Interview mit Relax

Interview mit der Band Relax

relax

1. „Immer sche relaxed bleim“ lautet der Titel des neuen Albums – ein passendes Motto für vielerlei Lebenssituationen. Inwiefern passt der Titel zu Ihrem Leben, bzw. zur Geschichte der Band?

R: Der Titel unseres aktuellen Albums ist, wenn es manches Mal auch etwas schwer fällt, schon mein Lebensmotto. Warum unnötig Stress und Ärger haben, wenn sich alles mit einem Lächeln oder freundlichem Wort klären lässt.

Ich sag` mir immer: „Wie man in den Wald hineinruft, so schallt es wieder heraus.“

2. 30 Jahre Relax – welche Momente im Laufe der Bandgeschichte waren für Sie die unvergesslichsten und weshalb?

R: Es gab deren Momente doch recht viele. Seien es goldene Schallplatten, oder die  

      Vielzahl anderer Ehrungen die wir entgegennehmen durften.

      Das größte aber ist und bleibt für mich, dass wir so viele Menschen mit unserer Musik

      Erreichen konnten.

3. Die Besetzung der Gruppe variierte im Verlauf der Jahre stark – so stiegen einige Bandmitglieder aus, neue kamen hinzu. Hat dieser Prozess denn Auswirkungen auf die allgemeine Karriere der Band gehabt und wenn ja, inwiefern?

R: Die Eine oder Andere Änderung der Besetzung gibt es im Laufe der Jahre bei vielen

Bands. Es kommt immer darauf an, wie man damit umgeht. Also, auch hier wieder: „Immer sche relaxed bleim“.  Dann hat dieser Prozess auch keine negativen Auswirkungen auf die Karriere. Und schmutzige Wäsche waschen ist nicht mein Ding.

4. Die Texte der Gruppe Relax waren stets auf Bayerisch verfasst, nicht umsonst bezeichnete man den Stil als „Bayerischen Mundartrock“. Gab es denn besonders zu Beginn der Karriere Probleme deswegen und vor allem auch Schwierigkeiten von Seiten des Publikums mit dem Verstehen der Texte?

R: Unsere Texte waren es immer und werden auch immer im bayerischen Dialekt bleiben.

Und das bayerisch das wir singen ist, glaube ich, doch für jeden gut verständlich. Dass wir bedingt durch den Dialekt mehr im süddeutschen Raum ankommen bleibt daher wohl kaum aus. Aber dafür kommen ja noch Österreich und auch die Schweiz hinzu. In

Österreich konnten wir zwei Singles vergolden, und in der Schweiz ein Album. Herz was willst du mehr.

 

Damit wäre ja wohl auch Frage 5 beantwortet.

5. Bleiben wir noch einmal beim Textverständnis – wirkte sich dieses auch auf Ihren Erfolg an sich aus, d.h. wurden Sie mehr im süddeutschen Raum gebucht und in dortigen Radiosendern gespielt?

6. Die Zeit der Neuen Deutschen Welle gilt als „Hoch-Zeit“ vieler Bands. Auch Relax waren in dieser Zeit besonders bekannt und beliebt. Wie würden Sie die Neue Deutsche Welle nun im Nachhinein beschreiben? Was war charakteristisch für die Musik und die Interpreten?

R: Die Neue Deutsche Welle war ja wohl das Beste was der deutschsprachigen Musik je  

      passieren konnte.  Es wurde vieles Neues ausprobiert und experimentiert. Die Texte

      wurden plötzlich ganz anders. Mal mehr Humor, mal etwas aggressiver. Der Musikstil

      veränderte sich. Dann auch total neue und wilde Outfits. In gewisser Weise eine

      Revolution. Und das sprach die jungen Leute einfach an. Kurzum, die Neue

      Deutsche Welle gab das Lebensgefühl der Jugend wieder.

7. Würden Sie sich als typische Band der NDW bezeichnen?

R: Ich würde RELAX jetzt nicht unbedingt als typische NDW Band bezeichnen. Zumal die

Neue Deutsche Welle zu dem Zeitpunkt als wir plötzlich Erfolg hatten doch schon ziemlich zu Ende war.

