Münchener Freiheit live in Bargau

Es gibt EIN nächstes Mal!

Die Münchener Freiheit rockt das Festzelt in Bargau

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Bargau, ein Teilort von Schwäbisch Gmünd, im Osten Baden-Württembergs – als beschaulich, ja beinahe idyllisch, lässt sich dieses Städtchen bezeichnen. Jedoch änderte sich dies am Freitag, den 15. Mai 2015 schlagartig. Eine wahre Völkerwanderung setzte gegen 19 Uhr in Bargau ein. Frauen, Männer jeglichen Alters, ja auch Kinder machten sich auf, um das Festzelt, welches auf einer Wiese am Rande des Ortes aufgebaut wurde, zu stürmen. Der Grund für dieses Spektakel?

Die Heimkehr des „verlorenen Sohnes“, pardon, eines sehr berühmten ehemaligen Bewohners. Die Rede ist von keinem Geringeren als Aron Strobel, dem Gitarristen der Band Münchener Freiheit. Für einen Abend wurde aus Bargau also „ARONStadt“ und das wurde lautstark bekundet, vor allem, als die Band gegen 20.30 Uhr die Bühne des ausverkauften Festzeltes betrat. Herrschte noch zuvor bei der Vorgruppe Balloon gediegene Stimmung, so verwandelte sich diese bei den ersten Klängen von „SOS“ in einen Hexenkessel. Schlagartig wurden Leberkäsbrötchen, Bier, Schnitzelwecken (Wecken = schwäbische Bezeichnung für Brötchen  ) und Co Beiseite gelegt, die Hände schossen in die Höhe, frenetischer Applaus und „Aron-Rufe“ ertönten.

Doch nicht nur Aron Strobel wurde bejubelt, auch die restliche Band wurde gefeiert und man fühlte sich zurückversetzt in die Anfangszeiten der Gruppe, die im Jahr 1980 von Stefan Zauner, der bis 2011 als Leadsänger und Komponist tätig war, gegründet wurde. Einst benannt nach einer U-Bahnstation in München-Schwabing, etablierte sich das Quintett, zu dem noch Bassist Michael Kunzi, Schlagzeuger Rennie Hatzke, Keyboarder Alex Grünwald und nach Zauners Ausstieg nun auch der neue Sänger Tim Wilhelm gehören, im Laufe der Jahre. Erste Achtungserfolge erlangte die Band zur Zeit der „Neuen Deutschen Welle“, der wahre Durchbruch gelang jedoch Mitte der 80er, mit dem Hit „Ohne dich (schlaf ich heut Nacht nicht ein)“. Als Stammgäste der legendären ZDF Hitparade besetzte die Münchener Freiheit fast ausschließlich die ersten Plätze – viermal wurde ihnen die „Goldene Stimmgabel“ überreicht, auch die „Berolina“ oder die „Goldene Europa“ gehören zu den nennenswerten Auszeichnungen. Ja, sogar eine Teilnahme am Eurovision Song Contest im Jahr 1993, bei dem die Kombo mit „Viel zu weit“ antrat und somit vor einem Millionenpublikum live spielte, dürfte durchaus erwähnenswert sein. Doch was ist nun das Erfolgsrezept dieser Band, die nun seit über 35 Jahren das Publikum fasziniert?

Die eingängige Musik ist sicherlich eine wichtige Komponente, doch darüber hinaus ist es viel bedeutsamer, dass auch die zwischenmenschliche Ebene innerhalb der Band stimmt. Und dass man gemeinsam Krisen übersteht – eine sicherlich schwierige Zeit durchlebte die Gruppe, als Stefan Zauner, der als „die Stimme der Münchener Freiheit“ galt, die Band verließ, um sich nun seinen Soloprojekten zu widmen. Es war nicht einfach, einen mindestens gleichwertigen „Ersatz“ zu finden, doch es grenzt beinahe an ein Wunder, dass ein junger, dynamischer Sänger sich bereit erklärte, das Wagnis einzugehen: Jörg-Tim Wilhelm, genannt TiM, der als ausgebildeter Sänger, Moderator und Schauspieler bereits etliche Bühnenerfahrung vorweisen konnte und dessen Stimme perfekt zu den Münchener Freiheit Titeln passt. Blieb nur noch eine Frage offen: Wie werden die langjährigen Fans den „Neuzugang“ akzeptieren? So war es nicht verwunderlich, dass die „Lager“ gespalten waren, doch TiM schaffte das zuerst als unmöglich eingestufte: Er überzeugte und besonders bei Live Auftritten, wie nun auch in Bargau, merkt man: TiM singt nicht nur die Titel, er lebt sie! Wie ein Wirbelwind fegt er über die Bühne, bei den rockigen Klängen animiert er das Publikum zum Mitklatschen und Mitsingen, bei ruhigen Songs hängen die Zuschauer an seinen Lippen und zücken ihre Handys, die via elektronischer Taschenlampenfunktion die ehemals nostalgischen Feuerzeuge ersetzen. TiM wurde akzeptiert und für die restlichen vier Bandmitglieder gilt er als großer Glücksgriff. Die 5 harmonieren perfekt, sie werfen sich immer wieder Blicke zu, verstehen sich blind. Ein Lächeln zu Micha, eines zu Aron, Headbanging mit Alex oder Scherze mit Rennie. Diese „neue Freiheit“ erlebte eine Wiedergeburt, ja, eine regelrechte Verjüngungskur.

