Interview mit Jorgos Katsaros

Interview mit Jorgos Katsaros

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1. Jorgos, aktuell sind Sie im Stuttgarter Friedrichsbau Varieté im Stück „Magic de Luxe“ zu sehen.  Was erwartet die Zuschauer denn eigentlich, die sich eine Karte für die Show gekauft haben?

JK: Die Zuschauer erwartet natürlich ein sehr abwechslungsreiches Programm. So werden Shownummern präsentiert, die man teilweise so noch nie in Europa gesehen hat. Für jeden ist etwas dabei, es wechseln sich witzige Nummern mit spannenden ab, skurrile mit schrägen Sachen, einfach viele Sparten der Zauberkunst sind vertreten. Und natürlich darf auch sehr viel gelacht werden.

2. Sie selbst führen als Conférencier durch den Abend, dabei sagen Sie nicht nur Ihre Kollegen an, sondern zeigen selbst eindrucksvoll, dass Sie ebenso der Zauberei mächtig sind. Wie kamen Sie zur Zauberei, haben Sie als Kind bereits mit den berühmten Zauberkästen geübt und das Handwerk gelernt?

JK: Es gab tatsächlich den berühmten Zauberkasten, jedoch gehörte dieser meinem Bruder und nicht mir. Ich interessiere mich schon von klein auf für die Zauberei. Mit acht Jahren ging es los bei mir. Dadurch, dass in Stuttgart der „Magische Zirkel“ existiert und viele Zauberer in der Stadt sind, konnte ich mir auch einige Shows ansehen. Einmal sah ich Marvelli Junior auf dem Schillerplatz, er hat mich sehr beeindruckt. Und auch Ausstellungen des Magischen Zirkels konnte ich mir stundenlang ansehen. So riss ich mir also den Zauberkasten meines Bruders unter den Nagel und legte los. Später dann kamen die Kontakte zum Magischen Zirkel hinzu.

Dort läuft es übrigens so ab, dass man zuerst einige Zeit als Gast an Sitzungen teilnimmt und dann erst die Chance bekommt, die Aufnahmeprüfung zu absolvieren.

Allerdings musste ich diese gar nicht mehr ablegen, da ich bereits bei den Jugendmeisterschaften einen Preis belegt hatte und wenn man bei einem Wettbewerb einen Preis gewonnen hat, wird man automatisch Mitglied des Magischen Zirkels. Jahrelang war die Zauberei dann ein Hobby von mir, bis ich den Punkt erreichte, an dem ich beschlossen habe, mich selbstständig zu machen. Seit 1999 bin ich nun hauptberuflicher Zauberer.

3. Es heißt, dass man als Zauberkünstler eine sehr große Disziplin an den Tag legen muss und dass viele privat sehr kalkulierte Denker seien. Stimmt das?

JK: Das stimmt wirklich, es gibt zum Beispiel Techniken, bei denen man mathematische Prinzipien anwendet und sich sehr viel merken muss, hierbei schadet es nicht, ein kalkulierter Denker zu sein. Aber am besten ist eine Mischung aus analytischem und irrationalen Denken.

Es braucht ja auch Kreativität und witzige Ideen!

Die Figur und die Requisiten müssen stimmig sein, das ist vergleichbar mit einem Film, den man schreibt:  Man braucht eine Figur, eine Story, ein Drehbuch, die Kostüme – erst dann wird es einheitlich. Und wenn die Präsentation stimmt, geht die wahre Kunst los. Davor entwickelt man Zaubertricks und erlernt das Handwerk, doch nur mit dieser Mixtur wird eine Zaubershow perfekt und für die Zuschauer ansprechend.

Insgesamt lässt sich sagen, dass die Zauberei eine Kunstform für sich ist.

4. Entwickeln Sie Ihre Acts und Shownummern selbst oder haben Sie kompetente Helfer an Ihrer Seite?

JK: Für die Entwicklung einer Nummer sind viele Helfer und Kollegen notwendig!

Vom Kostümschneider zum Illusionsbauer, über Brainstormrunden für die Ideenfindung, bis hin zu tricktechnischer Beratung und natürlich der Regie: in meinem Fall von Eberhard Riese aus Stuttgart, unser Ortszirkelvorsitzender und Vizepräsident vom MZVD (Magischer Zirkel von Deutschland).  

Und ich stehe ja nicht ausschließlich als Zauberer auf der Bühne, sondern habe auch noch ein eigenes Kabarett Programm. Hierfür habe ich Autoren und Textberater, unter anderem Klaus Birk aus Tübingen.  

