Interview mit Marshall & Alexander

Interview mit Marshall &  Alexander

mars

Das neue Album „Götterfunken“ beinhaltet Lieder aus über 4 Jahrhunderten – welche Beweggründe führten dazu, diese Klassiker der Musikgeschichte neu zu vertonen?

A: In erster Linie handelt es sich um Musik, die uns bereits während unserer Studienzeit in Karlsruhe begegnet ist und begleitet hat. Wir sangen die „Ave Marias“ bei Beerdigungen, Hochzeiten und sonstigen Veranstaltungen in Kirchen und Konzertsälen – damals noch während des Studiums. Bei unserem Plattenfirmen-Meeting in Hamburg, eröffnete Marc uns seine Idee, dass man doch ein explizit ein Album mit Kirchemusik aufnehmen könnte, anstelle eines Weihnachtsalbums. Und so entstand „Götterfunken“, mit allen Liedern, die in uns etwas Besonderes auslösen und die es unserer Ansicht nach wert sind, nochmals vertont zu werden. Die meisten Stücke sind ursprünglich Solos, die jedoch speziell für uns als Duette umgeschrieben wurden und das ist auch die Besonderheit des Albums, die Einzigartigkeit, mit der wir es schafften, für Monate in den Klassik-Charts zu bleiben.

Sicherlich gab es anfangs viele Skeptiker, die sich kritisch über Ihr neues Projekt äußerten. Wie reagierte Ihr Publikum auf die neue CD?

 

A: Ich war durchaus einer dieser Skeptiker und konnte mir dies anfangs nicht vorstellen, da ich doch unser Publikum kenne oder meinte, zu kennen. Gott sei Dank wurde ich eines Besseren belehrt!

 

M: Man muss vor allem in der heutigen Zeit jedem zugestehen, eine gewisse Skepsis zu zeigen. Solch ein verstaubtes Repertoire zwei Sänger aufnehmen zu lassen, die jetzt zwar nicht für progressive Popmusik stehen, doch für moderne Klänge. Sicherlich war es schwierig den Menschen zu erklären, dass in diesen Titeln noch eine Chance steckt, ein Potential uns künstlerisch weiterzubringen und kommerziell weiterzukommen. Diese Komponente darf man natürlich nicht außer Acht lassen, da es ein wichtiger Faktor ist, wenn eine neue CD produziert wird.

 

Was unsere Fans angeht, so gab es ein entscheidendes Erlebnis bei einem Konzert, bei dem viele unserer „Hardcore“ Fans dabei waren, die also alles von uns mögen. Diese sagten: „Wir finden das wirklich schön, doch da können wir nur ein einziges Mal hineingehen, das schaffen wir nicht öfter, das belastet uns, es ist so emotional!“ Und genau diejenigen Fans waren mindestens 15 bis 20 mal in den Konzerten. Das freut uns sehr und zeigt uns, dass diese Menschen in der Lage sind, sich auf etwas Neues einzulassen, was heutzutage eher selten zu finden ist. Interessant ist auch, dass unser Projekt in einer Zeit veröffentlicht wurde, in der die Menschen wieder mehr zum Glauben zurückkamen. Es war auch auf einem Titelblatt des Spiegels eine Schlagzeile, wo es um den Glauben an Gott ging, der Focus ebenso. Wir haben somit den Nerv der Zeit getroffen!

 

 

Wenn Sie nun selbst einmal die CD in Ihren Worten beschreiben würden, welche Attribute fallen Ihnen spontan dazu ein, um vor allem auch den Menschen, die Ihr Werk noch nicht kennen, zu überzeugen?

 

 

A: Marc hat es ja eben erwähnt: Wir befinden uns in einer Zeit des wirtschaftlichen Umbruchs, einer Gelähmtheit und Ungewissheit. Die Menschen trifft unser Werk ins Herz, in die Seele und wir machen Musik für unsere Herzen. An uns wurde stets herangetragen, dass wir E-Pop machen, also emotional Pop, vielleicht kann man über das Album sagen, wir machen emotionale Kirchenmusik. Von Haus aus ist diese Musikrichtung emotional, aber dadurch, dass wir beide von Haus aus für diesen Stil stehen, kann man wirklich sagen, dass eine Magie von der CD ausgeht. Der Zusammenklang unserer Stimmen gibt einen Gänsehautfaktor.

