Interview mit Schauspielerin Sylvia Leifheit

Interview mit Sylvia Leifheit

Sylvia Leifheit

Frau Leifheit, Sie sind unseren Leserinnen und Lesern durch zahlreiche TV Serien und Filme bekannt und aus der gesamten TV Welt nicht mehr wegzudenken. War es denn bereits von Kindesbeinen an Ihr Wunsch, Schauspielerin zu werden und die Menschen zu unterhalten oder hatten Sie ursprünglich völlig andere Berufswünsche?

S.L: Ich wollte Anwältin werden, da ich ein Gerechtigkeitsfanatiker bin und eine Revoluzerin. Das wollte ich verbinden und damit für die Gerechtigkeit kämpfen auf dieser Welt.

Bereits während Ihrer Schulzeit haben Sie begonnen, Sprech-und Gesangsunterricht zu nehmen. Wie kam es zu diesem Schritt?

S.L: Irgendwie führte mich mein Weg zu einem Kinderchor. Dort durfte ich meiner Leidenschaft nach Publikum etwas Raum geben und sogesehen schonmal „üben“. Dort hatten wir Sprech und Gesangsunterricht.

Wurden Sie gezielt von Ihren Eltern und/oder Lehrern gefördert und waren Sie beispielsweise Mitglied der Theater AG oder des Schulchors?

S.L: Meine Eltern haben mich gefördert indem sie mich alles ausprobieren ließen, ohne Vorurteile oder Behinderungen in meinen Träumen. Und so kam es dass ich in dem Kinderchor landete.

Aufgewachsen sind Sie in Gotha, absolvierten Ihr Abitur jedoch nach der Wende in Nürnberg. War es Ihnen ein persönliches Anliegen, in den Westen zu gehen und dort Ihren Schulabschluss zu machen?

S.L: Nun, ich bin ein Kind der Wende…..und habe diese in vollen Zügen miterlebt. Mit allen Höhen und Tiefen. Ich habe noch auf der Strasse mitgeschrien „Wir sind das Volk“. Und so kam es, dass meine Eltern schnell in den sogenannten Westen zogen….und ich mitzog, da ich ja noch minderjährig war. Insofern hatte ich keine Wahl, aber ich habe diese Chance erkannt und sie geliebt. Neue Horizonte eröffnen immer auch viele neue Möglichkeiten und auf die hab ich mich sehr gefreut.

Viele unserer Leser erinnern sich bestimmt noch an die Jugendzeitschrift Poprocky – 1990 wurden Sie bei genau dieser Zeitschrift zum „Traummädchen von Deutschland“ gewählt. Hatten Sie sich damals bei diesem Wettbewerb beworben und konnte dieser Titel Ihrer Karriere bereits auf die Sprünge helfen?

S.L: Ich hatte mich nicht selbst beworben, sondern meine Schwester hat ein Foto eingeschickt. Eigentlich nur zum Spass, aber daraus wurde tatsächlich dann der Sieg. Beeinflusst hat mich das nicht was den Mädchentraum modeln angeht sondern extrem in meinem Selbstwert. Der Gewinn dieses Contests war die purste Heilung für die Momente in der Kindheit in der mich meine Mitschüler immer so gehänselt haben weil ich so hässlich aussah.

1994 wurden Sie auf einer Party entdeckt – davon träumen sehr viele Mädchen. Daraufhin folgte ein Casting für die ARD Erfolgsserie „Sterne des Südens“, bei der Sie dann ab 1995 die Animationsschülerin „Katja“ spielten. Wenn Sie sich an diese Rolle zurückerinnern, welche positiven Momente werden Sie diesbezüglich nie vergessen?

S.L: Diese Rolle war für mich ein Gottesgeschenk, weil mir bewusst war wie außergewöhnlich dieser Weg dorthin war. Es gibt und gab immerschon hunderte oder sogar tausende Kolleginnen, die Filme machen wollten, und ich bin da wie die Jungfrau zum Kind dazugekommen…..und durfte gleich so eine schöne Rolle spielen und damit 1 ganzes Jahr beschäftigt sein. Noch dazu – in der Türkei und auf Kreta im schönen RobinsonClub wohnen während der Dreharbeiten. Also war jeder freie Tag ein Urlaubstag. Genial.Das war der Beginn meines neuen Lebens, welches ich vorher so nicht einmal ansatzweise geplant oder erahnt hatte. Es war ein Gottesgeschenk und ich bin bis heute voller Dankbarkeit für diese Chance, denn auf ihr bauten alle anderen Chancen, Rollen und Kreationen auf.

