OTHELLO RELOADED – Theater Trier

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Der Shakespear-Klassiker mal anders. Das verspricht das Theater Trier mit seiner Neuinszenierung von Othello, die am 20. Juni 2015 uraufgeführt wurde. Und verspricht nicht zu viel. Sven Sorring (Texte / Musik) und Gerald Landschützer (Musik) haben mit Intendant Gerhard Weber eine sehr moderne und rockige Fassung geschaffen. Mit dieser Inszenierung nimmt Weber (65) nach 11 Jahren Intendanz lautstark Abschied und lässt es noch einmal richtig krachen.

Othello reloaded spielt im Jahre 2040 auf einer Air-Base einer fiktiven Insel im Süd-Pazifik und kommt daher sehr futuristisch daher. Die gewählte Location, die alte Fabrikhalle 6 des Bobinet-Geländes, bietet dafür die perfekte Kulisse. Obwohl das Original vor über 400 Jahren geschrieben wurde, hat es an Aktualität und Brisanz an nichts verloren.
Der ruhmreiche General und Pilot einer Bomberstaffel Othello heiratet das Starmodel Desdemonda ohne das Wissen deren Vaters. Wegen seiner dunklen Hautfarbe ausgegrenzt und angefeindet wird er schnell Opfer des Intrigenspiels Jagos, dem Chef einer Sicherheitsfirma. Dieser manipuliert den Kriegsreporter Cassio, den Offizier Roderigo und seine eigene Ehefrau Emilia und schürt mit deren Hilfe die Eifersucht Othellos. Hochgepuscht von Gewalt und Drogen nimmt das Drama seinen Lauf. Machtbesessen und ohne jegliche Rücksicht auf Verluste liefert Jago alle ans Messer. Othello erkennt das böse Spiel viel zu spät. Im Wahnsinn ermordet er erst seine Frau, dann sich selbst.

In der Titelrolle Othello ist Andrea M. Pagani zu sehen. Die Rolle fordert eine hohe Präsenz, ausgeprägte Rock-Stimme von Bariton bis Tenor und facettenreiches Spiel, was er in jeder Szene, vom geachteten General, siegreichen Piloten, verliebten Ehemann bis zum von der Eifersucht zerfressenen und dem Wahnsinn verfallenen Amokläufer, problemlos meistert.
Nadine Eisenhardt spielt seine Frau Desedemonda. Mit klassisch angehauchter rockiger Stimme singt sie sich problemlos durch die Rolle und überzeugt auch schauspielerisch egal ob frsich gebackene, verliebte Ehefrau, umjubeltes Model und Modelabel-Chefin oder verzweifelte, an der Liebe zerbrechende Frau.
Kein geringerer als Sven Sorring selbst ist in die Rolle des Jago geschlüpft. Durch seine intriganten Machtspiele ist er nicht gerade der Sympathieträger des Stückes, punktet aber mit guter Stimme, hoher Präsenz und fiesem Spiel.
Ihm zur Seite als Ehefrau Emilia steht Sabine Brandauer. Anfangs eher eine stumme Rolle, entwickelt sie sich im Laufe des Stückes zu einer starken Frau mit herausragender Stimme, die ihrer Herrin Desdemonda bedingungslos zur Seite steht, letztendlich aber den gesponnenen Intrigen ihres Mannes ebenso zum Opfer fällt.
Als Cassio steht Jan Schuba auf der Bühne, als Roderigo Daniel Kröhnert. Beide werden von Jago instrumentalisiert und bezahlen ihre Gutgläubigkeit letztendlich mit dem Leben. Mit einer sympathischen Prise Naivität spielen und singen sich beide überzeugend durch die Rollen und haben das Publikum schnell auf ihrer Seite.
In weiteren Rollen zu sehen sind: Klaus-Michael Nix (Brabantio/Lodovico), Christian Miedreich (Montano), Jan Brunhoeber (Dodge), Friederike Majerczyk (Bianca) sowie das Ensemble des Tanztheater Trier, welches das Stück unter der Choreografie von Alister Noblet mit starken Tanzszenen würzt.

Die Kostüme von Alexandra Bentele sind teilweise etwas gewöhnungsbedürftig. Während die Damen mit schönen farbigen Kleidern klassisch gehalten sind, haben die Herren futuristische Anzüge, die an eine Mischung aus Science Fiction und Militär erinnern. Die aus elektronischen Bauteilen zusammengesetzten Helme erinnern eher an einen spontanen Griff in die Schrottkiste eines Elektro-Fachhandels. Dagegen sind die Kostüme des Tanzensembles wiederum schlüssig und den Szenen angepasst.
Das Bühnenbild von Gerhard Weber, Bernhard Müller und Mike Grünwald ist in der alten Fabrikhalle schlicht gehalten. Die wenigen Elemente wie Tonnen, Kanister, fahrbare Wagen mit Metallstegen, kleine Treppen und große Metallpalmen werden je nach Szene mit Manpower platziert.
Die klassisch besetzte Rockband unter der Leitung von Gerald Landschützer lässt die Wände der Halle wackeln und reißt mit. Als Zuschauer still zu sitzen fällt wahrlich schwer.

Die Tontechnik unter der Leitung von Stefan Kaindl hat für den richtigen Sound ganze Arbeit geleistet. Musik und Gesang sind perfekt abgemischt, nichts ist zu laut oder leise.
Während die Songs in Englisch gesungen werden, sind die Dialoge in Deutsch, aber original Shakespear, von Frank Günther übersetzt. Intendant Weber hält sich strikt an die Erzählweise und die 5 Akte des Originals.

Mit Othello reloaded wird Intendant Gerhard Weber dem Trierer Theater-Publikum sicher noch lange in Erinnerung bleiben. Alte Literatur neu und modern erzählt, dazu mitreißender Punk-Rock vom Feinsten. Dabei werden die Grundthemen wie Rassismus, Ausgrenzung, Karrieresucht und Macht auf Kosten anderer nicht außer Acht gelassen sondern deren Auswirkungen mit viel Dramatik und Emotionen eindrucksvoll zum Ausdruck gebracht.

Othello reloaded“ im Theater Trier noch zu sehen bis 11. Juli 2015.

Infos und Tickets unter www.theater-trier.de

Bilder: Theater Trier

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Sabine Boehm

Sabine Boehm

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