Interview mit Kimberly Trees

Interview mit Kimberly Trees

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1. Kimberly, du bist seit vielen Jahren fester Bestandteil großer Musicalproduktionen und hast in so bekannten Stücken, wie „Tanz der Vampire“ oder „Die 3 Musketiere“ mitgewirkt. War es denn von klein auf bereits dein Wunsch, Sängerin und Tänzerin zu werden oder hattest du einmal völlig andere Berufswünsche?

K.T: Es war definitiv immer schon mein größter Traum auf der Bühne zu stehen, zu tanzen und zu singen. Als Kind sah ich Elvis und Anne Margret im Film „Viva Las Vegas“, das war für mich eine richtige Inspiration und schon damals dachte ich, dass ich auch einmal so etwas machen möchte wie die beide, einfach die Menschen zu unterhalten. Musik und Tanz wurden mir einfach in die Wiege gelegt!

2. Wurde dein Talent gezielt von deinen Eltern unterstützt?

K.T: Bis zu meinem 8. Lebensjahr hielt mich meine Mutter immer ein wenig zurück, was meinen musikalischen Werdegang angeht. Doch mit neun Jahren begann ich dann zu tanzen, nahm Ballettunterricht und lernte auch verschiedene andere Tanzarten kennen. Von da an gab es kein Zurück mehr und ich wurde auch von zu Hause aus unterstützt.

3. Du bist gebürtige Australierin und besuchtest in Sydney die Debbie O’Farrel school of dance“ sowie die Jonny Young Talent School – kannst du unseren Lesern genauer erklären, wie deine Ausbildung aussah und wie lange sie dauerte?

K.T: Meine Ausbildung war verhältnismäßig kurz. Als ich damals die Dynamite Dance Studios besuchte, wünschte ich mir schon immer, einmal eine Fulltime-Tänzerin zu sein, doch leider war das nicht mehr möglich und die Brent Street School of Performing Arts besuchte ich dann vier Jahre lang. Danach folgte direkt die Audition für das Musical „Grease“ und glücklicherweise bekam ich dann auch gleich eine Ensemble-Rolle darin, was mich sehr sehr freute!

4. In Australien wirktest du in zahlreichen Shows mit oder hattest Auftritte bei Conrad Co. und den Fox Studios. Natürlich stellt sich auch die Frage, wie und wann du nach Deutschland kamst – gab es einen bestimmten Auslöser?

K.T: Ich kam gerade von einer Schiffsreise und kehrte nun nach London zurück. Dort drehte ich einen Videoclip für die Sängerin Emma Bunton (ehemaliges Mitglied der „Spice Girls“ – Anmerkung der Redaktion) . In einer Zeitung las ich dann, dass das Musical „Tanz der Vampire“ in Deutschland eine Audition macht und Darsteller sucht. Eine Kollegin von mir konnte es kaum glauben, dass ich den Schritt wage und einfach so in Deutschland bei einer Audition mitmache, doch ich musste einfach dorthin! Es handelte sich um eine offene Audition, wo man zu jeder Zeit vortanzen und vorsingen konnte. So schlief ich an dem besagten Tag der Audition bis um 10 Uhr morgens und ging dann um 12 Uhr ins Theater, tanzte vor und hatte direkt auch das Gefühl, dass dieses Musical zu mir passt! So wurde ich auch zu den Callbacks eingeladen, das war ca. 2 Wochen nach der ersten Audition  und hatte auch hier schon immer das Gefühl, dass ich nach Deutschland gehen werde! Ende 2003 kam ich also dann nach Deutschland und spielte direkt bei einem der erfolgreichsten Musicals mit!

5. Dass die allgemeine Theatersprache hinter den Kulissen Englisch ist, dürfte den meisten mittlerweile bekannt sein – doch du musstest dich ja auch im Alltag zurechtfinden – wie hast du die deutsche Sprache erlernt? Hast du bestimmte Kurse besucht?

K.T: Seit sieben Jahren bin ich nun in Deutschland und vor allem die Anfangsphase war sehr schwer für mich. Als ich zum Beispiel „Tanz der Vampire“ sah, dachte ich direkt bei mir: Oh mein Gott, wie soll ich mir diese Texte und Tanztracks merken?! Ich war auch noch Swing (ein Swing muss in der Lage sein, in die verschiedensten Bühnenrollen eines Stückes zu schlüpfen und diese perfekt zu beherrschen – Anm.d.Red.) Man schafft es, aber es war eine harte Zeit! Als ich noch in England lebte, kaufte ich mir bereits ein kleines Büchlein, mit dessen Hilfe man Deutsch lernen sollte. Es gab auch eine CD dazu, damit man die Wörter auch hören konnte. Doch das nützte mir nicht viel. Es war eine Katastrophe und ich war auch ziemlich verzweifelt, da soviel auf mich einstürmte. So lernte ich viel durch das Zuhören. Wenn ich Zeit hätte, würde ich auch heute gerne noch einen Kurs besuchen und so richtig Deutsch lernen, vor allem die Grammatik verbessern. Ich muss mich eben Stück für Stück fortbilden. Jeder ist auf diesem Gebiet anders, der Eine lernt eine fremde Sprache in drei Monaten, der nächste in sieben Jahren. Doch ich gebe mir sehr viel Mühe, diese Sprache zu beherrschen.