 

 

M: Für mich ist die Musik bis heute ein großer Kraftspender, das hätte ich nie zuvor gedacht. Es gibt in unserem Job sehr viele Floskeln, wie „Wenn ich musiziere, dann bin ich bei mir!“. Es wird viel erzählt, doch hier hat es uns schon bei der Produktion im Juli 2007 erwischt und das trägt sich bis heute fort. Bei jedem Konzert – ich habe kein Gefühl der Abgenutztheit. Ein großer Energieaustausch findet statt, im tiefsten Sinne. Dies ist nicht selbstverständlich, doch es wird uns von den Menschen, die beim Autogrammstand zu uns kommen, auch immer bestätigt, dass es auch ihnen so ergeht und das ist ein schönes Gefühl!

 

„Musik ist unsere Religion“ – ein Zitat, das auf Ihrer Homepage zu finden ist. Ein großes Statement, das einer Erklärung bedarf.

A: Da mussten wir in der Tat einige Hiebe einstecken von Seiten der Kirche. Wie könnten wir es wagen zu behaupten, Musik sei eine Religion?! So, wie es geschrieben wurde, dachten wir es auch nicht. Musik kann auch eine Religion sein, man kann viel Kraft daraus schöpfen, wie bei einem Gottesdienst auch. Man findet Kraft für den Alltag durch die Begleitung von Gott. Wir tanken auch unendlich viel Kraft aus unserer Musik und sehen es nicht als Routine, diese Lieder zu singen. Allabendlich entdecken wir neue Facetten und saugen viel neue Energie. Das ist auch der Hintergedanke einer Religion: Halt geben, Kraft spenden! Somit ist unser Ausspruch nicht abwegig, es ist eben eine Frage des Betrachtens!

 

 

M: Das Stichwort Freiheit finde ich in diesem Zusammenhang wichtig. Es geht vielen Fachleuten verloren, eine gewisse Freiheit entgegenzubringen, vor allem im künstlerischen Bereich. Die Musik gibt uns Halt und Orientierung – uns hat die Musik von der Straße gebracht – uns hat die Musik einen Weg gezeigt, Disziplin gegeben, uns zu anständigen Menschen werden lassen. Das ist für mich eine Religion, die von innen kommt und nicht dogmatisch ist!

 

Unsere Musik ist ein Entwicklungsprozess, der von innen kommt, den wir leben und das völlig authentisch! Man hat uns nichts aufgezwungen und das ist das Wichtige und somit unsere Religion, die von Herzen kommt! Beim Glauben geht es um Schöpfung und wir schöpfen aus unserer Musik Kraft, jeden Abend auf´s Neue. Wir sind ein Teil der Schöpfung – es gibt wohl kaum ein Mittel, das die Menschen mehr verbindet als die Musik. Auf diesem Gebiet sind die Menschen vereint, egal, welchem Glauben und welcher Kultur sie angehören! Alle Hautfarben, alle Glaubensrichtungen findet man in einem Orchester. Wenn man emotional mit Dingen umgeht, findet man leicht Kritikpunkte. Und dass unser Statement gewagt ist, sehen wir klar. Doch es ist gut, wenn erkannt wird, dass es gewagt ist, so kann man darüber reden und es erklären!

 

 

Welche Lieder der CD berühren Sie am meisten und weshalb?

 

 

A: Das „Ave Maria“ berührt mich am meisten. Zwar war das schon so während der CD Aufnahme, doch wenn man es rund 150 mal singt, dann bekommt es nochmals eine andere Bedeutung. Die ganze CD löst unheimlich viele Bilder in mir aus, es sind stets andere Bilder. Zu jedem Lied gibt es immer wieder eine Geschichte. Manchmal mussten wir spontan bei den Liedern lachen, während des Singens und der Konzerte. Anfangs war uns das peinlich, doch wir merkten, dass auch da ein Knoten beim Publikum platzte.

