Interview mit Reinwald Kranner

Interview mit Reinwald Kranner

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• Beim Musical „We will rock you“ stehen Sie allabendlich auf der Bühne des Theater des Westens in Berlin – in solch einem renommierten Theater aufzutreten ist sicherlich der Traum vieler. Doch wie sah es bei Ihnen aus: War es von Kindesbeinen an Ihr Traum, Sänger zu werden oder hatten Sie ursprünglich völlig andere Berufswünsche?

R.K: Als Kind schon wollte ich Schauspieler werden. Habe Ballettunterricht genommen, gleichzeitig meine erste Band gegründet, mit der ich schon mit 11 Jahren auf großen Bühnen stand. zB als Vorgruppe zu Opus oder STS, später sogar Status Quo. Ich habe fleißig Musik an der Hochschule in Graz studiert (Schlagzeug und Jazzgesang). Es trieb mich nach Wien, wo ich die Musicalausbildung mit Auszeichnung abschloss. Also war Musik, Theater und Tanz schon immer mein Kreativfeld.

• In einem Artikel über Sie war zu lesen, dass Sie mit 11 Jahren ihre eigene Rockband gründeten. Was hat Sie bewogen, diesen Schritt zu tun – handelte es sich damals um eine Schülerband?

R.K: Mein Cousin und ich hatten den Wunsch schon mit 9 Jahren, wie Elvis Presley, oder Kiss auf der Bühne zu stehen. Dazu kam, dass ich einen Beatlesfilm im Fernsehn sah, wobei mir das Schlagzeugspielen am einfachsten erschien. Mein Nachbar, ein Musiklehrer hat mir die ersten Handgriffe gezeigt und auch seine alte Trommel aus dem Dachboden geborgt. Schon damals ein echte Antiquität. In der 2. Klasse Gymnasium war´s dann endlich so weit! Winni (13) und sein Bruder Harry (10) kamen am Wochenende mit Heimorgel und Konzertgitarre angereist. Wir verwendeten Cassettenrcorder als Verstärker… (funktioniert wirklich!) holten uns noch einen Klassenkollegen, dem ich die Akkorde für die Gitarre lernte, und kurzer Hand meldete ich uns 5 beim “Steirischen Bandwettbewerb” an. Wir waren die Überraschung der Veranstaltung. Mit eigenen Rock´n´Roll Liedern sowie einer Version von…”Rivers Of Babylon” von Boney M!!! spielten wir uns in die Herzen der Jugendlichen und Juroren. (ich werde Euch noch ein Bild von uns schicken, Erst Mitte Jänner verfügbar, aber es zahlt sich aus! ;-))

• Wenn man jung ist, hat man doch noch große Idole, denen man nacheifern möchte: Welche musikalischen Vorbilder hatten oder haben Sie?

R.K: Danny Kaye war der Erste, der mir beim nachmittäglichen Fernsehn ins Auge stach, Fred Astaire und alle anderen Größen aus Amerika. Die Idee zum Schauspielen kam durch die Peter Alexander Filme. In meiner Studienzeit hatte ich dann die Ehre bei meheren Alexander-Shows im Backgroudchor im Studio, wie auch Live zu singen. Sogar mit Johnny Cash durfte ich live im Fernsehn singen! Von Sängern wurde ich schon immer von Sammy Davis Jr., Michael Jackson, Prince, Louis Armstrong,

 • Wurden Sie auf Ihrem musikalischen Werdegang gezielt von Ihren Eltern oder auch von Lehrern unterstützt?

R.K: Von meiner Mutter wurde ich in diese Richtung absolut unterstützt, meinen Vater musste ich überzeugen, dass es mir ernst war. Was ich auch tat. So zahlte er mir ab meinem 13 Lebensjahr das Studium in Graz, was doch jede Woche 3 Stunden Zugfahrt bedeutete. Dafür bin ich meinen Eltern ewig dankbar.

auch am musischen Gymnasium in Murau wurde ich gefördert, was man nur denken kann. Ich lernte Klavier, Kontrabass, Gitarre. Durfte meine ersten Arrangements für unser Schulorchester verfassen und mit der eigenen Band Konzerte geben. Sie hieß übrigens “Argee Kay”, bestehend aus meinen Initialen RGK, Reinwald Gregor Kranner.

