Interview mit Schauspielerin Eva Maria Bayerwaltes (SOKO Stuttgart)

Interview mit Eva Maria Bayerwaltes

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1. Frau Bayerwaltes, nach Ihrem Abitur absolvierten Sie Ihre Schauspielausbildung am Salzburger Mozarteum – ein sehr zielstrebiger Weg. Hatten Sie denn als Kind bereits den Wunsch, Schauspielerin zu werden oder gab es doch einst andere Berufswünsche?

EMB: Also, wenn ich nun ehrlich die Hintergründe berichte, dann glaubt mir das wohl kein Mensch. Ich war auf einem humanistischen Gymnasium und hatte eine große Vorliebe für Latein und Altgriechisch. Ursprünglich wollte ich Archäologie studieren. 1968, ein Jahr vor dem Abitur, machten wir eine Studienfahrt nach Salzburg und Wien. Bei dieser Gelegenheit verliebte ich mich in die Stadt Salzburg, obwohl ich vor hatte, in Bonn zu studieren. Doch als ich dann noch einen Bericht über das Mozarteum in Salzburg sah, beschloss ich, diesen Weg zu gehen. Das Mozarteum hatte damals ein relativ kleines Schauspielseminar, mit heute nicht mehr vergleichbar, aber gerade das hat mir gefallen. Ich erkundigte mich also, welche Aufnahmevoraussetzungen notwendig seien, um dort studieren zu dürfen. Man sagte mir, dass ich 3 Rollen zum Vorsprechen vorbereiten solle. Praktisch war, dass die Aufnahmeprüfung genau zu dem Zeitpunkt lag, als meine Eltern mir nach dem bestandenen Abitur eine Reise nach Salzburg schenkten. Doch die Prüfung lag einen Tag vor unserer Schulabschlussfeier, also musste ich nachts wieder zurück nach Hause fahren. Ich war damals völlig ahnungslos, lief also in Salzburg herum und machte mich fein für das Vorsprechen. Mit einem weißen Kleid kreuzte ich dort auf, völlig unbedarft. Die anderen Leute, die sich dort bewarben, waren natürlich schon viel routinierter und wussten, was auf sie zukam. Frau Prof. Hilde Weissner leitete die Aufnahmeprüfung, sie war in den 40er Jahren eine sehr bekannte Schauspielerin. Sie forderte mich dann auf, die „Iphigenie“ von „Goethe“ vorzutragen sowie weitere Monologe. Nach meinem zweiten Monolog fragte mich die Dame, ob ich nicht etwas Temperamentvolleres bieten könnte. So übertrieb ich also bei meinem nächsten Vortrag, doch es gefiel den Herrschaften. Danach folgte eine peinliche Frage, nämlich die nach meiner Musikalität. Doch diese musste ich verneinen, ich bin völlig unmusikalisch. Dennoch bestand ich diese Aufnahmeprüfung und so wurde ich Schauspielerin. Eigentlich ein sehr ungewöhnlicher Weg, da ich nicht von klein auf dieses Ziel hatte. Vielleicht spiele ich auch meine Rolle in „SOKO Stuttgart“ deswegen so gerne, da ich hier eine Wissenschaftlerin verkörpere. Der Beruf der Schauspielerin war mir an sich nie wissenschaftlich genug- es macht zwar Spaß, doch dieses wissenschaftliche Arbeiten, das ich noch aus der Schule kannte, das fehlt mir bis heute. Eine Herausforderung in geistiger Hinsicht war nie da, erst jetzt, bei SOKO, wo ich mich mit Medizin befassen darf, ist dieser Aspekt vorhanden.

 

2. Nach Ihrer Ausbildung sowie Ihrem Studium spielten Sie viel Theater – ein richtiger Weg für Sie oder wären Sie lieber direkt in die Tv Branche eingestiegen?

EMB:  Ich finde es völlig indiskutabel, dass junge Menschen teilweise ohne Ausbildung direkt in TV Rollen gesteckt werden. Die Zeit am Theater brachte mir unendlich viel. Man lernt sein Handwerk auch wirklich nur am Theater. Es ist ein ganz anderes Metier. Uns war beispielsweise das Drehen während der Ausbildung strikt verboten. Heutzutage ist das ja völlig anders. Wenn man ein guter Typ ist und gut aussieht, wird man schnell mal für eine Produktion engagiert. Doch einer wie der andere ist austauschbar. Und wenn diese Leute dann mal nichts zu tun haben, fallen sie in tiefe Löcher, da sie nicht wirklich etwas anzubieten haben. Der Beruf des Schauspielers ist ohnehin sehr schwierig, da man oft mit Arbeitslosigkeit zu kämpfen hat. Man braucht entweder reiche Eltern oder einen reichen Ehemann – das ist eben die Kehrseite!