 

 

M: Ich genieße, dass das ganze Programm sich trägt. Man kreiert vor einer Tournee erst alles auf dem Papier und wenn es dann umgesetzt wird und die Menschen direkt so erreicht, wie man es plante, dann ist das das Schönste, was passieren kann. Abend für Abend ist es ein Phänomen für mich. Es ist auch nicht selbstverständlich, dass die Menschen nach dem Konzert aufstehen und die größte Ehrerbietung einem geben, die Standing Ovations. Das macht mich glücklich bei dem gesamten „Götterfunken“. Ich kann gar nicht nur ein Lied herausgreifen!

 

 

A: Es ist nicht Gemachtes, es ist eine Verzahnung, viele Räder, die ineinander laufen. Bei diesem Programm mussten wir so wenig umbauen oder umstellen – es war so, als wäre es eine göttliche Fügung! Es ist eine schützende Hand über diesem Projekt!

 

 

Das Südwestdeutsche Kammerorchester Pforzheim begleitet Sie – sind Sie bereits in der Vergangenheit mit diesen Musikerinnen und Musikern aufgetreten oder weshalb fiel die Wahl auf dieses Orchester?

 

 

A: Das ist unsere erste Tournee mit diesem Orchester. Wobei dieses zu den besten Orchestern der Welt gehört – es ist die Nr. 3 der weltbesten Kammerorchester. Wir suchten im Vorfeld lange, wen wir für die CD Aufnahme und die Tournee auswählen, man möchte sich ja auch immer steigern und keinen Rückschritt machen.

 

 

M: Ein entscheidender Punkt ist auch, dass sie aus Jays Heimatstadt Pforzheim stammen, das darf man nicht unterschätzen. So fiel uns die Entscheidung noch leichter.

 

 

Viele Jugendliche haben den Traum, berühmt zu werden und auf der Bühne zu stehen. Wie kann man sich Ihre Ausbildung vorstellen und welche Tipps würden Sie den Jugendlichen auf den Weg geben, die ebenfalls die Musik zum Beruf wählen möchten?

 

 

A: Meine Musiklehrerin erkannte mein Gesangstalent überhaupt nicht. Mit ungefähr 16 Jahren kam ich zum Singen, damals gab es noch keine Castingshows, aber dafür Gesangswettbewerbe, aber ohne Kamera. Man stellte sich einer Jury, seiner Konkurrenz – für mich war dies eine wichtige Erfahrung. Es war auch anfangs unklar, ob ich dies als Beruf ausüben würde. Dennoch hatte ich das Glück, dass ich ohne Abitur ein Studium absolvieren durfte, dafür bin ich sehr dankbar. Aber ich musste viel tun und bis heute denke ich, dass ich noch viel mehr hätte tun sollen. Es ist ein harter Weg, den man klar strukturieren muss. Nicht viele haben das Glück, von Anfang an einen guten Gönner oder Lehrer zu haben, der zu einem passt und gut für einen ist, von der psychologischen und pädagogischen Seite her.

 

Ich wechselte oft meine Lehrer – es sind viele Punkte, die bei solch einem Werdegang wichtig sind. Man sollte auf sein Bauchgefühl hören und sich nicht beirren lassen!

 

 

M: Die Frage der Zielsetzung ist ganz entscheidend. Man darf nicht zu früh denken, dass Ruhm und Geld eine Rolle spielen. In der heutigen Zeit wird den jüngeren Zuschauern im TV oft vieles vorgegaukelt. Doch die Leute, die man dann dort sieht und die große Karrieren machen, die arbeiten verdammt hart dafür. Auch wenn einem vieles nicht gefällt, aber sie arbeiten sehr hart. Disziplin ist das A und O dabei. Man darf auch dies nicht übertreiben. Die Freude muss dabei bleiben. Auch sollte man sich früh den Niederlagen stellen und diese nicht falsch deuten. Zu jeder großen Karriere gehören die Niederschläge. Man sollte sich auch nie auf die Rahmenbedingungen alleine verlassen, sondern auf sich selbst. Wenn jemand beispielsweise hervorragend Klavier spielt, dann kann durchaus ein kleiner Klavierabend für die Eltern arrangiert werden – wichtig ist, es selbst zu organisieren, so erhält man die notwendigen Einblicke, die als Background wichtig sind.

