Interview mit Magier Ully Loup

Interview mit dem Mentalisten und Zauberkünstler Ully Loup

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MuT: Herr Loup, Sie sind dem Fernsehpublikum vor allem durch die Pro 7 Show „The next Uri Geller“ bekannt – dort verkörpterten Sie einen sehr mysteriösen Charakter, vor dem man auch eher Angst bekam. War dies eine erfundene Rolle oder entspricht diese Darstellung Ihrem wahren Charakter?

U.L.: Die Rolle hat sich im Laufe der Zeit entwickelt. Es war ein richtiger Prozess – anfangs ging ich völlig offen an die Show heran. Ich dachte auch, dass ich spätestens nach der 2. Sendung heraus gewählt werde. Ursprünglich wollte ich auch gar nicht mitmachen, da ich aus der Comedy-Branche komme. Es kostete auch sehr viel Überzeugungsarbeit, ehe ich zustimmte, dass ich dort mitmache. Als es jedoch Fakt war, entwickelte ich, gemeinsam mit der Redaktion, den Bühnencharakter Ully Loup. Und der Erfolg gab uns recht – bereits nach der ersten Sendung zeigte sich, dass diese Rolle sogar bis ins Finale durchhalten könnte! Und dies bestätigte sich ja dann auch, da ich eben wirklich unter den letzten drei Finalisten von „The next Uri Geller“ dabei war!

 

MuT: Dennoch polarisierten Sie durch Ihre Performances beim Publikum – manche warfen Ihnen vor, ein Satanist zu sein. Wie gingen Sie mit diesen Reaktionen um?

 

U.L.: Ich hatte zum Glück nur positive Reaktionen erlebt. Allerdings war es schon klar, dass ich polarisieren werde – das war auch den Machern der Sendung bewusst. Wie man jedoch selbst mit so einer Situation umgeht, ist eine andere Frage. Der Ully Loup der Sendung ist nicht massenkompatibel – doch ich habe die Menschen auf eine Art berührt. Alleine bei google habe ich über 20 000 Einträge – ich habe also verschiedenste Reaktionen bei den Menschen hervorgerufen – und das ist doch ein großer Erfolg.

Was die Vorwürfe angeht, ein Satanist zu sein, da kann ich nur sagen, dass ich selbst anfangs skeptisch war bei dieser dargebotenen Nummer damals. Man hatte ja immer sehr wenig Zeit, um die neuen Acts zu schreiben. Nach der Sendung flog ich nach Berlin zurück – schlief dann erstmal lange und setzte mich direkt an das Skript für meine Performance der nächsten Woche. Sobald dann die Grundstruktur feststand, wurde diese an die Redaktion der Sendung geschickt. Dann folgten lange Telefonate, Mailkontakte etc., vieles wurde geändert, verworfen und neu geschrieben. Dies hing auch ein wenig von der Zielgruppe der Sendung ab – man konnte nicht so schreiben, als hätte man ein Theaterpublikum vor sich. Das Niveau musste ebenfalls passend sein. Es war oft sehr schwierig, alles richtig zu formulieren.

 

Meistens setzte ich mich an den PC und entwickelte meine Grundidee in einer guten Stunde weiter, danach sendete ich es an die Redaktion. Und genau bei der „Satan“-Nummer rechnete ich fest damit, dass sofort eine Reaktion erfolgen würde – doch nichts geschah.

Als ich dann bei der Probe das erste Mal damit auftrat, merkten alle erst, was ich da eigentlich sage und mache. Doch es gab von Seiten des Senders keine Bedenken! Ich habe das Gefühl, dass sie gesagt haben, dass so etwas mit Absicht in die Show genommen wird. Auch nach der Sendung wurde ich nicht traktiert. Seitens der Kirche würde man mir evtl. mehr vorwerfen, aber nicht einmal hier erfolgte Kritik. Für mich war diese Polarisierung die beste Werbung, die mir passieren konnte!

 

Dadurch, dass Pro 7 die Sendung auch vormittags wiederholt hat, prüfte der Jugendschutzbeauftragte, ob meine Performance in gewisser Weise schädlich für die Jugendlichen sei und er meinte, dass ich, im Gegensatz zu Harry Potter, ein Waisenknabe wäre. Wäre ich jedoch angegriffen worden, dann wäre mein Argument stets gewesen, dass man dann weder Nietzsche, noch Kant oder Schopenhauer veröffentlichen dürfte! Allgemein waren alle Philosophen der deutschen Geschichte Freidenker und griffen auch vieles an. Doch ich möchte nicht ins Detail gehen, der Vergleich an sich zeigt, dass ich mit meiner Arbeit nichts und niemanden angreifen wollte oder je angegriffen habe. Die letzten Monate zeigten auch sehr deutlich, dass mein Auftritt in der Show absolut positiv für mich als Künstler war!

