Interview mit Nina Gnädig

SOKO Stuttgart“ lud ein zum exklusiven Interview mit Hauptdarstellerin Nina Friederike Gnädig

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Dass Baden-Württembergs Hauptstadt Stuttgart nun auch eine „SOKO“ ihr eigen nennen kann, wird dem Fernsehzuschauer spätestens ab dem 12.November 2009 offensichtlich sein, denn an diesem Tag startet das ZDF die neue Serie „SOKO Stuttgart“, die bereits seit einigen Monaten im „Römerkastell“ Bad Cannstatt sowie im gesamten Stuttgarter Raum gedreht wird.

 

Einmal am Set einer TV-Produktion zu sein, nur einmal die Chance erhalten, mit den Hauptdarstellern zu sprechen! DAS ist der Traum vieler Zuschauer. Für Nadja und Nicole Penndorf sowie Marius Lauer ging dieser Traum in Erfüllung! Die Redakteure der Schülerzeitung der Realschule Wernau erhielten genau diese einmalige Gelegenheit und durften direkt am Drehort exklusiv die Schauspielerin Nina Friederike Gnädig interviewen, die den meisten keine Unbekannte sein wird. So verkörperte sie in der großen Sat 1 Telenovela „Verliebt in Berlin“ die Rolle der „Sabrina“. Nun wechselt sie das Genre und wird zur Kommissarin der „SOKO“. Was Nina Friederike Gnädig alles den Schülerinnen und Schülern der Realschule Wernau berichtete, können Sie hier nun im folgenden Interview lesen:

 

 

Wollten Sie bereits von klein auf schauspielern oder hatten Sie ursprünglich einmal ganz andere Berufswünsche?

 

 

N.G: Dadurch, dass ich auf dem Land aufgewachsen bin, hatte ich erst einmal überhaupt keinen spezifischen Berufswunsch, weil ich immer dachte, ich bleibe mein Leben lang ein Kind. Es gibt zwar die typischen Berufe, die man in ländlichen Gegenden findet und benötigt, wie eben Lehrer, Arzt oder Bauer, doch ich hatte eigentlich noch nicht so eine richtige Vorstellung, ob dies etwas für mich und meinen beruflichen Werdegang wäre. So machte ich erstmal ein sehr gutes Abitur, war jedoch immer eine Generalistin, die sich nach etwas sehnte, das so viele meiner Interessen abdeckt. Dass man Schauspieler werden konnte, wusste ich damals als Kind gar nicht…

 

 

Gibt es in Ihrer Familie noch weitere Schauspieler oder sind Sie die einzige, die diesen Beruf professionell ausübt?

 

 

N.G: In meiner Familie gibt es, soweit ich weiß, keine weiteren Schauspieler – aber wir werden sehen, was die Zukunft bringt-.

 

 

Wer hat Ihr Talent erkannt? Waren Sie z.B. auch in der Schule bereits in der Theater-AG tätig?

 

 

N.G: Ich war auf einem Ganztages-Gymnasium und hatte zusätzlich zum regulären Unterricht noch fächerübergreifende Möglichkeiten, bzw. auch AGs und da habe ich vieles ausprobieren können: Tanzen, singen, Instrumente spielen und eben auch die Theater AG. Ich erinnere mich noch an eine meiner ersten Rollen, da spielte ich eine alte Oma und das hat mir sehr viel Spaß gemacht. Doch damals konnte ich noch nicht sagen, dass die Schauspielerei zu meinem Beruf werden würde

 

Als ich in Berlin dann zu Gast im Theater war und da erfuhr, dass man Schauspiel studieren kann an Schauspielschulen, schlug ich diese Richtung ein, ging zum Vorsprechen und hatte Glück, dass es gleich nach dem ersten Versuch klappte und ich genommen wurde! Ich wollte immer zum Theater – wie man ins Fernsehen kommt und welche Wege man hierfür beschreiten muss – das frage ich mich bis heute…

 

 

Wie können wir uns Ihre Ausbildung vorstellen?