 

 

Als ich begonnen habe, professionell Musik zu machen, galt ich für viele schon als alter Mann, dabei war ich gerade einmal 35 Jahre. Doch die Konkurrenz ist manchmal nicht einmal 20 Jahre alt! Doch ich habe mich mit den Hintergründen auseinandergesetzt , wie es z.B. zu einem Konzert kommt, wie man es schafft, dass da Menschen in einen Saal kommen, die Karten kaufen, woher wissen diese Leute, dass ich da spiele, wer macht die Plakate…? Das hat alles mit der Persönlichkeitsbildung eines Künstlers zu tun. Und genau da sehe ich heutzutage die Gefahr bei jungen Talenten, die nur kurzfristig aufgebaut werden und die Basis nicht verstehen. Sie verlieren ihren Kern, sind irritiert, verstehen nicht, was um sie herum geschieht. Man braucht Vertraute, die einen unterstützen. Dass wir beide hier sitzen, hat mit vielen einzelnen Faktoren zu tun. Ob Familie, Freunde, Lebenspartner, Geschäftsleute, Leute, die einen betreuen. Es ist ein sehr schwieriger Weg, der funktionieren kann, wenn man es wirklich möchte. Und diese Frage muss man sich täglich stellen: Will ich täglich im Auto sitzen und von zu Hause fort sein? Will ich verplant sein und jeden Abend auftreten? Will ich auf meine Kinder verzichten?

 

Wenn die Natur stark genug ist, dann geht es, sonst nicht!

 

 

Dass es heutzutage auch nicht so leicht ist, bekannt zu werden, zeigt die Tatsache, dass man nur noch bei diversen Casting Shows sein Können unter Beweis stellen kann. Eine riskante Sache. Wie stehen Sie zu dieser Entwicklung der Talentsuche?

 

 

M: Es darf nicht nur das Ziel sein, berühmt zu werden. Mein Leitbild war nie, der Beste der Welt zu werden, aber wenn es darum geht, das Beste aus mir zu machen, dann ist es gut zu wissen, dass ich noch über Reserven verfüge, die ich aktivieren kann. Berühmtheit ist ein zweifelhaftes Ziel.

 

 

A: Grundsätzlich ist es wichtig, sich einer Konkurrenz zu stellen und sich zu beweisen. Doch wie ich sagte, wurde sich früher nicht auf Kosten der jungen Künstler lustig gemacht. Ich finde es ganz gut, dass es ein Podium gibt, seine Begabung einer Jury zu zeigen. Doch wie es abläuft und durchgeführt wird – damit bin ich nicht einverstanden. Es gibt auch nicht einen Künstler, der konstant über einen Zeitraum von 2-3 Jahren seine Karriere aufbauen und einen Beruf daraus machen konnte. Das beantwortet eigentlich alles. Man kann viel Schaden anrichten, wenn man diesen jungen Talenten Sprüche an den Kopf wirft, mit denen sie nicht umgehen können. Allerdings gibt es auch die Chance, dass man von einem Produzenten dadurch entdeckt wird, selbst wenn man nicht als Sieger hervorgeht. Doch ehrlich gesagt, kenne ich keinen, dem dies widerfahren ist. Vielleicht ist es auch ein Wunschgedanke von mir, dass dieses „Vorführen“ der Menschen auch positiv enden kann. Den Sendern geht es um die Quoten und wenn diese stimmen, sind sie zufrieden. Die Menschen bleiben dabei auf der Strecke!

 

 

M: Betrachtet man Künstler, die in deutschland bekannt sind, z.B. Xavier Naidoo, Anett Lousian, Silbermond etc., dann stellt man fest, dass diese alle nicht durch Casting Shows berühmt wurden. Es gehört viel Glück dazu, entdeckt zu werden und das hatten diese genannten Personen. Diese Shows sind für mich moderner Menschenhandel, auf Kosten von jungen Menschen, gegründet aus der bestehenden Ohnmacht der Plattenindustrie, der es einfach zur Zeit nicht gut geht. So suchen sie nach diesen Showformaten, bauen Leute auf und verdienen mit ihnen, aber sie handeln nicht im Sinne der Künstler! Darum gehöre ich zu den absoluten Gegnern!