 • In Graz absolvierten Sie ein Schlagzeugstudium – wieso entschieden Sie sich gerade für das Schlagzeug? Normalerweise bleiben Schlagzeuger ja eher im Hintergrund und sorgten für den richtigen Rhythmus eines Songs – doch Sie stehen mittlerweile ja als Sänger und Darsteller im Vordergrund.

R.K: Ich hab schon immer Lieder geschrieben. Unsere Sängerin hat sie dann interpretiert. Irgendwann hatte sie keine Zeitzum Proben und ich musste als Ersatz zum Schlagzeug ihr Micro stellen und singen. Meine Bandkollegen erklärten mir, dass ihnen mein Gesang noch viel besser gefiel, also habe wir einen neuen Schlagzeuger gesucht und plötzlich stand ich in Front. Da bemerkte ich erst, wie mir die Erfahrungen als Ballettkind zu Gute kamen. Mir machte es Spaß zu Singen und zu Tanzen. Später wollte ich das “Performen” genau lernen. Stars wie Michael Jackson und Prince haben mich in diese Richtung beeinflusst.

• Konnten Sie von diesem Studium im Nachhinein gesehen profitieren, was Ihre Arbeit als Musicaldarsteller angeht?

R.K: Ja, sehr. Die Noten zu lesen, rhythmisch sicher zu sein, und mit Dirigenten zu arbeiten, all das hab ich schon lange vor dem Musicalstudium gelernt.

• Ihr Diplom in den Fächern Musical, Operette und Chanson schlossen Sie in Wien mit Auszeichnung ab. Wie können wir uns Ihre Ausbildung gezielt vorstellen?

R.K: Vormittags Ballett, Jazzdance, Steppen, Nationaltanz und Fechten. Danach Specherziehung und Gesangsstunden. Ab Nachmittag erarbeiteten wir in der Klasse, ca. 30 Studenten, mit unseren Klassenlehrern, Lilo Mrazek, und Robert Opratko  unsere Show, Ausschnitte aus berühmten Musicals, die wir am Ende des ersten Semesters auf verschiedenen Bühnen in  Wien und Umgebung zur Aufführung brachten. Dabei lernten wir, auf neues Publikum und veränderte Bühnenverhältnisse zu reagiert. Auch Operetten und Chansonabende wurden gegeben, in denen wir lernten in den verschiedenen Stilen zu agieren. Korrepetiton mit einem Pianisten, dabei werden Lieder erarbeitet.

 • Sie sind im musikalischen Métier sehr flexibel einsetzbar, so in den oben genannten Bereichen (Musical, Operette, Oper, Chanson), doch welche Richtung bevorzugen Sie für sich persönlich am meisten und weshalb?

R.K: Obwohl ich mit Leib und Seele ein Sänger bin, hat mich an der Bühne immer mehr der Inhalt der Geschichte, und die Rolle interessiert. So ist es natürlich, dass ein Mensch, der zu Zeiten Mozarts lebt, ein anderes Verhältnis zur Natur und sein soziales Umfeld haben wird. Er wird eine andere Haltung, eine andere Atmung haben, und anders klingen. Aus rein schauspielerischer Perspektive muss sich auch der Gesang ändern. dafür hab ich klassische Gesangstechnik gelernt, die im Grunde nicht anders als im Musical ist, aber weit mehr Körpereinsatz verlangt. Ich find das sehr spannend. Ich liebe in diese Gesangsrollen zu schlüpfen, aber auch wieder raus zu schlüpfen. Mein ganzes Herz hängt nämlich noch immer an der Rock und Popmusik!

• In sehr bekannten Musicals waren Sie bisher auf den großen Bühnen Österreichs und Deutschlands zu sehen, u.a. in „Romeo und Julia“, „Evita“, „West Side Story“, „Jesus Christ Superstar“ und viele mehr. Wenn Sie einmal auf diese verschiedenen Stücke und Rollen zurückblicken, welche ist und bleibt für Sie bis heute die schönste Rolle und gibt es für Sie so etwas wie DIE perfekte Traumrolle noch?

R.K: Das ist schwer zu sagen, eigentlich ist es immer die Rolle, die man gerade spielt die Wichtigste. Mit Khashoggi bin ich schon SEHR begeistert. Ich denke, es gibt noch einige schöne Rollen, die auf mich warten. Phantom und Graf Krolock, Frankenfurter zum Beispiel.