Dem breiten Publikum wurden Sie außerdem durch die Serie „St. Angela“ bekannt. Allerdings spielten Sie im Laufe der Jahre auch in zahlreichen Krimis (u.a. SOKO , Der Bulle von Tölz, Adelheid und ihre Mörder uvm.) mit – was liegt Ihnen persönlich mehr : Ernsthafte Rollen zu verkörpern, bzw. im Krimi-Genre unterwegs zu sein oder lieber die „leichtere Muse“?

S.L: Da hab ich keinerlei „Wunsch“. Solange es Spaß macht und mich fordert, kann es Krimi aber auch Romance sein. Die Vielfalt macht das Gewürz für mich !

Passiert es Ihnen häufig, dass man Sie in ein bestimmtes Rollenmuster steckt und Ihnen oftmals gar nicht die Chance gibt, sich auch anderweitig als Schauspielerin zu beweisen? Oftmals sind Schönheit und ein perfektes Aussehen, wie es bei Ihnen der Fall ist, sicherlich auch hinderlich, oder?

S.L: In Deutschland leider ja. Ich weiß nicht woran es liegt, aber ich vermute es ist der Mut, der den Sendern und Produzenten fehlt, mehr mit visuell attraktiven Frauen zu arbeiten. Sie glauben, diese sind nicht authentisch genug oder trauen ihnen einfach zu wenig Schauen wir in unsere Nachbarländer oder nach Amerika – dort ist es ein MUSS, dass man visuell attraktiv ist  .Aber die Deutschen waren schon immer etwas eigen wenn es um Selbstwert, Selbstliebe und Nationalbewusstsein ging. Das äußert sich dann eben auch in diesen Kanälen.Sie wirkten nicht nur in TV Serien mit, sondern auch in Kino-Filmen. Was stellt für Sie eine größere Herausforderung dar – Serien zu drehen oder Teil einer großen Kino Produktion zu sein?Beides hat seine Anforderungen. Ich selbst mache da keine Unterschiede und gebe IMMER alles was ich kann. Aber- es ist schon ein komisches gefühl, zu wissen, dass dass was man beim Kinofilm dreht, dann einmal riesig auf einer leinwand zu sehen sein wird.

S.L: Wie kann man sich einen Drehtag bei einer Serie und bei einer Kino Produktion vorstellen? Gibt es Unterschiede?

S.L: Nein, an sich sind keine Unterschiede zu verzeichnen.

Viele Schauspieler behaupten, es sei Ihnen oftmals lieber, auf einer Theaterbühne zu stehen und direkt vor Publikum zu spielen als „nur“ vor einer Kamera. Wie ist das in Ihrem Fall?

S.L: Ich bin überhaupt kein Theatermensch, weil ich sehr sensibel bin. Ich bekomme ALLES mit was in einem Raum energetisch passiert. Auf einer Bühne würde ich regelrecht „erschlagen“ werden von meinen sensitiven Eindrücken .

Ab 1999 haben Sie eine weitere Gesangsausbildung absolviert. Des Weiteren sind Sie auch als Komponistin und Songwriterin tätig, was oftmals viele Menschen gar nicht wissen. Wäre es Ihnen ein Anliegen, den Gesangsbereich noch stärker zu betreiben und auch als Sängerin noch bekannter zu werden?

