Peter Maffay in concert

Ein Streifzug durch 40 Jahre Musikgeschichte – Peter Maffay + Band, begleitet vom Philharmonic Volkswagen Orchestra, live in der Stuttgarter Schleyerhalle

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Mittlerweile kann Deutschrocker Peter Maffay auf rund 40 Jahre Musikgeschichte zurückblicken – doch wer glaubt, der 61jährige Künstler würde am liebsten nur noch leise Töne von sich geben und seine Songs Gitarre spielend auf einem Klappstuhl vortragen, der irrt sich gewaltig! Das, was Peter Maffay am 29.11.2010, gemeinsam mit seiner hervorragenden Band, den gut 10 000 Zuschauern in der Stuttgarter Schleyerhalle präsentierte, war alles andere als leise!

So wandelte sich auch Maffays Musikstil im Laufe der Zeit – vom gern gesehenen Gast der „ZDF Hitparade“, der sich, bekleidet mit Plateauschuhen und Schlaghose, mit Schmuseballaden wie „Du“ oder „So bist du“ in die Herzen des Publikums der 70er Jahre sang, hin zum Alround-Musiker, der sich auch nicht davor scheut, zeitkritische Texte sowie Musik aus anderen Ländern und Kulturen aufzugreifen. Dass Peter Maffay im Grunde seines Herzens aber ein Rocker ist, zeigte sich auch bei dem dreistündigen Konzert. So begann er die Show, zur Verwunderung des Publikums, auf einer kleinen Bühne, die mitten im Saal platziert war, begleitete sich nur mit Akustikgitarre beim Song „Schatten in die Haut tätowiert“ – doch als dann das offizielle Programm auf der großen Bühne startete, kam Maffays wahre Leidenschaft zum Zuge: Auf einer Harley Davidson platziert, fuhr der Sänger auf die Bühne und das Publikum quittierte diese Aktion mit großem Beifall. Interessant und auch gleichzeitig äußerst atypisch war die Tatsache, dass der gesamte Innenraum der Halle bestuhlt war. Evtl. wurde auch berücksichtigt, dass auch Maffays Fangemeinde im Laufe der 40 Jahre nicht jünger wurde, doch ein wahrer Peter Maffay Fan steht das gesamte Konzert und so hielt es etliche begeisterte Zuschauer beim zweiten Titel „Sonne in der Nacht“ nicht mehr auf den Plätzen – sie stürmten den Bereich vor der Bühne, zur Freude von Peter Maffay und seiner Band, die somit doch wieder das gewohnte Konzertfeeling der vergangenen Jahre erleben durften, aber auch zum Leidwesen der Zuschauer, die sich stolz Karten in den ersten Reihen reservierten, in der Hoffnung, ein gemütliches Sitzkonzert aus dieser hervorragenden Perspektive erleben zu dürfen – nun hatten diese mit den stehenden Leuten und Sichtproblemen zu kämpfen! Aber das gehört einfach dazu, genauso wie ein imposanter Sound. Für Zartbesaitete sind Peter Maffays Konzerte nichts oder man sollte direkt Ohrstöpsel mitbringen. Vor allem bei den rockigen Liedern drehte die Band auf, teilweise ertönten drei bis vier E-Gitarren, dazu Bertram Engels Schlagzeug und noch das Philharmonic Volkswagen Orchestra, welches beeindruckend auf der Bühne platziert war, jedoch gar nicht soviel Gehör fand bei den vorwiegend rockigen Liedern, bei denen eindeutig die Band dominierte. Bei den Balladen allerdings konnte das Orchester voll aufspielen und besonders bei der Zugabe „Nessaja – Ich wollte nie erwachsen sein“, aus Peter Maffays Erfolgsmusical „Tabaluga“, erklang das Orchester als wahrer Ohrenschmaus. „Normalerweise sieht man diese Herrschaften nie,“ so Peter Maffay über die Musikerinnen und Musiker des Orchesters „sie sitzen stets in einem Orchestergraben versteckt, aber das wollten wir nicht, darum sind wir froh, dass einige der Musiker schwindelfrei sind und so hoch über der Bühne sitzen!“