Aber es gibt ja in gewisser Hinsicht seit einigen Jahren wieder ein Aufblühen der

Deutschsprachigen Musik. Und das hat dann doch viele, viele neue und wirklich sehr gute Bands und Solointerpreten mit sich gebracht. Klasse. Hoffentlich ändert sich das nicht mehr.

8. Haben Sie denn bis heute noch Kontakt zu Künstlern wie Nena, Hubert Kah oder Markus? (1983 gingen Sie ja mit diesen Musikern auf große Deutschland Tour)

R: Die Tour damals war einfach super. War zwar sehr stressig, aber a ries`n Gaudi. Wir haben uns alle bombig verstanden. Rock `n` Roll einfach.

Aber Kontakt hatten wir danach leider kaum, da einfach auch die Zeit fehlte und jeder mit seiner Arbeit  beschäftigt war. Schade. Aber ich denke immer wieder gerne daran

zurück.

9. Relax trat auch einmal, im Jahr 1984, beim Vorentscheid zum Eurovision Song Contest an – wie kam es dazu und waren Sie mit dem Ergebnis (Platz 9) zufrieden?

R: Wie kam es dazu. Nun, es wurde seitens unserer damaligen Plattenfirma an uns

herangetragen. Ich war von Anfang an dagegen, da für mein Dafürhalten eine Band die im Dialekt singt da nichts verloren. Aber wie das nun in einer Demokratie ist, ich wurde

überstimmt.  Die Platzierung hat mir dann doch Recht gegeben. Nun gut, Vorbei und vergessen.

10. Verfolgen Sie bis heute noch den Eurovision Song Contest mit und wenn ja, wie finden Sie die Veränderungen, die es im Laufe der Jahre gab? (Erweiterung der Teilnehmeranzahl/-länder, Punktevergabesystem, zukünftige Chancen Deutschlands)

R: Der ESC ist wohl doch eher eine Bühne für andere. Nicht meine Welt. Sorry.

11. Könnten Sie sich vorstellen, noch einmal beim ESC Vorentscheid anzutreten und würden Sie gerne Deutschland vertreten?

R: Nein, eine nochmalige Teilnahme beim ESC kommt für mich nicht in Frage.

12. Wenn Sie sich die Entwicklung der Musikbranche betrachten, wie schätzen Sie die Chancen einer Band ein, die heutzutage bekannt werden möchte?

R: Wenn eine Band ein gutes Konzept und gute Songs hat, hat sie immer eine Chance.

13. Stichwort „bekannt werden“ –  würden Sie sagen, dass es heute leichter ist, bekannt zu werden, vor allem durch TV Formate wie „DSDS“ oder „Das Supertalent“ oder war es früher einfacher, in Zeiten von Sendungen wie der „ZDF Hitparade“?

R: Es ist heutzutage nicht schwerer und nicht leichter als früher. Man muss sich nur

Irgendwie von anderen abheben. In welcher Form auch immer.

14. War es von Anfang an Ihr Ziel, mit der Band Relax berühmt zu werden oder standen erst einmal andere Dinge im Vordergrund?

R: Das Bestreben eines Musikers ist es immer Erfolg mit seiner Musik zu haben. Leider

hat man darauf keinen Einfluss. Es kommt einfach darauf an zur richtigen Zeit den

richtigen Song zu haben. Wir hatten dieses Glück.

Interview: Franziska Maier

Franziska Maier

Franziska Maier

> Offizielles Mitglied der "bdfj" Bundesvereinigung der Fachjournalisten e.V. > Studium der Germanistik, Geschichte, Politikwissenschaft und ev. Theologie* Beruf der Realschullehrerin (inkl. des Amtes der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit) > Journalistische Tätigkeit bei diversen Magazinen (Veröffentlichung von Artikeln u.a. bei Da Capo, Thats Musical, Blickpunkt Musical, Esslinger Zeitung...)