 

N.G: Jeder geht da einen anderen Weg und gerade im Bereich des Fernsehens – im Theater gestaltet es sich übersichtlicher und simpler: Hier geht es nur über die staatliche Schauspielschule. Im Fernsehen hingegen gibt es ganz unterschiedliche Wege, bis man sich Schauspieler nennen kann und darf. Ich bin zwar diplomiert, aber das ist kein geschützter Berufsname, so kann ich jedem, der diesen Beruf einigermaßen ernsthaft betreiben will nur raten, an einer Schauspielschule zu studieren, weil das einfach ein ganz heikler Berufszweig ist, das heißt, man hat sowohl eine körperlichen Ausbildung, die man vorwiegend auf der Bühne braucht, z.B. drei Minuten im Handstand einen Monolog zu führen, da braucht man eben viel Kraft und Konditionstraining. Man lernt fechten, Akrobatik, tanzen, reiten, also das, was man körperlich braucht, um sich auf Rollen vorzubereiten. Des Weiteren hat man Stimmbildung, Gesang, Theatergeschichte, Phonetik, also ein ganzheitliches Studium. Ich merke das hier jeden Tag an meiner Arbeit, was mir meine gute Ausbildung brachte: So würde ich nie ans Set kommen, ohne dafür ein paar Stimmübungen oder Sport gemacht zu haben, einfach aufgrund der Rolle, die ja sehr schnell und sehr spontan ist und man lernt einfach so besser die Abläufe kennen, Kräfte einzuteilen. Zusammenfassend lässt sich sagen: Ich ging den ganz regulären Weg, schickte meine Vita an die Schulen, wurde eingeladen und sprach vor.

 

 

Was war Ihre erste Rolle als Laie, sowohl als Profi (im Theater oder im TV)?

 

 

N.G: Als Laie war meine erste Rolle eben diese vorhin angesprochene alte Oma… Das war mein erster professioneller Auftritt vor Publikum. Davor habe ich schon ganz viel daheim geübt und meine Eltern waren die Zuschauer, unter anderem erlebten sie, wie ich mich vom Stockbett stürze … Ich habe auch in der Schule schon Abende moderiert oder spielte in einer Schulaufführung eine alte Dame, die das ganze Stück über verzweifelt ihren Hund sucht. Und ich glaube, mein erster Drehtag im TV war bei SOKO Leipzig als“ Nuttchen“, mit all den“ Achs und Wehs“, die eben so ein Prostituierten-Dasein mit sich bringt und ein großes Staunen, wenn man da so fast nackt am Set steht und man denkt, dass man so etwas sicherlich nie wieder machen würde!

 

 

Viele kennen Sie natürlich durch die Rolle der „Sabrina“ in der Telenovela „Verliebt in Berlin“- ein Seriencharakter, der die Zuschauer durchaus spaltete. Macht es Ihnen Spaß, solche Rollen zu spielen oder verkörpern Sie lieber Rollen, die durchweg Sympathieträger sind?

 

 

N.G: Ich würde weder noch sagen oder sowohl als auch, also ich finde es eine Gnade, sich innerhalb der Rollen so „austobe“ zu können und sich auszuprobieren auf Wald und Flur. Wann kann man das im persönlichen Leben denn sonst tun? Ich hatte in der Schauspielschule immer Gretchen oder Julia –Rollen gespielt, so kam es auch, dass ich immer eine große Sehnsucht nach der Verwandlung innerhalb des Schauspiels hatte, das heißt, wenn man sich umdreht und einfach jemand anderer ist und umso selbstbestimmter sagen kann, welche Werte sind mir in meinem privaten Weg wichtig. Und bei Sabrina war es so, dass ich diese Rolle angeboten bekommen habe, weil mich jemand an der Schauspielschule sah und mich für die Rolle passend fand. Ich wusste damals noch gar nicht, wie Fernsehen funktioniert. Ich bin wirklich von einem Fettnapf in den nächsten getaumelt. Meine Mutter sagte: „ Nina, diese Zicke – das wird dir kein Mensch glauben!“ Ich habe immer gedacht, wie spielt man das, ohne dass es zu klischeebehaftet ist? Wie spielt man das, so dass es die Leute glauben, dass man aber trotzdem noch verstehen kann, warum Sabrina so ist, weil sie halt irgendwie nicht über den Intellekt verfügt, mit Situationen anders umzugehen. Und dann saß ich in der S-Bahn, das war einer der ersten Drehtage und das weiß ich noch heute und ich dachte, wie soll ich Sabrina bloß verkörpern? Ich war so hilflos, weil ich parallel noch Theater spielte und dadurch auch noch so hin und her pendelte und mir gegenüber saß ein Mädchen, das hatte so ganz lange lackierte Fingernägel mit bunten Accessoires drauf und die telefonierte offensichtlich mit ihrem Freund und meinte immer fingernagelkauend: „Ja, – mhm. Ja – ich lieb dich auch – mhm. – Tschüss ja“ und dann dachte ich: DAS ist Sabrina! Genau so! Das ist Sabrina Hofmann und daran habe ich dann alles aufgebaut, das konnte sich dann stapeln ins Endlose…