S.L: Das war mein ein Traum von mir, da ich so gerne singe, aber. Auch da ist der Markt in D viel zu eigen. Die ausländischen Produktionen haben einen viel zu Hohen Anteil im Radio, anders als in jedem anderen Land der Welt haben wir keine wirkliche Deutsche Interpretenquote, die vorgibt, dass 80 % der Titel aus dem Inland kommen muessen. Ergo: Auch da….haben wir zu wenig Selbstwert, Selbstliebe und Nationalstolz unseren Künstlern gegenüber. Das hab ich bald erkannt und singe nun wenn es sich anbietet, wie aktuell den Titelsong meines letzten Kinofilmes „Baked Beans. Das Remake von Que Sera von Doris Day. Selbst komponieren tu ich nur noch für mein Gemüt ;-)

Dass Sie ein wahres Alroundtalent sind, zeigt die Tatsache, dass Sie 1997 die internationale Modelagentur  „Most Wanted Models“ gründeten und nun insgesamt 4 Unternehmen leiten. Wie kamen Sie dazu, diesen Weg zusätzlich einzuschlagen und in der Modewelt tätig zu werden?

S.L: Wir muessen genau sein. Von den 4 Firmen sind nur 2 etwas in der Modewelt .

Wie kam es dazu ?S.L: Ganz einfach. Ich hab sehr viel gedreht und habe dabei sehr viel Geld verdient. Und ich habe viele Kollegen getroffen und war eng mit denen im Austausch. Sie meinten zu mir „Sylvia, genieß es, als Schauspieler gibt es Jahre, da hat man keinen einzigen Drehtag – egal ob man Preise gewonnen hat oder viele Hauptrollen gespielt hat“ . Das nahm ich ernst und überlegte mir wie ich das verdiente Geld klug einsetzen kann sodass es mir in den Zeit des „weniger Drehens“ etwas „Geben“ kann, von dem ich dann leben kann. Ich hatte ein paar Jahre Erfahrung als Model , also dachte ich mir, könnte ich es mal versuchen mit einer Fotomodelagentur. So kam es, dass ich mit 22 Jahren die Most Wanted Models gründete. Zu 100 % aus eigenem Kapital. Nicht einmal einen Dispokredit hatte mir die Bank gegeben, weil man als Jungunternehmer zu risikobehaftet ist…Kaum war Most Wanted in den schwarzen Zahlen, kamen mir neue Ideen, Dinge die es noch nicht gibt und die bald auf die Welt gebracht werden wollten. Das ist bei allen anderen 3 Firmen der Fall. Es sind alles Erstlingsideen, die sicher im Laufe der Zeit Nachahmer finden, aber ich war die erste, die die Ideen initiierte. Weltweit.

Die Liste Ihrer Tätigkeiten setzt sich noch fort: Sie sind Moderatorin, gründeten mit Ihrer Schwester Doreen ein weltweites Internetnetzwerk für Heilwissenschaften und deren Anbieter, ein Netzwerk für Pferdeliebhaber und Reiter und 2010 gründeten Sie Secondglam, eine Plattform, die sich auf den weltweiten Handel für Secondhandware spezialisiert hat. Wie behalten Sie bei all diesen Tätigkeiten noch den Überblick und was liegt Ihnen am meisten am Herzen, wenn man dies überhaupt sagen kann?

S.L: Ich lebe ausschließlich aus dem Herzen heraus. Alles was Sie da so bewundern oder als „viel“ interpretieren – sind Herzensprojekte. Wie eigene Kinder, die ich über alles liebe. Fragen Sie mal eine Mutter wie die mit ihren vielen Kindern klarkommt ….und sie werden immer die Antwort hören, dass es nicht so schlimm ist weil man diese ja sooo liebt. Genauso ist das bei mir. Die Worldangels werden das erste spirituelle Netzwerk weltweit. Dort geht es mir darum Menschen zu helfen !Horse-networx ist für alle Pferdefreunde ein perfektes Netzwerk um sich auszutauschen.Secondglam trifft den Puls der Zeit, in dem man dort luxuriöse Sachen selbst verkaufen und kaufen kann….ein Hobby von mir, da ich es nicht einsehe immer soviel Geld für Namen auszugeben. Den Überblick kann ich behalten durch ein großes und sehr gut funktionierendes Team, welches mir den Rücken freihält. Jeder Unternehmer ist nur so gut wie seine Mitarbeiter. Das weiß ich zu schätzen und schreibe daher Respekt ganz weit oben auf meine „menschlichen Fahnen“

Viele fragen sich bestimmt auch, ob Ihnen ein oder zwei Aufgaben nicht auch genügen würden. Sind Sie ein Workaholic?