Bei „Magic de Luxe“ ist die Moderation in Zusammenarbeit mit dem Regisseur Ralph Sun entstanden.

Man versucht natürlich abwechslungsreich zu bleiben, dass man eben nicht drei Kartentricks oder Seiltricks hintereinander zeigt, sondern einmal etwas mit Zuschauerbeteiligung und dann wieder etwas alleine auf der Bühne präsentiert. Oder etwas Lustiges, dann wieder etwas Rätselhaftes – eine gute Variation ist sehr wichtig.

5. Was fasziniert Sie persönlich am Métier der Zauberei und der Magie?

JK: Die Zauberei ist unglaublich vielseitig. Man kann mit fast jedem Gegenstand etwas machen. Es müssen nicht immer die klassischen Gegenstände, wie Karten oder Münzen sein. Es können durchaus auch mal Kreditkarten oder Fotos sein. Oder Kekse, Chips – es können viele klassische Tricktechniken mit alle möglichen Requisiten anwenden werden.

Und das Tolle ist, dass man Menschen auf der ganzen Welt kennenlernt.

Es sind die unterschiedlichsten Personen, die ganz verschiedene Sachen darbieten.

Zum Beispiel Gaetan Bloom zeigt seine wahnwitzigen Zaubernummern mit Salat und Pampelmuse. Kevin James verwendet die elegante Rose und ist ein völlig anderer Typ und so ist jeder Zauberkünstler verschieden.

Und das Schöne ist auch, dass wir Menschen aller Altersgruppen verzaubern können. Ob junge oder alte – alle sitzen mit großen Augen da und staunen über das Gesehene – das Publikum gibt einem sehr viel zurück und das macht unglaublich Spaß. Wenn du dann auch noch davon leben kann, ist es perfekt!

6. In „Magic de Luxe“ berichten Sie auch mit feinsinnigem Humor darüber, dass Sie griechischer Herkunft sind, dabei verschonen Sie Ihre Landsleute nicht unbedingt. Sehen Sie sich selbst mehr als typischen Schwaben oder schlägt Ihr Herz mehr für Ihre griechische Herkunft?

JK: Ich bin zwar in Stuttgart geboren, fühle mich jedoch sehr zu Griechenland hingezogen, da ich seit meiner Geburt jedes Jahr dort Zeit verbringe. Das Land, die Kultur, alles ist in mir verwurzelt. Diese Gags kann ich als halber Grieche erzählen, würde das ein Deutscher machen, wäre es grenzwertig oder arrogant. Alles ist ja auch mit einem Augenzwinkern zu betrachten und nicht ernst gemeint. Manchmal ertappe ich mich selbst, dass ich in Griechenland den typisch Deutschen in mir spüre, vor allem, wenn wieder etwas zu langsam geht. Dann denke ich mir auch: „Mensch, mach doch schneller!“ Und hier ist es genau andersrum, da denke ich mir sofort: „Die Deutschen sind doch so ungeduldig und hupen sofort an der Ampel, wenn einer ein bisschen zu lange braucht, um loszufahren!“ Da kommt dann die griechische Gelassenheit raus. Ich erfahre das als Erleichterung, dass ich diese beiden Sichtweisen in mir trage und verbinde!

7. Haben Sie auch schon die Erfahrung machen müssen, dass manche griechische Zuschauer Ihnen und Ihren Witzen nicht gerade wohlgesonnen sind oder nehmen die Menschen derartige Scherze nicht krumm?

JK: Nein, im Gegenteil – die griechischen Zuschauer lachen darüber am meisten!

8. Ihr aktuelles Comedy Kabarett Programm „Kommt ein Grieche geflogen“  wurde von Kritikern diverser Zeitungen sehr gelobt. Wovon handelt Ihr Programm und integrieren Sie hierbei auch wieder Ihre Zauberkunst?

JK: Zu 70% ist dieses Programm Comedy Kabarett und 30% Zauberei.

Ich erzähle von meinem Onkel aus Sparta, über die Reisen, die ich wirklich erlebt habe als Zauberkünstler – Europa, China, USA…, stelle Ländervergleiche an,  baue dann die Tricks passend zu meinen Erzählungen ein.

9. Für Ihre Varieté-Nummer „Lupenreine Illusionen“ wurden Sie mehrfach, auch international, ausgezeichnet. Können Sie unseren Lesern erklären, was dieser Showact beinhaltet?