 

Ich muss an dieser Stelle auch klarstellen: Ich bin keiner, der nachts auf Friedhöfen herumgeistert oder irgendwelche Drogen nimmt! Ich bin Schauspieler und zeige meine Arbeit öffentlich! Das ist ein ganz wichtiger Aspekt, den man auch strikt trennen muss! Der Mensch oder der Schauspieler! Und das möchte ich auch Jugendlichen weitergeben – man soll nicht gleich denken, dass jeder, der im Fernsehen auftritt, so ist, wie er sich dort präsentiert! Die berühmte Boulevard-Presse greift auch gerne extreme Themen auf und baut sie maßlos aus! Hier distanziere ich mich von allen Gerüchten, ich sei ein Satanist etc.!

Ein Beispiel sei noch zu erwähnen: Ein Magazin veröffentlichte groß, dass ich ein Teufelsanbeter sei, der gerne einmal Osama Bin Laden kennenlernen möchte! Sie beriefen sich auf einem alten Interview von mir, in dem ich aber in einem völlig anderen Kontext auf die Frage, wen ich gerne einmal kennen lernen wollte, sagte: Saddam Hussein und Osama Bin Laden – ich meinte es damals jedoch ironisch und antwortete als Comedian. Und dieser besagte Redakteur nahm eben diese Aussage und gab sie in einem anderen Kontext wieder! Ich setzte mich dann mit dem Redakteur in Verbindung und erklärte alles. Eigentlich müsste jeder, der mich privat kennenlernt, offiziell schreiben, was ich für ein lieber Kerl bin.

Was wir in der Show „The next Uri Geller“ gemacht haben, ist eine entwickelte Sache. Auf der einen Seite ist es eine schauspielerische Leistung, auf der anderen kann man folgendes sagen: Um der Figur Authentizität zu verleihen, habe ich tatsächlich autobiographisch gearbeitet. Man könnte es als psychodramatische Bewältigungstherapie bezeichnen – dadurch eben, dass ich die Elemente aus meinem Leben herauspickte, die passend waren für die Rolle. Ich gehe therapeutisch mit mir um und verarbeite somit auch alles anders. Es hat mir wirklich Spaß gemacht!

Auch die Zusammenarbeit mit dem gesamten Team und den Kollegen, hat mir sehr viel Spaß gebracht. Es gab auch mal einen Tag, an dem ich dachte, ich mache nicht mehr mit, da ich nach meiner Performance sehr starke Kopfschmerzen hatte, es war alles sehr anstrengend. Fernsehen ist schon eine einmalige Geschichte – man geht auf die Bühne und muss alles in kürzester Zeit bringen. Im Theater ist es eine völlig andere Interaktion mit dem Publikum. Dennoch bereue ich meine Zeit während der Show überhaupt nicht!

MuT: Sie erwähnten, dass Sie eigentlich gar nicht bei der Show mitmachen wollten. Doch welche wahren Beweggründe führten dann dazu, dass Sie es dennoch taten?

U.L.: Das TV Team sah mich einmal bei einer völlig anderen Show und fragte mich an, ob ich nicht mitmachen wollte. Leider hörte ich im Vorfeld von Kollegen der 1. Staffel nicht viel Positives und war somit skeptisch, was das Angebot anging. Es war von Verschwörungstheorien die Rede und vielem mehr. Ich ging sachlich an alles heran und ließ mich überzeugen. Und nochmals sage ich: Ich bereue nichts!

MuT: Es wurde bekannt, dass die Show nicht die besten Einschaltquoten hatte…

 

U.L.: Auch bei der ersten Staffel gab es teilweise Höhen und Tiefen. Meist sind es auch wirtschaftliche Probleme oder Konkurrenzsendungen, die um die gleiche Zeit laufen – mehr möchte ich dazu aber nicht sagen. Evtl. war auch die Länge der Sendung ein Problem – es so zu ziehen, so viele Kandidaten usw. das sind alles Faktoren, die man überdenken müsste! Allerdings glaube ich nicht, dass die Quoten so schlecht waren, da ich immer in Relation setze, wie viele Menschen mich seither einfach so auf der Straße erkennen!

MuT: Wie war das Verhältnis zu Ihre anderen Mitstreitern der Sendung?

 

U.L.: Es war ein sehr kollegiales Verhältnis. Wir hatten viel Spaß und gaben uns gegenseitig Tipps. Ein richtiges Konkurrenzverhalten war nicht zu spüren.

 

MuT: Vor allem bei Ihrer Performance mit Lorielle wurden Sie sehr emotional. Wurden Sie denn als Kind wirklich so missverstanden, wie Sie es hier darstellten und präsentierten?