 

3. Wurde Ihr Talent gezielt von Ihren Eltern und/oder auch Lehrern gefördert?

EMB: Ich hatte schon immer die Affinität für das Schauspiel. Auch während meiner Schulzeit habe ich Theaterstücke inszeniert. Da spielte ich ausschließlich die Männerrollen. Doch da es so viel Spaß machte, konnte ich mir gar nicht vorstellen, dass so etwas auch ein ernstzunehmender Beruf sein könnte! Ich sehe das Schauspielen nicht als Arbeit – Arbeit ist für mich mein Hausputz. Doch das Drehen ist für mich eher eine Art Urlaub! Ich bin sehr dankbar, dass ich in meinem Alter noch die Chance erhalte, diesen Beruf so aktiv auszuüben! Allerdings konzentriere ich mich auch bewusst darauf und darum findet man von mir auch nicht sehr viel im Internet, da ich keine Lust habe, mein ganzes Leben darauf auszurichten. Eine Agentur gibt zwar die Infos über mich heraus und diese stehen auch im Internet, aber ich habe lieber persönliche Kontakte. Es ist an sich ein Unfug, Freundschaften bei diversen Internetplattformen anzubieten – gut, meine Tochter ist da natürlich auf dem Laufenden und aktiv dabei. Doch ich sehe das so, dass Freunde Menschen sind, die ich persönlich kenne, mit denen man durch Dick und Dünn gegangen ist und nicht irgendjemand, der sich durch Zufall dort anmeldet!

 

4. Kommen wir nochmals zu Ihrer Zeit am Mozarteum zurück – wie genau können wir uns Ihre Ausbildung dort vorstellen?

EMB: Nicht besonders gut – ich hatte Unterricht in Gesang, dann Training im sog. Dramatischen Unterricht, Bühnenkunde, Kostümkunde, Literaturgeschichte – wir mussten auch ein Diplom schreiben, nach später kein Mensch fragt. Atemtechnik, Stimmtechnik, wobei das anfangs nicht so gut war. Erst als Dieter Haug kam, bekamen wir einen sehr guten Stimmbildner und es war sehr auffällig, dass ich bei diesem jeden Tag im Unterricht war. Nach einem halben Jahr  wurde mir dann mitgeteilt, dass meine Stimme durch diesen regelmäßigen Unterricht gerettet worden war! Meine Stimme war zuvor anscheinend so kaputt und strapaziert, dass der Lehrer überlegte, mich rauszuschmeißen, doch der Leiter, Herr Haug, riet ihm, sich um mich zu bemühen, da ich talentiert sei. Zum Glück wusste ich von diesen ganzen Begebenheiten, die sich im Hintergrund abspielten, nichts. Ich hätte wohl aufgegeben. Doch viele beherrschen diese richtige Technik nicht und man kann seine Stimme auch zerstören durch die falsche oder fehlende Technik! Seit 1982 lebe ich in München als freiberufliche Schauspielerin und da machte ich noch einige gute Workshops mit, von denen ich sehr profitierte. Es gibt natürlich auch Workshops, die überhaupt nichts bringen und die eher eine Art Selbstfindungstrip sind. Doch zum Glück hatte ich genügend, die mich weiterbrachten und die mir halfen. Ich besuchte solche zusätzlichen Ausbildungen bis zu der Zeit, an dem meine Tochter geboren wurde. Seither habe ich schlichtweg nicht mehr die Zeit dazu gehabt! Auch nicht zum Theaterspielen. Auch wenn ich es sehr schade finde, doch für Theaterproduktionen geht sehr viel Zeit drauf und das für sehr wenig Geld und das kann ich mir nicht mehr leisten.

 

5. Nachdem Sie Ihr Diplom als staatlich geprüfte Bühnendarstellerin erhalten haben, folgten zahlreiche Engagements an Theatern, ehe Sie 1972 Ihr Filmdebüt beim Fernsehen hatten: Sie spielten in der Serie „Der Kommissar“ die „Schwester Ignatia“. Wie kamen Sie damals zu dieser Rolle?