 

 

Hat sich Ihr Leben durch die Schauspielerei –insbesondere vielleicht durch „Verliebt in Berlin“ – verändert – werden Sie auf der Straße angesprochen (positiv oder negativ) – oder leben Sie weiter wie bisher?

 

 

N.G: Also erstens: Ja, das Leben hat sich total verändert, man spielt an der Schauspielschule vor 30, 40 Leuten – das sind Eltern, das sind Freunde, sind die Nachbarn und plötzlich spielt man in irgend so einem Plattenbau für so ein „schwarzes Loch“, was einem so scheinbar zuschaut und ich hatte dazu ja noch überhaupt keinen Bezug, ich wusste noch nicht, welche Auswirkungen das haben würde und ich hatte damals noch nicht mal einen Fernseher und plötzlich – das weiß ich heute noch: die Ausstrahlung war am 29. Februar , der ja irgendwie nur alle vier Jahre vorkommt. Und am nächsten Morgen wollte ich eine Fahrkarte lösen, damals noch Berlin-Zoo und ich stand da so am Schalter und um mich zwei Asiatinnen und diese betrachteten mich da, wie ich mit kalten Händen versuchte, diesen Fahrkartenapparat zu bedienen und ich dachte immer, der funktioniert nicht, weil meine Hände nicht warm genug sind und die Damen betrachteten mich weiter unablässig. Ich war der Meinung, nun die wollen eine Fahrkarte lösen und versuchte mich zu beeilen und lächelte immer hilflos und sagte „I am sorry“ – daraufhin schrie die eine Asiatin: I saw you on TV – in Verliebt in Berlin! Und da merkte ich erst die Auswirkungen. Ich habe reiß aus genommen, ohne überhaupt eine Fahrkarte gehabt zu haben, weil ich das ja noch gar nicht kannte und ab diesem Zeitpunkt passierte das täglich und auch bis heute noch, meistens aufgrund von Verliebt in Berlin und seitdem habe ich ja auch ganz viele andere Sachen gedreht, aber es ist immer wieder die Sprache von Verliebt in Berlin und interessanter Weise nur positiv – ich bin noch nicht einmal angepflaumt worden, es ist ganz frappierend, also ganz oft sagen die Leute –Ja, das merkt man ja oder ja, das ist eine Rolle- ich hab immer gedacht, Nina hab den Mut, die Rolle so zu spielen, dass du auf der Straße geohrfeigt werden könntest oder dir die Leute vor die Füße spucken, aber ich warte heute noch drauf – Gott sei Dank.

 

 

Sie hatten ja schon verschiedene Rollen als „Kommissarin“, haben jedoch auch lange Zeit in Verliebt in Berlin mitgespielt, was liegt Ihnen persönlich mehr – in einem Krimi zu spielen, in einer TV-Romanze oder in einer Telenovela über einen längeren Zeitraum an eine Rolle gebunden zu sein?