JK: Im Gegensatz zu meinem Kabarett Programm ist „Lupenreine Illusionen“ eine klassische internationale Variete Nummer, musikalisch untermalt, bei der ich auch nicht spreche. Damit war ich auch bereits 2002 im Friedrichsbau Varieté in der Show „Spaßvögel“ engagiert.

Das ist ein Showact, mit dem ich ebenso im Ausland auftreten kann, da es eben ohne Sprache ist und ich dennoch überall verstanden werde. Meist trete ich damit bei Zauberfestivals oder Magic-Conventions auf.

Bei diesen trifft man dann auch wieder auf Kollegen, mit denen man bereits zusammenarbeitete oder aktuell auftritt, wie eben auch Gaetan, mit dem ich schon in Belgien und Spanien auf der Bühne stand. So entstehen dann auch langjährige Freundschaften.

10. Mit Ihrem Talent wären Sie evtl. auch ein potentieller Kandidat für die TV Show „The next Uri Geller“ gewesen. Haben Sie diese Sendung mitverfolgt und falls ja, was halten Sie von derartigen Shows – sind diese ein Sprungbrett oder eher hinderlich?

JK: Ich wurde damals auch im Vorfeld der Show angefragt, ob ich nicht mitmachen wolle, allerdings sehe ich mich nicht als Mentalzauberer. Natürlich könnte ich mir irgendwas zusammenbasteln, um in das Showkonzept zu passen, doch das wäre nicht meine Art.

Alexander Hartmann beispielsweise hatte sowieso schon ein ausgereiftes Mentalprogramm und da bietet sich so ein Konzept auch als tolle Promotion an, ein Sprungbrett, das den Bekanntheitsgrad steigert.

Was man von Uri Geller selbst hält, ist wieder eine andere Sache. Viele sehen ihn sehr kritisch, da er lange Zeit behauptete, dass er echte Fähigkeiten hätte. Mittlerweile spricht er von Illusionen und Entertainment. „The next Uri Geller“ ist Uri Geller – diese Sendung gibt es in mehreren Ländern und sie baut auf ihn auf. Er ist einer der erfolgreichsten „Zauberkünstler“ der Welt und ein sehr guter Geschäftsmann.

11. Die Zauberkunst ist in der Medienwelt nur als gewisse Sparte vertreten – man denkt natürlich sofort an „Siegfried & Roy“ oder „Hans Klok“, „David Copperfield“ und Co. Was sollte man Ihrer Meinung nach tun, um die Magie noch populärer zu machen?

JK: Die bekanntesten Künstler auf diesem Gebiet sind in Deutschland nun mal Hans Klok, David Copperfield, David Blaine, Chris Angel – in jedem anderen europäischen Land gibt es einen Zauberstar, der im Fernsehen vertreten ist oder seine eigene Sendung hat. Nur in Deutschland haben wir das leider noch nicht, obwohl wir sehr gute Zauberkünstler haben. Ich kann gar nicht sagen, woran das liegt, eventuell an den Fernsehredakteuren…

„Magic de Luxe“, ist fast immer ausverkauft und die Menschen begeistern sich enorm für die Zauberkunst. Das Interesse ist da!

12. Magie, Zauberei und Illusionen werden oft mit Übersinnlichem verwechselt und von den Menschen belächelt. Glauben Sie selbst an übersinnliche Phänomene oder sind Sie ein klarer Wissenschaftler, der alle Illusionen, die er präsentiert, um die Menschen zu verblüffen, bis ins kleinste Detail durchdenkt?

JK: Ich glaube nicht an Übersinnliches, da bin ich ein absoluter Realist, der weiß, wie man Illusionen erzeugt. Leider gibt es auch viele Scharlatane, die damit ihr Geld machen und Menschen über den Tisch ziehen, indem sie Sachen behaupten, die gar nicht stimmen. Aber ich habe noch nie jemanden gesehen, der mir vor meinen Augen etwas Übersinnliches gezeigt hat.

13. Was würden Sie jungen Menschen raten, die sich für den Bereich der Zauberei und Magie interessieren? Gibt es gezielte Ausbildungen in diesem Genre?