EMB: Das war noch auf der Schauspielschule! Das erste Engagement war 1972-1975 in Freiburg. Fernsehen und Film war für mich völlig abartig. Das einzig Wahre und künstlerisch Hochwertige war das Theater. Doch Dieter Haug, der Leiter meiner früheren Schule, drehte auch viele Filme und eines Tages kamen mehrere Mitschüler von seinen Jahrgängen auf mich zu und teilten mir mit, dass ich in einer Folge von „Der Kommissar“ spielen sollte. Ich wusste allerdings noch gar nichts von meinem „Glück“, bis Herr Haug mich darüber informierte, dass ichfür  eine Rolle in der Serie „Der Kommissar“ vorgesehen war. Es war nur eine kleine Rolle und außer der Reihe. Es war auch nichts, was mich reizte. Ich fand es eher albern, dass man jede Szene zig mal drehen konnte, das war ja keine Herausforderung mehr. Beim Theater entwickelt man alles langsam in einem Prozess. Beim Drehen muss man sofort von Null auf Hundert kommen und alles direkt parat haben, sobald die Kamera läuft. Man hat keine Zeit zu proben. Viele Jahre war das kein Metier für mich, ich spielte an etlichen Theatern, auch in Marburg, Heidelberg oder in Singen am Bodensee. Und genau dort erhielt ich dann einen Anruf von meiner Agentur, bzw. diese gaben dem Regieassistenten von Edgar Reitz meine Nummer, da dieser gerade die Serie „Heimat“ drehte, den großen 11 Teiler. Sie wollten mich für die Rolle der „Pauline Kröger“ haben. Doch es gab ein Problem: Die Drehtage wären zwar alle realisierbar gewesen, bis auf ein paar, an denen ich Theateraufführungen hatte und so sagte ich ab! Doch dann kam alles anders als man denkt: Für die Drehtage wurden die  Vorstellungen im Theater extra wegen mir abgesagt, da man mir diese einmalige Chance nicht vermasseln wollte! Und dann fing der Stress erst an! Ich musste immer mittwochs bis samstags am Bodensee Theater spielen, dann fuhr ich direkt zum Drehort, nach zwei bis drei Stunden Schlaf fing ich dort direkt zu drehen an, sonntags, montags, dienstags – danach fuhr ich nach Marburg, um Wäsche zu waschen etc. und dann wieder nach Singen zum Theaterspielen. So könnte man heutzutage nicht mehr drehen! Allerdings war es auch eine tolle Rolle – ich spielte eine Frau im Alter von 30 bis 60! So bekam ich vom Maskenbildner eine Altersmaske angefertigt und spielte in „Heimat 2“ nochmals dieselbe Rolle. Ich bin sehr dankbar, dass ich diese Erfahrung machen durfte!

 

6. Ab den 80er Jahren waren Sie regelmäßiger Gast in zahlreichen Fernsehproduktionen. Wenn Sie persönlich auf Ihre Rollen zurückblicken – welche war Ihrer Meinung nach die größte Herausforderung für Sie und welche spielten Sie am liebsten?

EMB: Oh, da gibt es sehr viel. Natürlich „Heimat“ oder „in aller Freundschaft“. Da ich überhaupt kein sexy Typ war und bin, habe ich völlig andere Rollen erhalten als z.B. Iris Berben oder Christine Neubauer. Doch ich sehe das als Glück, denn so konnte ich ohne auf einen Typ festgelegt worden zu sein, Rollen spielen. Allerdings mit Einschränkung: Viele Regisseure sehen in mir doch den Typ der Bäuerin oder der resoluten Krankenschwester, womöglich noch lesbisch. Solche Klischees bekommt man im Laufe der Zeit leider übergestülpt und so ist das Rollenangebot auch nicht immer vielfältig.

 

7. Aktuell sind Sie in der Krimiserie SOKO Stuttgart zu sehen – dort spielen Sie die Gerichtsmedizinerin Prof. Dr. Lisa Wolter – wie würden Sie unseren Lesern Ihre Rolle in eigenen Worten beschreiben?

EMB: Zuerst einmal bin ich froh, dass ich nicht Schwäbisch sprechen muss, dafür ist Christian Pätzold zuständig. Das würde auch zu der Rolle nicht passen und ich bin froh, da drum herum gekommen zu sein. Prof. Wolter ist sehr gewissenhaft, entwickelt neue Untersuchungsmethoden und bringt dem toten Körper hohen Respekt und Behutsamkeit entgegen.

 

8. Stört es Sie, dass Sie in der Serie stets auf einen Bereich begrenzt werden, nämlich Ihre Tätigkeit in der Gerichtsmedizin und würden Sie beispielsweise auch gerne einmal mehr in die Fälle involviert werden?