 

 

N.G: Oh, auch da die Mannigfaltigkeit – ich habe bislang immer so „blonde Mädchen“ gespielt, oftmals und das in ganz unterschiedlicher Art und Weise, aber so etwas wie Anna Badosi, jetzt bei SOKO Stuttgart – also in der Schauspielschule wollte ich immer so wahnsinnig gerne mal einen Jungen spielen, einen richtigen Kerl und Anna Badosi geht ein bisschen in diese Richtung, sie ist sehr körperlich, sie ist sehr wach – man darf halt mal eine Helden spielen, es stärkt das Selbstbewusstsein ungemein. Das ist eine tolle Rolle, ich lerne, ich arbeite mich sehr in die Psychologie ein, weil sie ja eine angehende Profilerin ist, es ist eine ganz andere Körperlichkeit – die Frau muss ja im Zweifelsfall bestimmte Griffe anwenden können. Ich habe das genannt: Ich lerne so das Kellergewölbe der Menschen kennen, das ist sehr spannend. Was für ein Geschenk, mal eben so in ein anderes Leben einzutauchen!

 

 

Glauben Sie, dass es weibliche Kommissare schwerer haben vom Publikum akzeptiert zu werden als Ihre männlichen Kollegen?

 

 

N.G: Das ist eine interessante Frage – die habe ich mir noch nie gestellt. Ich glaube, da gibt es einen Unterschied, ob im Fernsehen oder im Alltag! Im Fernsehen schauen die Leute wohl weibliche Kommissarinnen gerne, denn sonst gäbe es nicht so viele und ich muss sagen, weiblichen Kolleginnen zuzuschauen, macht mir auch Spaß. Ob sie es im Alltag viel schwerer haben, weil sie mit Vorurteilen konfrontiert werden, das kann gut sein! Wir bekommen die Bücher geschrieben, da gibt es diese Vorurteile nur, wenn sie reingeschrieben werden. Ich kann mir vorstellen, dass es Kommissarinnen oft schwerer haben, gerade wenn sie sehr weiblich sind.

 

 

Wie lange dauert es, bis eine Serienfolge von SOKO Stuttgart (sprich 40-45 Minuten endgültige Länge) gedreht ist?

 

 

N.G: Für diese 40 Minuten, die man als Zuschauer sieht, insgesamt drehen wir 20 Folgen in diesem Jahr – im nächsten Jahr 25; da hat man 6 ½ Tage, was viel ist, wir haben bei Verliebt in Berlin 1 Folge pro Tag gedreht, wobei es dort 25 Minuten waren, aber es ist hier trotz alledem ein sehr schnelles Format, wenn man bedenkt, dass man für einen Tatort (für einen –90 minütigen)- 21 Tage hat, dann sind 6 ½ Tage für 40 Minuten viel, noch dazu, weil wir ja nur mit einer Kamera arbeiten.

 

 

Wie kann man sich Ihren Alltag vorstellen?

 

 

N.G: Meine beiden Kollegen, Peter und Astrid, sind die beiden Hauptkommissare, die arbeiten wirklich von 25 Drehtagen 24 – Benny und ich haben ein bisschen weniger, das heißt, wir haben auch mal einen Tag frei, aber so ein ganzer Tag Arbeit bedeutet: Man steht so um 6 Uhr auf, dann macht man ein bisschen Sport und seine Stimmübungen, futtert ordentlich Müsli, weil man Kraft braucht für den Tag und dann ist man um 8 Uhr in der Maske, zum Beispiel beim Außendreh, da wird man um 7 – 7:30 abgeholt und hingefahren, dann ist ¾ Stunde Maske und Kostüm, dann sind 20 Minuten Proben, da frühstückt das Team solange, dann kommen sie dazu, schauen sich das an, dann arbeitet man – Drehschluss ist meistens so 18:30 Uhr, dann ist man meist so 20:00 Uhr fertig, dann isst man was, dann versucht man noch ein Privatleben zu führen, lernt ´Text und danach geht man schlafen, weil man am nächsten Morgen eben wieder um 6:00 aufstehen muss. Wir arbeiten immer vier Folgen wild durcheinander, auch das ist eine Arbeit, weil man einfach jede Szene so präzise im Kopf haben muss, zu wissen, wo komm ich her, wo muss ich hin und muss alle – es werden ja von den Autoren so falsche Köder gelegt, so verschiedene Handlungsstrecken, wer ist der Täter, wer könnte es sein und du musst es einfach ganz genau wissen weil du sonst was Falsches erzählst oder wenn du aus dem einen Bild traurig raus kommst und dann, weil es dir eben gerade gut geht und draußen die Sonne scheint, da fröhlich reinkommst, das hat eben überhaupt keinen Anschluss mehr – wir drehen meistens so 5-6 Wochen, dann haben wir eine Woche – 10 Tage manchmal sogar – frei und dann drehen wir wieder 5-6 Wochen.