Ja diese Frage stellen all die Menschen, die das Geheimnis der geistigen Fülle, der Kreation nicht kennen. Ich lebe diese geistige Fülle. Ich erlebe sie und BIN daher ein Mensch der Kreation. Ich erschaffe mir mein Leben, jeden Tag neu….in Liebe. Das ist weit weg von dem was ihr Workaholic bezeichnet, denn es ist ausgeglichen, ruhend, fließend, warm, sich sehr bewusst und wissend.

Wie verbringen Sie Ihre sicherlich knapp bemessene Freizeit?

S.L: Mit Nichtstun und mit meinem wunderbaren Mann . Ich „verschwende“ mit ihm Zeit und dehne sie dadurch ins Unendliche aus !

Welche Ratschläge würden Sie jungen Talenten, die gerne in Ihre Fußstapfen treten möchten, aber nicht das Glück haben, spontan entdeckt zu werden, geben?

S.L: Jeder Mensch sollte erkennen, dass das Leben eine Abfolge vieler Chancen und Möglichkeiten ist. Die meisten erkennen diese Chancen nicht und wundern sich warum nichts in ihrem Leben „passiert“, dass die ihrem Traum näher bringt.Das Leben „passiert“ aber nicht einfach, sondern wir kreieren es !!! Also, geht hinaus in die große weite Welt, erzählt von Euren Träumen, glaubt fest an sie und arbeitet fleißig an ihnen. Dann werden sie eines Tages so real geworden sein wie alles was uns umgibt. Ich habe anfangs auch JEDES Wochenende in der Agentur gearbeitet, über viele Jahre wenig Geld gehabt, mir bis heute kein Auto gegönnt, aber so fest an meinen Träumen gearbeitet, dass sie Wirklichkeit wurden. Die meisten geben zu schnell auf, doch das Schicksal prüft unseren Willen an den Wiederständen ! Wer mehr überwindet wird mehr ernten .

Ist es heutzutage sehr schwer, sich als Künstler/in zu etablieren und sich einen Namen zu machen? Vor allem im Zeitalter von Castingshows und dem kurzlebigen Erfolg der Sieger…

S.L: In D ja. Die Deutschen fördern keine Künstler. Deutschland ist daher eine denkbar schlechte Basis. Ich rate jedem der künstlerische Ambitionen hat, entweder ins Ausland zu gehen und dort zu versuchen Fuss zu fassen, oder sich noch ein weiteres Standbein aufzubauen, dass ihn unabhängig macht.

Welche Wünsche für die Zukunft haben Sie und vor allem: Gibt es noch weitere Projekte, die in Planung sind?

S:L: Ich wünsche mir, dass die Menschen schnell erkennen, dass wir alle nur Gast sind hier auf diesem wunderbaren Planeten. Wo ich Gast bin, bin ich repektvoll. Und ich wünsche mir, dass sie erkennen, dass wir viel mehr sind als nur der Körper der diese Zeilen liest. Dazu schreibe ich gerade ein Buch „Das 1×1 des Seins“ und ich wünsche mir natürlich, dass es den Menschen bei diesem Weg helfen kann.Capre vitam- nutzt das Leben ! Denn es kann morgen schon vorbei sein.

 

Bericht: Franziska Maier

Foto: Copyright: Alan Ovaska sowie http://vpqv.net/

 

Erfahren Sie noch mehr über Sylvia Leifheit auf Ihrer Homepage:

 

www.sylvialeifheit.de/

Franziska Maier

Franziska Maier

> Offizielles Mitglied der "bdfj" Bundesvereinigung der Fachjournalisten e.V. > Studium der Germanistik, Geschichte, Politikwissenschaft und ev. Theologie* Beruf der Realschullehrerin (inkl. des Amtes der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit) > Journalistische Tätigkeit bei diversen Magazinen (Veröffentlichung von Artikeln u.a. bei Da Capo, Thats Musical, Blickpunkt Musical, Esslinger Zeitung...)