JK: Es gibt keine bestimmte Zauberschule oder ähnliches, wie man es bei den Artisten beispielsweise findet. Aber es gibt einige Zauberclubs in Deutschland. Als ich anfing, mich für die Zauberei zu interessieren, habe ich viel aus Büchern gelernt. Mein Vater war Bibliothekar in Stuttgart und er brachte mit einige Bücher mit, die ich dann auch etwas länger ausleihen durfte. Ohne Ärger zu bekommen…Heutzutage bekommt man auch über das Internet sehr viele hilfreiche Informationen. Es gibt auch etliche Workshops in diesem Bereich, wo man als Laie mitmachen kann. Das Internet birgt eben die Gefahr, dass man etwas sieht, es kopiert und nichts Eigenes mehr lernt. Bei Büchern ist der Effekt anders, hiervon profitiert man wesentlich mehr. Meine Empfehlung ist eben, sich Fachliteratur zu besorgen oder gute DVD´s für Anfänger, die Tricks mit Anleitungen enthalten, dazu noch Termine von Workshops zu suchen. Mehr kann man nicht raten, das muss jeder selbst für sich herausfinden, wenn man sich dafür interessiert. Wenn man Zauberkünstler werden möchte, wäre es ratsam, wenn man sich gut bewegen kann. Eigentlich bräuchte man sogar noch einen Schauspielkurs, eine Tanzausbildung, einen Managementkurs, etwas Computerfachwissen, man sollte sich gut mit Finanzen auskennen und wenn man dann noch gut zaubern kann, hat man das Zeug dazu, ein guter Zauberkünstler zu werden.

14. Haben Sie von klein auf das Ziel gehabt, Magier und Unterhaltungskünstler zu werden oder haben Sie auch einen völlig „seriösen“ Beruf erlernt?

JK: Ich habe nie etwas anderes getan!

Das Zaubern war schon immer meine Leidenschaft und ist bis heute mein Leben!

15. Zurück zur Show „Magic de Luxe“ – hier treten die unterschiedlichsten Künstler auf, jeder verblüfft und fasziniert auf seine Art und Weise. Gibt es im Bereich der Magie und Zauberei gewisse Fachgebiete, auf die man sich spezialisieren kann oder hängt das vom jeweiligen Künstler ab, welche Art von Zauberei er präsentieren möchte?

JK: Es kommt immer darauf an, was einem besser gefällt. Es gibt Menschen, die von klein auf Talent für Humorvolles haben, die entscheiden sich dann auch für witzige Acts oder es gibt mathematisch Begabte, die sich mehr für den Mentalbereich interessieren.

Manche sind wieder stark in der Fingerfertigkeit und spielen auch noch Klavier, diese werden dann Manipulatoren und machen Tricks mit Spielkarten oder Münzen, wo es um die Fingerfertigkeit geht. Das entwickelt sich aber ganz von selbst, je nach Interesse.

Ich selbst komme auch von der Seite der Manipulation, damit habe ich auch angefangen. Man muss natürlich die Tricks gut üben, aber gerade bei den Jugendlichen würde ich dazu raten, damit zu starten!

In den letzten paar Jahren hat es sich bei mir etwas mehr in Richtung Sprache verlagert, in den Bereich der Moderation, Bilder in den Köpfen der Zuschauer entstehen lassen.  

16. Als Künstler steht man abends stets auf der Bühne und schläft morgens, wenn andere Menschen arbeiten gehen, lange – so das Klischee, das man beim Gedanken an Künstler hat. Doch wie verbringen Sie Ihre Freizeit oder wie sieht ein typischer Tag in Ihrem Leben aus?

JK: Bei „Magic de Luxe“ komme ich gegen 2 oder 3 Uhr ins Bett, schlafe bis 10 oder 11 Uhr – Montag und Dienstag haben wir frei, da stehe ich schon etwas früher auf und mache die ganze Büroarbeit. Der Alltag an sich läuft immer ähnlich – nach dem Aufstehen etwas essen, ausruhen, die Freizeit genießen, lesen, etwas kochen, fernsehen, mit den Kindern was unternehmen,… – um 17 Uhr muss ich dann losfahren in Richtung Stuttgart, bereite dort alle Requisiten vor und um 20 Uhr geht die Show los!

Franziska Maier

Franziska Maier

> Offizielles Mitglied der "bdfj" Bundesvereinigung der Fachjournalisten e.V. > Studium der Germanistik, Geschichte, Politikwissenschaft und ev. Theologie* Beruf der Realschullehrerin (inkl. des Amtes der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit) > Journalistische Tätigkeit bei diversen Magazinen (Veröffentlichung von Artikeln u.a. bei Da Capo, Thats Musical, Blickpunkt Musical, Esslinger Zeitung...)