 

 

Nun eine Frage, die alle Leser sicher sehr interessieren wird: Wie unterscheidet sich denn SOKO Stuttgart, von den anderen SOKOs? Außer natürlich, was die geographischen Begebenheiten angeht…

 

 

N.G: Das ist auch eine tolle Frage, weil es eine ganz generelle ist, warum überhaupt noch eine SOKO – es ist erst mal die erste SOKO im Süden, im Sinne von Baden-Württemberg, es gibt ja SOKO München und SOKO Wien und Stuttgart ist einer der multikulturellsten Städte Deutschlands, ich glaube, das ist in Deutschland gar nicht so bekannt und es ist natürlich eine sehr reiche Stadt eine relativ etablierte und eher politisch konservative Stadt, was dem allem so einen Touch gibt, die Weinberge… Also wer immer SOKO Stuttgart gesehen hat, der sagt, das sieht total spannend aus, wie das aufgenommen und wie schön Stuttgart ist und das wissen die Leute einfach gar nicht und auch diese südliche Mentalität und gerade in der Rolle der Anna Badosi – sie hat eben einen Migranten Hintergrund, sie ist halb Italienern, was ich ganz spannend finde zu erzählen, weil sich dazu ganz viele Möglichkeiten, sei es in der Fantasie der Zuschauer und auch sozusagen die politische Botschaft, diese Internationalität über Generation die funktioniert, das finde ich total spannend. Jenseits davon, dass wir einfach einen unglaublich engagierten Produzenten haben, der sich für Stuttgart stark gemacht hat. Das was man hier in Stuttgart erzählen kann – Weinkellereien oder ein bestimmte Form von MAFIA, was für Leute leben hier, dadurch kann man ganz individuelle Geschichten machen. Das gibt ein viel breiteres Spektrum als die Leute so dachten.

 

 

Können Sie uns das SOKO Stuttgart Team, also die Hauptdarsteller und ihre Rollen, etwas näher beschreiben?

 

N.G: Ja, die Hauptkommissarin, gespielt von Astrid Fünderich „Martina Seiffert“ in der Serie, ist eine Familienmutter, die mit jahrzehntelanger Erfahrung kommissarisch tätig ist, auch so einen großen Überblick behält – eher straight ist. Hat auch einen gewissen Charme und versucht, Familienleben und Beruf unter einem Hut zu bekommen, also ein sehr aktuelles Thema. Dann Peter Ketnath spielt den „Joachim Stoll“, er fährt Porsche, wohnt auf einem Hausboot, ist eher der unkonventionelle sowohl von der Heangehensweise her, als auch von der Art, wie er denkt, wie sich das dann äußert ,dann gibt es den Computerspezialisten, den Benjamin Strecker in der Sendung „ Rico Sander“ und er ist so ein totaler Crack, was alles Computertechnische angeht, aber gänzlich unfähig, wenn es um irgendeine Zwischenmenschlichkeit geht, da zieht er sich einfach gerne zurück, was natürlich oft zu Humor führt und bei mir ist es genau das Gegenteil, Anna Badosi möchte Profilerin werden, hat Psychologie studiert und geht sehr intuitiv an Menschen heran, sehr beobachtend, sie ist vielleicht auch die emphatischste von allen Rollen, auch so eine Ermittlerin innerhalb des Teams, dann gibt es noch die Rolle „Kaiser“, gespielt von Karl Kranzkowsk und er ist so der SOKO „Papa“, das würde er jetzt so nicht hören wollen, aber er ist einfach seit Jahrzehnten bei der SOKO und ein alter Hase, was das angeht und dann gibt es noch und das ist auch ungewöhnlich für eine SOKO, drei relativ feste, aber kleine Rollen: Eine Pathologin, ein „Kuler“ und einen, der in der Asservatenkammer arbeitet und die einfach so regelmäßig auftreten ,wie es in keiner anderen SOKO ist – wir sind tatsächlich ein relativ großes Team.