 

U.L.: Ich habe tatsächliche Erfahrungen der Kindheit verarbeitet. Mit Lorielle war es eine spezielle Geschichte. Es ist etwas kompliziert zu erklären – im Vorfeld wussten wir nicht, wer als Gaststar in der Show sein wird. Ich lernte Lorielle also auch nicht lange zuvor kennen und wusste definitiv keine Hintergründe, da ich auch nichts aus den Medien über sie kannte. Kurz vor der Show wurde mir dann ein wenig über sie erzählt. Während der Performance gab es dann einen Moment, in den ich dachte, alles kippt. Lorielle ist ein liebenswerter Mensch – meine Hauptintention war, dass sie sich als kleiner Junge sieht und wahrnimmt. Also die Frage: Was war in meiner Kindheit, was war in deiner Kindheit?! Es war eine sehr interessante Erfahrung und es funktionierte dann auch. Wenn ich in einer Rolle bin, dann gehe ich auch voll darin auf und bin authentisch.

 

MuT: Durfte man sich dann sozusagen den jeweiligen prominenten Partner aussuchen oder war dies Zufall?

U.L.: Das wurde im Vorfeld besprochen, doch was nicht gemacht wurde ist, dass diese Prominenten schon bei den Proben dabei waren. Hier ersetzen Statisten ihre Position. So konnte der Act geübt werden, die Kameras wussten die Stellungen, doch die Gäste waren am Abend ohne jegliches Vorwissen.

 

MuT: Ursprünglich kommen Sie aus dem Rheinland – wie, wann und weshalb hat es Sie nach Berlin verschlagen?

 

 

U.L.: Anfang der 80er Jahre war ich in einer Theatergruppe, wir traten auch auf und unser damaliger Pfarrer, es war kein geringerer als Jürgen Fliege, unterstützte uns auch. Nach dem Abitur zerbrach sozusagen dieses soziale Umfeld, da alle in verschiedene Richtungen gingen, um zu studieren. Und so ging ich als selbstständiger freischaffender Künstler nach Berlin. Das wäre in der Provinz, wo ich herkomme, undenkbar gewesen!

 

 

MuT: Sie gehören zu dem Mitgliedern des elitären Magic Castel in Los Angeles, wo auch u.a. David Copperfield dabei ist – wie kam es dazu?

 

 

U.L.: Ich arbeitete lange Zeit im Berliner Wintergarten Varieté und dort lernte ich Ad Alonzo kennen, er ist u.a. mit Britney Spears auf Tour. Er lebt in Los Angeles, spielte dort in Serien mit und er hat mich quasi unbürokratisch mitgenommen und dort eingeführt. So gab ich auch Shows dort und es ist eine große Ehre für mich, Mitglied zu sein. 1998/99 wurde ich aufgenommen. Meinen ersten Auftritt hatte ich dort im Jahr 2001. Eigentlich muss man erstmal normales Mitglied dort werden, dann kann man aufsteigen durch das Belegen von Workshops etc. oder man kommt durch Sponsoring rein, so wie ich dann!

MuT: Sie treten unter anderem auch mit dem Showact „Die magische Bar“ auf, in der Sie z.B. Wasser in Milch, Bier oder Cola verwandeln. Also ähnlich, wie Jesus…können Sie uns diesbezüglich mehr erklären?

 

U.L.: Das ist meine Form von Kabarett. Es ist eine Stand-up Comedy-Nummer, bei der ich in Interaktion mit dem Publikum stehe und vor deren Augen diese Zauberei präsentiere. Diese Nummer habe ich auch im TV schon gezeigt.

MuT: Planen Sie auch eine eigene abendfüllende Show?

 

U.L.: Ich habe bereits ein abendfüllendes Salonprogramm, das aber nur auf Anfrage gespielt wird für Firmen etc. – es geht ca. eine Stunde. Doch ich werde regelrecht gezwungen, ein eigenes Showprogramm zu haben, da die Leute mich gerne live sehen und erleben wollen! Es kamen hier auch Anfragen…ab September bin ich dann in Stuttgart im Varieté und erst danach werde ich Zeit genug haben, mich darum zu kümmern.

 

Wir dürfen also gespannt sein, was wir von Ully Loup noch alles hören und sehen werden!

Vielen Dank für das Interview!

Text: Franziska Maier

Foto: Pro 7

Franziska Maier

Franziska Maier

> Offizielles Mitglied der “bdfj” Bundesvereinigung der Fachjournalisten e.V.

> Studium der Germanistik, Geschichte, Politikwissenschaft und ev. Theologie* Beruf der Realschullehrerin (inkl. des Amtes der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit)

> Journalistische Tätigkeit bei diversen Magazinen (Veröffentlichung von Artikeln u.a. bei Da Capo, Thats Musical, Blickpunkt Musical, Esslinger Zeitung…)