So lässt sich auch das Resultat, das aus dieser neuartigen Zusammenarbeit mit TiM entstanden ist, beschreiben: Die CD „Neue Freiheit“ schlägt bewusst etwas rockigere Klänge an. Natürlich kommen auch die Fans des harmonischen, mehrstimmigen Gesanges, für den die Münchener Freiheit so bekannt und beliebt ist, auf ihre Kosten. Doch es ist auch eine neue Spielfreude herauszuhören. Ebenso wie in Bargau, pardon, „ARONStadt“. Das Publikum tanzt auf den Bierbänken und vergisst teilweise alles um sich herum. Hit auf Hit wird eifrig mitgesungen und beklatscht. Die Playlist ist lang und kein Ohrwurm darf fehlen: Tausendmal du, So heiß, Du bist Energie für mich, Ich steh auf Licht, Sommernachtstraum (bei dem Keyboarder Alex Grünwald wieder ein beeindruckendes Intro erklingen lässt), Es gibt kein nächstes Mal, Herzschlag ist der Takt, Oh Baby, Herz aus Glas, Bis wir uns Wiederseh´n, aber auch neue Titel, wie u.a. Meergefühl, erklingen und begeistern.

Bei „Solang man Träume noch leben“ kann lässt TiM das Publikum einige Zeilen alleine singen – gegen die Stimmgewalt der Bargauer können die berühmten Fischer-Chöre sich beinahe verstecken.

Nach über zwei Stunden und einigen Zugaben verklingen die letzten Töne auf der Bühne. Doch selbst als das Licht das Festzelt wieder komplett erhellt, sind die Fans nicht zum Gehen zu bewegen. Sie warten noch auf „ihre“ Jungs, allen voran TiM Wilhelm, der mit Ausdauer und Hingabe jeden Foto-und Autogrammwunsch erfüllt.

Die Münchener Freiheit ist wieder zurück  – stärker denn je, voller Power, Spielfreude und was noch viel wichtiger ist: Menschlichkeit! So galt die Band einst als eher unnahbar – mit ihrem guten und durchgestylten Aussehen, dem Perfektionismus ihrer Auftritte sowie ihrer Vorsicht Fans gegenüber (die zu Recht auch angebracht war, als die Gruppe sich kaum vor Fans retten konnte und gezielt abgeschirmt werden musste). Am Perfektionismus und dem Aussehen hat sich kaum etwas verändert, doch die Fans sind nun mit der Band „mitgewachsen“ und es sind keine großen Barrieren mehr nötig, um die Musiker abzuschirmen. Die Münchener Freiheit ist eine Band zum Anfassen und besonders TiM Wilhelm sucht den Kontakt zu seinem Publikum. Auch in facebook kann man mit der Band kommunizieren. Die Zeiten ändern sich und auch wenn es die Münchener Freiheit nun in neuer Besetzung gibt, so ist dies  kein Grund, um an der Qualität oder ihrer Leistung zu zweifeln. Das „Schubladendenken“ der heutigen Gesellschaft wird hier völlig neu definiert. Die Münchener Freiheit lässt sich nicht mehr in eine Schublade stecken – sie setzen neue Maßstäbe mit ihrer Musik, verbinden ihre großen Hits mit den neuen Titeln. Sie spielen wieder verstärkt Live Konzerte, suchen den Kontakt zu ihrem Publikum und etablieren dadurch auch ihre aktuelle CD. Der Weg der „neuen Freiheit“ dürfte daher eindeutig sein: Alle Konzertbesucher des Festzeltes in Bargau werden wieder kommen, wenn „ihre Jungs“ spielen und nicht nur diese…. Das wichtigste Motto jedoch, das die Geschichte der Gruppe von Anfang an begleitete, lautet nach wie vor: Solang man Träume noch leben kann!

Fotos und Bericht: Franziska Maier

Infos über die Band und neue Live Termine. www.muenchenerfreiheit.de

MF auf facebook: https://www.facebook.com/MuenchenerFreiheit?fref=ts

Franziska Maier

Franziska Maier

> Offizielles Mitglied der "bdfj" Bundesvereinigung der Fachjournalisten e.V. > Studium der Germanistik, Geschichte, Politikwissenschaft und ev. Theologie* Beruf der Realschullehrerin (inkl. des Amtes der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit) > Journalistische Tätigkeit bei diversen Magazinen (Veröffentlichung von Artikeln u.a. bei Da Capo, Thats Musical, Blickpunkt Musical, Esslinger Zeitung...)