6. Kommen wir nun zu deinem aktuellen Engagement: „Varieté Royal“ im Friedrichsbau Varieté Stuttgart. Wie würdest du diese Show jemandem beschreiben, der sie noch nicht gesehen hat?

K.T: „Varieté Royal“ ist ein Traumland, das verschiedene Arten von Träumen, Wünschen und Ängsten verkörpert. Alle Showacts repräsentieren verschiedene Bereiche des Lebens: Das Chaos, die Stärke, die Furcht, die Hoffnung und vieles mehr. Alles ist möglich in dieser Show und die Menschen sehnen sich auch nach einem Traumland, vor allem, da ihr Alltag oft sehr hart und anstrengend ist. Da ist es wichtig, eine Show voller Emotionen anzusehen, die einen in eine andere Welt entführt.  Auch für mich ist diese Show  ein wahrgewordener Traum. Noch nie zuvor bekam ich solch eine Freiheit auf der Bühne!

7. Du hast aktiv am musikalischen Konzept der Show, gemeinsam mit Regisseur Ralph Sun sowie dem Musikalischen Leiter des Royal Orchestras Thomas Rother, gearbeitet. War das eine völlig neue Erfahrung für dich oder hast du bereits derartige Showkonzepte entworfen?

K.T: Allerdings – in Australien bekommt man beispielsweise niemals die Chance, sich so kreativ zu betätigen. Nur wer sehr bekannt ist, bekommt so eine Möglichkeit. Ich bin sehr dankbar und glücklich, dass man in mich so viel Vertrauen setzte und ich aktiv an dem Konzept mitarbeiten durfte!

8. Wie lange dauerten die Planungen für die Show im Vorfeld bis das Grundkonzept fertiggestellt war und wie lange wurde geprobt?

K.T: Wir hatten genau eine Woche Zeit, um die Show zu proben! Das ist dann auch die härteste Phase überhaupt – es muss alles passen: Die Technik, das Bühnenbild, die Künstler proben ihre Acts und vieles mehr. Das musikalische Konzept wird aber schon Monate vorher erstellt. Das Gesamtwerk steht also schon lange Zeit zuvor fest, doch die eigentlichen Proben dauern nur eine Woche. Erst dann zeigt sich, ob auch alles stimmig ist. Ca. zwei Wochen nach der Premiere ist die Show eigentlich auf ihrem Höhepunkt angelangt – dann harmonieren die Darsteller miteinander und auch die Abläufe gehen reibungslos vonstatten.

9. Nach welchen Kriterien wurden die Songs der Show von euch ausgewählt?

K.T: Thomas Rother, Ralph Sun und ich äußerten unsere Ideen – Ralph entwickelte dann das musikalische Konzept der Show – also wie alles zusammenpasst.

10. Hast du einen bestimmten Lieblingssong oder eine Lieblingsszene in der Show?

K.T: Oh, das ist wirklich sehr, sehr schwer zu sagen! Ich liebe das Lied „In my dreams“ oder auch „Chim Chim Cheree“ aus Mary Poppins und natürlich “EFX”… I love all of them!

11. Wie würdest du die Zusammenarbeit mit den Artisten beschreiben?

K.T: Ich profitiere ungemein von diesen verschiedenen Charakteren. Jeder ist ein Individuum für sich und ich kann auch wirklich viel von ihnen lernen. Wer mich kennt weiß, dass ich ein eher impulsiver und auch chaotischer Typ bin – wenn ich jedoch sehe, wie zum Beispiel Ivan sich auf die Show einstimmt, wie er ruhig dasitzt und beinahe meditiert, dann versuche ich, es ihm ein wenig abzuschauen. So etwas tut mir auch gut und ich bin stolz, wenn ich neue Dinge lernen kann. Ich bin selbst Sängerin und keine Artistin und genieße es deswegen, mit so tollen Menschen zusammenzuarbeiten!

12. Was ist für dich persönlich schwieriger oder eine größere Herausforderung: Teil einer großen Musicalproduktion zu sein oder eine Show wie „Varieté Royal“ zu machen?