 

 

Ihr Erfolg ist über Jahre hinweg konstant – doch sehen Sie eine Gefahr darin, wenn Jugendliche über Nacht berühmt werden und dann von den Plattenfirmen fallen gelassen werden?

 

A: Es ist keine Hand da, die diese jungen Leute führt. Sie haben selbst noch nicht ihren Lebensweg gefunden, sind aus der Pubertät heraus und auf dem Sprung ins Erwachsenenleben. Doch es nimmt sie niemand bei der Hand. Sie werden ausgesaugt von er Industrie und danach wird man wie eine heiße Kartoffel fallengelassen. Es gibt Tränen und Herzeleid. Wohl dem, der eine intakte Familie hat, die einen auffangen kann. Doch wer alleine ist, der wird seines Lebens nicht mehr froh!

 

 

M: Wenn man wirklich von der Jugend spricht, dann denkt man auch an Sportler, die ihre Jugend opfern und doch später davon profitieren. Sport ist messbar und es wird viel Wert auf die Ausbildung gelegt. Auch die Fußballer werden kaufmännisch ausgebildet. Doch bei der Kunst und Kultur ist das nicht so. Man wird in ein Kostüm, in eine Rolle gesteckt, und wenn diese vorbei ist, ist nichts mehr da. Erst wird man verwöhnt und danach steht man auf der Straße und keiner dreht sich mehr nach einem um.

 

 

A: Viele finden auch nach diesem erfolgreichen Jahr nicht mehr hinaus und werden nicht fertig mit dem Misserfolg. Da gibt es also eine sehr große Lücke auf dem heutigen Markt, bei dem die jungen Menschen sehr alleine gelassen werden! Der Ruhm verleitet natürlich und verlockt einen!

 

 

M: Das Schlimme ist, dass dieser Ruhm, diese Güter einem gar nicht gehören. Das Personal, jedes Handtuch, alles wird bezahlt und kostet Geld. Alles zahlt der Künstler mit, so bleibt unter dem Strich nichts mehr übrig.

 

 

A: Die Verträge sind auch knallhart!

 

 

Ihre CD´s waren u.a. auch in englischer sowie italienischer Sprache. In welcher Sprache singen Sie persönlich am liebsten und weshalb?

 

 

M: Ich singe in vielen Sprachen gerne. Italienisch ist von Haus aus eine sangige Sprache. Obwohl ich es auch liebe in Spanisch zu singen, obwohl ich diese Sprache nicht fließend spreche. Bei unserem „Götterfunken“ Programm wundere ich mich, dass auch viele deutsche Lieder sehr gut funktionieren. Es ist für uns eine Weiterentwicklung, eine Herausforderung. Manches ist einfach nicht so bequem. Unser neues Album auf Deutsch zu singen ist ein neuer Weg zum Beispiel. Manche Sätze passen einfach nicht auf Anhieb oder man muss sie erst genauer studieren. Bei den Sprachen kommt auch die Kultur dazu. Mit einer fremden Sprache zu arbeiten und in dieser zu singen, ist für uns oft auch sehr angenehm. Wenn man auf Deutsch singt, dann steht man als Sänger auch unter dem Druck, jedem Wort eine besondere Bedeutung zu geben! Das ist oft nicht im Sinne der Musik. Auf Englisch hat man den Abstand und es geht leichter über die Lippen!

 

Sobald man die fremden Sprachen verinnerlicht hat, geht es leicht, diese zu singen. Ein guter Sänger sollte in der Lage sein, jeden Text so zu lernen, dass er ohne Nachdenken aus der Kehle kommt. Jays Vorbild Fritz Wunderlich, sang z.B. in der italienischen Sprache einmalig schön. Es ist immer eine Frage des Interpreten!

 

 

Welchen Musikstil hören Sie privat?

 

 

A: Ich fahre unheimlich gern schnell Auto und da kann es natürlich sein, dass ich mit Scooter, also mit einer Techno-Mucke, fahre.