• Aktuell stehen Sie als „Khashoggi“ im Musical „We will rock you“ auf der Bühne – wie würden Sie diesen Bühnencharakter in Ihren eigenen Worten beschreiben?

R.K: Ich spiele die Rolle des bösen , fiesen Militärkommandanten, der Verhöre abhält und Folterungen durchführt. Er ist ein sehr cleverer Typ, der durchaus mediale Fähigkeiten besitzt, die er bei seinen Verhören einsetzt. Er genießt seine Macht, andere zu quälen. Er vertritt die Exekutive. Sein größter Alptraum wäre aber, wenn es keine Rebellen mehr gäbe, dann ist er nämlich Arbeitslos und nutzlos, also lebensgefährlich bedroht. Neben der lustbetonten und unberechenbaren Killerqueen ist er derjenige, der sich unter Kontrolle halten muss. Gefühlsduseleien gibt es für ihn nicht. Trotzdem hat er auch eine andere Seite: Im Stillen mag er die verbotene Rockmusik, wenn er sie auch nicht lieben darf, ist er von ihr fasziniert. Das Verbotene reizt ihn ungemein, wie die  englische Sprache. Er begeht den Fehler die 2 Anführer der Verschwörung entkommen zu lassen, wonach ihm die Killerqueen eine Gehirnwäsche verpasst. Damit ist er schließlich in der gleichen Situation, wie seine ehemaligen Feinde, mit denen er sich zu Ende verbrüdert. Für mich ist das eine tolle Rolle und fordert mich gesanglich heraus, denn hier kann ich endlich meine hohe Rockstimme ausleben!

 • Und wie würden Sie das Musical „We will rock you“ jemandem beschreiben, der es noch nie zuvor gesehen hat?

R.K: Queens geile Musik, die alle Stilarten zu bieten hat, von Rock über Funk bis Balladen, alles dabei! Lustige unterhaltsame Szenen, selten eine Show erlebt, die so sehr von der Reaktion des Publikum leben.

• Haben Sie auch schon vor Ihrer Zeit bei WWRY die Musik von Queen gehört, bzw. Gemocht?

R.K: Meine erste Platte auf der eigenen Stereoanlage war Queen Greatest. Unvergesslich für mich das Erlebnis von “Now I´m Here” mit seinen tollen Stereoeffekten von links nach rechts und zurück! Freddys  Gesang und Brians  Gitarren haben mich fasziniert.

• Wie reagiert das Publikum auf Sie, wenn sie Sie nach der Show am Bühneneingang treffen – schreckt Ihre Rolle die Menschen eher ab?

R.K: Ich glaub nicht, dass jemand vor Khashoggi Angst hat, schließlich hat er neben seiner Aggressivität schon ein paar blöde Sprüche parat, die ihn, wenn schon nicht sympathisch, dann eher harmloser machen. Zu Beginn, kannten mich die Fans noch nicht so recht, weil ich privat braune Haare und manchmal eine kleine Brille trage. Aber mittlerweile hat sich´s herum gesprochen, und die Reaktionen, die ich bekomme sind wirklich herzlich. Ich unterhalte mich gerne mal länger mit meinen Fans, wir setzen uns zusammen. Mich interessiert auch wer sie sind und wo sie herkommen. Manche sind mir schon echt ans Herz gewachsen, sie besuchen mich, wo immer ich spiele.

 • Als Zuschauer erlebt man WWRY als unterhaltsame, doch auch relativ anstrengende Show – mit sehr lauter Musik, schwungvollen Szenen uvm. Ist es für Sie als Darsteller nicht auch sehr anstrengend allabendlich diese perfekte Leistung zu bringen und z.B. solch einer Lautstärke ausgesetzt zu sein?

R.K: Die Lautstärke ist für uns kein Problem, unsere Tontechniker sind bestrebt uns auf der Bühne nur die Unterstützung zu geben, die wie brauchen. Dass Rockmusik lauter sein muss, ist aber klar und gut so! Vor jeder Vorstellung habe ich mein Ritual mich aufzuwärmen. Atemübungen, Streching, und leichte Gesangsübungen. Seit einiger Zeit hab ich auch Pilates in mein Aufwärmprogramm genommen, dabei lernt der Körper noch besser in Zentrum zu sein uns in Balance zu bleiben. Tolle Sache! Die Show täglich zu spielen verlangt sehr viel Konzentration. Wenn man glaubt, man kann eh schon alles, dann kommen die Blackouts von ganz allein. In solchen Situationen muss man so gelassen wie möglich bleiben, mal kurz nachdenken, in welcher Szene man gerade ist, vielleicht die Augen schließen und hoffen, dass der Körper dir die Antwort gibt. Meistens merkt das Publikum davon garnix, aber für den Schauspieler selbst ist das ein Schreckmomente, der einem wie eine Ewigkeit erscheint.

