich bin auf der Bühne das „Biest“ und nicht Jan Ammann. Die Menschen sehen in mir auch nicht die Person Jan, was ich sehr gut finde, da eben die Maske so stark entstellt und mein Gesicht verfremdet, dass ich gar nicht mehr als reale Person wahrgenommen werde! Allerdings nehme ich mein Umfeld dennoch wahr – so schaue ich gerne ab und zu in die Gesichter des Publikums – ich sehe auch die ersten paar Reihen wunderbar. Die Reaktionen der Menschen sind ein unglaublich großes Feedback für mich. Ich bekomme dadurch auch noch mehr Spielfreude!

Apropos Maske, wie lange benötigst du, um zum Biest zu mutieren?

Es dauert rund eineinhalb Stunden ehe die Maskenbildner mich zum Biest verwandeln. Ich habe fast im gesamten Gesicht Schaumstoffteile, die angeklebt werden. Nur die Augen und die obere Wangenpartie sind echt. Die Perücke, zum Teil aus Echthaar, zum Teil aus Büffelhaar, wird angebracht, ich ziehe Handschuhe an, damit ich die fürchterlichen Pranken bekomme, außerdem noch meine Schuhe, die übrigens immens schwer sind. Mein Kostüm ist meistens komplett durchgeschwitzt. Es strengt sehr an, doch die Rolle macht unglaublichen Spaß! Ich bin übrigens wohl das größte Biest, das es je gab – mit Hörnern messe ich 2,09 m! Leah war ja meist nur Yngves Statur gewohnt, sie musste sich durch meine Größe auch sehr umstellen, doch wer die Show gesehen hat, der weiß, dass alles perfekt harmonierte – trotz meiner Größe!

Du musst unwahrscheinlich beweglich sein, trotz des großen Gewichtes deines Kostüms – du springst auf den Thron mit Leichtigkeit – doch kamen auch schon einmal Pannen oder Stürze vor?

Gestürzt bin ich zum Glück noch nie – so richtige Pannen gab es auch nicht – allerdings bin ich einmal mit meiner Hand hängen geblieben und ein Finger fiel ab! Es sah unglaublich komisch aus – plötzlich war ein Finger des Biestes weg! Und Belle musste danach ihr Solo singen und auch noch ernst bleiben, obwohl wir alle dem Lachen so nahe waren! Das war eigentlich das einzige Mal, dass so etwas passierte.

Und was die Beweglichkeit angeht, so habe ich nach meiner Zeit bei Ludwig sehr viel Sport getrieben und vor allem auch an Muskelmasse zugelegt – allerdings schwitze ich sehr viel, so dass im Laufe der Show mein Kostüm immer schwerer und ich selbst immer leichter werde!

Hast du eine oder mehrere Lieblingsszenen im Musical?

Mir gefällt sehr viel – ich kann gar nicht eine Szene herausgreifen. Es ist ein Gesamtkunstwerk und hat so viele schöne Momente, dass mir das Gesamtwerk einfach gut gefällt! Das Stück hat Witz und Charme und ist dennoch spannend – ein Musical für jung und alt!

Bevor du nach Berlin kamst, warst du in Halle im Musical „Mar-I-Cel“ zu sehen und zu hören – dort als Pirat! Wie würdest du diese Zeit beschreiben?

„Mar-I-Cel“ ist an sich ein tolles Stück – es gibt zwar noch Dinge, die man überarbeiten könnte, doch es macht viel Spaß. Ich habe jedoch das Pech, dass die Lieder meiner Rolle eher für einen Bass-Bariton geschrieben wurden und mir zu tief sind – jedenfalls teilweise. Dazu muss ich noch recht spärlich bekleidet auftreten und so kam es natürlich auch, dass manche Kritiker mich niedermachten und mir vorwarfen, dass ich nur gut aussehen kann mit meinem fast nackten Oberkörper, doch meine Leistung nicht sehr gut wäre. So etwas ärgert mich – das sind oft nur vorgefertigte Meinungen, die ich nicht gutheißen kann. Man sollte sich doch etwas mehr mit einem Menschen beschäftigen, ehe man derartige Dinge über jemanden verbreitet, die im Endeffekt sehr schaden können!