 

 

Ab und zu spielten auch bereist Gaststars in SOKO Stuttgart mit, u.a. Harald Schmidt. Wie war die Zusammenarbeit mit ihm?

 

N.G: Oh, da müsste man jetzt natürlich die Leute fragen, die dazukommen, wie sie das empfinden, für mich ist das großartig, weil ich die Möglichkeit habe, ganz viele Schauspieler und deren Arbeit kennenzulernen und deren Herangehensweise, um sozusagen etwas davon zu übernehmen. Normalerweise ist es immer so, man kommt als Schauspieler irgendwo an ein Set – kennt noch niemanden und versucht dann, eine Rolle zu spielen innerhalb all dieser Fremden. Da schauen dir dann 40 fremde Augenpaare zu und du musst da plötzlich los schreien, weinen und jetzt ist es genau andersrum, wie das eigene Spielzimmer, in das andere kommen zum Spielen und es ist unheimlich spannend und ich habe damit nur unglaublich positive Überraschungen gehabt. Das ist auch einfach wahnsinnig gut gecastet, das sind manche, die geblieben sind, wo man jetzt schon so vielleicht freundschaftlichen Kontakt haben würde und gerade was Harald Schmidt angeht, das ist ein ganz bescheidener, intelligenter, integer Kollege.

 

 

Werden die Folgen stets chronologisch gedreht oder kommt es vor, dass Sie heute eine Szene für Folge 12 drehen und morgen eine für Folge 3?

 

N.G: Wie gesagt, das sind immer vier Folgen, die wir hintereinander bzw. auf einmal drehen, das heißt: Folge 1-4, dann Folge 5-8; jetzt sind wir bei Folge 13-16, aber da drehen wir bis 13.02, dann die 15.18 ,dann die 14.03 und du musst dann stets wissen, wer mit wem agiert etc.– was weiß ich schon in meiner Rolle, was darf ich noch gar nicht wissen, das fordert ein wenig die Nerven, ist aber ganz gesund…

 

 

Wie viele Folgen sind denn von Grund auf für SOKO Stuttgart geplant?

 

N.G: 20 für dieses Jahr; 25 für nächstes Jahr, was in auch wieder eher ungewöhnlich ist, das ist unfassbar, dass das ZDF bei der zweiten Rohschnittabnahme beschlossen hat, es geht mit noch mehr Folgen weiter.

 

 

Sie waren ja früher Studentin an der Hochschule für Musik und Theater in Leipzig; fällt es Ihnen schwerer vor Publikum oder vor der Kamera zu spielen?

 

 

N.G: Schwerer… es ist immer eine Überwindung. Gerade wenn man wie ich mit einer bestimmten Scheu zu kämpfen hat und ich kann diese Scheu auch nicht überwinden, wenn ich das Gefühl habe, dass es etwas gibt, was es notwendig macht, also wenn ein Text für mich immens wichtig wird, dann möchte ich so gerne, dass das jemand weiß und diese Überwindung, das ist ganz unabhängig, wer dir da zuschaut. Am Set stehen die Leute näher und interessieren sich vielleicht für deine Arbeit oder sind gerade mit anderen Aufbauten beschäftigt und beim Theater ist es ja ganz unmittelbar – da merkst du sofort, ob ein Gag funktioniert oder nicht, da ist die Kamera viel scheinbar gefälliger, was auch zu einer Selbstgefälligkeit führen kann, aber eine Angst stecken zu bleiben; das hat viel mit Mut zu tun und dafür bin ich noch nie bestraft worden.