• Haben Sie eine Lieblingsszene innerhalb des Musicals und gibt es Passagen oder Szenen, die Ihnen nicht so gut gefallen?

R.K: Ich mag den Kontrast zwischen den Szenen. Das Schöne daran ist ja, dass man in der Situation ganz ernst bleibt, während der Text teilweise socher Schwachsinn ist, dass sich das Publikum zerkugeln kann vor Lachen. Besonders mag ich die Verhörszene mit Gallileo  und die andere mit Killerqueen vor “Kind Of Magic”. Dann natürlich auch vorm Song “Seven Seas Of Rhye”. – Ich komm ja aus dem Schwärmen gar nicht mehr heraus, wie man sieht, mir machst auch nach ca. 150 Shows noch immer Spaß.

• Gab es bei WWRY schon einmal Pannen, die man als Darsteller nicht so schnell vergisst?

R.K: Bis jetzt ist alles immer “glimpflich” verlaufen. ;-)

• Sie schrieben auch schon eigene Kinderprogramme, Poplieder sowie ein eigenes Musical für Kinder – inwiefern können wir uns Ihr Engagement auf diesem Gebiet vorstellen?

R.K: Kinder sind die Zukunft, dafür kann man nicht genug Zeit investieren. Es kommt sicher mehrfach zurück. Seit der Geburt unserer Tochter konnte ich das erfahren. Ich hab bereits ein Musical im Wiener Raimundtheater zur Aufführung gebracht, momentan schreibt meine Tochter(12) gemeinsam mit mir an einem neuem Musical. In meinem Kinderprogramm, “Wunderbarer Tag” hab ich eine Reise mit den Kindern erfunden, in der sie mit singen mitentscheiden dürfen. Die Reaktion von Kindern ist so direkt und unmittelbar, diese Energie ist etwas ganz besonderes.

• Reinwald Kranner privat – wie verbringen Sie Ihre Freizeit?

R.K: Am Liebsten verbringe ich meine Zeit mit meiner Frau und unserer Tochter. Wann immer ich Zeit habe, gehe ich gerne auf Konzerte, Theaterabende und Ausstellungen, das ist die Verlängerung meines Berufs. dabei lerne andere Künstler kennen, die mir Inspiration geben.

• Haben Sie auch stets die Gelegenheit die Orte, an denen WWRY spielt, näher kennenzulernen?

R.K: Dadurch wir als Künstler öfter an anderen Orten spielen, nutze ich gerne die Chance neue Städte zu erkunden. Stuttgart war für mich schon eine echte Überraschung, Berlin kenne ich schon von meinem Gastspiel mit “The Producers”, ich habe gute Freunde die mit mir die Vielfalt der Stadt zeigen., und gibt dauernd was Neues zu erobern.

• Welche Zukunftswünsche und zukünftigen Projekte haben Sie?

R.K: Ich freu mich sehr, dass das Berliner Publikum unser Stück so sehr annehmen, wir wünschen uns dass We Will Rock You noch lange lange läuft. Es macht richtig Spaß! Ich hoffe, die Zukunft bringt mir viele weitere schöne Aufgaben, wie als Khashoggi. Nachdem ich voriges Jahr Evita inszeniert und choreographiert habe, werde ich kommenden Sommer für Jesus Christ Superstar Regie und Choreographie führen, das bei den Festspielen Röttingn/bei Würzburg in deutscher Sprache aufgeführt wird. Ich habe die Castings eben abgeschlossen und freu mich sehr darauf.

Franziska Maier

Franziska Maier

> Offizielles Mitglied der "bdfj" Bundesvereinigung der Fachjournalisten e.V. > Studium der Germanistik, Geschichte, Politikwissenschaft und ev. Theologie* Beruf der Realschullehrerin (inkl. des Amtes der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit) > Journalistische Tätigkeit bei diversen Magazinen (Veröffentlichung von Artikeln u.a. bei Da Capo, Thats Musical, Blickpunkt Musical, Esslinger Zeitung...)