EMB: Oh ja – anfangs waren es 8 Bilder, mittlerweile nur noch 3 – 4 pro Block! Vielleicht besteht die Sorge, dass es die Zuschauer nicht interessiert, wenn man zuviel in der Gerichtsmedizin dreht. Doch ich finde, dass Prof. Wolter immer einen Wendepunkt bringt. Und ich würde mir wünschen, dass man auch manchmal genau sieht, wie sie am Tatort die Untersuchungen durchführt. Am Theater hatte ich immer den Beinamen „Die Hochdramatische“, das fällt natürlich hier flach und das ist mir völlig klar, aber ich würde mir wünschen, ein paar emotionale Momente in diesem Charakter zeigen zu können, dass man sieht, diese Frau hat noch etwas anderes als nur ihre trockenen medizinischen Begriffe. Oder es wäre schön, dass man einmal ihren anderen Wirkungsbereich sieht, denn ihren Professorentitel hat sie ja nicht einfach so, sie hält  auch Vorlesungen und manchmal sieht man ihre Studenten, die assistieren, doch da liegt dann das Augenmerk eher auf Jo, der die Studentinnen anflirtet. Man merkt also nicht, was sie ihnen beibringt. So eine Vorlesung in den Fall zu involvieren, da warte ich noch drauf. Pro Staffel eine etwas größere Geschichte, das würde ich mir wünschen! Also keine privaten Dinge, aber so etwas in der Art! Die wissenschaftliche Seite macht mir persönlich auch einen riesigen Spaß. Ich habe auch eine persönliche Beraterin, Frau Dr. Schieffer. Sehr gerne würde ich auch mal bei einer echten Obduktion dabei sein, doch meist ist dies zeitlich nicht möglich, da ich immer nur kurz am Set bin, meine Szenen drehe und wieder heimfahre. Einmal waren eine Wasser und eine Brandleiche da, doch die waren nicht so aussagekräftig. Ich glaube aber nicht, dass ich die Rolle anders spielen würde, wenn ich nun eine echte Obduktion gesehen hätte. Mein medizinisches Interesse gibt es schon länger. Ich ging beispielsweise mit einer Freundin, die in Freiburg Medizin studierte, öfters in die Vorlesungen mit. Daher kenne ich mich ein bisschen aus. Mein Vater war immer ganz begeistert, er hoffte auch, dass ich diesen unsicheren Beruf eines Tages aufgebe und Medizin studiere, doch an Chemie wäre ich gescheitert. Ich bilde mich mit anatomischen Büchern weiter und habe einfach einen Hang dazu. Die gerichtsmedizinischen Bilder in der Serie sollten eben noch ausführlicher sein, das würde ich mir wünschen!

Übrigens habe ich für diese Rolle nie ein Casting gemacht – eigentlich war die Redaktion der Meinung, ich sei zu alt für den Job, doch zum Glück gab es den Produzenten und Serienchef, die meinten, ich sei gut und authentisch und ich hoffe, dass auch meine Rolle mit altern kann. Wen stört es schon, wenn Frau Prof. Wolter langsam graue Haare bekommt oder eine Brille trägt?!

 

9. SOKO Stuttgart dreht zur Zeit die 3. Staffel und ist sehr beliebt beim Publikum. Wie erklären Sie sich den Erfolg der Serie?

EMB: Die SOKOs sind alle sehr beliebt, wie ich aus persönlicher Erfahrung weiß. Mein Mann und ich schauen diese Serien auch ausgesprochen gern. In SOKO 5113 in München spielte ich vor vielen Jahren auch die Gerichtsmedizinerin, allerdings nur ein paar Folgen lang – damals war ich ca. Mitte 30! Ich hoffe, dass diese Beliebtheit weiterhin anhält. Die Einschaltquoten sind jedenfalls sehr gut, was uns alle natürlich freut!

 

10. Wie viel von Eva Maria ist in Lisa Wolter wiederzufinden? Gibt es Parallelen oder sind Sie völlig unterschiedliche Menschentypen?

EMB: Ich muss ein wenig ausholen bei dieser Frage – eine sehr liebe Kollegin spielt bei den „Rosenheim Cops“ ebenfalls eine Gerichtsmedizinerin und da ist es so, dass kein Blut fließen darf. Sie kommt immer in eleganten Klamotten zum Tatort und sie ist sehr viel jünger und hübscher als ich –aber sind sie in dieser Serie viel unauthentischer als bei SOKO Stuttgart. Dass z.B. die Gerichtsmedizin im selben Haus wie die Polizei ist, ist totaler Unfug und das rechne ich SOKO Stuttgart sehr hoch an, dass wir sehr um Authentizität bemüht sind. Diese ganzen Späße, die bei anderen Serien die Szenen in der Gerichtsmedizin auflockern sollen, fallen bei uns weg. Und ich mache das auch nicht! Eine solche Figur hat eine Aufgabe und einen Auftrag! Ich fände es toll, wenn dass die Leute glauben, dass ich eine echte Gerichtsmedizinerin bin. Natürlich gelingt das nicht immer, aber ich möchte, dass  ich für die Zuschauer mit dieser Figur verschmelze.