 

Hatten Sie schon irgendwelche peinlichen oder besonderen Ereignisse am Set?

 

N.G: Wir haben schon viel gelacht am Set, also wenn die Erschöpfung einsetzt und man dann entweder einen Satz nicht über die Lippen bekommt oder ihn dann so dreht…. Ich sollte einen Satz sagen: Seit wann werden Klempner mit Kaffee und Kuchen bedient. Und ich sag „seit wann wird ein Kellner mit Kaffee und Kuchen serviert“ und das klang in der Kamera so, als wäre er auf einem Tablett als besondere Dreingabe dabei und dann liegt halt das Team unter den Tisch oder man albert herum oder ich sollte mit vier Kaffeetassen kommen und dann merkst du, dass die Kollegen lachen und du darfst nicht lachen, das kennt ihr bestimmt, wenn man nicht lachen darf, aber so dringend muss und dann schüttelt es einen schon fast und ich sah immer den Kaffee in den Tassen und ich wusste, wir sollten uns eigentlich anschauen und ich wusste, wenn wir uns jetzt anschauen, dann explodiere ich mitsamt den Kaffeetassen. Sowas passiert natürlich oder dass ich angerannt komme, in einer dramatischen Szene mich befinde, ich aber meine Waffe nicht rausbekomme. Das passiert natürlich alles – klar- und das schöne wird Gott sei Dank herausgeschnitten.

 

 

Haben Sie irgendeinen Wunschfilm, in dem Sie gerne mitspielen würden oder eine bestimmte Wunschrolle, die Sie gerne verkörpern möchten?

 

 

N.G: Nein, bislang noch nicht, weil ich schon in so vielen verschiedenen Sachen mitspielen durfte. Meine beiden Nachbarkinder haben sich gewünscht, dass ich mal in einem Film mitmache, den sie sich auch anschauen dürfen und das wünsche ich mir jetzt natürlich auch, dass ich irgendetwas spiele, wo sie dann abends auch wach bleiben dürfen– mit Eis und schon im Schlafanzug, aber noch nicht ins Bett müssen, das wäre schön, das würde ich mir mal wünschen, für Kinder zu spielen, das ist auch nochmal etwas ganz anderes. Wir haben im ersten Studium ja für Kinder ein Theaterstück geschrieben, ein Märchen und dann auch noch inszeniert und gespielt und wie die Kinder darauf reagieren, ist einfach unfassbar, ganz zauberhaft.

 

 

Wie verbringen Sie denn Ihre Freizeit – haben Sie schon Stuttgart und Umgebung etwas besser kennenlernen können?

 

N.G: Welche Freizeit? Ich komme ja von der Schwäbischen Alb, deshalb kenne ich Baden-Württemberg; aber bislang war es so, wenn ich frei hatte, dann war ich meistens in Berlin oder in Hamburg oder bin weggefahren oder weggeflogen, aber ich habe heute mit meinen jugendlichen Komparsen ausgemacht, dass ich sie bei ihrem Theater im Oktober auch besuche. Und das steht jetzt auch bevor, endlich mal ins Museum zu gehen und ein wenig mehr kennenzulernen als nur das Schloss.

 

 

Was würden Sie Kindern und Jugendlichen, die Schauspieler werden wollen, mit auf den Weg geben?

 

N.G: Als ich das erste Mal mit dem Fernsehen konfrontiert wurde, sah ich, dass es ganz unterschiedliche Beweggründe zu geben scheint, warum jemand zum Fernsehen oder ins Fernsehen möchte und ich glaube , das einzige innere Bestreben wäre jenseits eigener Eitelkeit, eine Geschichte erzählen zu wollen. Ich glaube, es gibt viele Berufe, wo man über Äußerlichkeiten eine bestimmte Popularität erreichen kann, aber darum geht es einfach nicht. Beim Spielen geht es immer wieder nur um die Geschichte. Robert Walzer hat mal gesagt ,man lebt nicht, wenn man nicht für etwas lebt und ich glaube, dieses Gespür an sich zu entwickeln, was möchte ich wirklich machen, wenn ich vielleicht nur ein Leben habe, –wenn-, was ist meine Passion, welche Rechte möchte ich geben und diese Ehrlichkeit selber gegenüber sich selbst zu entwickeln, das würde ich jedem wünschen, weil wenn man so durchdrungen ist von dem, was man so machen will, dann wird man es von seiner Weise auch so gut wie möglich machen und es gibt einem eine ganz eigene Kraft. Ich hoffe ,ich klinge jetzt nicht so wie eine Philosophentante, aber das ist bislang meine persönliche Lebenserfahrung gewesen.