 

 

M: Das macht er übrigens auch, wenn ich im Auto hinten schlafe!

 

 

A: Auch alles, was im Radio kommt, ob die Airplay Charts oder auf SWR4 Klassik. Es hängt immer von der jeweiligen Situation ab.

 

 

M: Ich habe immer Phasen, wo ich mich mit Musikrichtungen eindringlicher befasse. In letzter Zeit war es eher Country Musik, dann Jazz, sinfonische Musik, Oper, Popmusik, alte Popularmusik – mich interessiert alles, da ich wissen will, wie sich ein Stil entwickelt hat.

 

 

Haben oder hatten Sie je Vorbilder, denen Sie nacheifern wollten/wollen?

 

 

A: Marc sagte es bereits. Bei mir ist es einer der größten Tenöre Fritz Wunderlich. Er ist mein Leitbild. Es ist auch wichtig, ein Vorbild zu haben, besonders für junge Menschen. Irgendwann muss man aber den Absprung schaffen und sein eigenes Ich schaffen, denn sonst ist man nicht mehr authentisch.

 

 

M: Ich merkte bei meinem Vater bereits wie faszinierend es ist, auf der Bühne zu stehen. Mit sieben Jahren stand ich selbst mit ihm dort und er war auch mein Vorbild, wie er mit dieser Welt umging, mit den Menschen, den Medien.

 

Im Laufe der Kariere war ich Fan von Al Jarreau, ihn kopierte ich in meiner Teenagerzeit. Placido Domingo ist ein Vorbild in der ganzheitlichen Persönlichkeit. Solche Persönlichkeiten faszinieren mich. Und manchmal findet man jemanden ganz toll, dem man auch nicht selber nacheifern möchte. Das wechselt also stetig!

 

 

Herr Marshall, war es für Sie besonders schwierig, in der Musikbranche Fuß zu fassen und nicht dauernd mit Ihrem Vater in Verbindung gebracht zu werden?

 

 

M: Ich denke viel über diese Frage nach, da sie mir oft gestellt wird. Es gibt viele Vorteile, aber auch Nachteile. Man bekommt zum Beispiel sehr früh mit, wie die Musikwelt funktioniert. Doch als Nachteil würde ich sagen, dass Deutschland nach Vorurteilen entscheidet und da gab es auch Menschen, die das, was mein Vater macht, überhaupt nicht mögen und dies dann automatisch auf seine Persönlichkeit, seine Familie und Kinder übertragen. Mein Weg wurde dadurch sicherlich nicht erleichtert. So wollte die Karlsruher Hochschule mich erst gar nicht auch aufnehmen, da sie nicht nochmals einen „Tralala“ Sänger ausbilden wollten. Das Schlimme daran war, dass mein Vater mich angemeldet hatte. Die Sekretariatsdamen waren hocherfreut, mich und meinen Vater zu sehen. Sie wollten ein Autogramm von ihm, aber als meine Aufnahmeprüfung beendet war, sagten die Professoren „nein, das wollen wir nicht mehr!“. Das versteht man nicht, damit kann und möchte ich nie lernen umzugehen. Es verletzt einen sehr, doch so funktioniert es anscheinend bei uns und als Teenager, als junger Mensch, versteht man solche Reaktionen nicht. Es ist unverständlich, dass man solche Vorurteile gegen jemanden hegt, den man gar nicht kennt.

 

Die, die über meinen Vater einerseits geschimpft oder über ihn gelacht haben, das waren dann die, die als Erste beim Karneval zu seinen Liedern herum sprangen und eifrig mitsangen! Wir haben so viele schöne Dinge in der Kultur, der Mode, dem Essen – jeder kann aus einem unheimlichen Angebot schöpfen und doch grenzten sich die Leute so ein, aus irgendwelchen Gründen auch immer. Ich musste dies bitter erfahren als Sohn von Tony Marshall zu leben. Heute sage ich, dass diese Erfahrung zu mir gehört und ich akzeptiere es. Es ist ein Teil meines Lebens und gibt mir Kraft.

