Interview mit Schauspieler Urs Remond

Interview mit Urs Remond

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• War es von Kindesbeinen an Ihr Wunsch, Schauspieler zu werden oder hatten Sie ursprünglich völlig andere berufliche Ziele?

 

Bin in Kamerun (Afrika) aufgewachsen und hatte erstmal die üblichen Berufswünsche wie z.B. Helikopterpilot etc.  Zurück in der Schweiz mit ca. 13 Jahren, war eine meiner ersten TV-Sendungen, die ich überhaupt gesehen habe, ein Ballettwettbewerb und das was diese Jungs konnten, wollte ich unbedingt auch können, klassischer Ballettänzer wurde also mein neues Berufsziel, dem dann Jahre später ein Motorradunfall ein Ende setzte…

 

 • Wann genau entdeckten Sie Ihre Liebe für die Schauspielkunst und wurde Ihr Talent auch gezielt von Ihren Eltern oder Lehrern gefördert?

 

Erst mit etwa achtzehn/ neunzehn Jahren nach besagtem Unfall orientierte ich mich Richtung Schauspiel, was meinen Eltern sicher schon etwas lieber war als Ballett. Voraussetzung war jedoch, dass ich eine Prüfung in einer staatlichen Schauspielschule bestand. Generell hätten meine Eltern damals sicher nichts gegen ein sog. ‘normales’ Studium gehabt, später haben sie mich jedoch immer unterstützt.

 

• Wie können sich unsere Leser Ihre Ausbildung vorstellen?

 

3jähriges Studium an der Hochschule für Musik und darstellende Kunst in Hamburg, Sprecherziehung, versch. Techniken Rollenstudium, Gesang, Bühnenfechten, – Tanz etc.

 

• Erinnern Sie sich noch an Ihre erste Rolle als Laie und als Profi?

 

Als Laie mit etwa fünf Jahren beim Krippenspiel hatte ich die undankbare Aufgabe im Hintergrund einen Grashalm spielen zu müssen, der sich ab und zu im Wind wiegen durfte, während die anderen Kinder neben den bekannten Hauptrollen wenigstens Blumen oder Schmetterlinge etc. geben durften. Vielleicht habe ich damals unterbewusst Rache geschworen (‘Eines Tages werde ich es euch zeigen…’)

 

• Welche bisherigen Rollen würden Sie als Ihre persönlichen Favoriten bezeichnen und weshalb?

 

Meistens die aktuellen Aufgaben… aber die Medicopter-Jahre haben wirklich sehr viel Spass gemacht, vor allem auch zwischenmenschlich.

 

• Gibt es für Sie noch so etwas wie eine Traumrolle, die Sie gerne einmal spielen würden?

 

Einen klaren, straighten Ermittler im Stile eines ‘Inspector Lynley’.

 

• Für viele Schauspieler ist es ein Wunsch, einen bösen oder zerrissenen Charakter zu verkörpern. Teilen Sie diese Ansicht?

 

Ja und ich hatte auch schon oft die Gelegenheit dazu…

 

• Mussten Sie bisher schon feststellen, dass Sie gerne für dieselben Rollenprofile besetzt werden?

 

Ja, anfangs lange Jahre besagte ‘bösen’ Charaktere, dann folgten einige Jahre die guten Helden (Medicopter 117, John Sinclair) und jetzt scheine ich langsam wieder zu den eher zerrrissenen Figuren zurückzukehren.

• Gibt es bei der Auswahl an Rollen irgendwelche Tabus für Sie, so dass Sie diese ablehnen würden?

 

Eigentlich nur im Zusammenhang mit der Qualität des Projekts.

 

• Kam es dennoch in der Praxis schon vor, dass Sie Rollen bewusst ablehnten?

 

Ja, hatte immer mit besagter Qualität zu tun

 

• Die meisten Schauspieler hegen den Wunsch, nach etlichen Fernsehrollen auf die Theaterbühne zurückzukehren. Wie ist das bei Ihnen und welche Vor-und Nachteile hat in Ihren Augen das Theater sowie das Fernsehen?