„Mar-I-Cel“ werde ich noch fünf Mal spielen. Die Termine stehen dann auch auf meiner Homepage (www.janammann.com).

Du sprichst gerade auch negative Erlebnisse an – hat dein Beruf denn ansonsten auch spürbare Schattenseiten?

Dadurch, dass ich häufig bei einer En-Suite-Musicalproduktion beschäftigt bin, habe ich sehr viel zu tun. Die Arbeit ist stark strukturiert und vorgeschrieben und die Freizeit kommt zu kurz. Man muss auch sehr auf seine Stimme aufpassen, da man doch täglich diese große Rolle singt und das fordert die Stimme ungemein. Ich ziehe den Hut vor allen Darstellern, die das auch im Alter noch machen. Beim Biest verstelle ich meine Stimme – viele denken, es wäre durch die Technik verzerrt, doch ich spreche normal, nur dass ich mehr Hall auf dem Mikrofon habe – das strengst also die Stimme auch an, obwohl ich genau weiß, wie ich es machen muss, um meine Stimme zu schonen und sie nicht zu ruinieren.

Außerdem kommen die sozialen Kontakte recht kurz, da man doch sehr ortsgebunden ist. Wichtig ist in diesem Beruf, dass man ein gefestigtes Umfeld hat, Familie und wenige gute Freunde, die einem stets helfen, wenn man am Boden ist und nicht mehr weiter weiß! Ich bin sehr dankbar dafür, dass ich diese Menschen um mich habe!

Wie verbringst du deine Freizeit?

Ich treibe viel Sport, fahre Fahrrad und das wirklich kilometerlang! Ich segle auch gerne, das schafft einen Ausgleich zu meinem Beruf. Ansonsten ist meine Freizeit eher knapp bemessen!

Die Zeit bei „Die Schöne und das Biest“ ist nun vorbei – welche zukünftigen Projekte stehen bei dir an?

Zuerst werde ich in Füssen, rund um König Ludwigs und meinem Geburtstag (am 25.08.07 – Anm.d.Red.) bei einer großen Musicalgala im Festspielhaus mitmachen! Da singe ich dann auch Lieder aus „Ludwig²“, „Die Schöne und das Biest“ etc.

Dann folgen noch die Auftritte bei „Mar-I-Cel“ – und dann ist erstmal Pause.

Ich warte auf wirklich gute Rollen, die mir Spaß machen. Ludwig und das Biest sind solche Traumrollen, doch es gibt zurzeit nicht viele Produktionen, in denen es Rollen für mich gibt. Ich kann mir zum Beispiel nicht vorstellen in „Mamma Mia!“ mitzumachen.

„Krolock“ aus „Tanz der Vampire“ wäre noch so eine Traumrolle – ich stand bei den Auditions sogar in der Endrunde, doch leider bekam ich die Rolle nicht – die Produzenten legen wohl Wert auf andere Kriterien, die ich nicht erfüllen konnte, obwohl ich die perfekte Größe, Statur und Stimme für die Rolle hätte. Ich arbeitete sogar mit Roman Polanski zusammen…

Das Phantom wäre auch eine schöne Rolle für mich, hier handelt es sich ebenfalls um einen zerrissenen Charakter, wie beim Biest. Ich könnte auch stimmlich zeigen, was ich kann – da meine Stimme ja klassisch ausgebildet ist und ich auch im Operngenre zu Hause bin.

Franziska Maier

Franziska Maier

> Offizielles Mitglied der “bdfj” Bundesvereinigung der Fachjournalisten e.V.

> Studium der Germanistik, Geschichte, Politikwissenschaft und ev. Theologie* Beruf der Realschullehrerin (inkl. des Amtes der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit)

> Journalistische Tätigkeit bei diversen Magazinen (Veröffentlichung von Artikeln u.a. bei Da Capo, Thats Musical, Blickpunkt Musical, Esslinger Zeitung…)