K.T: Ich liebe beides – jedes auf seine Art! „Varieté Royal“ ist für mich etwas ganz Besonderes, neue Wege und Möglichkeiten wurden mir dadurch eröffnet. Zum Beispiel sehr kreativ und offen zu arbeiten. In Musical-Großproduktionen herrscht eine ganz andere Atmosphäre, da steht von vorne herein fest, was man macht.

13. Dass du nicht nur auf der Bühne stehst, sondern auch Vocalcoaching, Tanz und Performancetraining unterrichtest, ist auch bekannt. Kannst du uns mehr über diese Tätigkeit erzählen?

K.T: Mir ist es sehr wichtig, dass die Menschen, die ich unterrichte, Spaß daran haben. Ich gebe zum Beispiel Steppunterricht und ich beobachte stets, wie viel Freude alle daran haben. Mein Ziel ist es, meine Schüler zu inspirieren sowie eine gute Atmosphäre zu schaffen . So habe ich mit meinen Steppschülern aktuell das Stück „Cabaret“ einstudiert und eine Choreographie zu meinem eigenen Song entwickelt. Es macht mich stolz zu sehen, wie diese Menschen Fortschritte machen. Rein altersmäßig unterrichte ich Schüler ab dem Teenageralter, bis hin zu älteren Leuten. Gerne würde ich aber auch einmal die ganz Kleinen unterrichten – wer weiß, das kommt vielleicht in Zukunft auch noch. Der Enthusiasmus, mit dem meine Schüler tanzen gibt mir unglaublich viel und es macht mir sehr viel Spaß, diesen Unterricht zu erteilen!

Kimberly unterrichtet an folgenden Schulen:

Tanzschule Burger Schäfer, Stuttgart, Steppunterricht

Musikschule Seitz, Bretten, Gesang

Ballettschule Nagy, Vaihingen Enz

14. Nun bist du schon einige Zeit in Stuttgart – was gefällt dir persönlich an dieser Stadt?

K.T: Stuttgart hat einfach alles – so gibt es viele kulturelle Angebote, auch viele Theater. Wenn man eher die Ruhe bevorzugt, dann kann man außerhalb der Stadt Spazierengehen, wenn man Action möchte, dann gibt es auch genügend Angebote. Natürlich liebe ich auch Berlin, doch diese Stadt ist so weitläufig und groß. Man verliert schnell den Überblick und das ist bei Stuttgart anders! Als ich zum ersten Mal nach Stuttgart kam, dachte ich tief in mir drin, dass ich gerne hier wohnen bleiben möchte und seither bin ich auch nicht mehr weggezogen!

15. Wie verbringst du deine Freizeit?

K.T: Oh, da gibt es eine Menge Dinge, die ich gerne mache! Ich gehe gern ins Kino, lese Bücher, besuche Clubs oder auch gute Freunde. Ich koche auch gerne, doch nicht allzu gut. Am liebsten würde ich einen Kochkurs besuchen und einen Nähkurs, damit ich dies richtig beherrsche! Ich designe übrigens auch Kleider und schreibe eigene Songs! Es gibt also vieles, das ich in meiner Freizeit noch mache – der Tag sollte oftmals mehr als 24 Stunden haben!

16. Welche Zukunftspläne hast du?

K.T: Nach „Varieté Royal“ werde ich erstmal Urlaub machen und nach Australien fliegen. Ich möchte dort auch gern meine Familie besuchen! Dann arbeite ich noch an meiner Website, die auch in Kürze fertig ist. Es fehlen jedoch noch wenige Inhalte, diese werde ich dann, wenn ich wieder mehr Zeit habe, online stellen. Ich würde auch gerne eine CD aufnehmen und zukünftig auch Galas machen. Doch allzu viel verrate ich an dieser Stelle noch nicht! Auf jeden Fall ist sicher, dass ich noch weiterhin gerne hier in Stuttgart bleiben werde und auch wieder hierher zurückkehre, sollte ich ein Engagement in einer anderen Stadt haben! Ansonsten lasse ich alles auf mich zukommen und werde sehen, was die Zukunft für mich bereithält!

Text: Franziska Maier

Franziska Maier

Franziska Maier

> Offizielles Mitglied der "bdfj" Bundesvereinigung der Fachjournalisten e.V. > Studium der Germanistik, Geschichte, Politikwissenschaft und ev. Theologie* Beruf der Realschullehrerin (inkl. des Amtes der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit) > Journalistische Tätigkeit bei diversen Magazinen (Veröffentlichung von Artikeln u.a. bei Da Capo, Thats Musical, Blickpunkt Musical, Esslinger Zeitung...)