 

Die live-Situation, die Interaktion mit dem Publikum liebe ich am Theater, jedoch nur noch in der Funktion des Regisseurs oder Autors. Als Schauspieler ziehe ich die Kamera vor.

 

• Kam es schon vor, dass man Sie so sehr auf eine Filmrolle reduzierte, dass Passanten Sie mit dem Namen Ihres Filmcharakters ansprachen?

 

Eigentlich nur im Zusammenhang mit Medicopter 117 und der Dr. Harland – Figur vor vielen Jahren, vor allem in Österreich.

 

• Vielen Zuschauern sind Sie u.a. noch aus der RTL Serie „Geisterjäger John Sinclair“, die auch auf DVD erschienen ist, bekannt. Für die damalige Zeit war die Serie schon technisch weit entwickelt – wie würden Sie diese Serie und Ihre Rolle für all diejenigen beschreiben, die sie noch nicht sahen?

 

Eine Gruselserie würde ich sagen, basierend auf der bekannten Bastei-Romanreihe. Ich war Bill Conolly, der beste Freund Sinclairs, der mit ihm allerlei Hexen, Zombies und anderen Monstern den Garaus machte,

 

• Weshalb war, trotz des Erfolges, nach 9 Episoden Schluss?

 

Die damalige Ausstrahlung war leider kein so großer Erfolg. Erst später erlangte die Serie eine Art Kultstatus.

 

• Haben Sie noch Kontakt zu Ihren damaligen Schauspielerkollegen und –kolleginnen?

 

Nein

• Sie wagten noch einmal eine Reise in die Welt der Finsternis, als Sie u.a. Regie im Berliner Hebbel-Theater bei der Produktion „Dracula“ führten – fasziniert Sie die Welt der Mystik und Legenden denn auch persönlich?

 

Oh ja, schon immer. Den ‘Frankenstein’-Stoff habe ich auch schon für die Bühne adaptiert und zur Zeit stecke ich in den Vorbereitungen für einen schwarz-romantischen Vampir-Film.

 

• Wie soeben erwähnt, führten Sie auch schon Regie, schrieben Drehbücher und Theaterstücke. Agieren Sie lieber vor oder hinter der Kamera?

 

Unbedingt beides, gerade Schreiben und Spielen ergänzt sich ideal.

 

• Ich las, dass Sie auch eine Tanzausbildung absolvierten – haben Sie früher in Erwägung gezogen, in den Bereich „Musicals“ zu wechseln oder kam dies nicht für Sie in Frage?

 

Als Darsteller nie, nein. Jahre später habe ich mit Luci van Org (Lucilectric ‘Mädchen’) ein sehr witziges Musical geschrieben, das ich auch inszenieren sollte. Leider scheiterte das Projekt an der Finanzierung (wie so oft).

 

• Wie sehen Sie persönlich die Entwicklung der deutschen Film-und Serienlandschaft?  (Es gab eine Zeit, in der die amerikanischen Formate oft bevorzugt wurden)

Ich bin ein großer Fan amerikanischer Formate (Wire, Braking Bad, Hung, Dexter, True Blood etc.)

 

• Welche Ratschläge würden Sie jungen Leuten, die den Traum haben selbst Schauspieler zu werden, mit auf den Weg geben?

 

Ein zweites Standbein!

• Welche zukünftigen Projekte sind bei Ihnen in Planung?

 

Oh viele, sowohl als Autor, Regisseur und Schauspieler.

 

Interview: Franziska Maier

Fotos zur Verfügung gestellt von  Urs Remond

Franziska Maier

Franziska Maier

> Offizielles Mitglied der "bdfj" Bundesvereinigung der Fachjournalisten e.V. > Studium der Germanistik, Geschichte, Politikwissenschaft und ev. Theologie* Beruf der Realschullehrerin (inkl. des Amtes der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit) > Journalistische Tätigkeit bei diversen Magazinen (Veröffentlichung von Artikeln u.a. bei Da Capo, Thats Musical, Blickpunkt Musical, Esslinger Zeitung...)