 

Wenn man Michael und Kirk Douglas kennt, dann sieht man auch solch ein Beispiel. Beide sind Oscar-Preisträger und obwohl Michael Douglas über 60 Jahre alt ist und mehr Geld als sein Vater verdient hat und doch bleibt er immer der Sohn mit Kirk Douglas!

 

 

Sie moderieren außerdem die SWR Sendung „Fröhlicher Weinberg“ – Moderation als zweites Standbein für die Zukunft oder als Ausgleich für die Musik?

 

 

M: Weder noch – es war eine tolle Schule. Ich wollte immer schon moderieren und gerade, als ich mit diesem Thema schon abgeschlossen hatte, kam das Angebot des Senders. 90 Minuten, 18 mal im Jahr, wenn das nicht funktioniert, dann könnte man das heutzutage gar nicht machen. Im Mai sind es bereits 2 Jahre, dass ich diese Show moderiere und es hat mir sowie unserem Duo nicht geschadet. Marshall&Alexander traten sehr oft dort auf und das sorgte auch für Bekanntheit. Natürlich sagten viele, ob es sein müsse, solch ein Format zu machen. Doch mittlerweile haben wir auch viele Künstler dabei, die aktuell sind, so „Adoro“ uvm. Es ist immer noch eine tolle Erfahrung, wenngleich auch nicht alles Gold ist was glänzt. Man hat natürlich auch Ansprüche, die nicht immer gedeckt werden können, aber es ist eine TV Sendung und auch ich muss mich den Regeln unterwerfen und es war eine schöne Erfahrung bis jetzt und ich bin sehr dankbar dafür.

 

 

Schlager, Volksmusik, Musicals – die Musikrichtungen werden immer mehr miteinander kombiniert in den TV Shows von heute. Wie würden Sie Ihre Musikrichtung beschreiben oder lassen Sie sich nicht in ein bestimmtes Genre einordnen?

 

 

A: Es ist schön, wenn alles vermischt wird. Es gab auch Zeiten, wo man nur in Schubladen dachte. Als Beispiel, dass es heutzutage aber leider auch noch so ist, kann ich nur die junge Schlagersängerin Helene Fischer nennen, die für den echo nominiert ist und sehr viele Platten verkauft. Als es darum ging, dass sie an diesem Abend auch etwas singen sollte, kam die Antwort, dass es nicht erwünscht sei. Es gilt als Schlager und da merkt man, dass es immer noch diese Schubladen gibt.

 

Das Ziel wäre auch, dass diese Schubladen abgeschafft werden. Wir sind sehr vielseitig, so ist „Götterfunken“ Kirchenmusik, doch das neue Album wird wieder ein Popalbum werden. Und so ist es auch richtig.

 

 

M: Grenzen sollte es gar keine geben. Es ist doch schön, dass es eine solche Vielfalt gibt und das sollte erhalten werden.

 

 

Stichwort Musicals: Haben Sie schon jemals in einem Musical mitgewirkt und welches gefällt Ihnen persönlich am besten?

 

 

A: Sag niemals nie, doch nicht in nächster Zukunft. Wir sangen selbst schon in Musicals, doch es war eher ein Oper Musical. Diese typischen, wie „Miss Saigon“ etc., da sehen wir uns nicht darin!

Was würden Sie gerne zukünftig einmal gemeinsam singen, bzw. aufnehmen? Gibt es da noch Herausforderungen und Träume, die noch nicht erfüllt wurden?

M:Die gibt es bestimmt, doch diese sind nicht aufgeschrieben und definiert. Das Duo hat noch sehr viel Potential und das nächste Konzept wird für unser Popalbum erarbeitet und wir lassen der Kreativität freien Lauf und warten ab, was auf uns zukommt.

 

Foto und Text: Franziska Maier

 

Franziska Maier

Franziska Maier

> Offizielles Mitglied der "bdfj" Bundesvereinigung der Fachjournalisten e.V. > Studium der Germanistik, Geschichte, Politikwissenschaft und ev. Theologie* Beruf der Realschullehrerin (inkl. des Amtes der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit) > Journalistische Tätigkeit bei diversen Magazinen (Veröffentlichung von Artikeln u.a. bei Da Capo, Thats Musical, Blickpunkt Musical, Esslinger Zeitung...)