 

11. Sie sind ebenfalls als Synchronsprecherin tätig und liehen bereits vielen internationalen Schauspielerinnen Ihre Stimme. Welche Voraussetzungen muss man mitbringen, um eine gute Synchronsprecherin zu werden?

EMB: Ursprünglich hatte ich vom Synchronsprechen keine Ahnung als ich nach München kam. Eine Freundin lud mich zu einer Versammlung des IVS ein, an diesem Abend ging ein Schreiben herum, wo man sich für ein Synchronsprecherseminar anmelden konnte: Zwei Tage lang fand dies im Bayerischen Rundfunk statt. Übrigens sehe ich mich auch nicht als Synchronsprecherin, sondern als Synchronschauspielerin, das ist ein großer Unterschied und viele können das auch nicht, vor allem keine Overvoice Sachen. Auf jeden Fall fiel ich bei diesem Seminar auf, da ich mich anscheinend ganz gut anstellte. So bekam ich etliche Einzeltakes und es wurde immer mehr und größer, u.a. Julie Walters in „Girls night“ oder Anémone in „Die kleinen Dinge des Lebens“. Was ich sehr gerne synchronisiere ist „Das Zauberkarussell“, eine Zeichentrickserie – ich spreche eine Kuh, Wilma, sie singt immer wie eine Opernsängerin und geht den Dorfbewohnern auf die Nerven damit. Das ist mein absolutes Kontrastprogramm zu meiner Rolle in SOKO, es macht so viel Spaß und ich kann diese Serie wirklich jedem ans Herz legen, eine ganz wunderbare Serie für Kinder! Vor allem unbedenklich und nicht so furchtbar wie diese ganzen japanischen Zeichentrickserien! Jede Folge dauert ca. eine Viertelstunde und ist sehr liebevoll gemacht!

Meine Tochter ist übrigens auch schon aktiv im Synchronsprecherbereich tätig – sie sprach in „Tintenherz“ die Hauptrolle der „Meggie“. Seit sie 11 ist macht sie das und ist so begabt darin. Sie hat das Talent, schauspielerisch zu gestalten und lässt sich auch von Regisseuren nicht sehr hineinreden. Sie macht teilweise noch viel mehr als ich und das neben der Schule. Als ihre Stimme dann älter wurde, mittlerweile ist sie 20, versuchten sie noch, dass man ihre Stimme auf eine 14jährige herunterschrauben könnte. Es gibt einfach keinen guten Nachwuchs in diesem Bereich! Sie rutschte da einfach so rein!

 

12. Wie verbringen Sie Ihre knapp bemessene Freizeit?

EMB: In meiner Freizeit mache ich alles gerne, was mit Landleben zu tun hat. Alle bodenständigen Dinge machen mir Spaß – ich habe auch in unserem Haus einen Kachelofen. Vielleicht war ich in meinem Vorleben eine Bäuerin. Auch sportlich halte ich mich fit, gehe gerne spazieren, wenn ich in Stuttgart bin, z.B. auf dem Killesberg oder ich fahre wahnsinnig gerne und viel Rad! Ich lege keinen Wert darauf, mit 60 noch wie 30 auszusehen, doch körperliche Ertüchtigung ist mir wichtig! Dazu noch meine Familie und mein Zuhause – das füllt meine Freizeit völlig aus!

 

13. Welche zukünftigen Projekte stehen bei Ihnen an – ob nun im TV, auf der Bühne oder als Synchronsprecherin?

EMB: Ich möchte gerne in SOKO größere Parts haben und meine Synchronarbeit weiterverfolgen können. Dazu einmal im Jahr eine größere Rolle spielen, wo ich ein völlig anderes Kontrastprogramm zeigen kann. Ich habe bereits so viele schöne Rollen gespielt und dennoch freue ich mich auf alles, was noch kommen wird!

 

Interview: Franziska Maier

Bilder zur Verfügung gestellt von: Eva Maria Bayerwaltes

Franziska Maier

Franziska Maier

> Offizielles Mitglied der "bdfj" Bundesvereinigung der Fachjournalisten e.V. > Studium der Germanistik, Geschichte, Politikwissenschaft und ev. Theologie* Beruf der Realschullehrerin (inkl. des Amtes der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit) > Journalistische Tätigkeit bei diversen Magazinen (Veröffentlichung von Artikeln u.a. bei Da Capo, Thats Musical, Blickpunkt Musical, Esslinger Zeitung...)