 

 

Wie stellen Sie sich Ihre Zukunft vor – stets weiterhin vor der Kamera zu agieren oder einmal auch hinter der Kamera tätig zu werden (z.B. als Schauspiel-Coach oder Regisseurin)

 

N.G: Ich glaube, wenn ich gewusst hätte, dass mein Leben so sein würde, dann hätte ich mich gezwickt und hätte gedacht: „ Nina hör auf zu träumen“, ich hätte mich unverschämt gefunden, so zu denken. Ich wage es nicht zu sagen. Ich bin einfach bislang so bedacht worden mit Glück, dass ich denke, ich versuche damit einfach achtsam umzugehen und wenn ich merke, so wie jetzt; ich habe tatsächlich eine Affinität für die Philosophie mit Psychologie und das ist mehr so wie auch bei Anna Badosi ,da beschäftige ich mich mehr damit – wohin das dann führt, weiß ich nicht. Oder ich will nochmal eine Weltreise machen, mit dem Rucksack ein Jahr lang – solche Gedanken habe ich, aber eine professionelle Zukunft, wer weiß – da würde ich jetzt nichts äußern wollen, was ich dann irgendwann später mal auch mal schaffen muss, sondern ich glaube, da hält das Leben die schönsten und spannendsten Überraschungen für mich bereit!

 

Für die Schülerzeitungsredaktion war dieser Besuch bei „SOKO Stuttgart“ ein einmaliges Erlebnis, welches sie sicherlich nicht so schnell vergessen werden! Derartige Aktionen bereichern nicht nur das Schulleben, sondern bieten auch wertvolle Einblicke in die Welt der Medien. Wann erhält man schon die Chance, exklusiv am Drehort einer ZDF-Serie zu Gast zu sein?! Als Dank haben sich die Schüler bereits eine tolle Überraschung einfallen lassen: Sie möchten „SOKO Stuttgart“ auf besondere Art und Weise verewigen – mit einem eigenen Stern am schulinternen „Walk of fame“!

 

„Der Besuch bei SOKO sowie das Interview mit Nina Friederike Gnädig waren einfach phantastisch und sehr interessant“, so Schülerzeitungsredakteurin Nadja Penndorf, „ ich möchte nach der Schule auch weiterhin gerne journalistisch tätig sein und durch diese Aktionen lernt man am besten, wie solche Pressetermine ablaufen. Es bereichert nicht nur das Schulleben, sondern hilft einen auch für die Zukunft!“

 

Und eines ist sicher: Am 12. November werden nicht nur die drei Schülerzeitungsredakteure sowie Lehrerin und Leiterin der Schülerzeitung Franziska Maier vor dem Fernseher sitzen und gespannt die erste Folge von „SOKO Stuttgart“ verfolgen! Auch die gesamte Realschule Wernau ist schon vom „SOKO Fieber“ angesteckt und fiebert weiteren schönen Aktionen entgegen!

 

 

Text: Franziska Maier/Marius Lauer/Nadja und Nicole Penndorf Fotos: flickr.com

Franziska Maier

Franziska Maier

> Offizielles Mitglied der "bdfj" Bundesvereinigung der Fachjournalisten e.V. > Studium der Germanistik, Geschichte, Politikwissenschaft und ev. Theologie* Beruf der Realschullehrerin (inkl. des Amtes der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit) > Journalistische Tätigkeit bei diversen Magazinen (Veröffentlichung von Artikeln u.a. bei Da Capo, Thats Musical, Blickpunkt Musical, Esslinger Zeitung...)