Dass besonders die Klassiker, wie u.a. auch „Über 7 Brücken musst du geh´n“ großen Anklang beim Publikum fanden, ist eindeutig klar. Textsicher sang die gesamte Zuschauerschar mit und Peter Maffay genoss es sichtlich. Bei „Du“ wurde auch „Mr. Hitparade“ Dieter Thomas Heck über die großen Monitorleinwände eingespielt, dazu lief eine Bildergalerie während des Songs, die Maffay in den 70ern zeigte – auf amüsierte Lacher des Publikums konterte Maffay schlagfertig: „Was wollt ihr denn, früher hat man so ausgesehen und ich fand das damals toll!“ Dass der Sänger auch ein Mann des Volkes und ein Künstler zum Anfassen ist, bewies er im Laufe des Abends mehrfach – so suchte er immer wieder die Nähe des Publikums, ein Fan wollte ihr Idol gar nicht mehr loslassen und eine junge Frau durfte das Bühnenfeeling live erleben, da Maffay sie kurzerhand mit auf die Bühne nahm. Ob nachdenkliche Ansagen, kleine Scherze oder auch Rückblicke auf 40 Jahre Musikkarriere – Peter Maffay verstand es, passend zwischen den Songs überzuleiten. Dabei kam auch sein großes Interesse und Engagement für Notleidende zur Sprache.

Ein halbstündiger Akustik-Block, auf der kleinen Bühne im vorderen Teil der Halle, sorgte in diesem großen und lauten Showspektakel für ruhigere Stimmung – so lädt Maffay auch gerne Künstler, die er für besonders begabt hält, in seine Shows ein. Diesmal durfte der Mundharmonika Spieler Chris Kramer bei der Jam-Session teilnehmen. Und auch Peter Maffays geniale Band kam mit einigen Songs zum Zuge: So dürfen Schlagzeuger Bertram Engel, die Gitarristen  Carl Carlton und Peter Keller, Pascal Kravetz (Keyboard und Gitarre), sein Vater Jean-Jacques Kravetz (Keyboards) sowie Bassist Ken Taylor Lieder aussuchen, die sie auch teilweise dann als Sänger zum Besten geben – in Stuttgart wurden Robert Palmers „Addicted to love“, der ZZ Top Song „Gimme all your lovin´“ oder auch der Golden Earring Hit „Radar Love“ präsentiert.

Gegen Ende des Konzertes stand dann beinahe der gesamte Saal und selbst auf den Rängen hielt es die Zuschauer nicht mehr auf ihren Plätzen. Ohne Pause rockten Peter Maffay und seine Bandkollegen drei Stunden am Stück – ein schweißtreibendes Unterfangen, doch es schien so als hätte Maffay noch ein paar Stunden länger auf der Bühne stehen und singen können. Dass die Musik für ihn eine wahre Leidenschaft und Berufung ist, kam auch in der Ballade „Meine Musik“, bei der er ausschließlich nur von Cello und Piano belgleitet wurde, zur Geltung.

Peter Maffay ist für alle, die ihn in den vielen Jahren begleitet haben, ein Idol, ja gar ein Held. Außerdem aber noch ein Mensch zum Anfassen, der nicht als abgehobener Star eine coole Show präsentiert und dabei keinen Blick für sein Publikum hat. Im Gegenteil – Maffay sieht den Menschen direkt in die Augen oder in die Herzen – einem kleinen Mädchen im Zuschauerraum ließ er Ohrstöpsel bringen, damit es keinen Hörschaden bekommt und dass seine Shows in keinstem Maße nur aus der Retorte stammen, zeigt auch die Spielfreude aller sowie die kleinen Gesten, die auch demonstrieren, wie harmonisch die Bandmitglieder miteinander umgehen – Respekt, Verstand und Herz, das sind die Attribute, die Peter Maffay glaubwürdig vermittelt und natürlich hoffen alle Zuschauer des Abends, dass es auch noch ein 50jähriges Bühnenjubiläum von Peter Maffay geben wird!

Foto: ddp

Bericht: Franziska Maier

Franziska Maier

Franziska Maier

> Offizielles Mitglied der "bdfj" Bundesvereinigung der Fachjournalisten e.V. > Studium der Germanistik, Geschichte, Politikwissenschaft und ev. Theologie* Beruf der Realschullehrerin (inkl. des Amtes der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit) > Journalistische Tätigkeit bei diversen Magazinen (Veröffentlichung von Artikeln u.a. bei Da Capo, Thats Musical, Blickpunkt Musical, Esslinger Zeitung...)